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Intuitives Stillen – leicht gemacht

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Ein langer Weg zu gehen

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Ich habe auf dieser Seite so viele Berichte von erfolgreich bewältigten Schwierigkeiten mit dem Stillen gelesen, dass ich mich auch dazu entschieden habe, meinen (unseren) langen Weg zu schildern.

Ich möchte anderen Müttern Mut machen und Kraft in schwierigen Momenten geben.

Dass ich mein Kind selbstverständlich stillen werde, war mir immer schon klar. Muttermilch ist das Beste für das Kind, versorgt es optimal mit allen Nährstoffen, ist immer steril verfügbar, wohl temperiert und kostenlos.

Als dann klar war, dass mein Sohn wegen einer Beckenendlage mit einem geplanten Kaiserschnitt entbunden werden musste, fragte ich mich, wie unter diesen Umständen unser gemeinsamer Stillstart sein wird.

Vertraute darauf, dass es wohl schon klappen wird. Warum auch nicht? Ich kannte einige Mütter, die nach einem (geplanten) Kaiserschnitt sofort gestillt hatten und wohl auch keine Probleme hatten.

Und dann hatte ich, hatten mein Sohn und ich, so großes Glück. In der Nacht (SSW 39+0) vor dem Termin zur Kaiserschnitt OP hatte ich einen Blasensprung und beginnende Wehentätigkeit.

Na also, dachte ich mir. Freute mich, dass er mitreden wollte, und sah dem Stillen ganz positiv entgegen.

Der erste Versuch im Kreißsaal war dann anders, als ich es erhofft hatte. Die Hebamme im Krankenhaus hielt mir meinen Sohn für einige Sekunden an die Brust und stellte dann fest, dass er nicht trinkt. „Probieren wir später wieder“, waren ihre Worte.

Später? Zu diesem Zeitpunkt stand schon fest, dass er für 24h auf der Kinderintensivstation überwacht werden sollte, da ich in der Schwangerschaft ein Medikament genommen hatte.

Erste Zweifel, wie denn das Stillen mit der Trennung klappen sollte, kamen auf. Und warum hielt mir die Hebamme meinen Sohn nur so kurz an die Brust?

Während der zwei Stunden, die wir beim Bonding im Kreißsaal verbrachten, war ich überwältigt vor Freude, Liebe und Glück. So ein wunderbares, schönes, rosiges und gesundes Baby hatten wir bekommen.

Auf der Kinderintensivstation bekam er gleich eine Flasche mit Nährlösung, ohne dass es mit mir bzw. mit uns als Eltern abgesprochen war. Unsicherheit machte sich bei mir breit. Wird er meine Brust überhaupt noch akzeptieren?

Später am Tag unternahmen wir einen weiteren Versuch in einer denkbar ungünstigen Umgebung: Ich saß mit Schmerzen nach der Bauch-OP in einem alten, unbequemen Rollstuhl in der Enge der Station. Andere Eltern, Pflegerinnen um mich herum, stießen an den Rollstuhl und meine OP-Narbe schmerzte.

Mein Sohn schrie, fand die Quelle nicht, konnte nicht andocken und schrie nur noch mehr.

Ich weinte auch. So hatte ich mir das Stillen doch nicht vorgestellt. Bei anderen Müttern sah alles immer so einfach aus und die Babys tranken sofort gut an der Brust – so erlebte ich es in meiner Familie und bei meinen Freundinnen.

Schnell wurde ein Stillhütchen hervorgeholt und die Krankenschwestern klebten mir das Silikonhütchen auf die Brust. Auch das irritierte mich, doch damit trank er wenigstens einmal kurz an der Brust, verlor dann aber den Kontakt und konnte nicht mehr andocken.

Abpumpen und Flasche machen, verordneten uns die Krankenschwestern. Also pumpte ich alle drei Stunden ab und war froh, dass er die gute Muttermilch wenigstens auf diese Weise bekam und mein Milchfluss kam in Gang.

In den nächsten Tagen, dann zusammen auf der Wochenbettstation, erfolgten wieder mehrere Versuche anzulegen. Immer wieder schrie mein Sohn, fand die Quelle nicht. Die Krankenschwestern bemühten sich, das Kind irgendwie an meine Brust zu bekommen. Doch es klappte nicht.

Ich weinte und war verzweifelt. Warum klappt das nicht?

Viele Handgriffe später, die an meiner Brust und an meinem Sohn vorgenommen wurden, hatte ich den Mut und die Zuversicht verloren. Ich erlebte die Versuche mit dem Krankenhauspersonal zum Teil als sehr grob.

Also pumpte ich weiterhin ab und gab Flasche. Ein Kompromiss, der mich aber traurig stimmte. Ob das überhaupt auf Dauer klappen kann?

Einen Ostepathen hatte ich bereits am dritten Lebenstag im Krankenhaus aufgesucht.

Am Tag der Entlassung, wagte ich noch einen Versuch. Eine IBCLC-Stillberaterin war im Dienst auf der Wochenbettstation. Sie erschien mir sofort sympathisch und mit ihr wollte ich einen Versuch wagen.

Nachdem mein Sohn und ich zufrieden und ausgiebig gekuschelt hatten, half sie mir beim Anlegen. Durch die vielen gescheiterten Versuche, kamen wir schnell wieder in den Strudel: Er fand die Quelle nicht, schrie und ich verkrampfte.

Milch hatte ich wirklich genug. Ich pumpte fleißig ab und die Milch tropfte aus meiner Brust, wenn mein Sohn oder ein anderes Kind im Zimmer Hunger anmeldeten. Nur das Anlegen wollte nicht klappen.

Wieder wurde das Stillhütchen hervorgeholt und plötzlich trank er mit Stillhütchen zehn Minuten an der Brust und verfiel sofort in einen tiefen, langen Schlaf, in dem wir ihn anzogen und nach Hause fuhren.

Dort standen Flaschen, Sauger, ein Vaporisator und die elektrische Doppel-Milchpumpe bereit.

Alleine traute ich mich nicht das Anlegen noch einmal zu versuchen, wollte es mit meiner Nachsorgehebamme aber wieder probieren.

Doch auch da wollte es nicht gelingen. Mein Sohn fand die Quelle trotz Stillhütchen nicht und wir weinten beide.

Einige Tage wollte ich es gar nicht mehr probieren, ich pumpte alle drei Stunden ab und gab Flasche.

Ein Kompromiss, der mich aber sehr erschöpfte. Auch in der Nacht alle drei Stunden aufstehen und 20 – 30 min abpumpen, Flaschen sauber machen und sterilisieren.

Mein Mann unterstütze mich, wo er nur konnte. Gab unserem Sohn die Flasche, kochte lecker und gesund für mich, ging einkaufen, besorgte alles, was wir im Wochenbett benötigten, und ermutigte mich mit seiner ruhigen, gelassenen Art das Anlegen doch mal wieder zu versuchen.

Irgendwann saßen wir dann nebeneinander auf dem Sofa, er hatte unseren Sohn auf dem Arm, der gerade eine Flasche bekommen sollte, ich pumpte ab.

Er fragte mich, ob wir es nicht doch nochmal versuchen sollten? Ich stimmte zu und unser Sohn trank an der Brust mit Stillhütchen. Ich war glücklich, er trank sich satt und fiel wieder in einen zufriedenen Schlaf.

So versuchten wir es immer wieder und als mein Mann nach zwei Wochen Baby-Urlaub wieder arbeiten ging, trank unser Sohn die meiste Zeit zuverlässig an der Brust, nur hin und wieder gab ich eine Flasche, wenn er nicht zu Ende trinken konnte.

Nach einigen Wochen pendelte sich das Stillen ein und ich war froh, es doch immer wieder versucht zu haben. Auf das Stillhütchen konnten wir aber nicht verzichten.

In den nächsten Wochen hatte ich immer wieder mit Milchstau zu kämpfen und gerade nachts machte mich das richtige Anlegen des Stillhütchens sehr wach.

Ich wollte auch das Stillhütchen loswerden, da ich wusste, dass die Milchbildung mit der Zeit nachlassen kann.

In den ersten drei Lebensmonaten unternahm ich zwei Versuche, ohne das Stillhütchen zu stillen – beide scheiterten. Er trank nicht ohne Hütchen.

Wieder holte ich mir Hilfe bei einer IBCLC-Stillberaterin, die zu uns nach Hause kam. Sie half mir sehr kompetent und einfühlsam mit anderen Stillpositionen und zeigte mir, wie ich ohne Hütchen anlegen kann.

 

Und sie empfahl mir, ein kleineres Stillhütchen zu benutzen, da es in der Größe, die ich verwendete, zu einer Überstimulation kam. Dass es da noch andere Größen gab, wusste ich gar nicht.

Auch wenn das Stillen ohne Hütchen auch mit ihr nicht direkt klappte, so hatte ich nun doch einen Plan, wie es gehen kann.

In den nächsten Wochen traute ich mich nicht es ohne zu probieren, ich war durch die gescheiterten Versuche noch nicht sicher genug uns beiden das Stillen ohne Hütchen zuzutrauen.

Eines Morgens, unser Sohn war gerade drei Monate alt geworden, saß ich auf dem Sofa und wollte ihn anlegen. Die Stillhütchen waren so weit entfernt, dass ich vom Sofa aus nicht nach ihnen greifen konnte.

Spontan fragte ich ihn: „Magst du mal ohne probieren?“ und legte ihn so an, wie es mir die Stillberaterin gezeigt hatte. Ganz ruhig und gelassen, da ich mir im Vorfeld keine Gedanken darüber gemacht hatte, ob es denn nun dieses Mal klappen könnte, und er trank sofort!

Wie ein Profi – als hätte er nie mit Stillhütchen getrunken. Ich war glücklich.

Von diesem Tag an, waren wir das nervige Stillhütchen los und ich habe es nie wieder gebraucht.

Und heute? Unser Sohn ist jetzt etwas über sieben Monate alt und wir beiden freuen uns über unsere gute Stillbeziehung.

J.S.

Originalbericht einer Mutter, September 2017
Foto: jcarter Lunch for Emilie via photopin (license)

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin.
Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht.
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Ein Kommentar

  1. Wenn ich diesen Bericht lese, fühle ich mich stark an unseren harten Start in der Klinik erinnert:
    Nach einem eiligen Kaiserschnitt musste meine Tochter erst einmal vom Kinderchirurgen versorgt werden und durfte nicht direkt zu mir. Beim Kaiserschnitt hatte man ihren Kopf mit dem Skalpell verletzt.
    Ich hatte mich im Vorfeld schon gut übers Stillen informiert und wusste, wie wichtig die erste Stunde nach der Geburt dafür ist. Ich saß wie auf Kohlen bis sie mir die Kleine nach fast zwei Stunden endlich brachten. Ich musste sie erstmal aus all den Tüchern und Decken auswickeln, damit sie nackt auf meinem Bauch liegen könnte. Sie war so erschöpft, dass es nochmal eine Stunde dauerte, bis sie mit etwas Unterstützung meine Brustwarze fand und nuckelte. Geholfen hat uns das Krankenhauspersonal bei diesem Prozess kein bisschen. Im Gegenteil: dieses intuitive Stillen würde mir schnell madig gemacht. Die Kleine würde nicht oft und viel genug trinken, sei zu schwach und ich hätte zu wenig Milch. Auch empfand ich die „Handreichungen“ zum „richtigen“ Stillen als sehr grob. Der zarte Kopf meiner Tochter wurde mit Kraft in die gewünschte Richtung gedrückt und mir das Stillkissen schmerzhaft auf die OP-Narbe gepresst. Und ständig wurde ich aufgefordert, Milchnahrung zuzufüttern, was ich standhaft verweigerte. Obwohl ich sicher war, dass bei uns alles gut wäre, wenn man uns nur in Ruhe ließe, war ich verunsichert, als die Kleine mehr als 7% abgenommen hatte. Das Personal des Krankenhauses hieß mich „stur“, weil ich mein Kind hungern lassen würde. Gegen die Stillhütchen wehrte ich mich noch erfolgreich, aber zum Pumpen ließ ich mich nötigen. Nach fünf Tagen kämpfen, stillen, wiegen und pumpen nahm sie dann endlich genug zu, dass die Ärzte Ruhe gaben und wir nach Hause durften.
    Von da an hat sich unsere Stillbeziehung stabilisiert und ist heute sehr schön. Nach knapp drei Monaten hat meine Tochter ihr Geburtsgewicht fast verdoppelt.

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