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Abwenden von der Brust

Er kann nicht hungrig sein

10 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2000
„Er hat doch gerade erst ‚was gehabt!“
Wie oft haben Sie heute etwas gegessen oder getrunken?
Kaffeepause? Schluck Wasser? Kaugummi? Snacks? Fernsehknabbereien?
Die meisten Erwachsenen haben während ihrer Wachphase etwa alle 90 Minuten den Drang etwas zu essen!
Warum essen oder trinken Sie?
Aus Hunger? Durst? Gemütlichkeit? Aus sozialen Gründen? Einfach nur so?

Versuchen Sie gerade an Gewicht zuzunehmen? 
Wenn Sie Ihr Gewicht in sechs Monaten verdoppeln müssten, wie würden Sie vorgehen?
Würden Sie Wasser trinken?
Zwischen den Mahlzeiten zuckerfreies Kaugummi kauen?
Große Portionen in langen Abständen essen?
Oder würden Sie bei Tag und bei Nacht viele, viele Snacks zu sich nehmen?

Wenn es ums Essen geht, sind auch Babys ganz normale Menschen. Sie sind aber auch ganz besondere Menschen, weil sie versuchen, ihr Gewicht in etwa einem halben Jahr zu verdoppeln, mit einem Magen, der anfangs nicht größer als ein Golfball ist. Natürlich essen sie und essen und essen, besonders in den ersten Wochen.

Wenn Ihr Neugeborenes etwa ein halbes Pfund pro Woche zunimmt, geht es ihm gut. Wenn nicht, kann Ihnen eine Stillexpertin helfen, Wege zu finden es effektiver zu stillen.

Denken Sie daran, wenn die Milch nicht oft hineinkommt, können die Pfunde auch nicht schnell draufkommen. Hier sind einige Grundlagen:

Schnuller sind zuckerfreies Kaugummi für Babys – eine Imitation von dem, was das Baby wirklich braucht. Sie haben sogar zwei von der Sorte, die das Baby eigentlich benötigt!

Denken Sie zuerst einmal daran zu stillen, wann auch immer Ihr Baby unzufrieden scheint – selbst, wenn es gerade eben erst etwas gehabt hat. Es kann immer noch „Nein“ sagen.

Wenn jemand immer unsere Gründe analysieren würde, bevor wir essen dürften, würden wir verrückt werden! Wir möchten nicht um unsere Nahrung bitten müssen, ebenso wenig möchten dies unsere Babys.

Was würden Sie von einer Gastgeberin halten, die Ihnen die Käsesoße verwehrt und dabei sagt, „Sie können nicht hungrig sein! Sie haben gerade erst gegessen.“?
Warum sollte man einem schnell wachsenden Baby Nahrung vorenthalten? Frei und häufig zu stillen, ist tatsächlich einfacher als Pause zu machen für große Mahlzeiten in großen Abständen. Ihre Brüste werden sich nicht unangenehm füllen und seinem Magen wird es wahrscheinlich auch besser gehen.

Lassen Sie Ihr Baby die erste Brust immer erst beenden, statt es nach einer bestimmten Zeit automatisch an der anderen Seite anzulegen. Jede Brust liefert ein wechselndes Menü von der Suppe bis zum Dessert.

Würde es Ihnen gefallen, wenn Ihnen noch mehr Suppe serviert wird, obwohl Ihnen inzwischen der Sinn nach Dessert steht? Wenn Seite 1 nicht genug war, kann es an Seite 2 weiter trinken und es kann sogar noch einmal zu Seite 1 zurückkehren. Wenn Seite 1 alles war, was es wollte, wunderbar.

Lassen Sie Ihr Baby mitteilen, wann es genug hat, nicht die Uhr. Stellen Sie sich ein Dinner vor, bei dem der Chefkoch hereinsaust und Ihnen mitteilt, Ihre Zeit sei nun um!

Nächtliches Stillen ist besonders wertvoll. Seien Sie nicht zu sehr darauf aus, dass Ihr Baby bald die Nacht durchschläft. Behalten Sie es während der Nacht schön nah bei sich – wenn Sie möchten, in Ihrem Bett – und seien Sie gewiss, Sie helfen ihm damit sein Gehirn und seine Knochen auszubilden.

Wenn Ihr Baby den Anschein macht, ständig zu stillen und nicht gut zunimmt, suchen Sie Hilfe bei einer Person, die sich mit dem Stillen auskennt. Ein paar einfache Veränderungen sind gewöhnlich alles, was nötig ist, um wieder in die richtige Bahn zu kommen. Und wenn alles wieder gut läuft, können Sie das „Füttern“ vergessen und einfach das Stillen genießen.
Überlassen Sie Ihrem Baby die Führung und die Pfunde kommen von selbst.

Original: He can’t be hungry. He just ate! von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2000
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, September 2004 
Foto: stacya via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

10 Kommentare

  1. Sorry wenn ich die einzige bin die es so sieht aber ich finde den Artikel wahrlich mütterunfreundlich.
    Mein Baby will momentan ständig trinken und ich versuche dem auch gerecht zu werden, nur nach einer gewissen Zeit brauche ich eine Pause.
    Die Brust oder Brustwarzen tun mir dann weh und um das Kind dann nicht schreien zu lassen, gebe ich ihm den Schnuller.
    Ich denke nach einer Stunde trinken, kann der Hunger nicht mehr so groß sein, dass er nicht mal eine halbe Stunde ohne die Brust auskommt.

  2. Ich mache es oft so wie im geschriebenen Artikel und mache das gern, aber mein Zwerg spuckt ohne Ende und nachts hat er dadurch oft Probleme und schläft unruhig. Ich bin verzweifelt, weil ich nicht weiß, wie ich es richtig machen soll. Er nimmt super gut zu, aber warum kommt immer so viel Milch wieder raus? Manchmal nach 2h noch die geronnene dicke Milch. Dann tut es ihm auch richtig weh und er kämpft.

  3. Ich danke für diesen Artikel!

    Mein Söhnchen, fast sechs Wochen alt, bekommt immer die Brust, und wenn er sie sich nur zum Einschlafen in den Mund steckt.
    Er ist ein ausgeglichenes Kind, was setzen schreit. Er meckert höchstens wenn ich zu langsam bin. 😉
    Meine Schwiemu riet mir zu einem Schnuller, wenn er nur zur Beruhigung saugt, sie hat mir auch erst geglaubt, dass er so oft trinkt, als sie es gesehen hat.
    Der Kinderarzt freut sich immer über den lieben Kerl, rät mir aber gleichzeitig auch zu Schnuller und Tee, um die Abstände zwischen den Mahlzeiten zu strecken. Ich denke, entweder zufriedenes Kind oder große Abstände. Beides geht nicht.
    Abends sitzen wir ein bis zwei Stunden auf der Couch, weil er dann nur die Brust will. Dann nuckelt er im Schlaf ein bisschen weiter und lässt irgendwann los. Dafür haben wir NIE die berühmten Schreistunden. Nur ein Mal, da waren die Windeln zu eng.

    Natürlich ist es zeitaufwändig, aber ich finde den Kleinen sehr einfach im Umgang. Er weiß was er braucht und ich handle danach. Das schont meine Nerven und seine auch.
    Nur die mancher Leute nicht, die meinen, ich stille zu oft. 😀

    Der Artikel zeigt, dass mein Bauchgefühl richtig ist, ich werde so weiter machen.
    Vielen Dank dafür!

  4. Die Situationen kenne ich. Meine Maus ist nun 5 Wochen alt und das Stillen klappt nach laaangen Schwierigkeiten (u.a. Soor) nun endlich. Seitdem ich sie „nur“ noch stille und nicht mehr zufüttere, habe ich das Gefühl, dass meine Milch ihr nicht reicht. Ich habe zwar genug, aber sie hört nach einer Stunde (beide Brüste) von selbst auf und fängt nach einer halben Stunde wieder an zu schreien, nach 1,5 h allerspätestens muss sie dringend was trinken. Das Problem ist, dass sie ständig einschläft beim Stillen und die Prozedur somit bis zu einer Stunde dauert, bis sie satt ist. 🙁 Zudem habe ich wegen dem Soor immer noch Schmerzen, so dass es echt schlimm ist, sie so oft anzulegen. Ich bin also quasi 12 Stunden am Tag nur am Stillen… *puh*

  5. Ich kann das auch nur bestätigen, meine Kleine war ein Frühchen von 1,5 kg und als wir dann zu Hause waren, habe ich sie immer trinken lassen, wenn ich auch nur das leiseste Gefühl hatte, sie braucht es und sie hatte ihr Gewicht mit einem halben Jahr mehr als vervierfacht 🙂

  6. Meine Tochter wollte besonders in den späten Nachmittagsstunden dauergestillt sein. Macht es euch leicht, liebe Mamis, ich habe sie in den Manduca gepackt, ihn eine Etage tiefer eingestellt und konnte dabei den Haushalt erledigen. Und Mäuschen hatte dann ihren „Lieblingschnuller“.

  7. ich kann das nur bestätigen. bei meiner Tochter (inzwischen fast 13Jahre) habe ich mich gegen alle Empfehlungen dazu entschlossen, immer zu stillen sobald sie sich meldet. In manchen Phasen hab ich den halben Tag das Kind an der Brust gehabt. Und manche Tage waren genau das Gegenteil. Sie hat irgendwann angefangen am Tisch mitzuessen, somit wurde das stillen immer weniger und mit 22 Monaten hatte sie kein Interesse mehr. Es war alles so unkompliziert! Und sie ist das gesündeste Kind, das ich kenne. Sie isst immer nur bis sie satt ist und lässt auch einen Löffel voll noch liegen wenn´s ihr reicht. So ein gesundes Essverhalten gibt es selten.
    Das müssten alle jungen Mütter beherzigen!

  8. Stillnews

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