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Intuitives Stillen – leicht gemacht

Dein Baby – das Säugetier

2 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2007
Denke jetzt bitte einmal an ein Säugetier, irgendein Säugetier!

Jetzt stell Dir das Säugetier noch als Neugeborenes vor. Siehst Du es vor Deinem inneren Auge, direkt nachdem es geboren ist.

Was macht es als Allererstes, nachdem es angefangen hat zu atmen und sich vielleicht ein wenig ausgeruht hat?

Mache das Gleiche mit einem anderen Säugetier und mit einem weiteren!

Glaubst Du wirklich, der Mensch ist das einzige Säugetier auf der Welt, das nach der Geburt seine Nahrungsquelle nicht finden kann?

Nun denke wieder an das erste Säugetierjunge und drehe es in Deiner Vorstellung auf den Rücken!

Was macht es?

Mache das Gleiche auch mit Deinem zweiten Säugetier und mit dem dritten!

Alle neugeborenen Säugetiere fühlen sich in der Rückenlage unwohl. Sie fühlen sich nur absolut sicher, wenn sie sich mit dem Bauch an den Boden oder im Falle von Säugetieren, die dafür geschaffen sind getragen zu werden, an den Körper eines Erwachsenen schmiegen.

Darum hören Babys auf zu weinen, wenn sie aus dem Bettchen oder dem Kinderwagen hoch genommen werden.

Ihr natürlicher Lebensraum ist der Körper eines Erwachsenen. Wenn sie aus ihrem Lebensraum herausgenommen werden, verlieren sie ihre Fähigkeiten und ihr Vertrauen.

Und um sie zu beruhigen, nehmen wir sie instinktiv hoch und halten sie mit dem Bauch zu uns gedreht an unserem Körper.

Über viele Generationen haben wir jedoch gedacht, menschliche Babys seien kleine, hilflose Fleischklumpen.

Dies lag nur daran, dass wir unsere eigenen Instinkte ignoriert haben und unsere Babys fast vollständig aus ihrem natürlichen Lebensraum herausgenommen hatten.

Auch wenn sie gehalten wurden, war ihre Vorderseite nicht unbedingt sicher gegen den Körper des Erwachsenen geschmiegt.

Und selbst wenn sie doch auf diese Weise gehalten wurden, war immer noch die Kleidung im Weg. Kein Wunder, dass wir dachten, sie seien hilflos.

Ziehe einem Lämmchen einen Strampelanzug an, drehe es auf den Rücken, trenne es von seiner Mutter! Dann würdest Du auch denken, dass es ein hilfloses Wesen ist.

In Wahrheit ist Dein Neugeborenes ein sehr, sehr kompetentes, kleines Säugetier

Mache Euch beiden den Oberkörper frei und halte es aufrecht zwischen Deinen Brüsten. Wende es mit seiner gesamten Vorderseite zu Dir und wenn es Hunger hat (und nicht von Medikamenten bei der Geburt beeinträchtigt ist), wird es alleine den Weg zu Deiner Brustwarze finden. Garantiert!

Wenn es dort angekommen ist, wird es vermutlich beginnen daran zu saugen oder vielleicht auch nicht. Das kann davon abhängen, wie seine und Deine früheren Erfahrungen waren.

Aber es wird sich mit Sicherheit auf den Weg machen.

Vielleicht bist Du ermahnt worden, das Baby gut festzuhalten, wenn Du es auf dem Arm hast, „weil Babys einem sehr schnell herunter fallen können“.

Tatsächlich stellt sich jedoch heraus, dass sie sich nicht unbeholfen bewegt haben und deshalb runtergefallen sind. Stattdessen waren sie „unterwegs zum Restaurant“ und wir haben ihnen einfach „die Tür zugehalten“!

Nimm Dir Zeit, Dein kleines Säugetier in seinem natürlichen Lebensraum zu beobachten.

Wenn Du Dich niederlässt um zu stillen, halte es mit seiner gesamten Vorderseite nah an Deinem Körper, unterstütze es gut an Rücken und Schultern, so dass sein Kopf freibeweglich ist und lasse Dich von ihm führen.

Kuschel seinen Brustkorb an den Fuß des „Bergs“, den Deine Brust bildet, und halte seinen Rücken und seine Schultern eng an Dich. Wenn es anfängt zu quengeln, berühre seine Wange mit einem Teil Deiner Brust… und schaue zu.

Du wirst wahrscheinlich sehen, dass es den Kopf etwas in den Nacken legt, seinen Mund und sein Kinn nach vorn streckt, seinen Mund weit öffnet und ernsthaft mit der Suche nach dem Mittagessen beginnt.

Oder lege Dich auf die Seite und Dein Baby ebenfalls neben Dich auf die Seite – mit seiner ganzen Vorderfront zu Dir gedreht, unterhalb Deiner Brust – und beobachte, wie es sich auf dem Bett zu Deiner Brustwarze hinschlängelt.

Mache Dir das Leben mit dem Baby einfacher

Das Leben mit dem Baby ist viel, viel einfacher, wenn Du stets daran denkst, dass es kein außerirdisches Wesen ist, für das Du erst eine Gebrauchsanweisung benötigst.

Dein Baby ist nur ein kleines Baby-Säugetier und noch dazu ein sehr kompetentes.

In Wirklichkeit ist Dein Baby selbst die Gebrauchsanweisung.
Jedenfalls solange es seinen natürlichen Lebensraum hat – DICH.

Original: Your Baby The Mammal von Diane Wiessinger, IBCLC, 2007
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Dezember 2012
Foto: elekesmagdi via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann kannst Du mir über Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube, Google+ und natürlich hier auf dem Blog folgen.

2 Kommentare

  1. Pingback: Stillen Sie einfach intuitiv

  2. Wirklich ein schöner Beitrag und so wichtig für neue Mütter. Was hatte ich doch für Probleme anfangs mit dem Stillen… und die Krankenschwestern vermitteln auch das Gegenteil von Gelassenheit und Kinder – machen – lassen. Da wird einem das Baby grob an die Brust gedrückt – klar daß die Mama das nicht nachmachen kann (will). Auch später ist es gegen die Natur des Kindes, ausquartiert und allein schlafen oder liegen zu müssen und als Mama, die auf ihr Kind gehört und es getragen hat, musste ich mir massig Kritik anhören. Wirklich schade. Also nochmal: danke für den schönen Beitrag!

    Liebe Grüße, Janina

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