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Keiner traute mir zu so lange zu stillen

Keiner traute mir zu, so lange zu stillen

9 Kommentare

Hallo meine Liebe,
Stillen ist etwas so Wundervolles. Es ist unbeschreiblich schön, wenn dein Kind dich mit der Brust im Mund anlächelt.

Wenn es dir einfach signalisiert: Es geht mir gut und ich fühle mich wohl.

Ich weiß noch, wie ich mich in der Schwangerschaft gefühlt habe.

Jeder hat mir gesagt: „Ach, guck erstmal, ob das mit dem Stillen überhaupt klappt und ob du genug Milch hast.“

Ich war mir immer sicher, dass es klappt und dass ich mein Kind stillen kann. Aber es macht einen trotzdem unsicher, immer wieder diese Kommentare zu hören.

Anfangs hatte ich mir vorgenommen, 6 Monate zu stillen. Das ist ja auch normal, oder nicht?

Für die Anderen klang das schon wie eine Ewigkeit und kaum einer traute mir zu, „sooo lange“ zu stillen.

Doch ich war mir sicher, ich kann stillen und ich werde mein Kind 6 Monate stillen.

Dann war der Tag endlich da. Mein kleiner Schatz hat das Licht der Welt erblickt.

Ich hatte mit meiner Beleghebamme vorher schon abgesprochen, dass ich das Baby sofort das erste Mal anlegen will, sobald er die Brustwarze sucht. Direkt in den Stunden nach der Geburt ist der Saugreflex noch am stärksten.

Aber mein Kleiner wollte nicht so recht. Auch Stunden nach der Geburt klappte es nicht. Er saugte zwar an, aber verlor sofort wieder den Kontakt.

Und dann gab es ein Stillhütchen, damit mein kleiner Schatz die Brust überhaupt zu packen bekommt.

Und am Anfang tat es echt weh. Ich habe die ersten paar Tage nicht länger als 7-8 Minuten ausgehalten, dann musste ich ihn von der einen Brust wegnehmen und die andere Seite stillen.

Am zweiten Abend war mein Kleiner nur am schreien. Ich hab ihn angelegt, aber er wollte dauernuckeln. Und das könnte ich nicht aushalten, Tragen hat ihn nicht beruhigt, ich wusste nicht weiter.

Eine Schwester wollte ihm einen Nuckel geben. Aber den hat er mit Würgen wieder ausgespuckt.

Dann sollte er Wasser trinken, aber da hat er noch mehr geschrien.

Dann kam beim nächsten Klingeln eine andere Schwester. Sie war meine Rettung! Denn ich saß da, vollkommen aufgelöst mit meinem Freund am Telefon, der versuchte mich zu beruhigen, und auf dem Arm ein schreiendes Baby.

Und das alles ohne richtig sitzen zu können und einfach mal aufstehen war auch nicht drin, denn der Dammschnitt tat echt weh.

Die besagte Schwester hat meinen kleinen Schatz gepuckt und ich habe ihn nochmal kurz angelegt, dann war er ruhig.

Sie meinte, ich soll mir keinen Stress machen. Er braucht kein Wasser und keinen Nuckel. Er braucht Nähe und etwas Eingrenzung, damit er sich an die Welt hier draußen gewöhnen kann.

Dann in der Nacht kam der Milcheinschuss. Meine Brüste waren hart und geschwollen. Es tat sooooo weh.

Ich hab mich wirklich gefragt, wie das denn werden soll? ICH WOLLTE STILLEN! Keine Frage, aber meine Brüste taten weh. Sie waren heiß und hart. Meine Brustwarze rot und gereizt und das Saugen tat sooo weh.

Das halte ich nicht durch! Mir ging durch den Kopf, wie lange ich das aushalte? Aber erst einmal wird nicht aufgegeben, ich will stillen und zwar auch, wenn es mich Kraft kostet. Nur das Beste für mein Kind.

Dann ab nach Hause, nach wie vor mit Stillhütchen. Denn ohne konnte mein Wurm die Brustwarze nicht festhalten.

Und auch die nächsten Tage tat das Saugen sehr weh.

Und mein Kleiner brauchte sehr lange beim Trinken. Er kam alle 3 Stunden. Ich habe ihn angelegt, dann hat er 30 min die eine Brust getrunken. Dann Wickeln, weil er am Schlafen war und die andere Brust stillen, auch wieder 30 min.

Und Ruckzuck waren 1,5 Stunden um und 1,5 Stunden später war er wieder hungrig. Das war sehr anstrengend.

Ich war kurz vorm Verzweifeln. Aber dann so am dritten Tag Zuhause sagte meine Hebamme: „So und jetzt verbannen wir das Stillhütchen!“
Ich hab vielleicht große Augen gemacht.

Sie nahm meine Brustwarze, steckte sie in den Mund meines Babys und zack – es klappte. Ich hab mich tierisch gefreut.

Denn nicht nur, dass es alles so viel einfacher machte. Nein, es tat auch kaum noch weh.

Ich musste etwas üben, damit es bei uns alleine auch ohne Stillhütchen klappt. Aber nach ein paar Stillmahlzeiten klappte es super.

Wenn er jetzt noch etwas schneller im Trinken gewesen wäre.

Ich hab mich schrecklich gefühlt. In meinen Augen war ich 24 Stunden am stillen und wenn ich nicht gestillt habe, dann habe ich mein Kind durch die Gegend getragen, weil er anders nicht einschläft.

Er hat bestimmt 3 Monate immer so lange getrunken und dann, von heute auf morgen, wurden die Mahlzeiten kürzer, bis er sich auf etwa 30 min einpendelte.

Und mir wurde langsam klar, dass 6 Monate mir nicht reichen würden.

Und vor allem: Warum soll ich meinem Kind eine Flasche geben, wenn ich doch stillen kann?

Wenn ich wieder gefragt wurde, wie lange ich denn noch stillen will, habe ich also geantwortet: „So lange er Milch trinken will.“

Da gab es einige geschockte Gesichter. Das war mir egal. Ich war mir sicher, dass ich ihn genau so lange stillen werde, wie andere Babys die Flasche bekommen. Warum denn Abends eine Milchpulle geben, wenn man das Kind in den Schlaf stillen kann?

Die Anfangszeit war manchmal der Horror. Aber wenn ich jetzt mein Kind im Arm halte und er mich mit der Brust im Mund anlächelt, dann weiß ich wieder, wofür ich durchgehalten habe.

Und jetzt im Nachhinein ist es gar nicht mehr so schlimm.

Ich würde es immer wieder durchmachen, denn mein Kind zu stillen ist das Größte. Es verbindet uns auf eine ganz besondere Art und Weise.

Und jetzt ist mein Schatz schon 9 Monate alt. Aber ein Ende der Stillzeit ist noch nicht in Sicht.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft, halte durch!!
Deine Nadine

Originalbericht einer Mutter, April 2015
Foto: Tee-hee-hee via photopin (license)

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

9 Kommentare

  1. Wie wahr. Warte erstmal, ob Du stillen kannst, den Satz hab ich zu oft gehört. Bei mir waren 8 Wochen Kampf, im Endeffekt nur, weil mich die Beraterinnen in einem sogar als stillfreundlich ausgezeichneten Krankenhaus verwirrt haben, weil jeder was Anderes sagt und keiner so wirklich unterstützen wollte. 8 Wochen Belastungsprobe für die Beziehung, 8 Wochen googlen nach Hilfsmitteln und Gefluche, weil die wenigsten Verständnis für Stillen hatten. Genau weil es ein Kampf war, der so lang ging, ziehe ich es so lange durch. 5 1/2 Monate sinds schon und allein für den süßen Anblick, wie mein Schatz sich teils an der süßen Blick kaputt lacht und mit ihr kuschelt, bin ich froh darüber.

    • Wie wahr. Warte erstmal, ob Du stillen kannst, den Satz hab ich zu oft gehört. Bei mir waren 8 Wochen Kampf, im Endeffekt nur, weil mich die Beraterinnen in einem sogar als stillfreundlich ausgezeichnetem Krankenhaus verwirrt haben, weil jeder was Anderes sagt und aus dem Umfeld keiner so wirklich unterstützen wollte. 8 Wochen Belastungsprobe für die Beziehung, 8 Wochen googlen nach Hilfsmitteln und Gefluche, weil die wenigsten Verständnis für Stillen hatten. Genau, weil es ein Kampf war, der so lang ging, ziehe ich es so lange durch. 5 1/2 Monate sinds schon und allein für den süßen Anblick, wie mein Schatz sich teils an der Brust kaputt lacht und mit ihr kuschelt, bin ich froh darüber. Was auch kaum einer erwähnt, wenn der Milcheinschuss da war, holt euch schnell einen richtig passenden BH, zu enge können die Schmerzen noch übler machen. Bzw Brustwarzenformer von Medela können gut zweckentfremdet werden zum Abtrocknen im BH, dann Lanolinsalben, bis sie abgehärtet sind und Durchhaltevermögen bzw Ohren auf Durchzug bei Dummgeschwätze können da viel helfen.

  2. Liebe Nadine, du hattest dein Kind 9 Monate in deinem Bauch und jetzt sagt dir dein Bauch ganz genau, was gut für dein Kind ist. Du musst nur darauf hören 😉 Mein Sohn ist vor zwei Wochen vier Jahre alt geworden und bis dahin immer an der Brust eingeschlafen. Er hat mir dann vor ca. 3 Monaten erklärt, dass er ab seinem 4. Geburtstag keine Milch mehr von mir braucht. Und genauso war es auch. Er schläft jetzt problemlos in seinem Bettchen ein. Wenn Kinder bereit sind für den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung – genau dann ist auch der richtige Zeitpunkt dafür.
    Viele liebe Grüße und lass dir nix reinreden!
    Steffi

  3. Hallo. Ja, diese Fragen kenne ich nur zu gut und erst diese entsetzten Gesichter, wenn man säht ,,ja ich stille noch!“. Mein Sohn ist fast 19 Monate und ich stille ihn zum Schlafen und nachts immer noch.
    Mach es so lange, wie du dich gut dabei fühlst. Wenn es für dich so ok ist, wie es ist, dann ist doch alles gut 🙂
    Liebe grüße

  4. Toller Bericht, ich finde das toll, dass du es durchgezogen hast. Und mach dir keine Sorgen wegen dem Einschlafstillen, wenn du ohnehin solange stillen willst, wie er Milch will, dann wird sich das von ganz alleine erledigen. Die Frage ist nur wann. 😉

  5. Viel Spaß beim Abstillen später. In den Schlaf stillen. Dasselbe hatten wir. Er muss dann wohl erstmal alleine einschlafen lernen. Ich habe sehr gerne gestillt (7 Monate voll, 13 Monate ist sie jetzt und wird noch abends 1 -2 mal gestillt) das Abstillen ist nicht leicht für sie. Das Einzige, was ich bereut habe, mein Kind „in den Schlaf zu stillen“, klar war es die einfachste Art sie zum Schlafen zu bringen, aber jetzt, wo sie schon größer ist, ist es schwer wieder umzugewöhnen.
    Alles Gute für euch.

    • Liebe Anonymous,

      Unser Sohn ist 3 Monate, auch ich stille ihn jeweils Abends in den Schlaf…er schläft auch bei uns im Familienbett….wie meinst Du, dass Du es bereust mit dem „in den Schlaf stillen“? Wie macht man es denn sonst wenn Schnuller und sonst nix hilft?

      Freue mich auf Deine Tipps!
      Val

  6. Liebe Nadine,
    danke für deine Zeilen und diese wunderbar mutmachende Geschichte. Ich kenne die Fragen „Wie, du stillst noch?“ und beantwortet sie gestärkt mit „ja, denn für uns ist es so genau richtig“. Denn auch mit inzwischen 14 Monaten stillt meine Tochter mehr als dass sie Beikost zu sich nimmt und gedeiht (trotzdem oder gerade deshalb?) gut.
    Alles Liebe und eine schöne Stillzeit,
    Sternie

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