Es geht auch anders

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Von Katharina
Lange habe ich überlegt, ob ich meine Geschichte schreiben möchte und ob sie für Andere überhaupt interessant wäre.

Ich sitze gerade neben meinem 17 Monate alten Sohn – er hält gerade seinen Mittagsschlaf – und taue die letzte Flasche Muttermilch auf. Dabei werde ich recht wehmütig.

Die letzte Flasche Muttermilch; das letzte Zeugnis davon, dass ich etwas mehr als 1 Jahr gepumpt habe.

Anfang 2018 kam unser Wunschbaby mit einem beachtlichen Gewicht von 4740 g per Kaiserschnitt auf die Welt. Das Krankenhaus war großartig. Ich bekam dort unseren Sohn direkt an die Brust.

Alles schien gut zu laufen, nur leider schmerzte das Anlegen und Stillen. Ich dachte, ich bekomme das schon hin, trotz meiner sehr empfindlichen Haut.

Das Anlegen war leider nicht so einfach, da ich einerseits einen sehr großen Busen habe und andererseits – was wir zu der Zeit nicht wussten – sein Zungenbändchen stark verkürzt war. Dadurch konnte er nicht richtig ansaugen.

Nach wenigen Stunden war der Schaden schon da. Beide Brustwarzen waren eingerissen und blutig. Zusätzlich schmerzten die Brüste sehr stark durch den Druck des Milcheinschusses. Durch die Schmerzen in der Brust, aber vor allem auch im Bauchraum durch den Kaiserschnitt konnte ich mein Kind nicht gut halten.

Die Brustwarzen wurden daraufhin mehrfach gelasert. Anschließend, während ich bei einer Brust versuchte abzupumpen, wurde das Anlegen an der anderen Brust nochmals überprüft.

Ich will ehrlich sein: ich habe Rotz und Wasser geheult und hatte panische Angst vorm Anlegen. Ich konnte nur mit Mühe meine Schmerzensschreie unterdrücken.

Nach Hause entlassen, mit einem Rezept für eine Pumpe, beriet mich meine Hebamme nochmals über das Pumpen und Stillen. Ich habe auf der sanftesten Stufe angefangen zu pumpen, dabei rissen die Wunden auch immer wieder auf. Ich hielt durch, salbte sie ein und bastelte mir einen „Brustwarzen Donut„.

Am Anfang pumpte ich mit der „Medela Symphony“. Eine sehr gute Pumpe, doch leider sehr sperrig zum Mitnehmen, wenn man doch mal raus will aus den eigenen vier Wänden. Vor dem Pumpen massierte ich mit der Hand und einem warmen Waschlappen die jeweilige Brust und pumpte jeweils 2 Mal 7 Minuten abwechselnd.

Dabei lief aber immer sehr stark die andere Brust aus. Ich versuchte mit einem Schälchen die heraustropfende Milch aufzufangen.

Mein Sohn lag dann immer neben mir und ich dachte an sein Wohlergehen während des anfänglichen Pumpschmerzes. Die Schmerzen wurden langsam besser und ich konnte die Pumpstärke erhöhen.

Gerade am Anfang konnte ich kaum mit unserem Sohn schmusen, da der Prozess des Pumpens, des Reinigens und das Stillen per Spritze so aufwendig war, weil die Menge der Milch, die er zu sich nahm, ja auch stetig stieg.

Dies war sehr kräftezehrend, da ich für diesen Prozess eine Stunde benötigte. Weniger später fing alles wieder von vorne an; auch nachts.

Ich probierte immer wieder das Anlegen, aber es wollte nicht mehr so recht funktionieren. Und wenn es doch funktionierte, saugte er mit so einer Kraft an, dass die Brustwarzen wieder blutig wurden.

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Als wir uns entschlossen, ihm die Muttermilch nun per Flasche zu geben, konnte ich mich wieder mehr aufs Schmusen, Kuscheln und Anhimmeln unseres Sohnes konzentrieren. Wenn ich mit ihm kuschelte, so versuchte ich möglichst viel Hautkontakt herzustellen.

Ich erkannte den weiteren Vorteil der Flaschenfütterung, als mein Mann mich wunderbare 6 Stunden schlafen ließ und sich in der Nacht um unseren Sohn kümmerte.

Meine Angst, keine richtige Beziehung zu unserem Sohn aufbauen zu können, war größer als die Sorge, ob ich es je schaffen würde, dass er wieder an der Brust trinkt. Mein Wille unserem Sohn das Beste, was möglich sei, angedeihen zu lassen, war ungebrochen, also pumpte ich weiter.

Trotz drei beginnender Brustentzündungen mit teilweise starkem Fieber in den ersten 9 Wochen, die Grippe, die uns beide erwischte, unseren Sohn aber verschonte, wollte ich jedenfalls 6 Monate schaffen.

Ich habe mir dann eine Medela Swing Maxi-Pumpe* zugelegt. Sie ist wesentlich kleiner und man kann parallel pumpen. Um mir dies zu erleichtern, besorgte mir mein Mann einen Pump-BH*. Dadurch hatte ich meine Hände frei und konnte mich unserem Sohn liebevoll zuwenden.

So konnten wir auch mal in den Urlaub fahren und ich habe tatsächlich im Auto abgepumpt.

Anfangs pumpte ich alle 2 Stunden, dies hielt ich jedoch nur 2 Wochen durch, da ich auch merkte, dass es nicht nur mir, sondern auch meiner Beziehung zu unserem Sohn nicht gerade zuträglich war.

Ich verlängerte daraufhin die Pausen zwischen dem Pumpen auf 4 Stunden und pumpte so sechsmal am Tag; insgesamt um die 30 Minuten beidseitig.

Nach 6 Monaten pumpte ich nur noch viermal täglich bei gleichbleibender Milchmenge.

Die 6 Monate gingen schneller vorbei als gedacht und auch das Gefrierfach füllte sich. „Wenn ich es schon 6 Monate durchgehalten habe, kann ich ja noch einen weiteren Monat schaffen“, sagte ich mir.

So hangelte ich mich von Monat zu Monat weiter, bis dass das Jahr herum war.

Da ich anfangs Angst hatte, ich könne nicht genug Milch produzieren, besorgte mein Mann Pre-Nahrung, die wir aber ungeöffnet weiter verschenkten, da zu diesem Zeitpunkt gleich 3 weitere Frauen meiner Familie Kinder bekommen hatten.

Bis zum Schluss pumpte ich drei- bis viermal täglich um die 30-45 Minuten.

Natürlich gab es Momente, an denen die Pumpe einfach nur nervte und irgendetwas nicht funktionieren wollte. Und natürlich dachte ich immer wieder mal: Ich hör auf! Ich mag nicht mehr!

Doch dann blickte ich unseren Sohn an, und dachte daran, wie viel Positives ich ihm durch das lange Stillen geben konnte. Dass er vielleicht nicht, wie mein Mann und ich, ein Allergiker wird.

Als unser Sohn mobiler wurde, wurde es immer schwerer, da er sehr an der Pumpe interessiert war. Es musste dann jemand auf ihn aufpassen oder ich musste warten, bis er schlief.

Nach seinem ersten Geburtstag machte ich langsam Schluss. Nach ein paar Wochen hatte ich das Abstillen geschafft. Ein- bis dreimal die Woche bekam er die Muttermilch aus dem Gefrierfach; bis zum heutigen Tag. Er war im ersten Jahr nicht einmal krank gewesen, obwohl er ein Winterkind ist.

Und obwohl die Zeit durchaus kräftezehrend war, war ich wehmütig als ich aufhörte, aber ich bereue sie nicht und würde sie, falls es bei unserem zweiten Kind wieder nicht funktioniert, wieder durchstehen.

Mein Mann hat mich dabei sehr unterstützt, was mich unter anderem hat durchhalten lassen.

Vielleicht hilft jemandem unsere Geschichte. Mir wurde immer gesagt, dass die meisten Mütter das Pumpen nur ein paar Wochen durchhalten und ich froh sein kann, wenn es 4 Monate werden.

Aber vielleicht haben mich gerade diese Aussagen dazu motiviert zu zeigen, dass es auch anders gehen kann.

Zum Schluss: Wir haben beide ein sehr inniges Verhältnis zu unserem Sohn. Die sehr intensive Zeit, die emotionalen Achterbahnfahrten, haben uns zusammengeschweißt.

Diese Momente, wenn er in den Morgenstunden zu uns krabbelt, sich ankuschelt und in seiner Sprache von seinen Träumen erzählt, zeigen uns, dass das Geben der Muttermilch per Flasche unser Verhältnis zu keiner Zeit beeinträchtigt hat.

Katharina

Originalbericht einer Mutter, Juni 2019
Foto: PublicDomainPictures

 

Liebe Katharina,
ich danke Dir ganz herzlich für diesen tollen und ehrlichen Erfahrungsbericht. Es ist wirklich eine Riesenleistung von Dir so lange zu pumpen. Ich wünsche Dir sehr, dass es beim nächsten Kind gleich von Anfang an anders läuft. Falls nicht, wende Dich schnellstmöglich an eine Still- und Laktationsberaterin IBCLC.
~ R. Gresens

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

2 Kommentare

  1. Hut ab! Ich habe selbst „nur“ 4 Monate gepumpt, alle 3-4 Stunden.
    Konnte dann aber glücklicherweise noch stillen, es klappte von einem Tag auf den anderen. 🙂

  2. Vielen Dank, ein sehr wichtiger „Erfahrungsbericht“. Pumpstillen ist eine Meisterleistung. Hut ab!

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