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Gut, dass wir nicht aufgegeben haben

Gut, dass wir nicht aufgegeben haben

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Am liebsten stillt Leo im Liegen und ich bin jedes mal verzaubert, wenn er mich dabei ansieht und seine kleinen Händchen faltet. Dass wir überhaupt stillen, ist jeden Tag wieder ein Grund zur Freude.

Denn wir hatten einen schweren Start und ich war mir nicht sicher, ob wir überhaupt stillen würden. Nach sieben Wochen war es aber tatsächlich soweit.

Wie kam es dazu?

Es fing damit an, dass Leo in meinem Bauch nicht richtig versorgt wurde. Deswegen musste er vier Wochen vor dem eigentlichen Termin per Kaiserschnitt geholt werden und wog nur 1.680 g. Für zwei Wochen blieb er im Krankenhaus und wurde dort per Magensonde und Flasche gefüttert.

Ich pumpte also ab und war über jeden Tropfen glücklich, den ich Leo bringen konnte.

Tatsächlich kam der Milcheinschuss recht schnell und ich hatte viel Milch zur Verfügung.

Dass es einen Milcheinschuss gibt und was das überhaupt ist, wusste ich gar nicht. Dass ich stillen möchte, war für mich eine Selbstverständlichkeit, aber mir war nicht bewusst, dass es so viel darüber zu wissen gibt. Ich war ganz naiv.

Von Stillhütchen, Stillberaterinnen, Saugverwirrung hatte ich noch nie etwas gehört. In meiner Vorstellung konnte jede Mutter und jedes Baby ohne Probleme stillen und Milch wäre einfach da.

Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass ich so wenig wusste. Hätte ich gewusst, dass nach einem Kaiserschnitt der Milcheinschuss nicht immer kommt, hätte mich das vielleicht unter Druck gesetzt und dann hätte es erst recht nicht geklappt.

Aber eigentlich war es schlecht, dass ich so wenig wusste. Denn dann wäre mir bewusst gewesen, wie wichtig das Anlegen in den ersten Stunden/Tagen ist. Auf der Kinderstation hat sich keiner darum gekümmert und mich dazu angesprochen.

Als wir Leo nach den zwei Wochen endlich mit nach Hause nehmen durften, waren wir so glücklich.

Endlich konnten wir ihn 24 Stunden um uns haben.
Endlich keine Kabel mehr und kein Klinikzeitplan.

Endlich keine Schwestern mehr, die der Meinung sind, ich dürfte mein Kind nicht auf den Arm nehmen, wenn es weint und nicht einschlafen kann. Dann würde es sich daran gewöhnen.
Oder dass Füttern und Wickeln maximal eine Stunde dauern darf und das Kind dann wieder schlafen soll.
Oder dass in der einen Flasche doch Pre Milch war, weil es ja nur ein Nachschlag sein sollte und dafür wollte man keinen neuen Behälter mit Muttermilch anbrechen, von der allerdings reichlich vorhanden war.

Ich pumpte weiter ab und Leo bekam die Flasche. So hatte ich mir das aber nicht vorgestellt. Ich wollte stillen.

Außerdem hat mich das Abpumpen mehr und mehr gestresst. Die empfohlenen achtmal habe ich nie geschafft; ich war froh, wenn ich auf sechsmal kam. Das Reinigen des Zubehörs und der Flaschen hat mich sehr genervt.

Und das schlimmste war, dass ich wenig Zeit mit Leo verbringen konnte, weil ich (gefühlt) nur am Abpumpen oder Reinigen war.

Das Anlegen versuchten wir nun immer mal wieder, aber leider erfolglos. Ich war sehr oft kurz vorm Aufgeben.

In dieser Zeit begann ich, im Internet nach Erfahrungsberichten von Müttern zu suchen, die auch einen schweren Start hatten. Diese Berichte haben mir großen Mut gemacht.

Nach drei Wochen zu Hause, als Leo also fünf Wochen alt war, begann ich, ihn immer erst einmal anzulegen, wenn er Hunger hatte.

Dafür verwendeten wir Stillhütchen, mit denen das Anlegen zwar funktionierte, aber so richtig toll war es nicht. Entweder bekam ich sie nicht richtig aufgesetzt oder sie fielen wieder ab, oder Leo schlug sie mit seinen unkoordinierten Händen weg.

Ich versuchte jedoch, so ruhig wie möglich zu bleiben, auch wenn Leo schon schrie, weil es so lange dauerte.

Das Stillen selbst dauerte immer nur ungefähr fünf Minuten. Davon wurde er natürlich nicht satt und bekam also im Anschluss die Flasche mit Muttermilch.

Erst einmal war ich sehr glücklich, dass wir nun ein wenig stillten.

Aber im Hinterkopf hatte ich immer den Gedanken, dass wir die Stillhütchen auch bald wieder los werden müssen, da sie auf Dauer Nachteile mit sich bringen.

Also suchte ich im Internet nach Tipps. Letztendlich brauchte ich diese gar nicht. Nach einer Woche stillten wir nämlich ohne. Einfach so.

Leo guckte mich eines Morgens anders an, irgendwie wacher, aufmerksamer. Also entschloss ich mich, es ohne Hütchen zu probieren und es funktionierte wunderbar.

Endlich stillten wir „richtig“. Ich war so glücklich. Die Flasche gab es im Anschluss trotzdem, denn an der Stilldauer an sich hat sich nichts geändert.

Wir fragten uns, wie viel Milch Leo durch das Stillen erhält. Viel konnte es nicht sein, denn mit der Flasche trank er am Tag ca. 600 – 700 ml.

Wie sollten wir also vom Teilstillen wegkommen? Das ist doch gar nicht möglich.

Wir erfuhren, dass es einen Sauger gibt, bei dem das Baby die Technik wie beim Stillen anwenden muss, um Milch aus der Flasche zu erhalten.

Unser Plan war, dass wir Leo erst einmal nur noch mit diesem Sauger füttern, damit er das Stillen weiter lernt, wir aber eine Kontrolle haben, wie viel er trinkt.

Die erste Flasche funktionierte super. Da hatte er in kurzer Zeit eine gute Menge geschafft. Wir waren also sehr zuversichtlich.

Doch schon bei der nächsten Flasche brauchte er ewig für wenige Milliliter. Wir waren sehr bestürzt und dachten, dass wir das Vollstillen nie erreichen würden, weil Leo einfach nicht die Kraft hatte, so viel zu trinken.

Dass er aber die Kraft hatte, bewies er kurze Zeit später.

Eine Woche, nachdem wir die Stillhütchen weglegen konnten, stillten wir am Morgen und Leo hörte gar nicht mehr auf. Er stillte zwanzig oder dreißig Minuten! Nicht die fünf Minuten wie sonst.

Ich entschied, dass er im Anschluss keine Flasche erhält. Und tatsächlich hat er nie wieder eine bekommen.

Die nächsten fünf Tage verbrachten wir mit Clusterfeeding im Bett. Alle fünf bis zehn Minuten wollte Leo angelegt werden.

Mein Mann versorgte mich mit Essen und Getränken, so dass ich mich voll auf Leo konzentrieren konnte. Wir übten auch noch weiter an der Anlegetechnik und benutzten dafür die asymmetrische Methode, was wunderbar funktionierte.

Ich machte mir keine Gedanken, dass wir jetzt für immer clustern würden. Mir war bekannt, dass das nur eine Phase sein würde.

Worüber ich mir aber Gedanken machte, war, ob Leo genug Milch bekam. Bei jedem Wickeln war ich angespannt, ob die Windel auch nass sei.

Bei einem niedrigen Geburtsgewicht ist der Gedanke immer da, dass das Kind zu wenig kriegt. Aber er schien sich genug zu holen.

Seine Gewichtszunahme war auch in Ordnung. Trotzdem war diese Anfangszeit ein Wechselbad der Gefühle. Den einen Tag war ich ganz zuversichtlich, den nächsten Tag dachte ich, dass das nichts wird.

Aber es wurde.

Seit wir stillen, ist alles viel entspannter. Wir müssen nicht überlegen, ob Leo vielleicht Hunger hat und wenn ja, ob es wohl ein großer oder kleiner Hunger ist, wie viel Muttermilch wir warm machen und ggf. verschwenden, weil es doch nur ein kleiner Hunger war.

Jetzt biete ich einfach die Brust an und Leo trinkt, wenn er mag.

Das Rausgehen ist einfacher, weil das Essen immer dabei ist und die Nächte sind auch viel entspannter, da Leo beim Stillen schläft und ich immerhin dabei liegen kann.

Es ist jetzt so, wie es von Anfang an eigentlich hätte sein sollen und dafür bin ich dankbar.

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2017
Foto: AFEXPhotography Baby Amelia via photopin (license)

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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