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Intuitives Stillen – leicht gemacht

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Er war oft gar nicht von der Brust weg zu bekommen

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Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft und Geburt durfte ich mein Kind noch im Kreißsaal anlegen und alles klappte super.

Die zwei Tage, die ich in der Klinik verbrachte, wurde ich nachts regelmäßig von den Schwestern zum Stillen geweckt und tagsüber waren die Hebammen und Schwestern da.

Zu Hause – am Abend des dritten Tages nach der Entbindung – hatte ich einen so heftigen Milcheinschuss, dass mein Mann und ich mehr als sechs Stunden mit Quarkwickeln und Anlegen beschäftigt waren. Zum Glück hat mich meine Hebamme an diesem Abend noch telefonisch angeleitet, wie man eigentlich Quarkwickel macht.

Und ich bin mir sicher, wenn ihr bewusst gewesen wäre, dass ich bis dato mein Kind immer noch falsch anlege, hätte sie mich korrigiert. Ich biss bei jedem Anlegen die Zähne zusammen und dachte, das liegt an meiner empfindlichen Haut.

Der kleine Mann war ein begeistertes Stillkind und oft gar nicht mehr von der Brust weg zu bekommen. Er verweigerte lautstark den Schnuller und das Stillen dauerte in der Regel zwischen zwei und vier Stunden.

Ich las in den ersten Wochen „Intuitives Stillen“ und war froh, dass dort auch das „Clustern“ beschrieben wurde.

Nach vier Wochen hatte ich viel zu viel Milch und ein meckerndes, strampelndes Kind zusätzlich zu den schmerzenden Brustwarzen. Zum Glück stand in dem Buch, was bei zu viel Milch zu tun ist.

In dieser Zeit entdeckte ich auch Stillkinder.de und sah mir den Video-Kurs zum guten Anlegen an. Danach klappte es schmerzfrei und nach zwei Wochen spürte ich gar nichts mehr.

Nachts konnte ich endlich entspannt auf der Seite liegend stillen und ich stillte nachts noch sehr, sehr oft, meist hörte ich nach zehnmal Stillen auf weiter zu zählen.

Ich kämpfte nach wie vor immer noch mit der Tendenz zu zuviel Milch und stillte wochenlang in Rückenlage und stundenlang nur die eine Seite, trank täglich eine Tasse Salbeitee auf den Tag verteilt und hoffte darauf, dass das Stillen irgendwann entspannt sein würde.

Der kleine Mann meckerte oft und strampelte wild, weil er die Milchmengen gar nicht schnell genug wegtrinken konnte. Ich glaube, wäre ich eine Milchkuh, hätte ich Auszeichnungen gewonnen.

Nach mehreren Wochen konnte ich im Sitzen stillen, jedoch stillte ich immer noch stundenlang und hatte manchmal das Gefühl, ich komme zu nichts anderem mehr.

Als der kleine Mann gute drei Monate war, wurde es deutlich besser. Ich weiß nicht, ob er dann einfach mehr Interesse an seinem Umfeld hatte oder ob es die Bachblüten waren, die ich ihm gab. Aber das Stillen dauerte immer weniger lang und er war deutlich ruhiger an der Brust und eigentlich trinkt er seitdem nur noch abends vorm Schlafen sehr lang.

Dank einer Doppelmilchpumpe konnte ich mit geringem Zeitaufwand ein Milchdepot in kleinen Portionen einfrieren. Ich habe meistens gepumpt, wenn der kleine Mann im Kinderwagen geschlafen hat – ich bin nach einer Weile spazierengehen zurück zum Haus, habe schnell abgepumpt und bin dann gleich weiter gefahren, ohne dass er aufgewacht ist. So konnte ich vermeiden, dass noch mehr Milch gebildet wurde, denn wenn der kleine Mann wach wurde, wollte er nur eins und das war die Brust.

Dank der abgepumpten Milch konnte ich ab der zwölften Woche wieder meiner Arbeit als Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Osteopathie stundenweise nachgehen. Wenn ich arbeite, passt mein Mann aufs Kind auf. Das geht zum Glück sehr gut, da er zwei freie Nachmittage pro Woche hat.

Mittlerweile ist der kleine Mann über ein halbes Jahr und isst schon mit Begeisterung ein paar Gemüsesticks, löffelt stückigen Brei und wird natürlich noch zusätzlich gestillt.

Es hat bei uns lang gedauert, bis wir entspannt gestillt haben und in den ersten 3-4 Monaten habe ich fast stündlich gestillt – im Auto auf sämtlichen Parkplätzen, auf Bänken unterm spazieren gehen, auf Holzstößen sitzend am Waldrand, auf dem Zahnarztstuhl, beim Gynäkologen während der Abschlussuntersuchung, in der Kirche kurz vor der Taufe…

Aber ich wollte stillen! Ich habe immer so gerne mein Kind beim Stillen beobachtet und mir gedacht: Komm, halt durch! Das wird besser! Das wird mal ganz entspannt sein!

Und da die Gewichtszunahme ganz normal war, hatte ich auch nie das Gefühl, dass es nicht reicht – im Gegenteil, er ist mir ja oft regelrecht an der Brust abgesoffen.

Ich glaube einfach, dass er die Nähe am Anfang sehr gebraucht hat und bin froh, dass ich immer sehr viel Zuspruch von meiner Hebamme, meiner Schwiegermutter und meinem Mann bekommen habe. Das hat mich gestärkt und sicherer damit umgehen lassen.

Heute geht das Stillen sehr schnell – fünf bis zehn Minuten – und dann dockt der kleine Mann ab, meistens möchte er dann weiterspielen oder schlafen.

Manchmal werde ich gefragt, wie lange ich noch stillen werde und ich antworte darauf immer: So lange, bis einer von uns beiden keine Lust mehr darauf hat. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das noch länger dauern wird.

Ich genieße nach wie vor die Nähe, betrachte mein Kind, diese kleinen Hände, der zufriedene Gesichtsausdruck… mir wird jedes mal wieder aufs neue ganz warm ums Herz und für mich fühlt es sich einfach natürlich und schön an, dass wir stillen.

Anna und der kleine Mann

Originalbericht einer Mutter, Mai 2017
Foto: Franz Probst

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Hallo Yvonne, ja ich denke die Geburt und die Umstände machen viel aus. Ich habe bewusst ein kleines Krankenhaus gewählt, das als stillfreundlich bekannt ist. Die Ärztin hat bei der Kreißsaalführung betont, dass keine Frau in Rückenlage entbinden braucht, dass auf sämtliche individuellen Wünsche versucht wird einzugehen, sofern es medizinisch keine Kontraindikation darstellt und sie sagte mehrmals – wenn Sie Bedürfnisse oder spezielle Wünsche haben, lassen Sie es uns wissen, vielleicht können wir es möglich machen. Sie hat auch viel übers erste Anlegen und Stillen erzählt und da dachte ich mir, okay die weitere Anfahrt lohnt sich. Sowohl die Schwestern als auch die Hebammen haben mir sehr geholfen, mein Kind durfte bei mir im Bett schlafen und wir hatten ein Familienzimmer, das heißt, mein Mann war immer mit dabei. Es hätte nicht besser sein können in meinen Augen. Trotzdem wollte ich hier meine Geschichte erzählen, weil es bei uns einfach umgekehrt war – mein Kind wollte immer stillen und ich hatte mit zu viel Milch zu kämpfen und das war auch oft zum Heulen – aber ich habe mich informiert, ich habe durchgehalten und es wurde besser. Irgendwann war es ganz easy. Mein Kind hat bis heute keinen Tropfen Formulamilch benötigt und wir haben ein Milchdepot von einem dreiviertel Liter eingefroren, das wir gar nicht mehr brauchen, weil er schon so viel isst. Wir verschenken es jetzt an die Schwester einer Freundin von uns, die trotz Domperidon einfach keinen Milcheinschuss bekommen hat.

  2. Danke für deinen ehrlichen Bericht Anna. Es freut mich, dass ihr das Stillen trotz anfänglicher Schwierigkeiten noch genießen könnt. Ich bin auch Mama von 3 kleinen Kindern (8,5,3 Jahre) Bei meinen ersten beiden konnte ich mangels Erfahrung nicht lange stillen. Mein 3. Kind kam im Geburtshaus zur Welt. Dies war eine Entscheidung, die wir nicht bereuten. Die ganze Geburt verlief harmonischer. Das Bonding war ein Traum. Auch das Stillen klappte sofort problemlos. Doch mein Stilltraining begann als die Kleine ca. 3 Monate alt war mit einem Stillstreik. Ich als Mama am Rande des Burn Outs. Mein Baby 4 Wochen im Stillstreik (oder waren es nur 3). 2 andere kleine Kinder, die mich auch noch sehr brauchten. Mein Baby schrie als ich es an die Brust legen wollte. Wir versuchten es draussen auf dem Spielplatz. Mit netten Komentaren einer Freundin wie : Du kannst sie doch nicht verhungern lassen;) Doch je mehr Leute bei uns waren, desto nervöser wurde ich und auch mein Baby. Ich versuchte ihr abgepumpte Milch mit der Flasche oder Spritze zu füttern. Keine Chance. Ich wog mein Baby regelmäßig, natürlich auch aus Angst, das muss ich zugeben. Doch mein Baby nahm zu, nicht ab. Also stille ich weiter war meine Devise. Wir hatten Stillabstände von mindestens 4 Stunden. Auch nach 4 Stunden schrie mein Baby, wenn ich es anlegen wollte! Ich rief meine Stillberaterin an. Ich glaube, ohne sie hätten wir aufgegeben oder ich, besser gesagt. Sie sagte mir, ich solle mein Baby öfter nackig ausziehen, mich auch, und uns viel Haut an Haut Kontakt ermöglichen. Also zog ich mich zum Stillen mit einem halbschlafenden Baby in einen dunklen Raum zurück. Stillte nackig bis mein Baby fest eingeschlafen war. Im Halbschlaf, wenn sie müde war, war es ihr nämlich vollkommen wurscht, ob sie eine Brust im Mund hatte. Tagsüber, wenn niemand außer uns beiden zu Hause war, konnten wir auch wieder angezogen ganz normal stillen. Auch wenn es eine schlimme Zeit für mich war. Heute ist meine Jüngste 3 Jahre und stillt immer noch sehr gerne mehrmals am Tag. (Wenn auch meist nur für 5 Minuten) Jetzt würde ich dann doch gerne mal abstillen, aber da gibt es ja noch jemanden, der das nicht so sieht;) Ich wünsche allen Muttis eine schöne erholsame Stillzeit.

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