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Flachwarzen treffen auf kurzes Zungenbändchen

1 Kommentar

Ich will unbedingt stillen und so meiner Tochter das Beste mit auf ihren Lebensweg geben. Schon vor der Geburt habe ich Vorträge in einem Stillcafé der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) besucht.

Der letzte Vortrag vor der Geburt war – wie passend – „Den Stillbeginn gestalten“. Unter anderem wurde ein Video besprochen. Das Video “Breastfeeding Attachment”, das eigentlich für Krankenschwestern in Entwicklungsländern erstellt wurde.

So gut vorbereitet konnte ja nichts mehr schief gehen, ich war guter Dinge.

Für meine Entbindung hatte ich mir ein Krankenhaus mit einem Hebammenkreißsaal ausgesucht, das sich viele gute Vorsätze auf die Fahne geschrieben hat. Unter anderem wird sofort nach Geburt das erste Mal gestillt. Und das Wichtigste: das sind keine hohlen Versprechen, das wird dort auch gelebt.

Sofort nach der Geburt wurde mir meine Tochter mit einer einzigen fließenden Bewegung auf den Bauch gelegt.

Da lag ich nun, erschöpft und überglücklich, und konnte meiner Tochter in die großen, wachen Augen schauen. Die Plazenta kam kurz danach und ich wurde genäht.

Bald darauf fing mein Töchterchen an, nach meiner Brust zu suchen. Eine Hebamme half mir dabei, mein Baby das erste Mal anzulegen.

Meine Tochter hat getrunken, als hätte sie das schon hundertmal gemacht. Für mich war es ungewohnt und auch etwas unangenehm, aber ich freute mich.

Auf der Station hatte ich meine Tochter immer direkt bei mir im Bett. Wann immer sie sich meldete, stillte ich sie.

Durch die Naht und den Blutverlust während er Geburt konnte ich am Anfang nicht sitzen und stillte nur im Liegen.

Ich habe recht große Brüste, mit Milch gefüllt deutlich größer als der Babykopf. Ich bekam den guten Tipp, einen Waschlappen unter die Wange meiner Tochter zu legen, so dass sie besser vor meiner Brust lag.

Wann genau der Milcheinschuss war, weiß ich nicht.

Meine Tochter war mit dem Angebot immer zufrieden und litt keinen Hunger. Sie trank regelmäßig und gut.

Doch egal, wie sehr ich mich bemühte, das Stillen tat immer weh und meine Brustwarzen wurde immer mehr wund.

Immer wieder bat ich die Krankenschwestern mir beim Anlegen zu helfen und nachzuschauen, ob meine Tochter richtig angedockt war.

Sie warfen einen Blick darauf und meinten „das sieht doch gut aus“. Es sah meiner Meinung nach auch so aus wie im Video, aber die Schmerzen blieben.

Eine Krankenschwester brachte mir ein Stillhütchen. Ich hatte das Gefühl, damit tat es etwas weniger weh und benutzte es ab sofort immer.

Von Anfang an gab ich pro Stillmahlzeit immer nur eine Brust. Das war möglich, da ich beim Stillen mit der Milchmenge zum Glück nie Probleme hatte. Dadurch hat die andere Brust eine längere Pause zum Heilen. Das habe ich bis heute nicht geändert.

Bei der U2 wurde bestätigt: meiner Tochter ging es prächtig. Bei einem Satz wurde ich aber hellhörig: der Arzt sagte „das Zungenbändchen ist etwas kurz, aber das sollte keine Probleme machen“.

Im Stillcafé hatte eine Stillberaterin davon berichtet. Daher wusste ich, dass ein zu kurzes Zungenbändchen zu Schmerzen beim Stillen führen kann.

Als ich entlassen war, recherchierte ich zum Thema kurzes Zungenbändchen bei Wikipedia und siehe da: meine Brustwarzen sahen nach dem Stillen so aus wie auf dem Beispielfoto. Nur noch ein weißer Strich. Der Grund dafür ist, dass das Baby den Mund nicht weit genug öffnen kann und nicht genug von der Brust aufnehmen kann. Dadurch kaut es auf der Brustwarze.

Anm. d. Red.:
Mit einem verkürzten Zungenbändchen kann das Baby den Mund normal öffnen, aber die Beweglichkeit seiner Zunge ist eingeschränkt, was zu verschiedenen Stillproblemen führen kann. (Mehr dazu siehe in dem oben verlinkten Beitrag.)

Meine Hebamme organisierte mir gleich bei der Stillberaterin aus dem Stillcafé eine Liste mit Ärzten in meiner Umgebung, die eine Zungenbändchen-OP durchführen (das machen nicht alle).

Also fuhren mein Mann und ich unsere Tochter an ihrem 5. Lebenstag zu einem Kinderarzt.

Ein Tropfen Betäubungsmittel in den Mund meiner Kleinen, ein kleiner Schnitt, fertig. Meine Tochter beschwerte sich darüber, dass man ihr mit einem Spatel den Mund öffnete und schlief nach der OP sofort weiter.

Kleiner Schnitt, große Wirkung. Als ich sie das nächste Mal stillte, war der Unterschied unverkennbar. Meine Brustwarzen waren nach dem Stillen sehr viel runder und es hatte auch weniger weh getan.

Nur leider war der Ausflug zum Arzt für mich zu viel gewesen. Beide Brüste wurden hart, schmerzten und ich bekam Fieber.

Meine Hebamme zeigte meinem Mann, der zum Glück Urlaub genommen hatte, wie er mich mit Quarkwickeln pflegen konnte. Ich lag nur noch im Bett.

Tapfer stillte ich weiter und positionierte dabei das Kinn meiner Tochter dort, wo die Brust hart war. So wurde es langsam besser.

Das zweite Problem waren meine Flachwarzen. Beim Vortrag im Stillcafé hatte ich zum ersten Mal gehört, dass es so was überhaupt gibt. Ich kam nie auf die Idee, dass mit meinen Brustwarzen etwas zu Stillschwierigkeiten führen könnte. Für Vorbereitungen war es nun aber zu spät.

Im Krankenhaus hatte man mir ein Stillhütchen geben, das ist laut Internet das Richtige bei Flachwarzen. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass die Flachwarzen im Krankenhaus nicht erkannt wurden. Sonst hätten die das Wort mal erwähnt, oder?

Meine Hebamme gab mir Brustwarzenformer*. Diese drückten mir aber unangenehm auf den Hof und es tat weh. Die Brüste waren zu dem Zeitpunkt schon recht strapaziert. Ich stillte einfach weiterhin mit Stillhütchen.

Die Schmerzen beim Stillen waren teilweise so stark, dass ich in die Wehen-Wegatmen-Atemtechnik der Geburt verfiel. Ich stillte unter Tränen mit zusammengebissenen Zähnen.

Zur Heilung meiner malträtierten Brustwarzen habe ich die gesamte Bandbreite an Hilfsmitteln ausprobiert.

Nach dem Stillen Milch auf der Brust trocknen lassen, Eincremen mit Wollfett, Desinfizieren der blutigen Stellen mit Spray und sterilen Tüchern, diverse Brustpflege-Präparate zum Auflegen aus der Apotheke, Lecithin zum Erleichtern des Milchflusses.

Ich nähte 3 dicke Stilleinlagen zusammen und schnitt in die Mitte ein Loch. Diese Ringe im Still-BH zu tragen, war eine große Erleichterung, da die Warzen so berührungsfrei blieben. Jegliche Berührung der Brustwarzen tat weh, ich konnte auch kein weiches Schlafshirt darauf ertragen und schlief mit BH und den „Abstandshaltern“.

Meine Hebamme kaufte Silberhütchen*, die auf der Brustwarze getragen werden. Durch die antibakterielle Wirkung von reinem Silber haben Bakterien keine Chance.

Ich stellte mich sehr gerne zur Verfügung, auch das auszuprobieren. Mein Fazit: bei blutigen Brustwarzen führt das Tragen zu einer schnellen Heilung. Die Brustwarzen bleiben darunter berührungsfrei (lag vielleicht auch an den Flachwarzen). Der Nachteil ist, dass es darunter stets feucht ist und so die Brustwarzen schnell aufweichen.

Um den Brustwarzen die Chance zur Heilung zu geben, stillte ich schließlich eine Zeit lang nicht mehr, sondern pumpte die Milch mit einer elektrischen Milchpumpe ab, die ich von meiner Hebamme geliehen bekam. Meine Tochter bekam die Milch dann per Flasche. Das war die schlimmste Zeit.

Meine Brüste wussten genau, dass das nicht meine Tochter war, die da saugte. Für 60 ml musste ich bis zu 1 Stunde abpumpen.

Als ich nach ein paar Tagen meiner Hebamme erzählte, wie mühsam ich das finde, war sie natürlich entsetzt. Aber ich hatte keine Ahnung, dass das normalerweise viel schneller geht. Und ich sah keine Alternative. Abstillen kam nie in Frage.

Ein Versuch, die Milchleistung zu erhöhen, war auch nachts abzupumpen, damit die Pause nicht zu lang ist. Zusätzlich zum nächtlichen Fläschchen machen und geben stand ich auf und wankte erschöpft ins Wohnzimmer, um dort stundenlang abzupumpen. Ich verfiel dabei in Sekundenschlaf.

Es war eine Qual. Es klappte noch viel weniger als tagsüber.

Die Milchmenge ging stetig zurück und ich fütterte Pre-Nahrung zu.

Vor allem wurde eines zum großen Problem: weil ich so viel Zeit mit Abpumpen verbrachte, blieb mir nur wenig Kuschel-Zeit mit meiner Tochter.

Sie lag in meiner Nähe auf der Couch, aber das ist unerreichbar fern, wenn man an die Pumpe „angeschlossen“ stillsitzen muss und keine Hände frei hat.

Schließlich begriff ich: ich vermisste die Nähe zu meiner Tochter! So konnte es nicht weitergehen!

In der Hoffnung, dass die Brustwarzen inzwischen gut genug verheilt waren, wagte ich es schließlich, das Stillen an den Brustwarzen nochmal zu versuchen.

Ich verbrachte einen sehr glücklichen Tag im Bett mit meiner Tochter auf dem Bauch. Balsam für die Seele. Das Stillen tat selbstverständlich weh, aber ein paar Tage hielt ich durch. Endlich wieder genug Nähe!

Doch die Brustwarzen verschlechterten sich wieder rapide. Ich zog die Notbremse, damit es nicht wieder ganz so übel wurde.

Rückschlag. Zurück an die Milchpumpe.

Die Heilung machte zum Glück schnell Fortschritte und der zweite Versuch zum Stillen zurückzukehren klappte, ich hielt durch. Mit permanenter Pflege konnte ich meine Brustwarzen in einem leicht wunden Zustand stabil halten.

Die Schmerzen waren natürlich weiterhin stark. Es tat beim Ansaugen weh und vor Allem, wenn die Milch dann begann zu fließen. Danach wurden die Schmerzen langsam weniger. Gegen Ende der Milchmahlzeit war es schmerzfrei, auch wenn meine Tochter noch länger nuckelte.

Entspannen half mir sehr, aber unter Schmerzen ist das nicht einfach. Ich spielte beim Stillen ein Handy-Spiel, bei dem es nicht um Zeit geht. So konnte ich jederzeit unterbrechen und mich um meine Tochter kümmern und dann wieder als Ablenkung zum Spiel zurückkehren.

Langsam wurden die Schmerzen immer erträglicher und als meine Tochter ca. 2 Monate alt war, passierte es: ich stillte und es tat zum ersten Mal gar nicht weh!

Was für ein schönes Gefühl.

Das kam immer mal wieder vor, dann war zuerst eine Brust schmerzfrei und schließlich hatte ich es geschafft. Meine Tochter war 3 Monate alt und ich stillte endlich ohne Schmerzen.

Eine stolze Mutter

Originalbericht einer Mutter, September 2017
Foto: S.E.

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin.
Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht.
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Ein Kommentar

  1. Wenn man sich das (schmerzfreie) Stillen so hart erkämpft hat, fängt man nicht mit sechs Monaten an abzustillen. So wenigstens ist es mir ergangen.

    Mein Zwerg wird nun im Januar drei und an Abstillen ist nicht zu denken.

    Auch wir brauchten durch Frühgeburt und angeborene Saugschwäche ein paar Monate uns ins Stillen einzufinden. Meine Brüste produzierten sehr viel Milch und ich schrammte mehrmals knapp an der Brustentzündung vorbei.

    Das Durchhalten lohnt sich und man kann es nachher umso mehr genießen, wenn man weiß, was man sich erarbeitet hat.

    Vielen Dank für den tollen Bericht.

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