„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

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Kann ich Hautkontakt mit dem Neugeborenen später nachholen?

Frage:
Hallo, ich habe leider nicht gewusst, wie wichtig direkter Hautkontakt ist und mein Baby in den ersten Monaten ständig (auch zum Schlafen) in mehreren Schichten angezogen (Winterkind).

Mir tut es so sehr leid, dass ich meinem kleinen Schatz das wundervolle Nacktkuscheln verwehrt habe 🙁

Meine Frage: Kann man das Versäumnis der ersten Monate nachholen?

Also jetzt ganz intensiv, sodass das Baby in ein paar Monaten genauso entwickelt ist, wie wenn ich das vom ersten Tag an gemacht hätte.

Oder ist der Zug abgefahren und ich kann es nur ab jetzt besser machen?

Liebe Grüße,
Stefanie

Antwort:
Liebe Stefanie,
Du solltest Dir keine Vorwürfe machen für etwas, das geschehen oder nicht geschehen ist, was Du aber zu dem damaligen Zeitpunkt nicht besser wusstest oder nicht anders machen konntest.

Es gibt Situationen, wie etwa nach einem Kaiserschnitt oder bei einer Verlegung des Babys auf die Intensivstation, in denen ein intensives Kuscheln (Bonding) mit dem Neugeborenen nach der Geburt nicht möglich ist und die sich auch nicht ändern lassen.

Das ist sehr bedauerlich und darf auch betrauert werden. Sich oder anderen deswegen Vorwürfe zu machen, erzeugt jedoch nur Stress im Heute und bringt Dich nicht weiter.

Denn Du kannst nur das ändern, was JETZT ist. Und Dein Baby lebt absolut und vollständig im Hier und Jetzt. Genieße daher einfach ab jetzt so oft wie möglich den Körper- und Hautkontakt mit Deinem Baby.

Jede Form von innigem Körperkontakt, auch Tragen, Kuscheln, gemeinsames Schlafen im Familienbett, Babymassage und natürlich Stillen, tut Euch JETZT gut. Sie führt bei Euch beiden zur Ausschüttung des Kuschel-Hormons Oxytocin, das Liebe, Vertrauen und Bindung fördert.

Ich empfehle Dir außerdem, so oft Du magst, ein Bondingbad für Dein Baby durchzuführen oder – sogar noch viel schöner – regelmäßig in der großen Badewanne gemeinsam baden und dabei stillen und anschließend warm zugedeckt im Bett oder auf dem Sofa ausgiebig nackig miteinander kuscheln.

Dieses Baderitual schenkt dem Baby die Geburt und das Bonding neu und kann Dir helfen, Dich mit der Geburt und der ersten Zeit danach zu versöhnen.

So geht das Bonding- oder Babyheilbad (Nach Brigitte Meissner*):

  • Sorge für eine möglichst angenehme und geschützte Atmosphäre (warme Zimmertemperatur, keine dringenden Termine, Telefon und Türklingel abschalten). Es soll auch Raum für Gefühle da sein, die bei Dir als Mutter und Deinem Baby aufkommen könnten.
  • Führt eine andere Person (etwa Dein Partner oder Deine Hebamme) das erste Babyheilbad durch, leg Dich mit nacktem Oberkörper, zugedeckt mit einem großen, kuscheligen Badetuch ins Bett. Lass die Begleitperson das Baby einige Minuten baden, am besten im Badewännchen oder Baby-Eimer gleich neben dem Bett oder sonst im Badezimmer.
  • Wenn Du körperlich dazu in der Lage bist oder das Babyheilbad alleine durchführst, zieh Dich oben herum aus und bade Dein Baby selbst.
  • Anschließend nimmst Du es aus der Wanne, drückst es nackt und nass an Dein Herz und gehst zügig ins Schlafzimmer zum kuschelig vorbereiteten Bett. Legst Dich nun mit ihm im direkten Hautkontakt auf Deinen bloßen Oberkörper und decke Euch beide mit dem flauschigen Badetuch schön zu. Das Baby wird also nach dem Bad nicht abgetrocknet, jedoch gut zugedeckt.
  • Nun kuschelt ihr miteinander. Falls Dein Baby jetzt an der Brust trinken möchte, hilf ihm die Brust gut zu erfassen und genießt das Stillen.
  • Falls Du nicht mehr stillst, ist es von Vorteil, eine Flasche mit Säuglingsnahrung in der Nähe bereitzustellen, da Babys beim Baden oft ein vermehrtes Saugbedürfnis zeigen.
  • Es ist auch möglich, dass Dein Baby beim gemeinsamen Baden in der großen Wanne oder nach dem Babyheilbad an Deiner Brust saugen möchte, obwohl es das bisher noch nie oder vielleicht nur mit Stillhütchen getan hat.
  • Viele Babys weinen bei den ersten Malen eines Babyheilbads vermehrt. Das bedeutet nicht, dass sie das Baden nicht mögen – sie erzählen ihre Geschichte und wollen gehört werden. Danach genießen sie das gemeinsame Kuscheln mit Mama jedes Mal etwas entspannter.
  • Auch bei der ein oder anderen Mutter können beim gemeinsamen Baden noch einmal sehr starke Gefühle hochkommen, die gehört und gefühlt werden wollen. Nach traumatischen Erlebnissen während oder nach der Geburt ist es daher besser, das Babyheilbad mit Begleitung durchzuführen. Mit dem Heilbad und dem anschließenden „Ankommen“ werden auch bei der Mama Urvertrauen und damit die Fähigkeit zu entspannen gestärkt. Mütter, für die dies nicht ausreicht, sollten nicht zögern, sich zusätzliche Hilfe bei dementsprechend geschulten Therapeuten/Innen zu holen.
  • Das gemeinsame Baden oder das Bondingbad ist ein therapeutisch wirkendes Bad. Es ist am besten, wenn Du das Heilbad mit Deinem Baby noch mindestens 3–5 Male (wenn Du magst, auch öfter) etwa im wöchentlichen Abstand wiederholst.

Das Bondingbad oder gemeinsames Baden kann auch später – nach Tagen oder sogar Wochen – noch helfen, eine traumatische Geburt, eine Trennung nach der Geburt, einen schwierigen Start beim Stillen oder einen Stillstreik aufzulösen.

Viel Freude dabei und herzliche Grüße,
Regine Gresens 

Regine Gresens, IBCLC, Juni 2020
Foto: Daren & Amy Dahl

 

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Gemeinsames Baden mit dem Baby

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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

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