Etwas Glück und eine feste Überzeugung

Etwas Glück und eine feste Überzeugung

3 Kommentare

Beitrag eines „Stillvaters“
Stillen ist gesund, intim und in vielerlei Hinsicht wertvoll für Kind (und Mutter!). Das ist heute wohl weitgehend bekannt und anerkannt und auch uns war das bereits vor der Geburt unseres Sohnes bewusst.

Was in meinen Augen von Außenstehenden aber oft falsch eingeschätzt wird, ist der Aufwand, den man beim Stillen betreibt. Ich halte es für ausgesprochen unkompliziert, nachdem ich Eltern erlebt habe, die Fläschchen oder Breie aufwärmen oder zubereiten mussten.

In erster Linie liegt mir aber die geborgene Betreuung unseres Sohnes am Herzen, mit der wir ihn selbstsicher machen und für die laute Welt rüsten möchten.

Dabei mache ich mir keine Sorgen, dass mein Sohn mich durch das Stillen entbehren müsste. Wir pflegen ein sehr inniges Verhältnis z.B. beim Thema Schlafengehen.

Das Stillen ist nur einer von vielen kleinen Bausteinen im Rahmen einer bindungsorientierten Betreuung. Aber es ist intuitiv und damit so unglaublich natürlich, dass ich es immer unterstützen werde.

Aber ich halte es gar nicht für selbstverständlich, dass wir diese Überzeugung so entwickeln konnten.

Wir wurden von vielen wundervollen Menschen in unserem Umfeld ganz großartig auf die Stillzeit vorbereitet.

Die Kursleiterin im Geburtsvorbereitungskurs hatte bereits sehr viel Erfahrung mit stillenden Müttern. Sie sensibilisierte uns für die vielen Missverständnisse und Mythen, die um das Stillen herum geistern.

Unsere liebevolle Hebamme verstand es sehr gut, uns in unserer Ruhe und Intuition zu unterstützen. Mit ihr verbindet uns heute eine gute Freundschaft.

Wie sich erst nach der Geburt herausstellte, war der errechnete Geburtstermin unseres Sohnes falsch berechnet. Dies führte dazu, dass wir uns kurzfristig für eine Klinik entschieden, die als Einzige in unserer Umgebung eine Steißlagengeburt vaginal durchführen würde.

In genau dieser als „babyfreundlich“ zertifizierten Klinik wurde auch unsere Hebamme ausgebildet. Dass diese Entscheidung in vielfacher Hinsicht richtig war, stellen wir im Nachhinein durch die Erfahrungen anderer Eltern mit anderen Kliniken immer wieder fest.

Auch bei uns gab es anfangs ein paar Schwierigkeiten beim Stillen. Doch die Hebammen und Schwestern verstanden es, uns trotz des offensichtlich harten Klinikalltags, mit viel Ruhe und Geduld an das Stillen heranzuführen. Man merkte, dass das gesamte Krankenhaus diese Überzeugung lebt.

Wenn es ein Krankenhaus sein soll, dann empfehle ich allen Eltern ein „Babyfreundliches“ zu suchen und eine Fahrt dorthin in Kauf zu nehmen.

Wir drei waren fest entschlossen und mit ein wenig Durchhaltevermögen und der Gewissheit, das Richtige zu tun, haben wir sogar einen kleinen Stillstreik überstanden.

Selbst ein längerer Aufenthalt in einer Kinderklinik, wo wir von Ärzten und Schwestern sehr unangenehmen Gegenwind zum Stillen erfahren haben und der bei meiner Frau in einem schmerzhaften Milchstau endete, hat uns in unserer Überzeugung letztlich nur weiter gefestigt.

Meine Frau zählt heute zu den wenigen Müttern, die häufig, und manchmal leicht abwertend, als „Langzeitstillerin“ bezeichnet werden.

Jedem, den es interessiert, erkläre ich gerne und ohne müde zu werden, was man unter dem Begriff „Kurzzeitstillen“ versteht und warum gerade Männer ihre Frauen und Kinder darin bestärken und unterstützen sollten länger als hierzulande üblich zu stillen.

Mein Sohn ist heute 27 Monate alt. Er wacht morgens neben seiner Mama auf und startet den Tag mit einem leckeren Schluck von ihrer Brust.

Dass er sicher gebunden ist und eine für sein Alter erstaunliche soziale Kompetenz aufweist, führe ich natürlich nicht alleine auf das Stillen zurück 🙂

Ihre positive Erfahrung hat meine Frau in eine Weiterbildung zur Stillberaterin umgesetzt. Heute betreut sie hauptsächlich Mütter im Wochenbett.

Häufig trifft sie dabei auf Eltern, die sich durch ihr Umfeld, aber häufig auch durch gesellschaftliche Vorstellungen und Mythen, derart verunsichern lassen, dass sie nicht mehr imstande sind, ihr Kind mit dem nötigen Maß an Intuition zu betreuen.

Insofern bin ich den Menschen, die uns begleitet und bestärkt haben, sehr dankbar. Mit ihnen hatten wir einfach Glück.

Stephan

Originalbericht eines Vaters, September 2014
Foto: Anna Hofer

Haben Sie als Vater und Partner die Stillzeit Ihres Kindes auch positiv erlebt?
Und möchten Sie Ihre Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreiben Sie mir doch Ihren eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Wirklich toll, dass du deiner Frau beistehst ? .. Meiner findet, ich soll nach dem ersten Jahr aufhören. Ich will aber erst aufhören, wenn sich mein Kleiner von selbst abstillt und dabei bleibe ich! Unterstützung ist wirklich das wertvollste, dass du deiner Frau geben kannst, in Sachen Stillen ??

  2. Danke für diesen liebenswerten Bericht! Ich stille mein Kind seit 34 Monaten und habe alle Facetten von Gegenwind bereits erlebt. Eines aber stand immer hinter mir und hat mir den Rücken gestärkt, und das war so unendlich gut und wichtig: Mein Mann!

  3. Hallo, Ich finde es toll, dass hier mal ein Vater so eine positive Meinung zum „Langzeitstillen“ hat. Ich bin auch überzeugte Langzeitstillerin, nun zum zweiten Mal, wenn auch nur mit zähneknirschender Duldung des Vaters . . . Deswegen ein dickes Lob!

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