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Ein anspruchsvolles Baby

Ein anspruchsvolles Baby

4 Kommentare

Unsere kleine Maus hat uns quasi eiskalt überrascht. Mein Mann und ich waren beide Studenten, wobei ich nebenbei noch in Teilzeit arbeitete.

Wir hätten uns also eigentlich einen anderen Zeitpunkt gewünscht, waren aber dennoch glücklich, als unsere Schwangerschaftsvermutungen trotz Kupferkette (!) vom Gynäkologen bestätigt wurden.

In meiner Vorstellung war alles so einfach und so leicht zu planen. Ich würde abpumpen, damit mein Mann dann dem Baby die Flasche geben kann, wenn ich auf der Uni/FH bin.

Dann würde meine Schwiegermutter auch regelmäßig babysitten, damit wir etwas Zeit für uns haben.

Alles war geplant. Gitterbett war besorgt, Probeschnuller lagen herum, Kinderwagen stand bereit…..

Die Geburt war etwas komplizierter als gedacht… Aber wir waren so glücklich, dass alles glimpflich ausging, und freuten uns über unser kleines Wunder.

Schon am 2. Tag im Krankenhaus wurde uns jedoch bewusst, dass unser Wunder eine eher anspruchsvolle Persönlichkeit hatte und/oder sich nicht ganz wohl fühlte.

Entnervt brachten mir die Nachtschwestern mein Kind aus dem Kinderzimmer (nach 1,5h). Der Schnuller wurde wütend ausgespuckt, Ruckeln und Singen gingen spurlos an ihr vorbei.

Das einzige was half: Der Busen! Wenn’s sein musste, alle 10 Minuten.

Tja, dann braucht sie halt länger, um anzukommen….

Mini-Saugglocke, Geburtsstillstand etc. waren ja auch für den Zwerg sicher kein Zuckerschlecken…

Durchhalten lautete die Devise! 😉 Bis zum Semesterstart wird alles sicher schon ruhiger verlaufen…. welch Irrglaube!

Sie überraschte uns immer wieder mit ihren Bedürfnissen.

Und ehe wir uns versahen, pflegten wir ein Familienbett und Mini-Me lebte im Tragetuch.

Die Bachelorarbeiten wurden am Pezziball hüpfend mit unserem kleinen Wunder im Tragetuch geschrieben.

Das abendliche Weinen, das bis zu 3h täglich dauern konnte, wurde erduldet.

Die Rückbildungsgymnastik nach dem 3. Termin abgebrochen, weil meine Zwergin, die einzige war, die ihren eigenen „Wind“ bei jeder Sitzung nur durch 30minütiges Entlastungsweinen verarbeiten konnte – da war die Stunde für mich dann quasi gelaufen.

Ihr Nuckelbedürfnis, das nur am Busen befriedigt werden konnte, „klebte“ mich in Glanzzeiten bis zu 4 Stunden am Stück an sie.

Jeglicher Loslösungsversuch wurde mit bitterlichstem Weinen/Schreien beantwortet.

Und dann, der Supergau nach zwei Monaten im neuen Semester: Sie verweigert die Flasche! –

Okay…. Dann muss sie halt mit zur FH nach Niederösterreich.

Tja, wenn da nicht die Problematik mit dem Autofahren wäre…. denn leider kann Mama beim Autofahren nur so schwer den Busen geben.

Laut ist’s wohl auch und und und…. also wurden auch die nervenaufreibenden Autofahrten (egal ob 10 oder 50 Minuten) erduldet bzw. mussten erduldet werden.

Alles in Allem eine schwierige, belastende Zeit für uns als Individuen als auch als Ehepaar.

Aber auch eine Chance! Die Chance eigene Rollenbilder und Vorstellungen von sich und dem Baby zu hinterfragen und neue zu entwickeln. Die Chance, die eigenen Grenzen wirklich kennenzulernen.

Und nun? Mein Sonnenschein wird demnächst zwei Jahre alt.

Wir stillen bislang mehr als nur „gelegentlich“, sind noch immer familiengebettet und Autofahren ist noch immer nicht ihr Ding…. so what?!

Wir versuchen weiterhin, die Balance zwischen ihren und unseren Bedürfnissen zu finden – soweit möglich, aber wissen nun auch, dass alles irgendwann mal vorübergeht, mit dem Wachstum neue Aufgaben kommen werden und wir auch diese gemeinsam bewältigen werden.

Mittlerweile ist es egal, ob Andere mit „pflegeleichteren“ Babys unsere Lebenssituation nachempfinden können oder einfach nur lächerlich finden.

Es ist egal, ob andere finden, dass wir sie mit Familienbett und Langzeitstillen verwöhnen.

Es ist egal…. denn seht euch nur dieses Wunder an, das uns täglich ansieht und zum Lächeln bringt nur durch ihre bloße Existenz!

Nichts macht uns stolzer, als Eltern dieses kleinen Wunders mit so starkem Willen und so starken Emotionen zu sein!

Susi, 31, Wien

Originalbericht einer Mutter, Juli 2016
Foto: his navajo name will be „little big lungs“ – _MG_9406 via photopin (license)

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Ein super und ehrlich geschriebener Bericht. Bei mir war es ähnlich. Man stellt es sich so einfach vor und dann wird man überrascht von dem eigenen Willen dieses kleinen Menschens. ?
    Ich find es toll, dass es diese Seite gibt, damit man sich austauschen kann und Gleichgesinnte findet. Von seinem eigenen Umfeld bekommt man ja meistens nicht sehr viel Zuspruch, weil sie es nicht besser wissen. Da kann man den kinderlosen Besserwissern nur das gleiche „Glück“ wünschen.
    Ich bin super stolz auf meinen kleinen anspruchsvollen und ebenso familiengebetteten Wurm. Wenn dann nur der Partner verständnisvoller wäre und sich nicht immer einschüchtern lassen würde von unserem Umfeld. ?

  2. Es ist alles so beschrieben fast wie bei uns… ich vermute oft, dass Mini-Saugglocke, Geburtsstillstand einige unangenehme „Spuren“ im Babyverhalten hinterlassen hat.
    Und ich vermute jetzt, dass unsere Geburt ohne, ganz ohne Mini-Saugglocke hätte erfolgreich sein können …
    Naja…

  3. Dieses Kind hat eine wunderbare Mutter gefunden! Gut ausgesucht, Kleine!

  4. Danke, für deine Geschichte! Es macht mir Mut, wenn ich auch mal von nicht so „pflegeleichten“ Babys höre… denn ich habe grade erstaunlich viele Parallelen zu meinem kleinen Wurm gelesen! Manchmal bin ich am Ende und könnte nur weinen, aber dann schaut er mich so an und ich weiß, wir schaffen gemeinsam alles!

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