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Für mich stand fest, dass ich nicht stille

Für mich stand fest, dass ich nicht stille

3 Kommentare

Hallo, Stillen ist etwas wundervolles und ich möchte auch gerne meine Geschichte teilen.

Ich war während der Schwangerschaft eigentlich davon überzeugt, nicht zu stillen.

Mein Umfeld und besonders meine Schwester haben mir immer wieder davon abgeraten.

Das Kind sei dann nur auf mich fixiert. Ich würde damit anderen die Chance nehmen, beim Füttern die Bindung zum Kind aufzubauen. Ich müsse mich weiterhin so ernähren wie in der Schwangerschaft.

Da meine Ernährung zum größten Teil aus geräuchertem und gepökeltem Fleisch besteht, wartete ich sehnsüchtig auf die Entbindung, um mal wieder was essen zu können, das mir schmeckt.

Daher stand für mich direkt fest, dass ich ihr nach der Geburt das Kolostrum füttern werde und dann abstille.

Die Geburt an sich war nicht groß anders, als man es von einer Geburt erwartet und mir wurde die Kleine direkt auf die Brust gelegt. Wir konnten dann schon ein wenig kuscheln und schmusen, dann musste ich aber genäht werden, da mein Damm gerissen ist.

Danach wurde sie mir wieder auf die Brust gelegt und ich legte sie zum ersten Mal an. Welche Gefühle mich da überkamen, weiß wohl jede stillende Mama.

Nichtsdestotrotz stand weiterhin der Entschluss abzustillen, eben wegen der Ernährung.

Also bekam ich eine Tablette zum Abstillen und mir wurden Fläschchen aufs Zimmer gebracht.

Da ich aber erst nach 39h Wehen entbunden habe (davon nur 7h mumu-wirksam), hat meine Kleine erst mal 12h am Stück geschlafen. Ich selbst war zwar kaputt und am Ende, konnte aber kaum schlafen.

Dann hab ich ihr das erste Fläschchen gegeben und sie hat auch ein bisschen getrunken. Allerdings nicht wirklich viel.

Ich habe die Kleine oft nackt auf meiner Brust liegen gehabt und irgendwann im Laufe des ersten Tages hat sie sich hochgerobbt und von selbst die Brustwarze geschnappt.

Ich hab dann ’ne Schwester gerufen und gefragt, ob das irgendwie beim Abstillen stört und ob da überhaupt Milch rauskommt.

Da die Gute leider keine Ahnung hatte, sagte sie mir, das mache nichts, da käme keine Milch und Abstillen würde trotzdem funktionieren.

Also ließ ich sie nuckeln, da ihr das sehr gut zu gefallen schien.

Nur wollte sie dann partout keine Flasche mehr, sie hat wohl gemerkt, dass das aus der Brust doch viel besser schmeckt und war vermutlich auch vom Kolostrum gesättigt.

Erst am nächsten Tag kam eine andere Schwester zu mir, und erklärte mir, dass das Quatsch ist. Natürlich kommt da Milch, wenn genuckelt wird und Abstillen ist dann auch nicht.

Also, was sollte ich tun, da die Kleine keine Flasche nahm?

Ich stillte also weiter, weil meine Tochter das so wollte. In dem Moment ist mir dann klar geworden, dass sie ab jetzt das Sagen hat.

Nun hatte ich mich ja überhaupt nicht informiert vorher und hatte keine Ahnung, wie Stillen überhaupt funktioniert.

Im Krankenhaus bekam ich eine leidliche Anleitung und mir wurde eine einzige Stillposition gezeigt.

Dementsprechend war das Stillen zunächst eine Qual, meine Brustwarzen waren wund und schorfig und jedes Anlegen war mit furchtbaren Schmerzen verbunden.

Aber für meine Tochter wollte ich es unbedingt schaffen, – musste ich – da sie keine Industrienahrung zu sich nahm.

Durch die Tablette zum Abstillen verzögerte sich zu allem Überfluss der Milcheinschuss und kam erst nach 8 Tagen.

Das heißt, in den ersten paar Tagen hatte ich rund um die Uhr die Kleine an der Brust, da sie Hunger hatte.

Es war zum Verzweifeln, ich war völlig überfordert und hab noch nicht mal die Zeit zum Duschen gefunden.

Gott sei Dank, hat meine Hebamme mir immer wieder Mut gemacht, mir die richtigen Stillpositionen gezeigt, und mir erklärt, wie Stillen funktioniert, sodass dann endlich nach knapp 10 Tagen das erste richtig befriedigende Stillerlebnis stattfand.

Meine Brustwarze tat nicht weh und die Kleine hat genug Milch bekommen und von selbst zufrieden und satt die Brustwarze losgelassen.

Nach ein paar weiteren Tagen war die Warze verheilt und seitdem klappt auch das Stillen wunderbar.

Meine Tochter ist jetzt 2 Monate alt und das Stillen ist für uns schon Routine geworden und geht in jeder Lage. Am liebsten liegt sie dabei auf meinem Bauch und sucht sich die Brustwarze selbst, so wie am Anfang.

Sie hat zwar einen starken Zug drauf, aber das hält nur für 10 Minuten an. Dann fängt sie an, ganz langsam zu nuckeln und schläft meistens ein.

Meine Nächte sind auch sehr entspannt, da meine Kleine bei mir im Bett schläft. Ich schlafe ohne Oberteil und wenn sie nachts hungrig wird, dann dockt sie einfach an und isst sich satt, bis sie wieder zufrieden einschläft. Oft werde ich gar nicht davon wach.

Wenn ich sehe, wie glücklich und zufrieden sie an der Brust ist, freue ich mich immer unheimlich. Man sieht ihr an, dass das Stillen für sie so viel mehr als Nahrung ist, wie sicher und geborgen sie sich fühlt und wie sehr sie es genießt.

Das sind für mich Momente des puren Glücks. Das kann man gar nicht richtig beschreiben.

Ich bin sehr froh, dass mein kleiner Sturkopf mir die Entscheidung abgenommen hat. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen.

Grüße,
J.H.

Originalbericht einer Mutter, September 2016
Foto: AmyJayPhoto Lévi-23 via photopin (license)

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Ach, eine wunderschöne Geschichte. Meine Tochter (fast 14 Monate) befindet sich gerade in der Kita-Eingewöhnung. Nach zwei Tagen hat sie dort ihr Ding schon fast ohne mich gemacht. Ich stille sie noch früh und abends zum Einschlafen/nachts. Ich bin überzeugt, dass das lange Stillen (hätte nie gedacht, dass ich mal so lange stille!!) und die damit verbundene Portion Nähe aus meinem Kind ein selbstbewusstes Mäusschen gemacht hat. Konnte mir nie vorstellen, dass ein Kind mal etwas ‚mir heraussaugt‘, aber die mütterliche Brust ist ein Geschenk der Natur.

  2. Eine schöne Geschichte. Toll, dass Du durchgehalten hast!

  3. Hallo J. H.,
    Danke für deinen Bericht.
    Es ist echt traurig, wenn man überlegt, wie viele Mütter nicht stillen und das nur, weil das ganze Umfeld dagegen/falsch informiert ist.
    Um so schöner, dass deine Kleine dich was besseres gelehrt hat?
    Ein super Beispiel dafür wie gut die Babys wissen, was gut für sie ist.
    Meine Nächte waren auch immer sehr entspannt, nachdem ich beschlossen habe, meinen Sohn nicht wieder in sein Bettchen nach dem Stillen reinzulegen. Auch etwas wo jeder davon abrät.
    Jetzt mit 20 Monaten, wo mein kleiner Krank ist, kann ich ihn ohne Probleme nachts mit Stillen beruhigen und sein Leiden mindern. Hätte früher nie gedacht, dass ich so lange stillen werde, aber ich vertraue meinem Kind und werde wissen, wenn er es nicht mehr braucht.

    Ich wünsche euch alles Gute und eine tolle Stillbeziehung weiterhin, wie lang sie auch sein mag?

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