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Intuitives Stillen – leicht gemacht

Endlich eingeschlafen....

Ich probierte alles mögliche, damit er durchschläft

8 Kommentare

Ich stille meinen Sohn nun tatsächlich schon seit 2,5 Jahren durch Freud und Leid hindurch. Hätte man mir das vorher gesagt, hätte ich dies nie geglaubt. Ich hatte Stillen mit Neugeborenen und Babys verbunden.

Auch in meiner Familie haben nicht viele gestillt und ich kannte kaum jemanden, der Stillen überhaupt mal thematisiert, geschweige denn problematisiert hätte.

Für mich stand vor der Geburt nur fest, dass ich gern stillen möchte und ich hoffte, dass es klappt.

Unser Stillstart war extrem schwierig. Mein Sohn war ein KISS-Kind und schrie viel und ganz besonders abends (ca. 6 Stunden lang).

(Leider hatten wir trotz frühzeitiger Diagnose lange nicht die richtige Behandlung gefunden. Das erste Lebensjahr hindurch haben wir Kinderosteopathie und Kinderphysiotherapie gemacht – mit kleinen Erfolgsschritten.)

Er ließ sich, nachdem er sich nach ein paar Tagen ans Stillen gewöhnt hatte, dann am besten durch Stillen beruhigen.

Da ich also abends mit kurzen Unterbrechungen ca. vier bis fünf Stunden lang stillte und mein Freund zwischendurch schaukelte, wurden meine Brustwarzen recht schnell wund und ich ziemlich fertig.

Wenn mein Sohn schrie, bekam ich regelrechte Panik: „Bitte nicht schon wieder!“.

Ich brauchte immer vorm Stillen Ruhe, um mich innerlich auf diese „Qualen“ vorzubereiten. Es war für mich nicht schön.

Ich weiß nicht genau, warum ich es durchgehalten habe.

Irgendwie waren wir verbunden. Ich hatte das Gefühl, dass mein Sohn es brauchte. Nach dem Stillen war er entspannt und glücklich (zumindest kurze Zeit) und es machte mich auch stolz, dass ich ihm dieses Gefühl gegeben hatte.

Ansonsten half mir mein Freund viel, indem er mir viel Drumherum abnahm und mir auch beim Stillen (Anlegen, Positionswechsel) half.

Es wurde schleichend besser. Das Stillen wurde routinierter und wir fanden noch andere Wege unseren Sohn zu beruhigen.

Dennoch schrie er im ersten Lebensjahr sehr viel, aber es verteilte sich auch auf anderes und das Stillen wurde zunehmend angenehmer.

Auf die vorübergehend eingeführten Stillhütchen konnte ich wieder verzichten und mit sechs Monaten begann ich mit der Beikost und stillte nach und nach nur noch zu. Als er ca. 1 Jahr alt war, stillten wir eigentlich nur noch rund ums Schlafen (davor und danach), da er durchs Stillen gut zur Ruhe kam.

Als mein Sohn ein Jahr alt wurde, begann ich wieder zu arbeiten. Ich hatte den Berufseinstieg schon drei Monate vorher in unseren Stillalltag integriert und stillte nun nicht mehr vor 13:00/14:00 Uhr, um den Vormittag zur Verfügung zu haben.

Der Berufseinstieg klappte recht reibungslos bis auf ein Problem: mein Sohn dachte nicht daran durchzuschlafen. Mal schlief er 3-4 Stunden, oft aber nur 2 Stunden am Stück.

Ich war ausgelaugt und wusste oft nicht, wie es weitergehen sollte. Eigentlich wollte ich ja auch mal weniger stillen, aber er ließ sich nachts durch nichts anderes beruhigen.

Ich machte mir Sorgen, ob er es denn je schaffen würde durchzuschlafen, wenn ich nichts machte und ihn so abhängig vom Stillen schlafen ließ.

Also probierte ich im nächsten halben Jahr alles Mögliche.

Der häufigste Tipp aus meiner Familie: Abends viel zu essen geben. Was habe ich abends aufgeführt, um irgendwie mehr in meinen Sohn rein zubekommen.

Es ging nicht. Wenn er satt war, war er satt (und das ist ja auch gut so). Aber selbst, wenn er super gegessen hatte, wachte er immer zur gleichen Zeit auf und schrie.

Der nächste Tipp: Vor dem Einschlafen nicht mehr stillen, die Kinder übernehmen das und übertragen das auf ihren Nachtschlaf.

Ich habe sehr lange gebraucht, aber irgendwann habe ich ihn mit viel Schunkeln und Singen soweit gehabt, dass wir auf der Couch gestillt haben und dann erst ins Bett gegangen sind, wo er in meinem Arm einschlief.

Mein Sohn dachte nicht im Traum daran, dies in der Nacht zu übernehmen. Er wachte wieder zur gleichen Zeit auf und schrie (auch wenn er noch in meinem Arm lag).

Danach nahm ich an einem Online-Schlafprogramm teil. Darin wurde alles abgehandelt von Entspannung über Aktivitäten am Tage bis zu Einschlafritualen. Ich habe alles brav und erfolglos abgearbeitet und kam zu dem Schluss, dass ich eigentlich viel richtig machte, aber er halt nachts gestillt werden wollte.

Also bot ich ihm nachts Wasser an, ich versuchte ihn mindestens einmal pro Nacht ohne Stillen einschlafen zu lassen und dies zu steigern, stillte nicht mehr vor 5 Uhr morgens usw….
Ich war fix und fertig.

Dann stieß ich auf einen Artikel, in dem sinngemäß stand: „Jedes Kind ist anders und auch ein Kind mit über einem Jahr muss noch nicht durchschlafen. Das ist nicht schön für die Mütter, aber es ist leichter, wenn man sich arrangiert.“

Irgendwie traf die Autorin mit ihren Worten genau das, was mein Gefühl mir sagte und ich hörte auf, mir ein schlechtes Gewissen zu machen.

Ich machte mir keinen Stress mehr mit dem Durchschlafen.

Ich hörte auf die nächtlichen Stillmahlzeiten zu zählen und Verzögerungsprogramme durchzuziehen. Ich stillte nachts, wann immer und so oft mein Sohn es wollte, und wir schliefen danach entspannt weiter.

Tagsüber legte ich mich, wann immer möglich, mit ihm hin und am Wochenende ließ mich mein Freund mal ausschlafen.

Gelegentlich ging ich auch schon mit meinem Sohn zusammen ins Bett.

Mein Sohn war „besonders anders“ und schlief erst mit 2 Jahren und drei Monaten durch. Ich habe bis dahin aber entspannt geschlafen und weder mein Sohn noch ich litten unter dem nächtlichen Stillen.

(Wir hatten zu Beginn des dritten Lebensjahrs einen weiteren Osteopathen aufgesucht und vieles wurde nach einigen Behandlungen besser (besonders Motorik, Körperhaltung usw.). Das Durchschlafen kam ungefähr zeitgleich – ich bringe es auch damit in Zusammenhang.)

Tagsüber waren er (immer) und ich (meistens) fit.

Ich fand, es war dann auch irgendwie eine sehr kuschelige und gemütliche Zeit mit unserer nächtlichen Zusatzzeit.

Nachdem wir nun die zwei großen Krisen der ersten zwei Lebensjahre überstanden hatten, bestand eigentlich kein Grund mehr weiter zu stillen.

Mein Sohn aß und trank normal. Er hatte Alternativen sich zu beruhigen. Er schlief selbstständig ein und durch (wir kuschelten immer noch zum Einschlafen, weil es so schön war). Er war gut an mich und meinen Freund gebunden und offen gegenüber Anderen.

Aber es bestand auch kein Grund abzustillen.

Jetzt, wo wir wirklich nur noch ab und zu mal stillen (ca. 3 mal am Tag für ca. 3 Minuten, manchmal länger, manchmal kürzer), war das Stillen nur noch Kür.
Es war schön, unanstrengend, fast nebensächlich, aber doch noch eine einzigartige Verbindung zwischen uns.

Inzwischen erwarte ich meinen zweiten Sohn in knapp drei Monaten.

Das Stillen während der Schwangerschaft verläuft unproblematisch. Ich habe weder besonders empfindliche Brustwarzen noch sonstige Probleme.

Wenn sich mein erster Sohn vor der Geburt noch abstillt, ist es für mich in Ordnung. Wenn nicht, auch.

Ich kann mir auch vorstellen, beide eine gewisse Zeit gleichzeitig zu stillen. Ich fühle mich ganz gut gewappnet.

Originalbericht einer Mutter, April 2015
Foto: J. Götze

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube und Google+.

8 Kommentare

  1. Hach, was hab ich mir für einen Stress gemacht eine Zeit lang – genau wie im Artikel beschrieben.
    Meine Tochter wurde 3,5 Jahre gestillt und schlief erst mit 5 Jahren regelmäßig durch…

    Wir haben viel im Familienbett geschlafen, so dass mich das nächtliche Aufwachen meist nicht groß gestört hat.

    Viele Menschen sind nun mal Rudeltiere und schlafen gern mit anderen zusammen.
    Ich übrigens auch….

  2. Hallo Liebe Mütter,

    ich brauche dringend einen Rat.Bin verzweifelt meine Tochter 9 Monate wird noch gestillt,ich bekomme Sie nicht zum einschlafen da Sie am Anfang alle Schnuller verweigert hat,z.b. Nuk,Avent,MAM,und sogar den vom KH.Ich weiss nicht mehr weiter,einerseits tut Sie mir Leid und sobald Sie an der Brust isst ,schläft Sie weiter andererseits ist es mein 4.Kind, ich bin 24 stunden wach ,die anderen 3 hatten alle Schnuller und wurden auch nur 6 Monate gestillt,mein Mann ist berufstätig,ich kann mich tagsüber nicht hinlegen ,muss den ganzen Tag funktionieren. Weiss nicht wie ich Sie zum schlafen bringen kann.Hoffe es kann mir jemand Tipps geben

    Lg

    • Hallo Maryam,
      für diese Situation halte ich nur eine individuelle Beratung für angezeigt, da es keine ultimativen Tipps gibt, um Kinder zum Schlafen zu bringen, zumal nicht solche, die schnell und sicher funktionieren. Für das Verhalten Ihres Kindes können einfach zu viele Faktoren eine Rolle spielen.
      Wichtiger scheint mir ohnehin zunächst kurzfristig dafür zu sorgen, dass Sie Entlastung im Haushalt und mit den Kindern bekommen. Manchmal entspannt sich das Kind, sobald die Mutter sich besser entspannen kann. Was Sie kurzfristig entlasten könnte und möglich ist, müsste innerhalb der Beratung entsprechend überlegt und abgewogen werden.
      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  3. So schön, dass du nicht aufgegeben und auf dein inneres Gefühl gehört hast! Das freut mich tief und hat deinem Sohn sicherlich so viel Schönes und vor allem Verbundenheit und Liebe mitgegeben 🙂 Toll, dass du weiterstillst. Ich freue mich sehr über deinen Bericht! Unsere Kleinen nehmen sich, was sich brauchen 🙂 Alles Liebe, Linda

  4. Vielen Dank für den ehrlichen Bericht! Ich finde uns in vielem wieder, denn meine Tochter ist 13 Monate und sie kann nur mit Brust einschlafen, wacht alle 2h auf -seit der Geburt… Manchmal brauchen wir abends auch Stunden bis sie richtig schläft… Ich musste bereits ein halbes Jahr nach der Entbindung wieder arbeiten und kann mich tagsüber leider nicht hinlegen.
    Es hilft tatsächlich nur die Situation zu akzeptieren. Mit diesen ganzen gut gemeinten Ratschlägen und Schlafprogrammen stresst man sich nur zusätzlich.
    Meine Tochter braucht unsere Nähe und UNSERE starke Bindung.

  5. Hallo
    Finde den Text sehr motivierend. Mein Sohn 21 Monate trinkt abends und nachts. Momentan (da er erkältet ist) alle 1,5-2 std. Sonst 3-4 mal nachts. Er schläft bei uns im Bett, da das bequemer für mich ist. Manchmal klappt es auch, dass er den Schnuller nimmt, ansonsten fliegt der Schnuller durchs Bett und Busen muss her.
    Naja, jedes Kind ist anders. Durchschlafen tun sie irgendwann mal alle 🙂

  6. Danke für diesen ehrlichen Bericht. Ich stille meinen Kleinen 21 Monate auch noch mehrmals täglich und mindestens 3mal nachts. Manchmal wünscht man sich einfach, dass er besser schlafen würde und tatsächlich gab es auch schon Nächte, da wollte er nur einmal… Schön, dass Du die innere Ruhe für Euch hast und auch gelassen auf die Geburt und das Zweite bist. Ich bin auch gerade wieder schwanger und habe etwas Bammel, weil ich weiß, dass mein Kleiner sich so schnell noch nicht abstillen lässt…. Aber dein Bericht macht Mut und überhaupt was soll denn schief gehen, solange Mama und Kind das tun, was beiden gut tut….

    • Meine Tochter 25 Monate wird auch noch gestillt, zum Mittagsschlaf und zum Abendschlaf sowie je nach Bedarf in der Nacht (2-3 Mal). Und nun unsere Antwort zum Durchschlafen, vor wenigen Tagen hat unsere Tochter das erste Mal 8 Stunden durchgeschlafen ? Ich kann und möchte an alle Mütter appellieren – entspannt Euch, so sehr es jedem möglich ist, und denkt daran – jedes Kind ist anders und, es kommt anders als man denkt!

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