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Stillen ist mehr als Nahrung

Es geht nicht wirklich um die Milch!

1 Kommentar

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2008
Sie werden es am Anfang noch nicht „verstehen“ können. Denn zu Beginn dreht sich beim Stillen alles um die Anlegetechnik, Stillposition, Zeiten, Schlucken, wunde Brustwarzen; und Sie haben dabei das Gefühl, als ob sich Ihr gesamtes Leben auf das Ernähren des Babys reduziert hat.

Aus Ihrer Perspektive sind diejenigen von uns, die es genossen haben, unsere Kinder zu stillen, auf der anderen Seite einer riesigen, emotionalen Kluft.

Was auf der anderen Seite ist, können wir nicht mit Worten vermitteln. Wir können Ihnen nur helfen über die Brücke zu kommen, so dass Sie es selbst sehen können.

Wenn Sie dort bleiben, gefangen in der Vorstellung, Stillen sei nur eine Ernährungsmethode, können Sie diese Brücke vielleicht nie ganz überqueren.

Ach, wenn Sie die Aussicht von der anderen Seite nur sehen könnten! …
Wenigstens sollten Sie erfahren, dass es sie gibt.

Diejenigen von uns, die es „erfahren“ haben, würden sich nicht schuldig fühlen, wenn wir unser nächstes Kind nicht stillen könnten. Nein, es würde uns quälen.

„Schuld“ heißt, dass man sich schlecht fühlt, weil man für jemanden etwas nicht getan hat, was man hätte tun „sollen“. Egal, ob man es selbst gern getan hätte oder nicht.

„Qual“ hingegen bedeutet, dass man selbst großen Schmerz und Trauer verspürt, so als ob einem ein Stück von sich selbst weggerissen wurde.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich fortbewegen, indem Sie Ihr Körpergewicht nach links verlagern, dann Ihr rechtes Bein vorwärts bewegen, das Knie zu Beginn leicht gebeugt, dann allmählich gestreckt. Die rechte Ferse setzt auf, während Sie sich auf den Ballen Ihres linken Fußes abheben. Ihren linken Arm schwingen Sie vorwärts, synchron im Wechsel mit dem rechten, zurück schwingenden Arm.

Dann führen Sie den ganzen Prozess erneut spiegelbildlich aus, für den nächsten Schritt.

Kein Spaß, nicht einfach, nicht anmutig, nichts, was Sie weiter üben möchten.

Dann stellen Sie sich nun die Leichtigkeit und Freude von einfachem … „Laufen“ vor.

Und jetzt stellen Sie sich vor, jemand würde Ihnen sagen, Sie müssten es aufgeben.
Was würden Sie empfinden? Schuld? Oder Qual?

Ich wünsche mir, ich könnte Ihnen vermitteln, was für eine einfache, selbstverständliche, überwältigende, köstliche Freude es für mich war, meine Kinder zu stillen.

Nachdem ich es einmal „verstanden“ hatte, habe ich sie nicht mehr „gefüttert“, ich habe mir keine Gedanken mehr über die Abstände gemacht, ich habe nichts unterdrückt. Wir haben gestillt, wenn sie es wollten und wenn ich es wollte – sogar nur, um sie ruhig zu halten, während ich telefonierte.

Nachts war das Stillen ein stilles Erholen vom Durcheinander des Tages. Nicht immer, aber wie eine Mutter einmal sagte: „Natürlich bereitet es Umstände zu stillen. Aber es bereitet nun mal Umstände Mutter zu sein.“

Stillen war eine fundamentale, essentielle Verbindung zwischen uns und machte alles Andere – von den Windeln des Neugeborenen bis zu den Trotzausbrüchen des Zweijährigen – viel, viel einfacher.

Hinzu kommt noch, dass die Erfahrung, das perfekte Zentrum des Universums für einen anderen Menschen zu sein, das Selbstvertrauen jeder Mutter ungemein stärkt.

Kann man die gleiche Bindung durch Flaschenfüttern erreichen? Nein.

Denken Sie daran, dass eine stillende Mutter einen besonderen Hormonstatus hat. Ihr ganzer Körper reagiert auf ihr Baby in einer Weise, die bei einer Flaschennahrung fütternden Mutter, einem Babysitter oder einem Vater nicht möglich ist.

Ihr Säugling erhält all seine Kalorien immer in einer ganz-körperlichen-voll-mundigen, Haut-auf-Haut-Umarmung von seiner geliebten Mutter.

Ihr älteres Kind kommt später zu ihr, um seine größeren Kümmernisse jeder Art gelindert zu bekommen, auf eine einfache Weise, nämlich durch das Stillen.

Stillen ist die erste Beziehung eines Neugeborenen und es ist von der Natur vorgesehen, dass sie die ersten Jahre des Kindes dauert.

Als Gesellschaft, sagen wir uns selbst immer wieder – ohne Beweise -, dass die Abwesenheit dieser fundamentalen menschlichen Beziehung keine Langzeitauswirkungen für die Mutter, das Kind, die Familie oder die Gesellschaft hat.

Ich habe bisher in jeder Altersstufe Freude an unseren Kindern gehabt – und sie sind jetzt junge Erwachsene. Ihr Vater und ich haben das Gefühl, wir haben nach den ersten 10 Jahren keine wirklichen Elternpflichten mehr ausüben müssen, wir konnten uns einfach zurücklehnen und uns an ihnen freuen.

So etwas ist heute in Amerika eher ungewöhnlich. Hängt es vielleicht zum Teil mit unserem Start in eine lange, luxuriöse Stillbeziehung zusammen? Ich denke schon.

Und wie jede Frau, die die andere Seite der Brücke erreicht hat, hoffe ich, eine Hand zurückstrecken zu können, um Anderen herüber zu helfen.
Die Sicht von hier ist durch Nichts zu ersetzen!

Original: It’s Not Really About The Milk von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2008
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2004
Foto: Raphael Goetter via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Danke für diesen Beitrag – Sie sprechen mir aus der Seele.

    Ich stille meinen Sohn seit 8 Monaten und es sind Momente der Pause und der Entspannung, dieses Gefühl der vollkommenen Zufriedenheit, des Glücks und den Stolz mein Kind ernähren zu können, würde ich für nichts auf der Welt missen wollen!

    Ich finde es sehr schade, dass viele Menschen es nicht verstehen (wollen), dass es hierbei keinesfalls nur um Nahrungsaufnahme geht…

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