Gedanken zum Thema Stillen und Verwöhnen

10 Kommentare

Warum muss ich mich rechtfertigen, dass ich mein 18 Wochen altes Kind noch stille, wenn ich unendlich froh bin, dass ich stillen kann und darf?

Warum darf mein Kind nicht an meiner Brust nuckeln, wenn es das möchte?

Warum soll ich ihm besser einen Schnuller geben, wenn dieser als Brustersatz gilt?

Warum soll ich beim Stillen einen Rhythmus einhalten und nicht nach Bedarf stillen?

Warum darf mein Kind abends nicht so lange es möchte clustern, wenn es dadurch beim Verarbeiten der täglich erlebten Eindrücke weniger weint?

Warum muss ich mir sagen lassen, dass ich durch das Stillen ‚angehängt‘ sei, wenn ich mich nicht ‚angehängt‘ fühle?

Warum muss ich mir anhören, dass ich dadurch nicht mal ausgehen kann, wenn ich gar nicht ausgehen möchte?

Warum soll ich meinem Kind ein Fläschchen geben, damit ich unabhängiger bin, wenn ich mich nicht abhängig fühle und mein Kind stillen will, solange es dies zulässt?

Warum muss ich mich rechtfertigen, dass ich mein Kind verwöhne, wenn ich seine Bedürfnisse befriedige?

Warum verwöhne ich mein Kind auch, wenn es bei mir im Tragetuch schläft und wir uns so beide sicherer fühlen, weil ich umgehend auf seine Bedürfnisse reagieren kann?

Warum darf mein Kind nicht im Familienbett schlafen, wenn wir beide dadurch besser schlafen, ich seinem Bedürfnis nach Nähe sowie Sicherheit nachkomme und uns dadurch das nächtliche Stillen leichter fällt?

Warum ist mein Kind nur ‚brav‘, wenn es bereits durchschläft, obwohl ein Stillkind gar nicht durchschlafen darf?

 

Dies und noch viel mehr ist in 18 Wochen auf mich eingeprasselt.

So viele ‚Ratschläge‘ und ‚Kritik‘ habe ich – glaube ich zumindest – mein ganzes Leben lang nicht zu hören bekommen.

Aber im kurzen und noch jungen Leben meines Kindes fand man dafür Platz.

Ich bin froh, mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen ausgestattet zu sein und mit einem festen Glauben an meinen mütterlichen Instinkt, der mich vor Verunsicherung von Außen und dadurch auch mein Kind schützt.

Ich bin froh, einen Partner an meiner Seite zu haben, der hinter mir steht, und eine Stillgruppe, in der ich mich austauschen kann und von einer erfahrenen Stillberaterin betreut werde, die mich in meinem Tun bestärkt.

Ich glaube nicht, alles richtig zu machen, aber ich gebe mein Bestes für mein Kind.

Beste Grüße, Nina

Originalbericht einer Mutter, Juni 2015
Foto: mother pillow via photopin (license)

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

10 Kommentare

  1. Meine lieben Mitstreiterinnen,
    Ich stille auch (noch) meinen total zufriedenen kleinen Engel, der bald neun Monate alt ist und es tut uns sehr gut und wir werden nicht aufhören, bis wir es nicht mehr wollen. Bei blöden Kommentaren auch bezüglich des Co-sleepings, wird einfach auf Durchzug geschaltet. Komischerweise scheinen alle Außenstehenden es immer besser zu wissen!? Seltsam. Dabei geht es doch nur um Mama und Baby… und überhaupt! Immer diese Rechtfertigung! Ich habe mich letztens mit einer Freundin aus Kenia und einer anderen Freundin aus Peru unterhalten, ich sagte: hier sei es ‚üblich‘ mit spätestens 6 Monaten abzustillen. Beide lachten und sagten, wenn Mama das in ihren Ländern so machen würde, würde die ganze Familie zusammenkommen und versuchen sie abzuhalten und sie zu fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank hätte… 😀 wenns gar nicht klappt ist das natürlich was anderes, aber solange Mama und Baby sich gut fühlen, also weiter!

    Liebe Stillmamigrüße und folgt eurer Intuition, die weiss was richtig ist.

  2. Es ist erstaunlich, wie häufig man sich auch heute noch für das Stillen seines Kindes rechtfertigen muss. Nachweislich ist es doch das Beste, was Baby und Mama passieren kann. Ich stille seit 11 1/2 Monaten und bin stolz darauf. Leider muss auch ich immer wieder im familiären Umfeld erklären, warum ich mein Baby auch mit fast einem Jahr immer noch die Brust gebe. Ich kann dann immer nur sagen: weil wir beide es so wollen. Punkt. Liebe Verwandte und Bekannte, hört auf uns kluge Ratschläge zu geben, die vielleicht vor einigen Jahrzehnten modern waren. Die Mama von heute stillt, solange sie will und kann, weil sie weiß, was gut ist.

  3. Meine Älteste (knapp 17 Jahre alt) habe ich bis zu ihrem 4. Geburtstag gestillt. Sie wollte dann von selbst nicht mehr. Unseren Sohn (4 Jahre) musste ich mit etwa 17 Monaten abstillen, da er meine Brust richtiggehend blutig gebissen hat, und ihm schien das auch noch Spaß zu machen ? Unsere Jüngste hat mit der Beißerei kurz vor ihrem zweiten Geburtstag angefangen, so dass dann da auch Schluss war.
    Dumme Kommentare musste ich mir eigentlich nur bei unserer Großen damals anhören, und zwar von meinem Ex-mann. Ich hab ihn da aber vollkommen ignoriert ?

  4. Meine maus ist 10 monate und ich stille auch noch….lass mir nix sagen …. solang es uns dabei gut geht 🙂 lg flo

  5. Ein lächeln und einen lieben gruß schicken euch mein „verwöhntes“ baby (6,5monate) und ich 🙂
    Ich musste leider zufüttern, hab das stillen aber nicht aufgegeben. Beikost möchte mein zwerg seit über einem monat und das bekommt er natürlich dazu.
    Wir ach so egoistischen mütter tun doch nur was unsere zwerge möchten. Dafür lass ich mich nicht verurteilen

  6. …und wenn man dann, wie wir, völlig ohne es je geplant zu haben, schon seit mehr als dreieinhalb Jahren schön stillt, dann haben in der Zwischenzeit die Unkenrufe aufgehört, und man gehört halt zur Truppe der Unbelehrbaren und Eigenartigen.

    Wir sind eigenartig, unbelehrbar, zum Glück, und wir haben ein wunderbares Kind, das sicher und gut geerdet frei und offen ins Leben marschiert, uns jeden Tag sehr viel Freude und Glück beschert.

    Ich habe mir angewöhnt, wenn geunkt wird, nur noch in Floskeln zu antworten: „Bei uns ist das so.“ „Wir machen das so.“ Ich stelle fest, das wird oft am besten verstanden.

    Die vielen Warums in dieser wunderbaren Sammlung von Fragen würde ich mit „Weil die sich normal fühlenden Menschen in unserer Gesellschaft es nicht so machen bzw. gemacht haben.“ beantworten.

    Wir wecken unerfüllte Sehnsüchte, wir schüren Schuldgefühle, wir triggern Unzulänglichkeitsgefühle, wir ecken darum an, ohne es zu wollen oder uns dessen oft überhaupt bewusst zu sein, einfach nur, indem wir tun, was doch ganz selbstverständlich sein müsste und wofür wir heute die Versicherung von Experten brauchen, um es wirklich zu glauben, dass dieser Weg gut und richtig für uns und unser Kind ist.

    Ein anregender Text! 🙂

    Ich wünsche noch weiterhin sehr schönes, kuscheliges und hingebungsvolles Stillen, so lange es für beide gut ist!

  7. Ich bin erstaunt darüber, dass Ihnen diese Vorurteile schon in den 18 Wochen des noch so jungen Lebens des Kindes begegnet sind. Aber die liebe Verwandt- und Bekanntschaft hält ja mit den „guten“ Ratschlägen selten lange hinter dem Berg. Wir handhaben das genauso, wie von Ihnen berichtet, und kriegen auch immer mal wieder einen Kommentar deswegen gedrückt, denn immerhin ist unser Kleiner schon 7 1/2 Monate alt. 😉 Mich regt das immer tierisch auf, aber ich versuche jedes Mal, mir die Ratschläge weniger zu Herzen zu nehmen. Schließlich wissen WIR MÜTTER doch am besten, was das Richtige für UNSERE Kinder ist. Eine Stillgruppe ist aber auch, wie ich finde, eine sehr gute Unterstützung darin, dass man lernt, über solche Dinge hinwegzuhören und sich Mut zu holen, dass man auf dem richtigen Weg ist.

  8. Wunderbar, dies hätte ich auch genau so schreiben können! Jetzt ist mein Sohn fast sieben Monate und ich stille ihn noch fast ausschließlich, denn all diese Fragen und vor allem ihre Antworten, sind mir mittlerweile völlig egal!

  9. Toller Bericht !!!
    Könnte ich zu 100% genauso schreiben. Wahnsinn!
    Ich stille auch noch voll – wir sind im 7. Monat. Sehr viele Menschen in meinem Umfeld halten mich für außerirdisch, egoistisch und einsam ?!
    Ich wünsche Euch beiden weiterhin eine tolle Stillzeit! 😉
    Alles Gute!
    VG, Nina

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