Ich habe darauf vertraut, dass es irgendwann gut geht

Ich habe darauf vertraut, dass es irgendwann gut geht

1 Kommentar

Unsere Tochter ist am 1. Januar 2014 gegen 12 Uhr per Kaiserschnitt entbunden worden.
Nach Blasensprung, Medikamenten zum Einleiten, 12 Stunden Wehen alle drei Minuten ohne PDA – was zu „grandiosen“ 3 Zentimeter Öffnung des Muttermundes geführt hat.

Silvester in der Gebärwanne und Anstoßen zwischen den Wehen, nach Schüttelfrost und Fast-Ohnmacht, dann doch PDA, Herzflattern, Anpieksen des Kopfes, fast Not-Kaiserschnitt usw., war der Kaiserschnitt nach bereits drei Tagen im Krankenhaus eine Erlösung.

Bis zum Schluss haben wir alles versucht, alle Übungen mitgemacht – immer mit dem Wissen, dass eine natürliche Entbindung besser ist.

Doch unsere Sternguckerin wollte nicht freiwillig die Höhle verlassen und so kam sie dann mit einem wütenden Geschrei, gesund und klein und zart mit 2900 Gramm und 49 Zentimetern zur Welt. Vier Tage nach dem errechneten Termin.

Das erste Anlegen direkt nach der Geburt klappte und dann wurde es schwierig.

Mein Mann und ich wurden in einem Familienzimmer untergebracht – und ohne ihn hätte ich das wohl alles nicht geschafft.

Nach drei Tagen im Krankenhaus, fast ohne Schlaf, war ich so erschöpft, wie noch nie in meinem Leben. Zwar bin ich noch am Nachmittag aufgestanden und habe alles an Schläuchen entfernen lassen, doch war es unglaublich hart, alle drei Stunden aufzuwachen, die Kleine zu wecken und zu stillen.

Für jedes Anlegen haben wir trotz Hilfe der Krankenschwestern 30 bis 40 Minuten gebraucht. Unsere kleine Maus hat das mit dem Vakuum einfach nicht hingekriegt.

Einmal mussten wir sogar abpumpen und die Stillberaterinnen und Krankenschwestern wurden zunehmend verzweifelt.

In der ersten Zeit hat die Kleine auf meinem Mann geschlafen, er hat sie alle drei Stunden gewickelt und zu mir gebracht – denn jede Bewegung ist nach dem Kaiserschnitt ja doch mit Schmerzen verbunden.

Nach fünf Tagen konnten wir das Krankenhaus verlassen. Meine Brustwarzen waren nach einer Woche beidseitig blutig – ich hatte schon richtig Angst vorm Stillen, habe es dennoch alle drei Stunden gemacht – allerdings wollte ich alleine sein, damit niemand sieht, wie ich mich vor Schmerzen krümme.

Besser wurde es erst, als ich Stillhütchen genommen habe, damit die Brustwarzen heilen konnten.

Die ersten sechs Wochen Stillen waren unheimlich hart, danach lief es. Was toll gegen die Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich geholfen hat, war eine Fango-Packung, die sich in der Mikrowelle aufwärmen lässt.

Inzwischen kann ich in allen Positionen stillen, im Gehen, im Sitzen, Stehen, Liegen.

Am ersten Januar wird die Kleine ein Jahr alt – und sie wird nachts immer noch alle zwei bis drei Stunden gestillt – manchmal auch häufiger, wenn sie zahnt beispielsweise.

Wenn es nach mir ginge, hätte ich schon abgestillt, aber ich habe das Gefühl, dass unsere Tochter nach dem schweren Start besonders daran hängt. Nichts beruhigt sie so zuverlässig und schnell wie Mamas Brust.

Ach so, zwei Krisen mussten wir in den ersten sechs Wochen außerdem bewältigen: Ich bekam vier Wochen nach der Geburt Kindbettfieber und musste mit der Kleinen für vier Tage ins Krankenhaus.

Kurz nachdem wir draußen waren, hatte sie eine Aspiration. Das Krankenhaus, zu dem wir gefahren sind, war überfüllt, so dass wir per Notarztwagen und Monitorüberwachung verlegt wurden. Letztendlich wurde die Kleine in keiner Weise behandelt, nur überwacht.

Am nächsten Tag sind wir nach Hause gegangen, ich habe sie den ganzen Tag im Tragetuch getragen und nach zwei Tagen war auch diese Krise überstanden.

Vor der Geburt haben wir so ziemlich alles an Vorbereitung gemacht, was geht. Wir waren im Geburtsvorbereitungskurs, haben Zuhause Positionen geübt, haben uns die besten Positionen ausgedruckt und in die Krankenhaustasche gepackt.

Ich war wöchentlich beim Schwangerenyoga, habe literweise Himbeerblättertee getrunken, war bei geburtsvorbereitender Akupunktur und bei einer Osteopathin.

Und das alles, obwohl ich ohnehin der Ansicht war, dass so eine kleine Geburt so schwer nicht sein kann. Schließlich bin ich sportlich und Millionen Frauen vor mir haben es auch geschafft.

Dasselbe beim Stillen. Ich war fest davon überzeugt, dass das alles gar kein Problem ist.

Wir hatten einen Kurs zum Baden, Wickeln, Anlegen usw. besucht und ich habe natürlich viel gelesen. Ich fühlte mich bestens vorbereitet und war komplett entspannt.

Und die ganze Geburt hindurch, habe ich brav ausgeatmet und nicht die Zähne zusammengebissen oder so.
Letztendlich habe ich immer darauf vertraut, dass alles früher oder später gut geht.

(Das nur zur Info, falls jemand den Bericht liest und meint, ich wäre sicherlich selbst schuld, da schlecht vorbereitet oder so.)

Grüße, C.

Originalbericht einer Mutter, Dezember 2014
Foto: food via photopin (license)
 

Haben Sie selbst eine schwierige Situation mit Ihrem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchten Sie Ihre Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schicken Sie mir doch Ihren eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Lustig, das hätte wortwörtlich meine eigene Geschichte sein können. Bloß bin ich erst bei einer Woche nach der Geburt angelangt. 😉

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.