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Kann man mit Vasospasmus ohne Schmerzen stillen?

4 Kommentare

Frage:
Liebe Frau Gresens! Mein Baby ist jetzt einen Monat alt und ich versuche seit Beginn an zu stillen. Leider klappt dies nicht wie erwünscht.

Nach der ersten Woche habe ich sehr wunde Brustwarzen bekommen, so dass ich seither abpumpe und die Milch mit der Flasche gebe.

Immer wieder lege ich an, nur sind meine Brustwarzen dann wieder sehr wund.

Ich war bei einer Stillberatung und diese stellte fest, dass ich einen Vasospasmus habe.

Ich soll vor und nach dem Stillen/Abpumpen warme Kompressen auflegen und einen Brustdonut tragen. Soweit so gut.

Habe auch auf meine Anlegetechnik geschaut. Jetzt habe ich 36 Stunden nur gestillt (ohne Flasche) und bin jetzt wieder total offen.

Nun zu meiner Frage:
Kann man mit einem Vasospasmus ohne Schmerzen stillen?
Wenn man wunde Brustwarzen hat und trotzdem stillt – geht das ganz ohne Schmerzen oder wann weiß ich, dass er die Brustwarze nicht richtig erfasst?
Sollte ich überlegen abzustillen?

Habe große Schmerzen und habe schon Angst vor dem nächsten mal Anlegen oder Abpumpen. Möchte aber so gerne das Stillen genießen können.

Vielen Dank im Voraus
Mit freundlichen Grüßen, Rena

 

Antwort:
Liebe Rena, ich kann deine Verzweiflung gut verstehen und will deine Fragen gerne kurz beantworten. Allerdings ist dies ohne genauere Diagnostik natürlich nur sehr allgemein möglich.

Vasospasmen (krampfartige Verengungen der Blutgefäße) sind immer mit Schmerzen verbunden.

Aber Vasospasmen verursachen keine wunden Brustwarzen.

Offene, wunde Brustwarzen entstehen als Folge eines suboptimalen Anlegens und/oder Saugens und/oder einer Besonderheit im Mundraum des Babys.

Vasospasmen können ebenfalls eine Folge davon sein.

Meistens treten die Gefäßkrämpfe in den Brustwarzen auch erst nach dem Stillen auf, verbunden mit Schmerzen und weiß oder auch bläulich-violetten farblichen Veränderungen der Brustwarze.

Dieses Video zeigt diese Farbveränderung der Brustwarze durch einen Vasospasmus:

Vasospasmen können aber auch andere Ursachen haben, wie z.B. Magnesium- und Calziummangel, Infektionen (z.B. Soor) oder auch ein primäres Raynaud-Syndrom.
Hier kannst du einiges dazu lesen: Schmerzende Mamillen – Warnsignale hören

Diese weiteren Ursachen müssten ggf. zusätzlich behandelt werden.

Ob du richtig angelegt hast, erkennst du daran, wie sich deine Brustwarze beim Stillen anfühlt.

Denn ja, das Stillen kann auch mit Vasospasmen völlig schmerzfrei sein, da diese ja in der Regel erst nach dem Stillen auftreten.


Sogar bei wunden Brustwarzen ist bei einem gut angelegten Kind Stillen völlig schmerzfrei möglich oder manchmal noch mit leichten, aber gut tolerierbaren Schmerzen verbunden, je nach Schweregrad der Verletzungen.

Wenn du jedoch bereits beim Stillen starke Schmerzen hast und nach 36 Stunden „Nur-Stillen“ die Brustwarzen schon wieder offen sind, ist das Anlegen und/oder Saugen und/oder eine Besonderheit im Mundraum deines Kindes die Ursache.

Die Vasospasmen sind höchstwahrscheinlich nur ein weiteres Symptom, jedoch niemals die Ursache für die wunden Brustwarzen.

Dass du Angst vor dem nächsten Anlegen hast, ist auch nur allzu verständlich. Die Angst vor Schmerzen ist zu unserem Schutz da, sie kann aber auch zu einem Teufelskreis führen.

Denn die Angst behindert beim Stillen meist das beherzte Anlegen und führt so leider oft dazu, dass die Brustwarze nicht tief genug in den Mund gelangt und dadurch weiter strapaziert oder verletzt wird. 🙁

Bei großen Schmerzen und starker Angst ist es daher oft besser, für einige Zeit (2-3 Tage oder länger) nicht mehr anzulegen, sondern nur noch zu abzupumpen, was mit einer guten, nicht zu stark eingestellten, passenden Pumpe auch nicht schmerzen sein sollte.

Ist jedoch auch das Abpumpen schmerzhaft, können die Brüste auch sehr effektiv von Hand entleert werden.
Hier mehr dazu: So entleeren Sie die Brüste mit der Hand

Wenn keine zusätzliche Infektion im Spiel ist, sollten die Brustwarzen auf diese Weise recht schnell wieder heilen.

Meiner Meinung nach, wäre ein Abstillen in deiner Situation sehr wahrscheinlich nicht erforderlich. Da aus meiner Sicht die Ursache für deine Beschwerden noch nicht richtig diagnostiziert und daher auch noch nicht richtig behandelt werden konnte.

Daher würde ich dir auch nicht empfehlen abzustillen, obwohl ich gut verstehen kann, dass du zum jetzigen Zeitpunkt darüber nachdenkst, ob es nicht eventuell besser wäre.

Zudem gibt es zwischen Nur-Stillen und Abstillen auch noch einige weitere Möglichkeiten, wie z.B. abgepumpte Muttermilch mit der Flasche zu füttern oder das Anlegen einzuschränken, z.B. nur jedes zweite Mal anzulegen.

Aber letztlich bleibt dies deine ganz persönliche Entscheidung, mit der du dich nicht nur kurzfristig, sondern auch mittel- und langfristig gut fühlen musst.

Ich würde dir daher raten, dich allerspätestens, wenn die Brustwarzen wieder fast abgeheilt sind, noch einmal für eine persönliche Stillberatung an eine andere Still- und Laktationsberaterin in deiner Nähe zu wenden, um mögliche andere Ursachen (Magnesiummangel, Soor, Sauganomalien, Besonderheiten im Mundraum des Babys usw.) abzuklären und ggf. rechtzeitig zu behandeln.

Anschließend kannst du dann das Anlegen mit ihrer Unterstützung und einer optimalen Anlegetechnik neu beginnen.

Kontaktdaten von Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC in deiner Nähe findest du hier:
http://www.bdl-stillen.de/stillberatungsuche.html
http://www.stillen.de/laktationsberatung-finden/

Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas weiterhelfen.

Gute Besserung und herzliche Grüße,
Regine Gresens

 
Autorin: Regine Gresens, IBCLC, September 2016
Foto: Celeste having dinner via photopin (license)

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Hallo, ich habe auch wunde Brustwarzen bedingt durch Bakterien oder falsches Anlegen – ich weiß es nicht genau. Der Heilpraktiker sagt, ich hätte eine erhöhte Anzahl an Bakterien im Körper. Was aber gerade mein eigentliches Problem ist, dass ich durch das Ziehen an der Brust beim Stillen, ein Brennen verspüre. Das spüre ich vorne an der Brustwarze und auch unter der Achsel, bzw. manchmal auch am Schulterblatt. Ich bin ratlos, woher das kommen kann. Daher meine Frage: Kommt das Brennen von Bakterien oder auch von einem falschen Anlegen?

    • Hallo Sarah,
      es kann auch an beidem liegen, dazu lässt sich ohne Diagnostik nichts sagen.
      Ein Verdacht auf eine bakterielle Infektion der Brustwarzen, sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden, da dann wahrscheinlich eine antibiotische Behandlung notwendig wäre.
      Gute Besserung.

  2. Hallo
    bei uns lagen die echt argen Schmerzen beim Stillen an einem Pilzbefall im Mund des Babys. Hatte auch Panik vor jedem Anlegen. Der Kinderarzt verschrieb uns Salbe und nach zwei Tagen wurde schmerzfrei gestillt.
    Gegen den Vasospasmus hab ich morgens Calcium und abends Magnesium genommen. Hat ca. 4 Wochen gedauert, da wurde es besser.
    Liebe Grüße, Nina

  3. Hallo,

    Ich hatte am Anfang auch wunde Warzen und Schmerzen beim Anlegen, obwohl es technisch richtig war. vermutlich waren bei mir Magnesiummangel und empfindliche Haut die Ursachen.

    Kochsalz aus der Apotheke, Milch drauf trocken lassen und viel frische Luft haben geholfen, sodass ich nach etwa 4 Wochen schmerzfrei war.

    Alles Gute beim Stillen!

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