Ein natürlicherer Kaiserschnitt

Ein natürlicherer Kaiserschnitt

2 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC
Du kannst vieles tun, um Dir und Deinem Baby zu helfen, einen natürlicheren Start zu haben, auch wenn dieser Start durch eine Operation erfolgt.

Geburtsbeginn

Babys wissen, wann sie geboren werden müssen.

Zu warten, bis Dein Baby signalisiert, dass es soweit ist, bedeutet, dass Dein Baby zur „richtigen“ Zeit geboren wird, ohne die möglichen Komplikationen einer etwas zu frühen Geburt.

Anderen Säugetiermüttern dienen die Empfindungen der Wehentätigkeit dazu, sich innerlich auf das kommende Baby einzustellen.

Wahrscheinlich wirst auch Du die Zeit nach der Geburt einfacher und glücklicher für Euch beide empfinden, wenn Du die Chance hattest, vor der Operation bereits Wehen zu haben.

Geruch

Mütter, die ihr Baby riechen und berühren konnten, bevor es gewaschen oder gebadet wurde, fühlen sich früher mit ihm verbunden.

Zumindest sollte Dein frisches Neugeborenes direkt nach der Entbindung einmal kurz Deine Wange berührt haben, damit Du seinen noch feuchten Geruch bei Dir behalten kannst.

Berührung

Deine operierenden Ärzte können die Abdecktücher im Operationssaal so arrangieren, dass Dein neu geborenes Baby unmittelbar nach seiner Geburt während der Operation auf Deiner Brust liegen kann.

Wenn Du es dabei selbst auch anfassen kannst, wunderbar.

Wenn Du einfach nur sein Gewicht auf (nicht in!) Deinem Körper spüren kannst, wunderbar.

Bakterien miteinander teilen

Babys kommen steril auf die Welt, damit sie bei einer vaginalen Geburt die normalen Bakterien ihrer Mutter aufnehmen können.

Neuere Studien zeigen, dass Babys, die durch einen Kaiserschnitt geboren wurden, ein erhöhtes Risiko für spätere Allergien haben.

Als Grund wird vermutet, dass es ihnen nicht möglich ist, bei der Geburt die normalen „Mama-Bakterien“ aufzunehmen und sie mit den Bakterien vorlieb nehmen müssen, die das Krankenhaus zu bieten hat.

Bitte das Operationsteam mit einem sterilen Tupfer etwas Scheidensekret aus Deiner Vagina aufzunehmen und damit Dein gerade geborenes Baby zu bestreichen.

Falls sie nicht dazu bereit sind (die Informationen zur Allergieentstehung sind noch relativ neu und dieser Vorschlag ist nicht wissenschaftlich erforscht), kannst Du dies auch selbst machen oder Deinen Partner oder die Hebamme bitten, es so bald wie möglich für Dich zu tun.

Dein Baby mit Deinen eigenen Bakterien zu besiedeln, könnte auch Dein Risiko für Brustentzündungen senken.

Und wenn Du schon einmal dabei bist, möchtest Du vielleicht auch, dass der Elternteil mit den besseren Zähnen dem Neugeborenen einen dicken, feuchten Kuss auf den Mund gibt.

Das könnte helfen, den Mundraum Deines Babys mit den besten Mundbakterien zu besiedeln, die Deine Familie zu bieten hat, und damit sein Risiko für spätere Karies reduzieren.

Haut-Haut-Kontakt

Halte Dein Baby nach der Operation so viel wie möglich im direkten Haut-Haut-Kontakt.

Babys fühlen sich am sichersten, wenn sie mit ihrer nackten Brust auf dem Brustkorb ihrer Mutter liegen. Und sichere Babys trinken besser an der Brust.

Haut-Haut-Kontakt reguliert die Körpertemperatur Deines Babys, seine Atmung und seine Blutzuckerwerte. Ihr fühlt Euch dadurch beide schneller besser und auch das Teilen der guten Bakterien wird so erleichtert.

Wenn Du es gerade einmal nicht selbst halten kannst, kann es solange von jemand anderem gehalten werden. Alle Familienmitglieder lieben es Haut-Haut-Kontakt mit dem Baby zu haben, sobald sie es einmal probiert haben.

Stillen

Babys sind normalerweise fähig, die Brust ihrer Mutter zu lokalisieren, sich dorthin zu bewegen und mit sehr wenig Hilfe der Mutter dort anzudocken.

Wenn Dein Baby während der Geburt Medikamente über Dein Blut erhalten hat, kann es etwas länger dauern.

Streiche, so oft Du magst, Kolostrum (Vormilch) in einen Plastiklöffel aus und füttere Dein Baby damit. (Am ersten Lebenstag ist sein Magen nicht größer als eine Glasmurmel. Deshalb kann es nur kleine Nahrungsmengen aufnehmen und benötigt häufige Mahlzeiten.)

Bleib im Haut-Haut-Kontakt mit ihm und Du wirst staunen, wozu es fähig ist, wenn es erst einmal etwas wacher ist.
 
Original: „A More Natural Cesarean“ von Diane Wiessinger, IBCLC, 2006
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2014
Foto: rowan.simpson via photopin cc

 

Findest Du diesen Beitrag hilfreich? Wenn ja, bitte teile, kommentiere und like ihn auf Facebook. Oder nimm ihn mit auf Pinterest, hier ist Dein Pin:

Eine Geburt per Kaiserschnitt

Fürs Liken, Teilen und Pinnen sage ich herzlich Danke!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG). Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen.

2 Kommentare

  1. Hallo.
    Ich stimmte Ihnen in den meisten Punkten zu.
    Alle Punkte sind argumentativ schlüssig.
    Bis auf die Sache mit den Bakterien teilen.
    Wenn man sein Baby nach einem Kaiserschnitt mit Vaginalbakterien betupft, macht das Sinn. (Bei einer vaginalen Geburt, schluckt das Baby die Vaginalsekreter der Mutter sogar, die ihm dann helfen, eine eigene Darmflora aufzubauen. )

    Bei Karies allerdings, ist das anders. Karies ist gewissermaßen übertragbar.
    Fast alle Menschen haben den Erreger der Karies auslöst im Mund. Und zwar durch Übertragung. Ein früher Kontakt schützt NICHT vor späteren Zahnproblemen! Wenn man darauf verzichtet, seinen Speichel in den Mund des Babys zu bringen (Schnuller/Flasche nicht ablecken etc.) hat man die größten Chancen sein Kind ohne Karies großzuziehen. Wahrscheinlich bis es groß genug selbst zu entscheiden, welchen Speichel es in seinem Mund haben will.

    Die Studien die bislang zu dem Thema erschienen sind, kommen meines Wissens alle zu dem Schluss, dass die Vermeidung von Kontakt mit dem Erreger die alternativlos zu befürwortende Prophylaxe ist.
    Wenn sich ihre Meinung auf einer neueren Studie fußt, die mir nicht bekannt ich, würde ich mich freuen, wenn sie ihre Quelle angeben könnten.

    Wikipedia sagt dazu (zum groben Verständnis des Sachverhaltes)
    ( http://de.wikipedia.org/wiki/Zahnkaries ) :

    „Die Mundhöhle eines Ungeborenen ist zunächst steril, bereits bei der Geburt erfolgt der erste Kontakt mit vaginalen und fäkalen Mikroorganismen. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich eine natürliche Bakterienflora ähnlich der Erwachsener. Die Übertragung der kariogenen Erreger erfolgt durch Speichelkontakt. Der bedeutendste kariogene Keim Streptococcus mutans ist jedoch erst nach Durchbruch der Milchzähne nachzuweisen. Die häufigste Übertragung erfolgt über den Milchflaschensauger zwischen Mutter und Kind (Löffel oder Schnuller abschlecken, Vorkosten, Temperaturprüfung der Milch), aber auch durch andere Übertragungswege wie Küssen, gemeinsames Benutzen von Geschirr, Husten.“

    LG

    • Liebe Abby,

      aus rein zahnärztlicher Sicht ist dies vielleicht richtig, doch betrachtet man den Körper als Ganzes, mitsamt seines durch Darmbakterien geprägten Immunsystems, ist es von Nachteil, KEINEN Speichelaustausch zu tätigen. Allein wenn man die Evolution anschaut, ist ein sehr früher Speichelaustausch bei allen Säugetieren inkl. Menschen immer erfolgt (Ablecken, Küssen, Nahrung zerkleinern). Es werden von der Mutter
      dadurch wertvolle Keime für den Körper weitergegeben. Im Mund befinden sich, neben der Kariesbakterien, hunderttausende andere, gute Keime! Ein steriles Aufpassen ist unnatürlich und ein „Experiment“, mit dem man vorsichtig sein sollte.
      Schließlich sollte man sich entscheiden: sind mir kariesfreie Zähne wichtiger als das Aufwachsen mit einer natürlichen menschlichen, familieneigenen Keimflora. Letztlich kann man Karies durch Putzen vorbeugen.

      Mit freundlichen Grüßen!

      Antonella

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.