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Essstörung - trotzdem stillen?

Ich habe eine Essstörung – trotzdem stillen?

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Sie haben oder hatten selbst eine Essstörung und haben sich entschieden, Ihr Baby zu stillen. Wunderbar!!

Damit machen Sie Ihrem Baby und sich selbst ein großes Geschenk, denn Stillen ist mehr als nur Ernährung.

Neben seinen vielen gesundheitlichen Konsequenzen für Mutter und Kind, fördert es auch die Mutter-Kind-Beziehung und bietet dem Baby Befriedigung und Stimulation für alle Sinne. Zudem senken die Inhaltsstoffe der Muttermilch das Risiko Ihres Babys später einmal Übergewicht zu bekommen.

Informieren Sie sich daher schon vorher gut über das Stillen!

Lesen Sie ein Stillbuch*.

Suchen Sie den Kontakt und Austausch mit anderen stillenden Müttern in einer lokalen Stillgruppe.

Gerade am Anfang der Stillzeit, vor allem auch, wenn Ihr Baby per Kaiserschnitt oder mit einem geringen Gewicht geboren wurde, benötigen Sie sehr viel Unterstützung und sollten alle Hilfen in Anspruch nehmen, die Sie bekommen können.

Gönnen Sie sich und Ihrem Baby soviel Hautkontakt wie möglich, mindestens bis zum ersten Stillen, aber auch in den nächsten Tagen.

Legen Sie schon in den ersten Tagen häufig an, auch wenn Sie noch nicht viel Milch haben.

Um Ihr Baby zu stillen, nehmen Sie eine bequeme, zurückgelehnte Position in einem ruhigen, störungsfreien Raum ein. Legen Sie Ihr Baby bäuchlings auf Ihren Bauch, so dass es mit der Wange eine Ihrer Brustwarzen berührt und warten Sie ab, was geschieht.

Wahrscheinlich wird es nach kurzer Zeit anfangen, die Brust zu suchen und von alleine die Brustwarze und einen guten Teil des Warzenhofs erfassen, sobald es die optimale Stellung gefunden hat.

Zum Anlegen in einer aufrechteren Stillposition, setzen Sie sich gut gestützt in einen Sessel mit Rückenlehne und Armlehnen, die Ihrem Stillkissen Halt geben, falls Sie eines benutzen.

Legen Sie das Baby so eng wie möglich an Ihrem Körper auf das Stillkissen. Fassen Sie Ihre Brust von unten mit der Hand und drücken Sie sie mit Daumen und Fingern parallel zum Mund Ihres Kindes etwas zusammen, so dass es mit weit geöffnetem Mund Ihren Warzenhof und damit einen guten Teil der Brust erfassen kann.

Lassen Sie Ihr Baby an Ihren Brüsten so oft und solange saugen, wie es möchte, denn das stimuliert am besten Ihre Milchproduktion.

Wenn Sie richtig angelegt haben, spüren Sie dabei keine Schmerzen und bekommen auch keine wunden Brustwarzen. Achten Sie dabei auf die Schluckgeräusche beim Trinken. Während es trinkt, können Sie Ihre Brust zart massieren oder mit der Hand flächig etwas auf die Brust drücken, dann läuft Ihre Milch leichter. Legen Sie in wechselnden Positionen an.

Führen Sie in den ersten Wochen ein Stillprotokoll, in das Sie die Stillzeiten sowie die täglichen Urin- und Stuhlwindeln Ihres Babys eintragen, bis Sie sicher sind, dass Ihr Baby gut gedeiht. Tägliche Wiegeproben sind unnötig und verursachen unnötigen Stress für Sie und Ihr Baby.

Verzichten Sie aber auf den Einsatz eines Schnullers, sondern bieten Sie Ihrem Baby so oft wie möglich Ihre Brust zum Saugen an, auch zwischen den Mahlzeiten, z.B. zur Beruhigung oder zum Trost.

Damit Sie genügend Muttermilch bilden, sollten Sie mindestens 1800 kcal pro Tag zu sich nehmen. Wählen Sie gesunde, abwechslungsreiche Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Proteinen, Kalzium, Zink, Magnesium, Eisen, Folsäure, Vitamin B2, B6, E, Phosphor und Thiamin sowie an den Vitaminen C, B6, B12, A und D und den Spurenelementen Selen und Jod.

Falls dies nicht möglich ist, nehmen Sie ein Nahrungsergänzungsmittel, damit es nicht zu einem Mangel der Nährstoffe bei Ihnen kommt.

Sie müssen keine „perfekte“ Mutter sein, Ihrem Baby genügt es, wenn Sie eine ausreichend gute Mutter sind. Das Stillen kann Ihnen dabei helfen, die Beziehung zu Ihrem Baby zu vertiefen und sich als gute Mutter zu fühlen.

Wenn Sie beim Stillen oder beim Umgang mit Ihrem Baby unsicher sind oder sich Sorgen machen, sollten Sie sich so schnell wie möglich fachliche Hilfe suchen, z.B. durch Ihre Hebamme.

Vermeiden und reduzieren Sie Ihren Stress im Haushalt, indem Sie z.B.:

  • Ihre Haushaltspflichten verringern,
  • die Tätigkeiten im Haushalt mit wachem Baby im Tragesack oder -tuch ausführen,
  • die Schlafphasen des Babys nutzen, um selbst zu ruhen oder etwas Angenehmes zu tun,
  • Ihren Partner stärker im Haushalt oder in der Kinderbetreuung einbinden,
  • sich eine Haushaltshilfe organisieren, z.B. aus der Familie oder gegen Bezahlung,
  • eine regelmäßige Betreuung des Babys oder der Geschwisterkinder vereinbaren, z.B. durch eine Oma oder einen Babysitter,
  • Kontakte mit anderen Müttern aufnehmen, z.B. in einer Stillgruppe, Rückbildungskurs, Babygruppe, usw.,
  • sich täglich bewegen und Spaziergänge von mindestens 60 Minuten Dauer an der frischen Luft machen,
  • sich entspannen, z.B. durch Meditation oder Yoga.

Sollte sich Ihre Essstörung verschlimmern, suchen Sie schnellstmöglich professionelle Hilfe.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, 2012, überarbeitet September 2014
Foto: JD Hancock via photopin cc
Original: „Informationen für stillende Mütter mit Essproblemen“ in Praxisbuch – Besondere Stillsituationen* von Deutscher Hebammenverband (Hrsg.), S. 245

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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