Es war eine intensive Zeit

Es war eine intensive Zeit

8 Kommentare

Liebe Frau Gresens,
leider bin ich auf Ihre Stillkinder-Seite erst sehr spät gestoßen. Aber seither lese und stöbere ich immer wieder und stoße auf hilfreiche und interessante Inputs.

Zwischenzeitlich war ich auch kurz davor, mich mit einem Hilferuf an Sie zu wenden.

Inzwischen ist mein Sohnemann fast 27 Monate alt und wir steuern auf das Ende einer speziellen, intensiven Stillzeit zu.

Ich hatte schon einmal angefangen, meine Erfahrungen und Anliegen aufzuschreiben. Habe es aber nie fertig geschrieben und abgeschickt.

Nun unternehme ich einen neuen Anlauf, da ich das Gefühl habe, es hilft mir auch selbst etwas, mit der Stillzeit abzuschließen, wenn ich alles Revue passiere und aufschreibe.

Unsere Stillzeit begann nach der Geburt – wenn leider auch erst 11/2 Stunden danach, da es ein Kaiserschnitt war.

Mein Mann und ich haben uns während der Schwangerschaft nie sehr viele Gedanken gemacht über das, was danach kommt. Wir haben alles auf uns zukommen lassen, mit der Begründung „wir machen uns nicht verrückt“, so wie viele andere.

Naja, im Nachhinein muss ich zugeben, dass man sich über ein paar Dinge evtl. schon Gedanken hätte machen können.

Die Schwangerschaft verlief sehr gut, trotz dass ich gegen Ende eine Schwangerschaftsvergiftung bekam und meine Ärztin mich zum errechneten Geburtstermin zur Einleitung ins Spital beorderte.

Zudem war Sohnemann Sterngucker, sprich hatte den Kopf zwar unten guckte aber in die falsche Richtung. Da ich sehr schmal bin, kam damit so einiges zusammen.

Da die Schwangerschaft für mich gefühlt immer sehr gut und unproblematisch verlief, hatte ich das wie verdrängt.

So kam es, dass nach langen Wehenschmerzen und vielen Bemühungen seitens der Hebammen Sohnemann heraus zu helfen, irgendwann der Kaiserschnitt unumgänglich wurde.

Ein Schockmoment für mich – darauf hatte ich mich mental nicht vorbereitet. Es kam mir so falsch und gruselig vor, meinen Bauch aufzuschneiden. Ich hatte Angst.

Tja, und so war mein Mann der erste, der unseren Sohn in die Arme schließen und behüten durfte.

Zu mir kamen die Beiden eine gute Stunde später, nachdem ich gewaschen und ohne Narkosebeeinträchtigung mehr war.

Welch ein faszinierender Moment – der kleine Kerl fand anstandslos zur Brust und dockte an.

Ich hatte mich vorher nie großartig mit Stillen und anderen Themen wie Familienbett, Co-Sleeping und dergleichen beschäftigt.

In den folgenden zwei Jahren sind wir in unser neues Leben alle einfach so hineingeschlittert. Und alles hat sich einfach entwickelt, ohne dass wir im Voraus geplant hätten, wie es sich entwickeln soll.

Wir haben im Spital das Stillen gezeigt gekriegt und geübt.

Mir wurde erklärt, wann das Baby Hunger hat und wie lange man es trinken lassen sollte usw.

Die Kaiserschnittnaht schränke mich stark in meiner Bewegungsfreiheit ein und mental war ich drei Tage lang total neben mir.

Mein Sohn war mir fremd, er war einfach plötzlich da. Ohne Geburt. Er lag in seinem Spital-Bettchen, das stand nachts neben mir.

Babybay* gab es keinen (alle im Einsatz) und so musste ich mich zum Stillen nachts mühsam im Spitalbett hoch und runter fahren. Und mir meinen Sohn einige Male herausheben lassen.

Aber das Stillen hat immerhin geklappt – und es klappt bis heute.

Hätte mir das anfangs jemand gesagt, dass ich Sohnemann bis über zweijährig stillen würde – ich hätte es nicht geglaubt. Für mich war klar, dass wir stillen – aber wie und wie lange, habe ich mir nie überlegt.

Wir haben fleißig gestillt. Immer im Zwei-Stunden-Takt, da der Kleine das so vorgab. Der Tag bestand anfangs also aus Stillen – Wickeln – Stillen, zwischendrin schnell ‚mal Duschen, Essen oder einen Spaziergang machen.

Es war Winter und draußen Stillen nicht denkbar.

In die Stadt bin ich anfangs nie gegangen.

Betreffs „Stillen unter Leuten“ war ich mir wahnsinnig unsicher. Es musste erstmal so einigermaßen routiniert klappen und dann konnte ich das anfangen zu üben.

Also blieb nach 1 Std Stillen Wickeln – Stillen (er hat immer sehr lange getrunken) noch eine Std, um schnell an die frische Luft zu kommen und dann daheim gleich wieder zu stillen.

Es hat gut funktioniert – für ihn. Für mich war es sehr anstrengend.

Ich wusste nur, wie man klassisch seitlich auf dem Arm bzw. Stillkissen anlegt.

Alternativen habe ich mir dann aus einem Buch gesucht, bzw. im Zusammenhang mit Brustentzündung und Milchstau gezeigt bekommen.

Zum Stillen musste ich mich jedes Mal aufwendig auf dem Sofa oder Bett einrichten.

„Ihre Büste sind sehr schön, aber zum Stillen nicht so praktisch“ meinte meine Stillberaterin / Hebamme. Dies, weil meine Brustwarzen sehr frontal und damit hoch sitzen.

Ich habe es nicht geschafft, den kleinen Mann ohne Unterfütterung so hoch zu heben – und das noch für die gesamte Stilldauer. Und das schöne „Bein übers Knie und Arm und Kind darauf legen“ ging eben auch nicht. Das war viel zu tief.

Es gab Momente, da bin ich fast verzweifelt. Ich saß allein (mit Baby natürlich) daheim und habe geweint. Es war alles so anstrengend und ich so allein mit dieser (auch mentalen) Last.

Einmal meinte mein Mann „dann stillst jetzt halt ab“. Da habe ich gemerkt, dass ich das nicht will. Da war der Kleine noch kein Jahr alt.

Also weiter gestillt.

Den Zwei-Stunden-Takt hat er lange beibehalten. Auch nachts war die Nachfrage immer groß.

Geschlafen hat er die ersten neun Monate in einem kleinen Babybett, das neben mir stand. Da habe ich ihn zum Stillen immer herausgehoben und anschließend wieder rein gelegt.

Das erste einschneidende Erlebnis hatten wir dann mit sechs Monaten.

Ich sollte wieder arbeiten gehen und unser Sohn darum drei Tage / Wochen in die Krippe (in der Schweiz hat man gesetzlich nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, ich habe unbezahlt verlängert auf sechs Monate).

Abgesehen davon, dass ein 6-monatiges Baby schon noch echt winzig ist und so früh zu fremden Menschen gegeben werden muss, ja alles okay. Wenn da nicht das Stillen wäre.

Wir haben bis zum ersten Tag der Eingewöhnung nicht darüber nachgedacht, dass er dann ja aus dem Schoppen trinken muss.

Und da ich Tag und Nacht immer für ihn da war und gestillt habe, kannte er Milch aus dem Schoppen natürlich nicht.

Ich habe abgepumpt, damit ich die MuMilch in die Krippe mitgeben kann.

Schön – aber er hat es nicht getrunken.

So mussten wir in einer Hardcore-Übung dafür sorgen, dass er aus dem Schoppen trinkt. Die Krippe hat sich geweigert, ihn sonst da zu behalten.

Das war schon hart, ihn im Schnellverfahren dazu zu bringen, indem ich nicht da war, bis er die Milch aus dem Schoppen trank.

Beim Papa hat es nicht funktioniert. Der hat es auch nicht ausgehalten, ihn so leiden zu lassen.

Bei der Tante hat es dann zum Glück geklappt, so dass wir der Krippe sagen konnten „Er kann es. Verhungern wird er nicht freiwillig“.

So konnte ich wieder arbeiten gehen und habe während der Arbeit dreimal am Tag abgepumpt und die Milch daheim eingefroren.

Auch das war eine anstrengende Zeit. Aber ich habe es geschafft.

Ich war eine Exotin in unserem Männerunternehmen. Die wenigen anderen Frauen dort hatten die Kinder mit sechs Monaten schon so weit, dass sie weniger gestillt wurden und außerdem Schoppen mit Ersatzmilch bekamen.

Als dann die ersten Zähnchen kamen und er grösser wurde, hat sich so einiges geändert, das uns seither bis heute entscheidend in unserem Familienleben geprägt hat.

Das Babybett wurde zu klein – ein größeres musste her.

Da diese Anschaffung aber aus verschiedenen Gründen länger dauerte, haben wir ihn zu uns ins Bett genommen.

Mit damals neun Monaten war er auch nicht mehr ganz so klein und zerbrechlich, so dass ich mich es getraut habe.

Wir haben eben nur ein 160cm breites Bett. Dort lag er dann zwischen uns und ich habe ihn weiter nach Bedarf gestillt.

Das war der Anfang unseres Familienbettes. Er schläft bis heute bei uns und will das nicht ändern.

Dabei steht daneben ein hübsches Kinderbett mit einer viel besseren Matratze. Aber das nutzt er nur als Spielplatz.

Er war kein großer Esser, das war ihm lange nicht wichtig, so dass er immer nur Mini-Portionen zu sich nahm und fleißig weiterstillen wollte.

Es hat lange gedauert, bis wir die Stillmahlzeiten tagsüber abgestellt hatten.

Und nachts zeichnete sich einfach kein Ende ab.

Als er ein Jahr alt wurde, dachte ich, so nun stillen wir dann ab.

Aber, dass das so einfach nicht geht, bei einem Kind, das nur stillt, Schoppen nur im Notfall (also in der Krippe) nimmt und zudem noch nie Ersatzmilch bekommen hat, musste ich dann feststellen.

Nach ein paar ratlosen Wochen (Wie stellt man das nur an? Der nächste Zahn, also jetzt nicht; krank, als jetzt auch nicht; usw.) habe ich mich dann bewusst von dem Gedanken befreit, unbedingt abstillen zu wollen.

Es hat uns alle nur unnötig gestresst.

Ab diesem Zeitpunkt haben wir alle drei wieder besser geschlafen.

Ich wurde zwar nach wie vor alle 2-3 Std. zum Stillen geweckt, aber ich konnte gleich wieder weiter schlafen, weil ich nicht mehr „dagegen“ war.

Zudem wurde, als er einjährig wurde, auch festgestellt, dass er Allergiker ist und unter anderem auf tierische Milch allergisch reagiert.

Tierische Milchprodukte hatte er bis zu seinem 1. Geburtstag nie bekommen. Ein weiterer Grund, weiter zu stillen, da anti-allergene Babynahrung super eklig schmeckt und sauteuer ist. Ich hatte ja genug Milch, nach wie vor.

Ein paar Monate später war noch immer keine Veränderung in Sicht, was sein nächtliches Stillverhalten anbelangt. Nach wie vor Einschlafstillen, nächtliches Beruhigungsstillen und Morgenstillen im Bett.

Mir wurde es langsam doch zu viel, es war immer unangenehmer. Wenn er dann auch noch (wie meistens) sehr lange an mir hing, wurde ich zusehends nervöser und gereizter.

Zudem hat es auch immer mehr Auswirkungen auf unser Privat-/Liebesleben gehabt.

Das lange und intensive Stillen hatte die ganze Zeit über verhindert, dass ich einen Eisprung hatte und sich wieder meine Regel einstellte.

Dazu litt ich unter extremer Scheidentrockenheit, was das Liebesleben sehr beeinträchtigte. Es ging einfach nicht. Auch die Libido fehlte.

Ich habe so viel gestöbert im www. Aber zu diesen Problemen leider (nahezu) keine Informationen und Erfahrungen gefunden. Ein sehr belastendes Thema, aber leider wohl kein so großes, dass man darüber „spricht“.

Ich habe immer gerne gestillt. Es auch genossen, diese Ruhe und Nähe mit meinem Sohn zu haben.

Aber die diversen Begleiterscheinungen waren irgendwann so gravierend, dass ich zu dem Schluss kam, abstillen zu wollen. Immerhin bin ich auch schon 38 und wir hätten gerne noch ein 2. Kind – bevor ich 40 werde.

Dann habe ich mich dazu durchgerungen, es mit dem 10-Nächte-Programm zu versuchen. Alles andere schien mir so brutal.

Und siehe da, es hat überraschend gut funktioniert.

Zwar nicht genau nach Programm. Es hat länger gedauert und wir haben ihm mehr Zeit gelassen. Aber es hat geklappt.

Außer einigen Rückfällen wegen Krankheiten stellte sich mit dem Nachts-nicht-mehr-Trinken gleich auch ein Durchschlafen ein.

Oh, wie schön ist das denn – nach zwei Jahren mal wieder sechs Stunden am Stück zu schlafen!

So blieben noch Einschlafstillen und Morgenstillen.

Damit hat sich dann auch bei mir körperlich endlich etwas verändert, die Trockenheit ging endlich weg. Was für eine Erleichterung!

Und die Libido kommt wieder. Nun warte ich noch auf den ersten Eisprung und die erste Blutung. Soweit bin ich leider noch nicht.

Derzeit sind wir daran die abendliche Einschlafroutine zu ändern, damit auch das Einschlafen ohne Stillen klappt.

Und siehe da, mit etwas Erklärungen und Bücher angucken hat er es erstmals auch so geschafft. Mit nur wenig Reklamation hat er es bei den ersten Versuchen, besser als erwartet, akzeptiert.

Dafür meldet er sich nun morgens wieder früher. Oft wohl doch auch, weil er es noch nicht schafft, abends genug zu essen und zu trinken.

Er liebt es halt so sehr. Und mir tut es so leid. Aber für mich war es eindeutig an der Zeit, etwas zu ändern.

Er ist zwar noch lange nicht abgestillt und auch wenn ich daheim bin, geht’s meist noch nicht wirklich ohne Einschlafstillen. Aber wir bleiben dran.

Irgendwie werden wir auch das noch meistern, so dass es dann für alle akzeptabel ist.

Immerhin kann ich endlich abends wieder später heim kommen und zum Sport gehen oder mal etwas abmachen.

So eine Erleichterung, das tut schon wahnsinnig gut, nach zwei Jahren immer da sein!

Ich hoffe sehr, dass sich nun alles körperlich normalisiert und wir die Familienplanung weiter führen können.

Unser Liebesleben müssen wir tatsächlich erst wieder „üben“.

Es war eine harte Zeit, die uns vieles gelehrt hat, aber meinem Sohn hat es so gut getan. Er liebt es und braucht es, meine Nähe an der Brust zu haben.

Gleichzeitig ist er, wenn der Papa (Wochenends und Abends) daheim ist, ein unheimliches Papikind. Auch ihn braucht er, das merkt man und es ist super schön, wie er das zeigt und unterscheidet.

Darum wird er es sicher auch bald schaffen, ganz ohne Brust auszukommen.

Ich bin schon traurig, wenn es dann wirklich vorbei ist.

Die positiven Seiten werden jedoch für mich überwiegen und ich werde immer gerne an diese intensive Zeit zurückdenken.

Und irgendwann wird er hoffentlich auch in sein eigenes Bett umziehen. Und nicht mehr querliegend im 160cm Bett uns mit Tritten malträtieren.

Wir lieben ihn. Er gibt uns so viel. Und darum geben wir ihm, das was er braucht.

So, das war nun ein echter Roman. Vielleicht ist er ja interessant, so dass Sie ihn veröffentlichen oder anderweitig „verwenden“ (gekürzt oder ungekürzt).

Mir hat es gut getan, einfach einmal alles aufzuschreiben. Ich werde diese Niederschrift auf jeden Fall auch für mich behalten und habe somit etwas für mich getan.

Viele liebe Grüße aus der Schweiz

Susanne Conradt

Originalbericht einer Mutter, Februar 2016
Foto: Piel de bebe via photopin (license)

 

* Affiliate-Link: Stillkinder.de erhält eine kleine Provision, wenn Du dieses Produkt über den Link kaufst, für Dich entstehen dabei keine höheren Kosten. Ich empfehle hier nur, was ich selber getestet oder gelesen habe und für gut und sinnvoll halte.

 

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

8 Kommentare

  1. Danke für deinen ausführlichen Bericht. In vielen Punkten fand ich meine Stillerfahrungen wieder. Habe einen Sohn (6) und eine Tochter (3,5). Sohn: Notkaiserschnitt nach Einleitungsdesaster aufgrund US-Meßfehlers bzw. Fehlbeurteilung. Gesundes, schlafendes Kind brachte mir der Vater ca. 3 h nach Entbindung, es schlief dann noch ca 3 h. Endlich stillen! Niemand half, Papa legte Baby auf meine immer noch von der Anästhesie taube Brust. Irgendwie trank es. Den Rest im KH erspare ich Euch. Sohn stillte gern und trank 45 min je Mahlzeit. Dann eine Stunde Pause. Zuhause erst mühsam mit Babybett und Stillsessel, nach ca 2 Wo umgestellt auf Familienbett (bis heute 🙂 ). Breikost und Fingerfood ab „Stielaugen“-Zeit, so mit 5 Monaten. Selbst abgestillt mit 7,5 Monaten, von heute auf morgen Trinktechnik vergessen! * Tochter Normalgeburt. In der 2. Woche wollte ich, erfahrene Mutter!, ihr Mumi-Fläschchen geben. Verweigert! Nie nahm sie eins, auch keinen Schnulli. Mahlzeit ca 1 Std. Dauer, dann 1/2 h Pause. Fünf Wochen, die ich nie vergessen werde! Dann etwas besser. Tapfer hielt ich durch, wunde Warzen und Milchstau behandelnd. Stillpositionen? Alle! Auch im Gehen 🙂 Abgestillt habe ich dann, als sie 27 Monate war. Hätte ich mir nie gedacht, mit meinem Kind über „Tillen?!?“ zu verhandeln…

  2. Liebe Susanne,

    es ist zwar schon 1 Jahr her bei euch, aber wie hat es sich in der Zwischenzeit entwickelt?

    Ich finde mich in fast allen Punkten zu deiner Geschichte wieder. Mein Sohn ist mittlerweile 16 Monate und hält stupide (nachts) den 1,5-2 Stundentakt. Bis jetzt hat er es geschafft, 2mal 4 Stunden am Stück zu schlafen und etwas öfter mal wieder auch 3 Stunden am Stück (das letzte Mal ist aber auch schon wieder Wochen her).

    Wir haben auch schon 2mal probiert abzustillen (einmal 1 Woche, die ich nicht durchgehalten habe und einmal 3 Wochen, wo es in der 3. Woche wieder rückläufig wurde). Im Moment habe ich es mal wieder akzeptiert, dass er es wohl noch braucht. Ich weiß aber genau, dass dieser Punkt wieder kommt, an dem ich absolut nicht mehr stillen will und ich hab schon ein bisschen Angst, dass er es nicht akzeptiert.

    Ich finde es wirklich toll, dass du deine Geschichte aufgeschrieben hast, in der ich mich fast 1:1 wiederfinde. Es gibt einem das Gefühl, dass man nicht alleine ist mit der Situation (auch wenn das natürlich nichts ändert).

    Liebe Grüße vom Bodensee

    von Doreen

  3. Ich habe mit großem Interesse diese Geschichte gelesen… Ja, was nimmt man sich nicht alles vor oder besser gesagt nicht vor. Es spielt ohnehin keine Rolle – denn meistens kommt es sowieso anders. In meinem Fall habe ich festgestellt, dass ich – obwohl sonst nicht auf den Mund gefallen – was meine persönlichen Belange mit meiner Tochter oft in einen Rechtfertigungsdrang komme. Warum nur ist es für so viele Menschen ein Problem, eine Mutter stillen zu sehen? Was mir schon alles nahegelegt wurde, wie und wann ich mein Kind endlich zum Durchschlafen konditionieren sollte – es hat mich schier verrückt gemacht. Natürlich mag auch ich gerne ein paar Stunden am Stück schlafen, was mir momentan noch nicht gegönnt ist… Aber es wird der Tag kommen. Und dann dürfen wir Mamis stolz und glücklich zurückblicken, dass wir unseren Kindern die Nähe gaben, die sie brauchten – auch über unsere Kapazitäten hinaus bzw. kapazitäten-erweiternd. Man wundert sich ja manchmal, wieviel man aushalten kann. 🙂

  4. Hallo Susanne!
    Deine Geschichte entspricht genau dem was wir erlebt haben. Wir haben es genau gleich gemacht wie ihr und stell dir vor, unser kleiner Sonnenschein ist heute Abend nun das zweite mal ohne Mami(brust) und zusammen mit Papi eingeschlafen.
    Die Stillkinderseite habe ich vor ca 6 Monaten entdeckt nach langem Suchen nach Möglichkeiten das Kind so sanft wie möglich abzustillen. Dieser Prozess hat nun 4 monate gedauert und ich bin so glücklich, dass wir es auf eine so sanfte Art und Weise, basierend auf den super Tipps von Stillkinder.de, einfach länger. :-)umsetzen konnten.
    Wir wollten ebenfalls noch einmal ein weiteres Kind und dies war die Motivation, unseren Schatz abzustillen, bevor das Geschwister auf der Welt ist und er dann darunter leiden muss, nicht mehr an die Brust zu können. Für mich war auch die Vorstellung schlimm, dass er von mir bzw meiner Brust so abhängig ist und ich dann im. Spital bin und nicht für ihn da sein kann, so als würde ich ihn hängen lassen.
    Aufjedenfall bin ich nun Ende 5 Monat schwanger und überglücklich!
    Herzliche Grüsse auch aus der Schweiz

  5. Danke für diesen Susanne! Es war, als haette ich ihn selbst verfasst! Mein Sohn ist jetzt 20 Monate und so viele Passagen haben mich an meine Stillzeit erinnert! Ich stille auch noch immer, aber nur zwischen frühestens 5 Uhr morgens und 6 Uhr abends, ca. 3 Mal.
    Dank deines Beitrags hatte ich ein riesiges Aha-Erlebnis! hatte ich auch: bis dato habe ich meine fehlende Lust und Schmerzen beim GV niiiiie in Verbindung gebracht mit dem nächtlichen Stillen, dem wenig Schlaf…. und du hast so recht! Ich stille seit Jaenner nicht mehr nachts alle 2-3 Stunden und seitdem wir das umgestellt hatten, wir wieder 6 Stunden Schlaf am Stueck bekamen, war plötzlich die Lust wieder da und die Schmerzen (auch durch Trockenheit) weg! Wieso ich das nicht in Verbindung brachte, verstehe ich nicht. Danke dir für meine Erleuchtung:-)
    Was mich noch interessieren wuerde – wie ging deine Umwelt mit dem langen Stillen um? Ich bekomme kaum positive Rückmeldungen, es ist zermuerbend. mittlerweile stehe ich schon drueber, zu Beginn war das jedoch sehr belastend. Mein Mann und ich haben uns auch nie viel Gedanken ueber das ‚danach‘ gemacht, aus den selben Gruenden wie ihr. Etwas bereuen tue ich das schon, aber jetzt kann ich daran eh nichts mehr aendern. Vor der Geburt hoerte ich immer – aber du wirst schon stillen oder? Meine Tochter hat so und so lange gestillt… Kaum war mein Sohn da, hoerte ich nach wenigen Monaten schon – sag mal, wie lange willst du ihn denn noch stillen, bis er zur Schule geht? Oder – es ist eh klar, dass er nicht durchschlaeft, das Stillen ist das Problem. Mir stellt es jetzt noch alle Haare auf. Was will die Gesellschaft von uns? Stillt man nicht, ist man eine Rabenmutter, stillt man zu lange, will man das kleine unschuldige Baby zum Muttersoehnchen erziehen…

    Ich finde es toll, dass du das trotz Job geschafft hast! Hut ab und Kompliment!
    LG aus Wien

    • Liebe Katharina
      Danke für Dein nettes Feedback. Es freut mich, dass Dir mein Bericht „geholfen“ hat.
      Zu Deiner Frage nach den Reaktionen der Umwelt, habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Aber grundsätzlich auch die, dass die Leute der Meinung sind, die Muttermilch reicht ja irgendwann nicht mehr und dann braucht das Baby Ersatz. Schöner Unsinn, aber fester Glaube in der Allgemeinheit. Meiner Eltern zb haben auch viel gefragt, als das Stillen immer länger ging und am Schlaf zehrte (ich wurde nur ca 6 Monate gestillt). Und in meinem Bekanntenkeis haben alle anderen Mütter viel früher abgestillt. Viele halt auch, weil sie wieder arbeiten gingen. Aber dass die WHO zb empfiehlt bis 2 Jahre oder länger zu stillen, weiss irgendwie niemand. Immer nur den ersten Teil, dass man bis 6 Monate ausschliesslich stillen sollte. Und das heisst für die Meisten dann, danach wird folglich abgestillt. Ich habe es irgendwann einfach vermieden, darüber zu sprechen. Wenn ich gefragt wurde, habe ich kurz und knapp geantwortet. Und bei Leuten mit anderer Meinung habe ich das Thema gemieden, bzw. bin nicht darauf eingestiegen. Ja, es kann zermürbend sein. Aber es ist eine private Sache und da hat sich niemand Aussenstehendes einzumischen. Schon gar nicht aus einer anderen Generation oder ohne Kinder.
      Liebe Grüsse & alles Gute Euch
      Susanne

  6. Vielen Dank! Ich kann uns so gut in allem wieder erkennen – im alles auf uns zukommen lassen, dann Kaiserschnitt, intensives Stillen, auch in der Nacht… Unsere Tochter ist 10 Monate alt und ich weiss noch nicht, wie lange wir weiterstillen. Bis jetzt isst sie auch noch nicht viel Anderes und den Schoppen mag/versteht sie nicht. (was ebenfalls zum Abstill-Ratschlag aus unserem Umfeld führt.). Das Arbeiten lässt sich glücklicherweise meist mit dem Stillen vereinbaren, da ich selbständig bin (auch aus der Schweiz, deshalb seit 6 Monaten wieder am Arbeiten, wenn auch reduziert). Oft geniesse ich das Stillen, aber schon nicht immer. Bereit zum Abstillen bin ich jedoch nicht und meine Tochter sicher auch noch nicht. Wir lassen es auf uns zukommen :-).

  7. Wow wie toll, danke. Es tut gut, mal so offene Worte zu lesen, wie hart es sein kann und wie schön. Zu wissen, was die Begleiterscheinungen sein können, gibt doch Zuversicht fürs lange Stillen 🙂 wir bleiben auf jeden Fall dran.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.