Eigentlich ist doch alles gut gelaufen...

Eigentlich ist doch alles gut gelaufen…

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Es fällt mir nicht leicht, unsere Stillgeschichte aufzuschreiben, auch wenn im Grunde eigentlich alles gut gelaufen ist.

Ich hatte eine zügige und bis auf eine Schürfwunde verletzungsarme Geburt. Die Beleghebamme meinte, es sei alles wie im Lehrbuch gewesen.

Nichtsdestotrotz sagte sie mir auf meine Frage im Geburtsbett, ob ich denn mein Baby jetzt auch anlegen und stillen müsste: naja, wahrscheinlich würde ich sowieso Schwierigkeiten haben, da ich, wie sie selbst, wohl ‚Schlupfwarzen‘ hätte.

Ich habe keine Ahnung, warum sie, bevor ich jemals versucht habe mein Baby trinken zu lassen, diese Verunsicherung streuen musste.

Ich weiß auch nicht, ob sie das Geburtsgewicht meiner Tochter aufgrund ihrer Annahme mit Absicht falsch aufschrieb (ca. 250 g mehr) und auf die Wochenbettstation übermittelte, so dass das Personal dort nach drei Tagen in heller Aufregung dazu riet, ich solle dringend abpumpen und auch Kunstmilch zu füttern, weil mein Baby überdurchschnittlich viel abgenommen hätte, was ja gar nicht der Fall war.

Obwohl ich es nicht wollte, beschlossen mein Freund und ich zuzufüttern, weil wir unsere Tochter natürlich nicht hungern lassen wollten und weil sie beim Trinken immer wieder einschlief, und nahmen ihr damit vielleicht die Möglichkeit, die gesunde Darmflora eines Stillbabys aufzubauen.

Das Kolostrum fütterte ich mit einer Spritze, doch leider ging davon auch viel daneben.

Erst etwas später konnte ich den Zahlendreher der Hebamme aufklären, war aber bereits so verunsichert und fertig vor Sorge, dass eine wahrscheinlich durch Stress ausgelöste gesundheitliche Abwärtsspirale drei Wochen nach der Geburt in eine Wochenbettinfektion mit Fieber und Brustentzündung mündete.
 

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Eigentlich ist doch alles gut gelaufen

Mir kommen fast die Tränen, wenn ich an diese Zeit denke, weil sie so unendlich anstrengend war, obwohl doch ‚alles gut‘ war.

Niemand schien mich und meine Probleme zu verstehen, ich machte mir dazu Vorwürfe, dass ich mich so stark an den nur auf harte Zahlen schauenden Stationsschwestern orientiert habe und nicht bereits vor der Geburt begonnen hatte, mich über das Stillen zu informieren.

Ich hatte von A bis Z wirklich alles recherchiert. Nur wie ich das Baby am besten anlegen konnte, was alles ein ’normales‘ Trinkverhalten sein kann, dass es nun einmal ein wenig dauert, bis die Milch einschießt und dass die berüchtigten ‚Schlupfwarzen‘ extrem selten sind, habe ich mir erst später u.a. in diesem Blog angelesen und die einzig sinnvolle Methode des Anlegens in Videos angesehen.

Wenn es der Mutter schlecht geht, dann geht es auch dem Kind nicht gut. Wenn ich mir jetzt, neun Monate später, Bilder von meiner vier Wochen alten Tochter ansehe, die mittlerweile häufig als besonders ‚properes‘ Baby bezeichnet wird, dann bricht es mir das Herz.

Sie war nicht in Gefahr, sie war nicht extrem dünn, aber sie sieht einfach nicht gut aus auf den Fotos, so blass und hilflos, und ich fühle mich verantwortlich dafür, dass ich so fertig war und mich nach meinem eigenen Empfinden ausgerechnet in ihren ersten Lebenswochen nicht richtig um sie kümmern konnte.

Dennoch gibt es auch etwas, auf das ich sehr stolz bin: Ich habe, obwohl mir im Krankenhaus sehr schnell zu Stillhütchen geraten worden ist, nie aufgegeben, mit meiner Tochter spielerisch daran zu arbeiten, ohne Hütchen stillen zu können.

Deshalb möchte ich allen Frauen ausdrücklich Mut machen, die mit dem Hütchengebrauch unzufrieden sind, denn es kann klappen, die vermaledeiten Prothesen, als solche habe ich sie zumindest immer empfunden, endgültig abzulegen.

Meine Tochter hatte wahrscheinlich eine leichte Trinkschwäche und je kräftiger sie wurde und je stärker sich ihr Gesichtchen und Kieferbereich ausbildeten, desto leichter fiel es ihr zunächst mit Hütchen oder aus der Flasche zu trinken.

Seit ihrem dritten oder vierten Lebensmonat ungefähr, trinkt sie ausschließlich an der Brust und hat es sogar verlernt, die Flasche zu benutzen.

Ich weiß nicht, ob ihre Darmflora durch die frühe Kunstmilchgabe sich nur geschwächt aufbauen konnte, ob sich dadurch irgendwelche Nachteile in ihrem späteren Leben ergeben.

Ich weiß nicht, ob sich meine Muttermilch trotz der Trennung von Babyspeichel und Brustwarzendrüsen durch das Silikon der Stillhütchen natürlich verändern konnte, um sich dem Entwicklungsstand des Babys kontinuierlich anzupassen.

Aber ich weiß, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, seinem Baby auf welche Weise auch immer den wunderbaren lebendigen Lebensstoff Muttermilch zukommen zu lassen, sei es über eine Kanüle, mit einer Spritze, mit einer Flasche, mit einem Hütchen oder einfach von der Brust in den Mund.

Wie lange wir stillen werden, weiß ich noch nicht. Ich denke, ich werde es mit meinem Freund besprechen und die Signale des Kindes beachten.

Auf jeden Fall wird bei dieser Entscheidung nicht so schnell jemand von außen mitentscheiden, wie es noch kurz nach der Geburt an der Tagesordnung war.

Auch wenn es an dieser Stelle vielleicht nicht so passend ist, möchte ich noch kurz loswerden, dass ich es als Frechheit empfinde, dass man eine Milchpumpe nur sechs Mal für vier Wochen auf Krankenkassenrezept verschrieben bekommen kann.

Es sollte möglich sein, dass Frauen, die zu einer Brustentzündung neigen, die Pumpen auf Rezept bis an das Ende der Stillzeit zu Hause behalten dürfen, damit sie beim kleinsten Anzeichen sofort reagieren können und nicht mit dem kleinen Baby auf dem Arm bangen müssen, ob sie wohl kurz vor Geschäftsschluss noch eine Pumpe aus der nächsten Apotheke bekommen können.

Liebe Grüße, Sonja

Originalbericht einer Mutter, September 2018
Foto: Sonja

 

Liebe Sonja, danke für Deinen ehrlichen Erfahrungsbericht.
Die Bemerkung Deiner Hebamme zu Deinen Brustwarzen war wirklich unnötig, denn die Form der Brustwarzen spielt bei einer guten Anlegetechnik keine allzu große Rolle. Das Geburtsgewicht hat sie aber sicher nicht absichtlich falsch notiert.
Du solltest Dir wegen Eurer schwierigen Anfangszeit keine Vorwürfe machen. Du hast sicher alles so gut gemacht, wie es für Dich zu dem Zeitpunkt möglich war. Nach der Geburt sind alle Frauen in einer psychischen Ausnahmesituation und vor allem beim ersten Kind leicht von den Fachleuten zu verunsichern.
~ R. Gresens

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Hallo Sonja, ich finde du musst dir keine Vorwürfe machen wegen der Anfangszeit. Du hast dich trotz der Schwierigkeiten und des Drucks von unsensiblen Krankenhauspersonal ins Zeug gelegt, dass deine Kleine deine Milch bekommt und darauf kannst du stolz sein!

    Auch ich habe bei beiden Kindern (beides Frühgeburten mit monatelangem Abpumpen) die große Medela Symphony irgendwann mit der mobilen Medela Freestyle ersetzt (gebraucht gekauft, danach wieder zum guten Preis weiterverkauft). Die Saugleistung ist die gleiche und man muss nicht alle 4 Wochen zum Frauenarzt und in die Apotheke rennen um die Ausleihpumpe zu verlängern.

  2. Liebe Sonja, ich kann Dir so gut mitfühlen.
    Auch ich wurde im Krankenhaus durch den Tipp einer Hebamme, das Kind zur Beruhigung am Finger (und nicht an den Nippeln, wo es so nötig gewesen wäre!!!) nuckeln zu lassen, bei einem guten Stillstart gestört – insbesondere jedoch mit der Mitteilung „Schmerzen seien normal“!!! Was folgte, war der Horror!!
    Auch ich habe Flachwarzen/Schlupfwarzen und meine Tochter bekam den rechten Nippel daher nie tief genug in den Mund, er wurde furchtbar wund und heilte erst später unter deutlichen Narben ab – erst nachdem ich, wie Du, endlich DIE EINZIG WAHRE ANLEGETECHNIK gefunden hatte.
    DANKE, Frau Gresens!!!
    Daher konnte ich auch die empfohlenen Stillhütchen verweigern.
    Auch ich habe mir wegen der Darmflora etc. Gedanken gemacht, aber ich denke, da brauchen wir uns nicht belasten – angesichts der 17 Monate, die wir nun bereits glücklich stillen, das Kind ist unheimlich gesund, keine Allergien, gar nichts… .
    Ich wünsche Euch, nach diesem tapferen Kampf, eine glückliche Stillzeit, die so lang dauern möge, wie IHR wollt! Deine Tochter macht es fantastisch!!!

    PS: ich habe mir eine Medela Freestyle für ca 100E über das große Internetauktionshaus günstig ergattern können und war daher den Verschreibestress los. Bis auf die ersten Monate (zum „Rückstand aufholen“ und stimulieren) habe ich sie zum Glück aber nicht mehr gebraucht.

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