Stillkinder.de

Intuitives Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Berichte > Lange Stillzeit > Fast 5 Jahre Stillen

Fast 5 Jahre Stillen

2 Kommentare

Eigentlich bin ich ganz normal. Ich habe zwei Jungs (2 und fast 5), arbeite in Teilzeit, mein Mann arbeitet fast Vollzeit und wir wohnen in einer großen Wohnung in einer Kleinstadt.

Naja, aber was ist schon normal. Wenn es um das Thema Familie geht, muss letztendlich jeder selbst entscheiden, welcher Weg der richtige ist.

Und bei uns hat es sich so ergeben, dass ich nun bald fünf Jahre lang stille.

Dabei gab es Höhen und Tiefen. Der Tiefpunkt war gleich der Beginn meiner Stillzeit.

Mein Sohn hatte, wie sich später herausstellte, eine Kopfgelenksblockade und konnte an einer Seite schlecht trinken.

Die Folgen waren eine blutige Brustwarze und eine nervenaufreibende Zeit mit Stillhütchen, Abpumpen und einem dauerschreienden Säugling.

Ich war verzweifelt und am Ende. Ich zweifelte an mir, meinen Mutterfähigkeiten, an der Welt.

Aber ich hielt durch und glaubte fest daran, dass es irgendwann besser wird.

Und es wurde besser. Nach drei Monaten begann ich auch ohne Stillhütchen zu stillen und nach einem Jahr hatte sich alles soweit eingespielt, dass ich zum Ende meiner Elternzeit keinen Grund mehr sah, abzustillen und so stillte ich nachmittags, abends und nachts weiter.

Für meinen Sohn war es die beste Art zu entspannen, da er durch die Kopfgelenksblockade ADHS-ähnliche Symptome hatte. Das Stillen brachte ihn runter und er wurde wieder zugänglicher.

So stillte ich auch während der Schwangerschaft mit meinem zweiten Sohn weiter. Die Milchmenge ging vermutlich zurück, da der Große immer kürzer trank, aber er hat sich nie beschwert.

Die Geburt begann tatsächlich fünf Minuten nachdem ich meinen Großen in den Mittagsschlaf gestillt hatte, aber schon ein paar Tage nach Termin, so dass wir alle super zufrieden mit dem Timing waren.

Nach der zweiten Geburt klappte das Stillen problemlos.

Der Kleine war topfit, er nahm fast nicht ab, der Große freute sich über die viele Milch und beide Kinder hielten schon nach wenigen Tagen Händchen beim Stillen. Das war eine sehr harmonische Zeit.

Ab dem ersten Geburtstag begannen die ersten Rivalitäten zwischen den beiden, ich denke aber unabhängig vom Stillen.

Ich stillte den Großen noch einmal täglich und den Kleinen nach Bedarf.

Die Kopfgelenksblockade hatten wir ab dem dritten Geburtstag durch gute Mediziner ganz gut im Griff und der Große konnte sich inzwischen auch anders beruhigen.

Da er auf seinen lang ersehnten vierten Geburtstag zusteuerte und er so langsam im Kindergarten Geschichten aus dem Elternhaus erzählen konnte, beschloss ich ihn abzustillen.

Ich hatte lange darüber nachgedacht. Eigentlich wollte ich warten, dass er sich von allein abstillt und nicht aus gesellschaftlichem Druck.

Mit komischen Blicken von fremden Menschen konnte ich ganz gut leben und im Familienkreis konnte ich die meisten überzeugen (zumindest nicht zu verurteilen).

Ich wollte aber nicht, dass mein Sohn von anderen Kindern oder den Erzieherinnen komisch angeguckt, gemieden oder ausgelacht wird und deshalb habe ich mich dann doch ein bisschen dem gesellschaftlichen Druck gefügt.

Ich denke, der Kompromiss war soweit in Ordnung. Direkt nach seinem Geburtstag hat er gar nicht nach der Mimi gefragt.

Erst nach ein paar Wochen begann er, an mir zu zerren und nach Mimi zu fragen. Ich schenkte ihm dann eine Extra-Portion Aufmerksamkeit oder er durfte entscheiden, was es zu Essen gibt.

Es fällt ihm leider auch jetzt, nach fast einem Jahr, immer noch ein bisschen schwer, was sicherlich auch daran liegt, dass der Kleine regelmäßig nach „seiner Mimi“ verlangt und diese leidenschaftlich verteidigt.

Vieles davon sind aber sicherlich die „normalen“ Geschwisterstreitigkeiten, wie ich sie schon von den Spielzeugautos, -löwen und -bären kenne.

Ja, und nun werden es bald fünf Jahre Stillen. Im Großen und Ganzen bereue ich nichts.

Klar bin ich manchmal fertig, müde und ausgelaugt. Aber welche Mutter mit zwei kleinen Kindern ist das nicht?

Klar vermisse ich auch manchmal mit Freunden loszuziehen und so richtig einen drauf zu machen. Aber welche Mutter mit zwei kleinen Kindern vermisst das nicht?

Klar möchte ich auch gern mal abends ins Bett gehen, wenn ich müde bin, durchschlafen und am nächsten Tag ausschlafen, solange ich will. Aber welche Mutter…?

J.G.

Originalbericht einer Mutter, September 2017
Foto: J.G.

 
Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin.
Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht.
Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Ich stille meinen Sohn jetzt 3,5 Jahre. Mittlerweile abends beim Einschlafen und morgens nach dem Aufwachen. Keine Minute davon habe ich bereut. Im Gegenteil. Er ist das 3. Kind, ein „Nachzügler“, und das Stillen hat bei ihm nach einer 3. Kaiserschnittgeburt ( fast ) auf Anhieb geklappt.
    Die Kommentare anderer sind mir gleichgültig, wichtig war mir nur, dass mein Mann voll und ganz hinter uns gestanden hat und sich darauf verlassen hat, dass mein Bauchgefühl wegen der Stilldauer schon richtig ist.
    So langsam versuche ich meinem Sohn klar zu machen, dass ich die Stillzeit beenden möchte, verlasse mich aber auch hier wieder auf das Eintreten des „Richtigen Zeitpunktes“.
    Herzliche Grüße und ein gutes Bauchgefühl!
    Alles Liebe, Frauke

  2. Eine sehr schöne Geschichte und ich bewundere dich sehr dafür, dass du so gut mit den komischen Blicken und Kommentaren deiner Mitmenschen zurechtkommst. Ich stille meine Zwerge erst seit 9 Monaten, möchte noch viele viele Monate weiter stillen, aber werde schon jetzt von Freunden und Familie nachdrücklich gefragt, ob ich denn nicht allmählich mal abstillen möchte, wie man das eben „normalerweise“ macht. Argh, dieses kleine Wörtchen „normal“ treibt mich hinsichtlich dem Umgang mit Babys noch in den Wahnsinn…

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Ja, ich möchte auch gleich den Stillkinder-Newsletter abonnieren, um zu erfahren, wenn es hier etwas Neues gibt.