Ich wollte doch nur stillen

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Ich hatte ein absolute Traumschwangerschaft, keinerlei körperliche Beschwerden und daher stand meinem Wunsch nach einer Hausgeburt nichts im Wege.

Wir haben auch zwei wunderbare Hebammen gefunden, die uns bei diesem „Abenteuer“ unterstützend zur Seite gestanden haben.

Nach einem guten und spannenden Start in die Geburt mussten wir für den Endspurt doch in ein Klinik, da unser Sohn sich unter der Geburt gedreht hat und als Sternengucker auf die Welt wollte. Für die letzten Zentimeter benötigten wir die Unterstützung im Kreißsaal mit der Saugglocke.

Kurzum, er kam zwar nicht zuhause zur Welt, aber alles in allem war die Geburt völlig in Ordnung. Leider musste ich aus gesundheitlichen Gründen eine Nacht in der Klinik bleiben. Mein Kreislauf war am Boden, selbst aufrecht sitzen war anfangs nicht möglich.

Was allerdings absolut nicht in Ordnung war, war die weitere Betreuung auf der Wöchnerinnen-Station des als „stillfreundlich“ zertifizierten Krankenhauses.

Das Anlegen noch im Kreißsaal hat (ohne „Unterstützung“) ohne Probleme funktioniert.

Nach 6 Stunden endlich auf der Station angekommen, gerieten wir in die „Mühlen“ des Stationsalltags.

Mindestens einmal in der Stunde kam irgendjemand ins Zimmer, es wurde geputzt, gewischt, die Mülleimer geleert, mein Baby ohne zu fragen oder zu erklären aus dem Beistellbett genommen, gewickelt, angezogen, ausgezogen, die Temperatur gemessen usw.

Für mich stand fest „Morgen bin ich hier raus“. Meine Anspannung wuchs und wuchs…

Und das Stillen begann zu schmerzen….

Nach einer durchwachten Nacht war ich nervlich am Ende und meine Brustwarzen kaputt, unser Sohn rieb sie zwischen seinen Zahnleisten regelrecht blutig. Die Stillberatung konnte ich nicht in Anspruch nehmen, da am Wochenende keine Stillberatung stattfindet.

Auf meine Bitte nach Hilfe beim Anlegen wurde mir ohne weiteren Kommentar ein Stillhütchen auf die Brust geklatscht und gesagt, dass ich das jetzt aber nur die nächsten 12 Stunden verwenden dürfe.

Ich wollte nur noch nach Hause. Leider schienen die Schwestern auf der Station meine diesbezüglichen Fragen bzw. Aussagen nicht ernst zu nehmen.

Als mein Lebensgefährte kam, um uns nach Hause zu holen, ernteten wir verwunderte Blicke…. Wir könnten nicht nach Hause, unserem Baby würde es nicht gut gehen.

Unser Sohn hat eine starke Neugeborenengelbsucht entwickelt. (Eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er ein Riesen-Hämatom auf dem Kopf hatte von der Saugglocke.)

Wir haben dann, knapp 7 Stunden und drei Gespräche mit Kinderärzten später, unsere Sachen gepackt und sind nach Hause gegangen.

Die weitere Betreuung durch unsere Hebammen war sehr gut und hilfreich, besonders in Bezug auf die Neugeborenengelbsucht, die zum Glück nach 3 Tagen kein Thema mehr war – nur zum Thema Stillen konnten sie mir nicht wirklich weiterhelfen.

Es kam, wie es kommen musste. Nach zwei Tagen waren meine Brustwarzen kaputt, ich konnte nicht einmal Kleidung „obenrum“ anziehen, da jede Berührung, geschweige denn Stoff auf der Haut, sehr schmerzhaft war.

Mein Lebensgefährte war sehr verunsichert und ich war zornig, verzweifelt und fühlte mich „untauglich“. „Das kann doch nicht so schwer sein“ – ich wollte doch nur stillen.

Unsere Hebamme riet uns dann mit unserem Sohn zu einer Osteopathin zu gehen, da durch die Saugglockengeburt Verspannungen und Verschiebungen im Skelettsystem entstanden sein können.

Wir haben diesen Rat gerne angenommen und waren insgesamt viermal bei einer wirklich guten und verständnisvollen Osteopathin, die uns netterweise sehr kurzfristig Behandlungstermine geben konnte.

Bei einem Termin hat sie unseren Sohn behandelt, als ich diesen stillte und ich konnte regelrecht fühlen, wie er sich beim Saugen entspannte bzw. aufhörte meine Brustwarze zu „zermahlen“.

Blieben nur noch diese vermaledeiten Stillhütchen….

Ca. zwei Monate habe ich damit gestillt und zum Glück machte es für unseren Sohn und auch meine Milchproduktion keinen Unterschied. Milch war genug da und er nahm sehr gut zu.

Und dann, einfach so, habe ich beschlossen die Stillhütchen wegzulassen und es klappte!

Dank Ihrem Video über die asymmetrische Anlegetechnik klappte das Anlegen sehr gut und war vor allem schmerzfrei!

Ich habe fast nicht mehr daran geglaubt, hätte aber auch die Stillhütchen bis zum Ende unserer Stillzeit in Kauf genommen, um unserem Sohn „Mom’s Best“ zu geben.

Nach diesem sehr schmerzhaften, tränenreichen und holprigen Start in unsere Stillzeit konnten unser Sohn und ich das Stillen endlich genießen. Es war wunderbar!

Stillen nach Bedarf, egal wann und wo, mit einem milden Lächeln ob der vielen gut gemeinten Ratschläge oder auch mal komischen Kommentare und die Tatsache, dass er ein absolutes „Tragekind“ war, hat aus unserem Sohn und mir ein wunderbares Team gemacht.

Ich erinnere mich gern an die Frage beim Kinderarzt zu einer Vorsorgeuntersuchung, wie wir unser Kind denn ernähren würden. Er hätte so überproportional zugenommen….. „Er wird voll gestillt“ – es kam kein weiterer Kommentar mehr.

Voll gestillt habe ich unseren Sohn ca. 11 Monate, manchmal fühlte ich mich komisch zwischen den anderen Müttern in der Krabbelgruppe, die um halb zwölf reflexartig und völlig synchron zu den Breien griffen und versuchten ihren Kindern möglichst viel davon in den Mund zu löffeln.

Ich tröstete mich damit, das wir unserem Kind immer wieder feste Nahrung anboten (BLW) und er bisher absolut kein Interesse zeigte dafür mit dem Stillen aufzuhören.

 

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Neugeborenes saugt an der Brust

Als ich dann nach einem Jahr wieder anfing zu arbeiten, hat dies zwar unsere Stillfrequenz runtergefahren, aber an Aufhören war noch lange nicht zu denken. Zu sehr genossen wir beide diese Momente.

Auch die sehr gute Entwicklung (motorisch & sprachlich) unseres Kindes, das Ausbleiben der befürchteten Krankheitswelle nach dem Betreuungsstart und das wirklich einfache „in-den-Schlaf-stillen“ hat mich darin bestärkt, einfach mal mit dem Stillen weiterzumachen.

Ein Kind zu stillen, das bereits laufen kann und anfängt die ersten Sprechversuche zu unternehmen, wurde immer wieder erstaunt zur Kenntnis genommen, manchmal kommentiert und ganz oft hinterfragt. Er müsse doch jetzt selbstständig werden, es wäre doch für mich viel zu anstrengend, er würde verwöhnt werden….und was der unqualifizierten Kommentare noch alles kam.

Andererseits waren die Menschen um uns herum immer wieder begeistert von unserem ausgeglichenen, klugen, neugierigem und glücklichem kleinen Menschen.

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen langem Stillen, Tragen und gemeinsamen Schlafen schien für diese Menschen nicht zu existieren. Wir nahmen es mit Humor und Achselzucken.

Unsere – zu guter Letzt – sehr schöne Stillzeit endete kurz nach dem zweiten Geburtstag unseres Sohnes.

Es war an der Zeit, wir haben es beide gemerkt, und so verlief unser Abschied aus dieser besonderen Beziehung ohne Tränen, ohne Aufregung, sondern ganz entspannt, kuschelig und mit dem Wissen & dem guten Gefühl, einen wunderbaren Start in unsere gemeinsame Zukunft geschafft zu haben.

Einen lieben Gruß & eine großes Danke!

Veronika

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2018
Foto: Veronika

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

Ein Kommentar

  1. Ganz wundervoll! Da hab ich ein bisschen Pipi in den Augen. 😉😊

    Ich freue mich immer, wenn manche Frauen und dann Mamas so selbstbewusst sind und ihren Weg gehen.
    Nur würde ich mir wünschen, dass auch die weniger selbstbewussten ermutigt werden, von allem und jedem, den wir in Deutschland haben, der in Schwangerschaft, während und nach der Geburt auf diese neue Mami trifft.
    Denn ich erlebe und habe erlebt, dass Bestärkung die Ausnahme und Verunsicherung die Regel ist. Und dann schaffen es einfach nicht alle, bei sich zu bleiben und ihrem Gefühl zu folgen, sondern orientieren sich an Zahlen, Zeitplänen und der Meinung anderer, statt an ihrem Kind und seinen Bedürfnissen. Das finde ich unglaublich schade. Gerade weil ich selbst sehr lange gebraucht habe, um mich aus diesem einengenden Gespinst der äußeren Einflüsse freizukämpfen.
    Je älter mein Kind wird, desto lockerer kann ich sein. Je länger wir aus der Norm fallen, desto mehr gewöhne ich mich daran. Das Stillen eines bald 4-jährigen fällt mir heute um einiges leichter, als das Stillen eines anderthalb oder 2-jährigen. Denn da heißt es noch, der muss doch jetzt essen. Heute strahlen wir aus, dass uns da niemand reinzureden braucht. Das war anfangs für mich kaum vorzustellen. Und es gibt immer noch Situationen, wo ich Kommentaren lieber aus dem Weg gehe. Ich entscheide das von Mal zu Mal.

    Alles Gute allen Mamis und allen Still- und allen Langzeitstillmamis

    🌸🧡💗

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