Kleinkind beim Spielen

Ein holpriger Start in eine lange Stillbeziehung

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Hallo, nachdem ich schon so viele Beiträge auf dieser Seite gelesen und verschlungen habe, schreibe ich nun auch meine Stillgeschichte.

Ich heiße Raphaela und meine Tochter ist am 06.03.2016 geboren. Als erstes will ich davon berichten, wie die Geburt verlief.

Eigentlich bin ich mit einem guten Gefühl von meiner Frauenärztin am Donnerstag zur Einleitung ins Krankenhaus eingewiesen worden, da ich in den letzten 4 Wochen der Schwangerschaft eine Hypertonie entwickelt hatte. Nun war ich bereit, mein Kind zu bekommen.

Ich wurde mit einer Tablette eingeleitet, bekam Wehen, mein Kind lag im Geburtskanal, perfekt also.

Am Abend entschlossen wir uns über die Nacht zu pausieren.

Aufgrund vieler Geburten am nächsten Tag, ging es allerdings erst am Samstag wieder mit Einleiten weiter und das ganze ging bis zur Nacht.

Dann Wehentropf … Und nix passiert.

Am Sonntag in der Früh dann der Kaiserschnitt. Ufff, ich war froh, diese ganze Prozedur jetzt hinter mir zu haben.

Dann endlich meine süße Tochter auf der Brust und die nuckelte schon wie ein Profi, wobei ich mir etwas unbeholfen vorkam, da die Betäubung ja noch wirkte und ich mich vom Kaiserschnitt unsäglich erschöpft fühlte.

Es lief ganz gut weiter mit dem Stillen im Krankenhaus, bis man mir erklärte, dass mein Kind 10 % abgenommen habe und man sofort zufüttern müsse. (Ich muss dazu sagen, dass das Krankenhaus ein stillfreundliches ist.)

Aber ich hatte bei dem Kaiserschnitt viel Blut verloren und da meine Betäubung im Op noch nicht richtig gewirkt hat, habe ich das „Rausschieben“ meiner Tochter gespürt und das war sehr traumatisch für mich.

Meine Hebamme sagte, ich sollte ruhig bleiben und warten. Ich hab mich dann auch erstmal nicht verrückt machen lassen, obwohl ich ziemlich gedrängt wurde zuzufüttern.

Meine Tochter kam so ungefähr alle 3 Stunden an die Brust. Ich stillte sie ca 15 Min pro Brust. Ich habe es nicht nach der Uhr gemacht, sondern von meiner Tochter abhängig.

Sie hatte einen starken Saugreflex, so dass nach 2 Tagen nur Nuckeln ohne Milch die Brustwarzen blutig waren, die ich mit Lanolin* behandelt habe.

Aufgrund des Kaiserschnitts konnte ich nur im Sitzen stillen. Die beliebteste Position war, das Kind auf dem Stillkissen und den Kopf zur Schulter.

Die ersten Tage hatten die Schwestern das Wickeln übernommen. Erst am 2. Tag bin ich dann mit meiner Tochter selbst zum Wickeln.

Nachdem ich dann auch noch wunde Brustwarzen bekam, waren meine Nerven völlig am Ende.

Am 3. Tag nach der Entbindung kam endlich der Milcheinschuss und meine Hebamme hatte gutes Vertrauen, dass es schon wird. Nach 24 h dann endlich die Gewichtszunahme, juhu…

Nach ein paar Tagen dürfte ich nach Hause und es lief eigentlich gut.

Meine Hebamme war zwei Tage nach der Entlassung bei mir Zuhause. Sie hat meine Tochter gewogen und wir bemerkten, dass sie wieder abgenommen hatte. Dabei hatte ich genug Milch und sie hatte mehrmals am Tag flüssigen Stuhlgang.

Ich fragte meine Hebamme. Die sagte, es sei alles OK. Das ist bei Stillkindern normal und wir schauen dann in drei Tagen wieder.

Mir kam das jedoch komisch vor. Also überlegte ich, an was es liegen könnte.

Und dann stieß ich auf den Beitrag auf der Stillkinder-Seite und die tollen Beiträge dort, wie z.B. Richtig anlegen und mit dem zweimaligen Anlegen an eine Brust, damit das Baby auch die „fettere“ Milch bekommt.

Das machte ich dann, genauso wie ich den U-Griff probierte und dadurch eine Besserung merkte. Meine Tochter hatte keinen Durchfall mehr und hatte bei der nächsten Kontrolle ordentlich zugenommen.

Ich stillte sie nach Bedarf, tagsüber so alle 2-3 Stunden und nachts alle 4 Stunden. Als ich mich dann auch nach ein paar Tagen wieder hinlegen, d.h. flach liegen, konnte, konnte ich sie auch im Liegen stillen und das war das schönste mit dem Baby liegen und alles war entspannt.

Ich wurde immer sicherer in der Handhabung und meine Tochter nahm endlich ausreichend zu.

Wunde Brustwarzen hatte ich nicht mehr in der ganzen Stillzeit. Wenn ich merkte, dass sie schmerzten, nahm ich Wollfett* und dann ging es wieder.

Nach einiger Zeit versuchte ich, meine Tochter an einen Schnuller und die Flasche zu gewöhnen, dies verweigerte sie aber vehement und wollte nur den „Mamaschnuller“.

Das war mitunter sehr anstrengend für mich und meinen Mann, denn er konnte mir das Baby nicht abnehmen zum Füttern.

Ich gewöhnte mich aber daran, immer und überall zu stillen und fand es auch nicht schlimm, auch wenn ich wirklich manchmal schräg angeschaut wurde.

Nach 6 Monaten wollte ich beginnen, Beikost einzuführen. Meine Tochter sah das aber anders und lehnte den Brei ab.

Gut, dachte ich mir, dann stillst du eben weiter und probierte es immer wieder die Beikost.

Mit ca. 8 Monaten fing sie dann an, ausgewählten Brei zu essen.

Irgendwann aß sie einfach vom Tisch mit, wobei aber das Stillen immer noch ihre Hauptnahrung war.

Als sie ein Jahr wurde, sagte man zu mir, jetzt musst du sofort abstillen, das reicht jetzt. Sonst stillst du noch, wenn sie in die Schule geht. Zuerst der Kinderarzt, dann meine Schwester (sie stillte beide Kinder mit 6 Monaten ab) und dann meine Freundin (sie konnte nur 3 Monate stillen).

Ich war jedoch nicht bereit dafür. Es zerriss mir das Herz, mein Kind schreiend neben mir zu sehen und es nicht beruhigen zu können. Denn sie wollte doch nur nuckeln und mit Mama schmusen. Also stillte ich weiter und weiter.

Die Bemerkungen der anderen Mütter, dass ich immer noch stillte, waren alles andere als schön. Also beschloss ich, es für mich zu behalten und nicht mehr außer Haus zu stillen.

Meine Tochter gewöhnte sich langsam daran, nur noch Zuhause zu nuckeln.

Als sie dann 2 Jahre wurde, dachte ich: „Jawohl, jetzt stillt sich dein Kind selber ab.“ Hatte davon ja gelesen.

Nun, was soll ich sagen, sie ist mittlerweile 37 Monate und ja, ich stille immer noch. Zwar nur noch am Abend, aber das ist für mich und sie völlig in Ordnung.

Auch als ich wieder mit Arbeiten anfing, gab es nicht so die Probleme, wie ich dachte. Meine Tochter kann gut ohne die Mama einschlafen, wenn ich nicht da bin.

Irgendwann ist meine Tochter bereit dafür, auch ohne Nuckeln zu überstehen. Aber solange sie das jetzt noch macht, genieße ich diese Zweisamkeit.

Raphaela

Originalbericht einer Mutter, April 2019
Foto: Raphaela

 

Liebe Raphaela,
toll, dass sich das Stillen trotz des holprigen Beginns so gut für Euch entwickelt hat und Du Deiner Tochter und Deinem eigenen Gefühl vertraust.
Genießt die Zweisamkeit solange weiter, wie es sich für Euch gut anfühlt!
~ R. Gresens

 
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Spielendes Kleinind

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

Ein Kommentar

  1. Liebe Raphaela!

    Das freut mich so sehr!
    Dass ihr zu eurer persönlichen Stillbeziehung gefunden habt und du dir nicht reinreden hast lassen.

    Mein Söhnchen (4 Jahre und 22 Kilo) tickt ganz ähnlich.
    Bei uns ist die Besonderheit, dass seine Entwicklung von Anfang an langsamer ablief als bei anderen Kindern und er zusätzlich 9 Wochen zu früh geboren wurde.
    So Stillen wir auch heute mit 4 1/4 noch recht häufig. Ich merke aber, dass es tagsüber weniger wird, wenn er nicht grade krank oder sehr müde ist.
    Nachts ist es für ihn der einfachste Weg wieder einzuschlafen, wenn er mal unruhig wird.

    Die Worte des Chefarztes waren damals, viele Frühchen würden sechs Monate oder länger gestillt. (Ich hatte anfangs wahnsinnige Panik, dass es nicht klappen würde.)
    Dass das dann auch so eintrat, hat mich viel Kraft und Nerven gekostet und ich hätte das Gefühl gehabt, mich zu sabotieren und meine Leistung selbst zunichte zu machen, wenn ich das Abstillen forcieren würde. Es schien mir total abwegig und meinen anfänglichen Bemühungen zuwiderlaufend.

    Damit schlidderte ich aber unaufhaltsam in Richtung Langzeitstillen und habe mich mehr als einmal gefragt, wie langes Stillen in unserer Kultur denn nun gesellschaftlich akzeptiert ist und wie man etwas, was weniger als 1% der Mütter tun, denn überhaupt anderen transparent machen kann.
    Ich habe darauf keine Antwort gefunden. Mache heute mein Ding. Versuche mir eine Selbstverständlichkeit zuzulegen, die Fragen gar nicht erst aufkommen lässt.

    Trotzdem habe ich mir dieses Jahr beim Maibaumaufstellen eine sehr ruhige, abseits gelegene Ecke gesucht. So richtig öffentlich geht es eben auch nicht mehr.

    Im Legoland oder Schwimmbad ziehen Mütter ihre interessierten Kinder schnellstens weiter.
    Ich bin sehr ungern dieser Autounfall, der die Aufmerksamkeit fesselt und den man doch nicht begaffen möchte.

    Nun. Ich weiß noch, dass meine nicht gestillte Schwester etwa bis zum Alter von sieben Jahren eine sehr enge Beziehung zu ihrer Milchflasche hatte (tägliches Morgenritual) und es sich dann langsam von selbst erledigte.

    Und so weiß ich mittlerweile, dass ich meinen Sohn auch mit fünf Jahren noch stillen werde. Und vielleicht noch länger.

    Schwierig ist für mich, von Tag zu Tag zu leben und nicht nach links und rechts zu gucken.
    Andere bekommen ihre zweiten und dritten Kinder, stillen sie und stillen sie ab – alles während ich immer noch mein erstes Kind stille.
    Ich fühle mich wie ein Alien und ich wollte schon immer sehnlichst dazugehören.

    Wir sind glücklich wie es ist. Und trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl, wenn wir unseren geschützten Raum verlassen.
    Das ist einfach schade und macht mich oft trübsinnig.

    Deshalb freuen mich diese Berichte sehr und geben mir ein bisschen Halt, wenn ich ins Zweifeln könne.

    Beste Grüße an alle Mamas, Stillmamas und Langzeitstillmamas. 🍀🌸💖

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