„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

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Mein kleines Hütchenwunder nach 7 Monaten

Von Esther |
Liebe Regine 
Ich lese, seit ich schwanger wurde, immer gerne die Beiträge auf stillkinder.de und will gerne auch meine Stillgeschichte teilen. 

Mit dem Lesen der Artikel und auch deines Buches haben sich in mir immer mehr Bilder von einer harmonischen, langen Stillbeziehung mit meinem Sohn geformt, insbesondere von einem entspannten und liebevoll begleiteten Start nach der Geburt in dem von uns gewählten Geburtshaus.

Niemals kamen in meinen Vorstellungen Stress, Schwierigkeiten oder Hilfsmittel vor, aber leider kam es ziemlich anders als geplant. Vielleicht kann ich mit unserer Geschichte auch einer anderen Mutter in einer ähnlichen Situation ein bisschen Mut machen oder auch einfach die Zeit verkürzen.

Hier meine Geschichte:

Unser Sohn kam nach einer Bilderbuchschwangerschaft termingerecht am 4.10.19 auf die Welt, nachdem ich wegen eines Wehensturms vom Geburtshaus ins Spital verlegt wurde. 

Allerdings atmete er nicht und und hatte einen sehr schlechten Thrombozytenwert, dazu kamen drei Löcher im Herz.

Er wurde sofort reanimiert und mit dem Krankenwagen ins Universitäts-Kinderspital verlegt und verbrachte danach die ersten zehn Tage seines Lebens auf der Intensivstation.

Er kam mit einer leichten Alloimmun-Thrombozytopenie zur Welt. Darum waren seine Thrombozyten sehr niedrig.

Nachdem er in den ersten Tagen eine Transfusion erhalten hatte, erholte er sich selber sehr schnell und war bald stabil.

Die Magensonde wurde nach einigen Tagen gezogen. Die Fläschchen aber blieben (immerhin mit meiner Muttermilch), weil ich nicht ständig anwesend sein konnte, und Stillen war in den ersten stressvollen Tagen nur in meinen Wünschen möglich.

Meine Träume davon, wie mein Schatz seinen Weg an die Brust selber findet, die Nabelschnur auspulsiert und wir einen ganz entspannten Start in unsere (Still-)Beziehung hinlegen, verpufften schnell und brutal.

Meine Versuche nach einigen Tagen auf der Intensivstation zu stillen waren nicht unbedingt erfolgreich und die vielen Hände der Pflegerinnen, Stillberaterinnen und Hebammen, die, sicher mit guten Absichten, an uns herumdrückten, haben auch nicht geholfen.

Nach einiger Zeit war ich so weit, den Versuch mit einem Stillhütchen zu wagen, obwohl ich mir felsenfest vorgenommen hatte, dies niemals zu tun (der Begriff alleine klang für mich schon nach Versagen und meinem Kind schlechtes tun). Aber er trank damit sehr gut und ich war erst einmal einfach nur erleichtert darüber.

Als wir dann zu Hause waren, hat uns unsere Hebamme mit viel Geduld und Wissen unterstützt, um das Stückchen Plastik wegzubekommen (wie sie uns auch in allen anderen Punkten unglaublich gut und einfühlsam unterstützt hat), und auch die Vorschläge von Deinem Blog habe ich probiert, aber leider hat es nicht geklappt.

Zudem hatte mir meine Hebamme empfohlen, einmal am Tag gut abzupumpen, um die Brust vollständig zu entleeren und den Milchfluss aufrecht zu halten.

Dies hatte den guten Nebeneffekt, dass ich sechs Monate lang Milch an die Neonatologie spenden und selber einen Milchvorrat anlegen konnte, der meinem Mann viel Sicherheit gab, als ich begann in die Rückbildung zu gehen und auch mal kurz alleine unterwegs war.

Der Kleine hat meine Brust regelrecht ausgespuckt, angefangen zu weinen und nur mit dem Hütchen getrunken. Daher habe ich irgendwann beschlossen, dass wir halt für immer mit Stillhütchen leben und mir ganz viele davon angeschafft, damit immer eins in der Nähe ist und ich nicht ständig abwaschen muss.

Etwa einen Monat nachdem ich mich also damit angefreundet hatte, niemals ohne Hilfsmittel zu stillen, passierte schließlich mein kleines Wunder: Mein Sohn nahm, wie sehr oft beim Stillen, das Stillhütchen in die Hände und spielte damit. Irgendwann warf er es hinter sich und dockte – mir nichts, dir nichts – direkt an meine Brust an und begann zu trinken.

Ich konnte es nicht fassen und bewegte mich keinen Millimeter, damit er nur ja nicht wieder los ließe. In der Stille hörte ich ihn deutlich immer wieder schlucken und am liebsten hätte ich laut gelacht (was ich mich aber nicht traute aus Angst, dass er sofort loslassen und nie wieder so trinken würde).

Zu dem Zeitpunkt war er gerade sieben Monate alt und leider wussten weder er noch ich, wie man richtig andockt, so dass ich nach dieser Mahlzeit drei Tage eine schmerzende Brust hatte.

Somit begann ich, nach über einem halben Jahr, nochmal von vorne als Stillanfängerin.

Meine Begeisterung wandelte sich bald in eine gewisse Ratlosigkeit (und ein wenig Entsetzen), denn meine Brustwarzen wurden mit der Zeit beide wund und begannen zu bluten. Dazu kam ein Milchstau, worauf bald eine Brustentzündung folgte. Irgendwie wünschte ich mir das schmerzfreie Stillen mit Hütchen zurück…

Ich kontaktierte meine Hebamme, die auch Stillberaterin ist. Am nächsten Tag war sie da und verarztete mich, empfahl mir eine Salbe, entzündungshemmende Medikamente und Silveretten* aus der Apotheke, dazu viel Bettruhe und warme und kalte Wickel.

Also begab ich mich in die Apotheke, bekam anstelle der Silveretten aber Multi-Mam Kompressen*. Die halfen zwar ein wenig, aber zufrieden war ich damit nicht.

Nachdem ich eine Schachtel aufgebraucht hatte, ging ich in die nächste Apotheke und bekam Kompressen von Medela*. Diese waren zwar wiederverwendbar, aber ich konnte mich mit ihnen nicht anfreunden.

In der dritten Apotheke bekam ich dann meine Silveretten*, die ich fortan trug, und siehe: Meine Brüste heilten (allerdings trug ich dazu wieder Stilleinlagen, damit a) ich nicht immer aussah, als ob meine Nippel ganz hart wären und b) wenn sich zu viel Milch darin sammelte und diese austrat, nicht alles gleich nass wurde).

Zudem habe ich auch besonders auf die Anlegetechnik geachtet, dass die Nase vor der Brustwarze ist und er den Mund gut aufmachen muss. 

Er hatte – sehr wirtschaftlich – gelernt, den Mund nur gerade so weit auf zu machen, dass das Hütchen hinein passte. Das hat mich anfangs ziemlich herausgefordert, aber mittlerweile klappt es ganz gut.

Stillpositionen habe ich zwar weitere ausprobiert (wir stillen eigentlich immer in der Wiegeposition), aber ich konnte mich anders gar nicht richtig entspannen.

Zwei Monate nachdem mein Kleiner das erste Mal ohne Stillhütchen direkt an meiner Brust getrunken hat, sind wir nun gut eingespielt und stillen unkompliziert und schmerzfrei.

Mittlerweile hat sich das Stillen so gut eingependelt, dass ich mich wieder traue andere Positionen auszuprobieren. Wegen Corona arbeitet mein Mann aber tagsüber im Schlafzimmer und ich kann das Stillen im Liegen nicht so gut üben.

In der Nacht oder wenn er eingeschlafen ist, lasse ich ihn oft nicht so lange an der Brust bis er selber los lässt, sondern löse ihn von der Brust, wenn es mir unangenehm wird. Oft schläft er dann auch, wenn nicht biete ich nochmal die andere Seite an.

Erst jetzt kann ich es richtig genießen, auch in der Öffentlichkeit zu stillen. Ohne die ganzen Zwischenschritte, Sorgen über die Hygiene oder Angst zu spät nach Hause zu kommen, wenn ich kein Hütchen eingepackt habe.

(Wir fahren so viel Zug, und zu Beginn fand ich es sehr herausfordernd unterwegs zu stillen, aber mittlerweile macht es mir gar nichts mehr aus 😊.)

Ich glaube, dass es plötzlich ohne Hütchen geklappt hat, hat auch damit zu tun, dass er bereit für Beikost war. Kurz zuvor hatte er begonnen mit uns zu essen (breifrei). Daher denke ich, dass er seinen Mund und seine Zunge nun besser beherrschte als zu Beginn und so die „richtige“ Saugtechnik selber wieder lernen konnte, nachdem er so lange mit dem Hütchen anders trinken konnte.

Schlussendlich passiert es aber so, wie es passieren muss und offenbar war es trotz meinem Willen nicht meine Entscheidung, wann das Stillhütchen weg kommt.

Gute Vorbereitung und Gelassenheit helfen, den Alltag zu bewältigen. Ich hatte zwar eine Strategie gewählt, allerdings hatte die nicht funktioniert. 

Während der Schwangerschaft habe ich viel gelesen und mich aufs Stillen vorbereitet, daher hatte ich auch schon von einigen Problemen gehört und konnte auf dieses Wissen zurückgreifen. Die Gelassenheit kam leider ein wenig spät, beim nächsten Mal würde ich mich früher entspannen und es mehr dem Kind überlassen, wie es am besten und einfachsten essen und trinken will und kann.

Der Weg hierher war lange und manchmal schwer, aber für mich hat es sich gelohnt durchzuhalten, wenn ich sehe, wie mein Sohn trinkt und spielt und wächst und die Welt ganz unbekümmert entdecken kann. Dank dem Stillen spare ich mir die Sorgen um seine Nährstoff- und Flüssigkeitsversorgung, die ich ganz in die Beziehung zu ihm investieren darf und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Meinem Sohn geht es heute allgemein sehr gut. Eines der Löcher in seinem Herz hat sich bereits selbst verschlossen, eines ist mittlerweile so klein, dass es vernachlässigbar ist und eines ist noch da und muss alle drei Monate kontrolliert werden. Allerdings beeinflusst es unseren Alltag gar nicht, er zeigt keine Anzeichen von zusätzlichen Belastungen. Eine Operation war bisher nicht nötig.

Seit letzter Woche steht er selber auf, isst ziemlich alles, was in seine Reichweite kommt, und stillt auch immer noch fleißig. Dazu ist er ein richtig zufriedenes und freundliches Kind, das seine Bedürfnisse auch gut kommunizieren kann.

Meine Tipps für andere Mütter:
1) Mir hat es sehr geholfen, dass ich meine Hebamme schon kannte und wusste, dass ich mich ganz ungeniert an sie wenden kann, wenn ich etwas brauche. Auch wenn nichts weiter ist, würde ich jeder Frau empfehlen, sich in der Schwangerschaft eine gute Hebamme auszusuchen, die einem vor, während und nach der Geburt begleitet. Insbesondere nach einer schweren Geburt ist es umso wichtiger auch als Frau gut betreut zu werden.

2) Lieber einmal mehr oder früher fragen bzw. Hilfe suchen als später. Eine Brustentzündung zu vermeiden ist wesentlich einfacher und angenehmer als eine auszukurieren.

3) Es lohnt sich nicht, unnötigen Druck aufzusetzen. Es hat mir schlussendlich viel gebracht, dass ich mich in die Situation gefügt habe und so entspannt weiterstillen konnte. Von meinen Selbstvorwürfen und Zweifeln hatte niemand was, von der Entspannung hat dann aber die ganze Familie profitiert. Manches kann man nicht ändern und dann ist es auch okay, sich nach einigen Versuchen mit der Situation anzufreunden.

Vielen Dank für Deinen Blog, liebe Regine, der so ermutigend ist, und für die Plattform, die Du allen Müttern bietest, um die eigene Geschichte zu teilen!

Herzlich,
Esther

Originalbericht einer Mutter, Juli 2020
Foto: Esther Studer


Liebe Esther,
vielen Dank für diesen ermutigenden Bericht, der wieder einmal zeigt, dass es auch nach einem schwierigen Stillstart möglich ist, zu einer entspannten und glücklichen Stillbeziehung zu finden. Ich bin mir sicher, die hättet Ihr inzwischen, selbst wenn Dein Sohn das Hütchen nicht weggeworfen hätte.
Trotzdem höre ich immer wieder von Müttern, dass ein Entspannen und Loslassen des Drucks solche und ähnliche Wunder bewirken kann. Leider kann man jedoch nicht nur so tun als ob, sondern es muss tatsächlich so sein. Und bis man an diesem Punkt angekommen ist, dauert es eben meist eine ganze Weile. Und doch kann auch nach etlichen Monaten – so wie bei Euch – immer noch vieles passieren und sich verändern.
Ich wünsche Euch jetzt noch eine schöne weitere Stillzeit, solange, wie es sich für Dich und Deinen Sohn gut und richtig anfühlt.
Herzliche Grüße,
Regine Gresens

 

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

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