Stillkinder.de

Intuitives Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Berichte > Lange Stillzeit > Ich möchte selbst entscheiden, wie lange ich stille
Ich möchte selbst entscheiden, wie lange ich stille

Ich möchte selbst entscheiden, wie lange ich stille

7 Kommentare

Mein Sohn ist mittlerweile 18 Monate alt und ich stille ihn noch mehrmals täglich, abends zum Einschlafen und auch nachts.
Er ist kein guter Esser, so dass das Stillen für ihn noch einen wichtigen Teil der Ernährung darstellt.

Meine inzwischen 5jährige Tochter habe ich auch über zwei Jahre gestillt, so dass das Langzeitstillen für mich eigentlich nichts Neues ist. Allerdings wurde meine Tochter in dem Alter meines Sohnes nur noch zum Einschlafen und nachts gestillt.

Trotz meiner Stillerfahrung war das Stillen bei meinem Sohn von Anfang an schwieriger. Er trank immer nur kurz, dafür häufiger.

Ich hatte oft das Gefühl, zu wenig Milch zu haben. Mein Sohn nahm zwar immer gut zu, doch merkte ich phasenweise, dass seine Windeln leichter waren und er weniger Milch bekam.

Ständig war ich krank, was bei mir immer mit einem Rückgang der Milchmenge verbunden war.

Trotzdem stillte ich immer weiter und nach den schlechten Phasen kamen immer wieder gute und unkomplizierte Zeiten.

Vor circa einem Monat riss meine rechte Brustwarze ein. Das hatte ich schon häufiger gehabt und es war auch immer wieder verheilt.

Dieses Mal war es jedoch anders. Mein Sohn grub seine Zähne beim Stillen immer genau in den Riss. Der Riss wurde immer tiefer und ich hatte höllische Schmerzen beim Stillen.

Ich probierte alles aus: Lanolin-Salbe, Schwarztee, Muttermilch, Milchzucker, Kompressen…

Nichts half, beim Stillen riss es immer wieder auf. Der Riss eiterte und ich hielt das Stillen kaum aus.

Dazu kam, dass mein Sohn an der Brust nicht mehr trinken wollte. Vielleicht störte ihn der Riss oder er spürte meine Schmerzen.

Mein Hautarzt verschrieb mir eine Cortison Salbe (die ich nicht benutzte) und riet mir, die Brust ein paar Tage nicht zu stillen.

Ich rief bei meinem Frauenarzt an und bat um ein Rezept für eine elektrische Milchpumpe, damit sich die Brust ein paar Tage erholen konnte.

Mit der Handpumpe kam nichts aus der Brust und das Pumpen schmerzte auch enorm. Die Sprechstundenhilfe sagte, ich solle das Rezept abholen.

Meine Mutter fuhr für mich hin und kam ohne Rezept zurück.

Mein Frauenarzt hatte sich geweigert, das Rezept zu unterschreiben, da das Kind schon älter als ein Jahr sei. Ich solle abstillen, mein Sohn würde mich beißen, weil keine Milch mehr aus der Brust käme.

Ich war geschockt. Bis jetzt hatte ich meinen Frauenarzt für einen kompetenten Arzt gehalten.

Die Entscheidung, wie lange ich stille, möchte ich gerne selbst treffen. Und meine Brust war kurz vor dem Platzen, von keiner Milch konnte also keine Rede sein.

Mein Hautarzt wollte mir ebenfalls kein Rezept ausstellen, da es eine „fachfremde“ Angelegenheit sei.

Der Kinderarzt weigerte sich auch, da das Kind gesund war. Außerdem würden sie nur Milchpumpen bis zu einem Alter von einem Jahr verschreiben.

Schlussendlich bekam ich von meinem Hausarzt ohne Probleme ein Rezept, wofür ich sehr dankbar bin.

Ich konnte mit der elektrischen Pumpe ein paar Mal abpumpen, was super klappte. Mein Brustwarze hatte Gelegenheit zu heilen und nach ein paar Tagen konnte ich wieder ganz normal und ohne Schmerzen stillen.

Es war aber wirklich keine schöne Erfahrung zu erleben, wie Ärzte mit Frauen, die länger als ein Jahr stillen, umgehen. Ich habe mich sehr hilflos und allein gelassen gefühlt.

Besonders enttäuscht bin ich von meinem Frauenarzt. Anstatt mir zu helfen, hat er mir ungefragt unqualifizierte Ratschläge erteilt. Ich überlege ernsthaft, den Arzt zu wechseln, obwohl er als Belegarzt einer sehr angesehenen Geburtsklinik meine beiden Kinder zur Welt gebracht hat.

Mit freundlichen Grüßen, C.

Originalbericht einer Mutter, April 2015
Foto: Nursing via photopin (license)

 

Haben Sie selbst eine schwierige Situation mit Ihrem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchten Sie Ihre Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreiben Sie mir doch Ihren eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

7 Kommentare

  1. Unser Sohn ist jetzt 19 Monate und wird noch nachts, und zum Einschlafen (mittags/abends) gestillt. Meine Frau ist von ihrem Frauenarzt ungefragt aufgefordert worden endlich damit aufzuhören, in einer Art und Weise, die völlig unpassend war. Für uns drei ist das kein Problem, aber aus unserem Bekanntenkreis wissen es auch nur die besten Freunde. Wir wollen aber langsam von uns aus aufhören, weil wir gerne ein Geschwisterchen für den Kleinen hätten. Doch das gestaltet sich aktuell recht schwierig. Wenn er mit mir (Papa) zum Mittagsschlaf ins Bett geht, funktioniert es meist gut, bei meiner Frau geht es aber ohne Trinken fast nie.

    • Fast 3 Monate später, unser Sohn ist jetzt bald 22 Monate, das Stillen mittags vergisst er inzwischen manchmal, und wenn er den Vormittag bei Oma war, reicht ihm auch manchmal 5 min auf der Brust liegen und entspannen. Dafür reicht sogar ab und zu der Papa. Abends wird er weiterhin in den Schlaf gestillt, meist trinkt er aber nur kurz an und schläft nach 5 min. Seit heute haben wir ’nen neuen Arzt, beim ersten Besuch hat sich meine Frau aber nicht getraut zu erwähnen, dass sie noch stillt.

  2. Liest eigentlich irgendein Arzt mal die Empfehlungen der WHO? Für was gibt es die, wenn sich eh keiner dafür interessiert? Stillen bis zum 2. Lebensjahr wird empfohlen und darüber hinaus, wenn Mutter und Kind es möchten.

  3. Genau für solche Probleme können Frauen, solange sie stillen, auch die Hebamme noch bis zu 8 Mal kommen lassen nach der 8. Woche!
    Bitte, liebe Mütter, nehmt es in Anspruch!

    • Ja, das stimmt und es wird leider viel zu selten in Anspruch genommen.
      Aber auch dabei kann es vorkommen, dass die Krankenkasse sich zunächst weigert, die Kosten zu übernehmen, weil das Kind schon „zu“ alt ist.
      In diesem Fall sollte sich die betroffene Hebamme mit den Rechtsanwälten des Deutschen Hebammenverbands in Verbindung setzen, um die in der Hebammengebührenordnung verankerte Kostenübernahme der Hebammenbetreuung BIS ZUM ENDE DER STILLZEIT durchzusetzen.

    • Wenn die sonst stillfreundliche Hebamme meint, nach einem Jahr stillen müsse auch mal Schluss sein,hilft einem das leider bei sowas auch nicht. 🙁
      (Wir haben bisher zum Glück keine Probleme und sind auch noch nicht bei einem Jahr…).

  4. Das war sicher sehr schlimm fuer dich! Wie schade, dass die Aerzte oft nicht verstehen wollen, wie wichtig das Stillen ist. Mein Kind ist 28 Monate alt und wir stillen noch mittags und abends zum Einschlafen. Ein Stillende ist bei uns noch nicht in Sicht und ausser meinem Mann weiss keiner (auch kein Arzt), dass wir noch dabei sind. Es ist mir einfach zu muehsam mich/uns zu erklaeren.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Ja, ich möchte auch gleich den Stillkinder-Newsletter abonnieren, um zu erfahren, wenn es hier etwas Neues gibt.