Stillkinder.de

Intuitives Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Berichte > Schwerer Start > Zu empfindliche Brustwarzen zum Stillen?

Zu empfindliche Brustwarzen zum Stillen?

3 Kommentare

Meine Stillerfahrung – oder: Welch Wunder, dass die hellhäutigen Blondinen noch nicht ausgestorben sind, denn Stillen kann man mit so empfindlichen Brustwarzen ja nicht!?

Ich hatte eine wirklich schöne Geburt, wenn man das so sagen kann, relativ schnell für eine Erstgebärende und ohne Komplikationen, und habe meinen Sohn voller Liebe in der Welt willkommen geheißen.

Er wurde mir nach einer Weile auf den Bauch gelegt und konnte direkt nach der Brustwarze suchen, was ihm, dem kleinen frischen Wesen, erstaunlich gut gelang.

Er nuckelte seelenruhig vor sich hin, während mein Mutterherz fast zersprang vor Glück.

Da meine Brustwarzen schon recht bald anfingen zu schmerzen, bat ich die Schwestern mir beim korrekten Anlegen zu helfen.

Doch hatte jede ihre eigenen Tricks, Helfer und „Weisheiten“, die mich gehörig durcheinander brachten. Dabei hatte ich vorher einen Stillkurs belegt und einige Bücher gewälzt.

Wie ich ihn auch anlegte, ob mit oder ohne Stillhütchen, ich hatte höllische Schmerzen dabei und nahm vorher jedes Mal Schmerztabletten, denn zumindest bildete ich mir ein, dass die Schmerzen damit erträglich waren.

Ich selbst wurde drei Jahre lang gestillt und war fest entschlossen, mich von den Startschwierigkeiten nicht beirren zu lassen, denn ich dachte, die Schmerzen würden sicherlich bald weggehen.

Einer Hebamme sagte ich dann, dass ich unbedingt stillen wolle und sie entgegnete mir nur: „Ach, das hilft Ihnen bei den Brustwarzen auch nicht weiter.“, denn als sehr heller Hauttyp seien diese bei mir wohl übermäßig empfindlich.

Mein Mann musste mir beim Anlegen regelmässig die Füße fast zerdrücken – die Hände waren ja mit dem Baby beschäftigt – sodass der Schmerz zumindest verlagert wurde.

Mein Sohn verlor immer mehr an Gewicht und die Schwestern kamen sehr bald mit Fläschchen und versicherten mir, er bräuche diese jetzt.

Nach drei Tagen und drei schlaflosen Nächten im Krankenhaus schoss endlich die Milch ein und wir durften nach Hause, mit der guten Hoffnung, dass sich nun alles bessern und wir unsere Routine schon finden würden.

Doch wusste ich nicht, auch nicht aus dem Stillkurs, dass nach dem Milcheinschuss erst mal gefühlt Schluss sein kann und die Brust sich sehr, sehr leer anfühlt.

In meinem Fall ging das einige Tage so und er hing ständig an mir, da er wohl großen Hunger hatte. Ich war überzeugt davon, meine Milch sei weg und wusste nicht, wie der kleine Wurm noch immer die Kraft aufbringen konnte, so kräftig zu saugen.

Denn er hatte weiter Gewicht verloren und schrie anhaltend. Ich war am Boden zerstört und habe nur noch geweint, vor Schmerzen und vor Traurigkeit.

Aber ich hielt durch und konnte ein Abstillen nicht akzeptieren, es musste doch funktionieren.

Trotz starker Schmerzen legte ich ihn an, sobald er sich meldete und biss buchstäblich die Zähne zusammen, weil es so weh tat.

Acht lange Wochen ertrug ich stoisch den Schmerz der wunden und blutigen Brustwarzen und sah nicht ein, dass ich meinem Sohn, nur weil ich dadurch litt, die wertvolle Muttermilch und den Trost an der Brust nehmen sollte.

Ich suchte mir keine Stillberatung, weil meine Hebamme meinte, ich lege ihn korrekt an und die wunden Brustwarzen kämen daher, dass er eben ein sehr kräftiger Sauger sei…

Eines Nachts bin ich dann durch Zufall auf die Homepage Stillkinder.de gestoßen und habe angefangen zu lesen.

Dann fand ich den Video-Kurs „Gut Anlegen“ und war beeindruckt davon, was für einen Unterschied es macht, wenn man Tipps einfach liest, oder sie gut veranschaulicht gezeigt bekommt.

Beim nächsten Pieps von meinem Sohn nahm ich mir die Anregungen zu Herzen und probierte sie alle aus.

Und siehe da – ich merkte schon, dass ich irgendetwas richtiger machte als sonst.

Die Schmerzen waren natürlich nicht von jetzt auf gleich weg, aber sie wurden im Laufe der Stillmahlzeiten zumindest etwas besser.

Es verging noch eine Weile, bis wir den Dreh komplett raushatten und meine Brustwarzen sind nur sehr langsam verheilt.

Aber irgendwann legte ich ihn an, wartete auf den Schmerz – und war völlig überrascht, als ich nur einen angenehmen Sog verspürte, so wie ich es überall immer gelesen hatte!

Mein Sohn schaute mich mit großen Augen an (für ihn hatte sich ja nichts geändert) und ich genoss das Stillen zum allerersten Mal mit Freudentränen.

Er ist nun sechs Monate alt und ich stille ihn noch immer ausschliesslich, dabei wiegt er schon fast 10 kg.

Ganz herzlichen Dank an Regine Gresens, ohne Sie hätte ich vermutlich doch noch aufgegeben…
KW

Originalbericht einer Mutter, Dezember 2016
Foto: Tim Paza May Feeding via photopin (license)

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Glückwunsch und auch meinen Respekt vor so viel Durchhaltevermögen!
    Auch mir wurde – sogar von einer Hebamme eines Geburtshauses – prophezeit, dass ich schreckliche Schmerzen beim Stillen haben werde, aber GOTT SEI DANK, hatten wir eine wundervolle Hebamme im Krankenhaus, die uns sofort alles wunderbar zeigte. Der Wurm trank nach einer schweren Geburt, leider KS am Ende, nach einem Tag so gut, dass er nur noch zunahm und nie weinte, sobald er schmatzte, legte ich ihn an, welche glückselige Harmonie nach einer harten Geburt für uns drei.
    Auf diesem Weg danke an alle ermutigenden Hebammen und ein deutliches „Ändert-den-Beruf-Frauen“ an die Hebammen, die Mut nehmen.

  2. Kann ich nur bestätigen. Die Überzeugung macht sehr viel aus. Bin selbst ein „Weißbrot“ und trotz Stillfreundlichem Krankenhaus hatte jeder eine andere Empfehlung, die eher veraltet waren. Jeder kommt mit solchen daher, verwirrt und auch bei mir warens 8 Wochen, eine Belastung für die Beziehung dazu, weil es zumindest uns die Laune vermißt hat. Nächtliches Googlen und blutige Hautstücke von der Brustwarzee abziehen waren Alltag. Und nun? Das Kind ist 14 Monate alt, wird immer noch gestillt, wir sind gerade, wenn sie krank ist, sehr froh darüber, ihr etwas Gutes damit tun zu können und so schnell wird ans Abstillen auch nicht gedacht. Es kann sehr schwer werden, wenige die einen unterstützen, aber der Wille macht viel und wenn man das Glück hat, Jemanden zu haben, der einen unterstützt, dann ist der Gold Wert. Mir hat diese Seite damals auch Mut gegeben und eine Freundin, welche mich hergebracht hat. Danke schön auch dafür.

  3. Oh vielen Dank für diesen wunderbaren Erfahrungsbericht !
    Ich freue mich von Herzen mit deinem Sohn, dass er so eine mutige, kluge und durch und durch liebevolle Mutter hat! Ich kenne diese furchtbaren Schmerzen leider auch (3. Kind ist grade 2 Wochen alt ) nur hab ich seit dem 2. Kind eine wundervolle und schlaue Hebamme. Es ist nur traurig, dass du weder im kh noch von deiner Hebamme kompetente Hilfe bekommen hast. Du bist eine tapfere Kämpferin ! Hut ab !!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Ja, ich möchte auch gleich den Stillkinder-Newsletter abonnieren, um zu erfahren, wenn es hier etwas Neues gibt.