Ein Neugeborenes wird gestillt

Diesmal blieb ich gelassen

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Liebe Regine,
seit längerer Zeit verfolge ich nun Deine Seite und habe schon viele Berichte von anderen Müttern gelesen. Nun möchte ich auch meine Stillgeschichte mit Dir und Euch Mamas teilen.

Ich erinnere mich noch, als ich damals im Geburtsvorbereitungskurs saß, in der 37. SSW mit meiner Tochter, und sagte, dass ich gern stillen möchte und mich darauf freue. Das schiefe Lächeln der Hebamme konnte ich zu dieser Zeit noch nicht deuten, machte mir auch keine Gedanken darüber.

Endlich war es dann so weit. Ich war 5 Tage über dem errechneten Termin und hatte zu wenig Fruchtwasser, sodass die Geburt per Wehentropf eingeleitet wurde.

Es ging ziemlich schnell, nach vier Stunden hatte ich mein kleines Töchterchen im Arm. Ich war überglücklich und durfte sie auch gleich anlegen. Sie nuckelte zaghaft, kam aber dann wieder zum Papa, weil die Plazenta ewig nicht kommen wollte.

Als sie dann endlich kam, folgte eine atonische Nachblutung 3. Grades mit über 1500 ml Blutverlust. Ich bekam 1 Liter Flüssigkeit als Infusion und erhielt am nächsten Tag noch eine Bluttransfusion. Kurz gesagt, mir ging es nicht besonders.

Die erste Nacht verbrachte ich ohne mein Kind, weil ich mich erholen sollte. Als ich sie dann bekam, gab ich sie kaum noch aus der Hand. Ich legte sie immer wieder an, hatte aber das Gefühl, dass sie nicht genug Milch bekam, weil sie viel schrie.

Am Tag des Milcheinschusses bekam ich dann einen monströsen Milchstau. Mein B-Körbchen schwoll auf mindestens DD an, meine Brüste taten so weh!

Meine Tochter schaffte es nicht mehr, anzudocken, weil einfach alles zu straff gespannt war. Wir versuchten es mit Stillhütchen, ausstreichen, abpumpen, aber es kamen nur 2-3 Tröpfchen.

Inzwischen hatte mir eine Schwester angeboten, der Kleinen mal ein Fläschchen zu geben, was ich dankbar annahm. Zum ersten Mal war mein Baby satt und zufrieden!

Aber nach zwei Nächten kam bei mir immer noch keine Milch raus und ich war nur am Heulen.

Die Nachtschwester hatte dann die Idee mit Quarkwickeln. Leider gab es in der Küche nur noch Kräuterquark – wir nahmen ihn trotzdem, und er half Wunder! Ich hatte allerdings noch einige Zeit später ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu Kräuterquark.

Meine Brust nahm wieder normale Formen an. Ich schaffte es dann auch, die nötigen 20 ml abzupumpen, um nach Hause entlassen werden zu können.

Meine Nachsorgehebamme versuchte mich Zuhause zu beruhigen und mir den Druck zu nehmen. Ich stillte meine Tochter immer zuerst und gab ihr dann ein Fläschchen hinterher. Das funktionierte sehr gut, ich fand mich damit ab, nicht genug Milch zu haben (im Nachhinein weiß ich, dass das totaler Quatsch war).

Nach einem halben Jahr verlor meine Tochter die Lust an der Brust und stillte sich ab. Wahrscheinlich ging es mit der Flasche viel leichter.

Geraume Zeit später wurde unser Sohn geboren. Nach einer sehr beschwerlichen Schwangerschaft folgte eine Traumgeburt, obwohl ich mit einer sehr fiesen Erkältung und Sinusitis zu kämpfen hatte!

Sehr entspannt und ziemlich schnell kam der kleine Mann mit einem Kampfgewicht von 4850 Gramm auf die Welt. Auch ihn legte ich gleich an und er saugte sich sofort fest. Was für ein Unterschied zu seiner großen Schwester!

Aber es folgte fast das gleiche Spiel wie damals. Meine Brustwarzen waren am zweiten Tag wund und blutig. Am dritten Tag kam der Milchstau. Die Nachtschwester, nebenbei auch Stillberaterin, vermutete, dass die Infusion schuld war, die ich auch diesmal bekommen hatte, weil ich unter der Geburt etwas dehydriert war.

Jedenfalls kam kein Tropfen Milch und ich hatte solche Schmerzen, dass ich meinen Sohn gar nicht mehr anlegen wollte. Aber diesmal blieb ich gelassen und verabschiedete mich innerlich schon davon den Kleinen zu stillen.

Er trank am 2. Tag immerhin schon 100 ml weg! Wo sollte ich das so schnell hernehmen?

Aber ich machte weiter, legte ihn zuhause dann immer wieder an. Diesmal unterstützte mich mein Mann auch mehr als bei meiner Tochter damals. Bei ihr war er immer sehr schnell dabei gewesen, ein Fläschchen fertig zu machen, sobald sie weinte.

Ich erinnere mich noch, wie ich in aller Eile duschte, weil sie schon schrie (aber die Dusche war wirklich nötig). Als ich aus dem Bad hastete, saß er mit ihr schon auf der Couch und gab ihr die Flasche. Ich war sehr enttäuscht und weinte, weil ich doch stillen wollte.

Bei unserem Sohn jedoch feuerte er mich an: „Anlegen, anlegen, anlegen.“ Er beschäftigte auch die Große, damit ich den Kleinen in Ruhe stillen konnte.

Die Milchmenge stieg von allein. Der Kleine hatte wirklich viel Kraft und saugte mich immer komplett aus.

Schmerzen kamen und gingen. Ich habe dann die Brust, die am schlimmsten war, immer etwas geschont und ihm mehr die andere gegeben. Rechts war immer unsere Lieblingsseite, weil er auch immer rechts von mir in meinem Bett schlief.

Allerdings hatte ich auch nur rechts öfters einen Milchstau. Den bekam ich relativ gut weg, indem ich die harten Stellen während des Stillens massierte.

Dann las ich auf Stillkinder.de, dass es auch helfen würde, die kleinen Milchbläschen an der Brustwarze zu öffnen.

Na, das war ja der absolute Segen! Da verflüchtigte sich der Milchstau fast von selbst. Die Milch lief einfach von allein raus. Manchmal hatte sich das Bläschen beim Stillen nämlich nicht gleich geöffnet und der Milchstau blieb länger. Leider habe ich diesen Tipp erst gegen Ende unserer Stillzeit entdeckt.

Nach vier Wochen räumte ich die Fläschchen weg und stillte meinen Sohn von da an ausschließlich.

Ich stillte ihn, bis er fast ein Jahr alt war. Und dann, drei Tage vor seinem ersten Geburtstag, stillte er sich Knall auf Fall alleine ab.

Mittags hatte ich ihn noch gestillt und am Abend wollte er dann nicht mehr! Er spielte nur noch mit meinen Brustwarzen rum, was ich sehr unangenehm fand.

Einerseits war ich ganz froh, weil die letzte Zeit ziemlich anstrengend und nicht mehr unbedingt angenehm gewesen war. Der Kleine biss, zwirbelte und zwickte beim Stillen, was das Zeug hielt.

Andererseits war ich auch ein bisschen traurig, dass die schöne Zeit nun unwiederbringlich vorbei war.

Das ist nun mittlerweile fast neun Monate her und ich denke sehr gerne und etwas wehmütig an meine Stillzeiten zurück.

Leider bin ich viel zu spät auf Stillkinder.de gestoßen, ansonsten hätte ich mir (besonders bei meiner Tochter) einige Tränen erspart. Ich folge der Seite noch heute und habe sie auch schon mehrfach weiterempfohlen. Leider gibt es immer noch so viele Falschinformationen und Vorbehalte gegen das Stillen, was mir total unverständlich ist.

Also Mädels, lasst euch nicht entmutigen, wenn es nicht gleich läuft. Versucht, entspannt zu bleiben und genießt die Zeit mit euren Kindern – sie werden so schnell groß!

Liebe Regine, Dir vielen Dank für Deine Seite und Deine Arbeit! Mach weiter, Du bewegst etwas!

Liebe Grüße
Claudia

Originalbericht einer Mutter, Februar 2019
Foto: Claudia

 

Liebe Claudia, herzlichen Dank für Deinen Erfahrungsbericht und Dein Feedback.
Ich freue mich, dass Du meine Website hilfreich findest und danke Dir sehr fürs Weiterempfehlen.
Dass auch Kräuterquark gegen Milchstau hilft, finde ich herrlich!!
Manchmal muss man eben einfach improvisieren und vielleicht haben die Kräuter ja auch die Wirkung des Quarks noch zusätzlich unterstützt. 😉
~ R. Gresens

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

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