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Intuitives Stillen – leicht gemacht

Die Stillberaterin sah uns öfter als die meisten Verwandten

Die Stillberaterin sah uns öfter als die meisten Verwandten

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Unsere Geschichte wird ein bisschen länger, dennoch lohnt es sich sie zu lesen.

Vielleicht findet man darin Bestätigung, dass man selbst nicht alles falsch macht und es auch bei Anderen so laufen kann? Vielleicht Ermutigung durchzuhalten oder vielleicht denkt man sich am Ende auch: „Nein so möchte ich es definitiv nicht machen!“?

Egal, was man sich dabei denkt, unser Weg war ein einzigartiger und steiniger doch mit einem Happy End (wenn vielleicht auch nicht im klassischen Sinne) – aber lest selbst.

Zunächst ein paar Worte zu unserer Situation: Unser Keksi war ein absolutes Wunschkind, mein Mann und ich haben eine wunderschöne und stabile Partnerschaft und alle Rahmenbedingungen haben gepasst.

Meine Schwangerschaft war sehr unproblematisch, ich konnte bis zum Mutterschutz arbeiten (trotz meines anstrengenden und oft sehr stressigen Berufes als Therapeutin).

Für mich war schon in meiner Schwangerschaft klar, dass ich mein Baby unbedingt stillen möchte.

Dazu muss man sagen, dass in meiner Familie keine der Frauen über längere Zeit gestillt hat, alle haben nach kurzer Zeit nach mehr oder weniger ernsten Problemen aufgegeben und mit der Flasche gefüttert.

Auch ich war ein Flaschenkind (was ich meiner Mutter keinesfalls zum Vorwurf mache, denn ich bin pumperl g’sund, habe schon immer eine Rossnatur gehabt, keine Allergien etc.).

Dennoch wollte ich unbedingt stillen – es kam mir einfach natürlich vor, und ich dachte mir, es kann ja wohl auch nicht so schwer sein – schließlich ist es eine Tätigkeit, die seit Jahrmillionen wie von selbst klappt und den Fortbestand unserer Art gesichert hat.

Insgeheim habe ich mir gedacht, dass die Frauen meiner Familie vielleicht zu früh aufgegeben hatten oder einfach nicht die richtigen Informationen oder auch die passende Unterstützung erhalten haben, um weiterzustillen.

Vorab habe ich mich schon etwas zum Thema informiert und mir die richtige Stillposition sowie Anlegetechnik angesehen, um von Anfang an alles richtig zu machen.

Die Geburt unseres kleinen Mädchens verlief fürs erste Kind sehr schnell und unkompliziert.

Und dann ging es los mit dem Stillen…. wir wurden in ein separates Zimmer geschoben und es wurde mir von der Hebamme gesagt, dass ich sie anlegen sollte – möglichst oft.

Dann verschwand die Hebamme wieder und ich war alleine mit unserem kleinen Keksi, meinem Mann und ganz vielen Fragezeichen.

Zwar hatte ich mir in der Theorie das Stillen schon erarbeitet, aber ich habe mir in der Praxis dann doch etwas mehr Unterstützung erwartet.

Also hab ich die Kleine in zurückgelehnter Position angelegt, so wie ich es für richtig gehalten habe. Irgendwie haben wir es dann mehr schlecht als recht geschafft und sie hat getrunken.

In der ersten Nacht hat unser Keksi sehr viel geschrien und ich habe sie immer brav angelegt, doch es war nicht so einfach.

Dann hat uns einmal eine Nachtschwester gesehen und gemeint: „Na bei diesen flachen Brustwarzen ist es kein Wunder, dass Ihr Baby sie nicht erwischt und grantig wird.“

Kurze Zeit später kam sie wieder mit einem Stillhütchen und gab mir die Instruktion, es mit diesem zu versuchen.

Am nächsten Tag sind wir aus dem Krankenhaus heimgegangen (so wie es auch im Vorfeld geplant war) und von unserer Nachsorgehebamme zu Hause betreut worden.

Die Nachsorgehebamme war ganz begeistert von der Kleinen, wie gut sie aussieht, wie toll sie entwickelt ist, dass sie auch nach den ersten Tagen schon wieder ihr Geburtsgewicht hatte, keine Gelbsucht und dass auch nach 3 Tagen schon mein Milcheinschuss war.

Also Alles in Allem auch ein Bilderbuchbaby, laut ihr.

So ganz konnten wir das aber nicht nachvollziehen, denn die Kleine schrie sehr sehr viel, vor dem Stillen, nach dem Stillen, schlafen war ohne Einschreien nicht möglich etc.

Nach kurzer Zeit habe ich das Stillhütchen weggelassen, weil es mir unnatürlich vorkam und ich auch nicht den Eindruck hatte, dass die Maus dadurch besser trank (dieser Entschluss wurde natürlich von der Hebamme sehr befürwortet).

Sie kam regelmäßig, kontrollierte meine Anlegetechnik und die Gewichtszunahme der Kleinen usw. – es gab nie etwas zu bekritteln, mein Schatz nahm gut zu, aber die ständige Unzufriedenheit unseres neuen Erdenbürgers blieb.

Nach kurzer Zeit hatte ich wunde Brustwarzen und das Stillen tat weh. Ich meldete mich aber nicht gleich bei der Hebamme und dachte, dass es wieder vergehen würde, wenn das Gewebe abgehärtet wäre.

Nach fünf Wochen rief ich wieder meine Hebamme an und bat um Hilfe, da es nicht mehr auszuhalten war – diese meinte, ich habe eine Soorinfektion und deshalb heilen meine wunden Brustwarzen auch nicht ab.

Zum Glück ging ich in der gleichen Woche auch zu einer Stillberaterin (die gleichzeitig Kinderärztin war) in einem Eltern–Kind–Zentrum und bat auch sie um Hilfe.

Die Stillberaterin meinte, es sei keine Soorinfektion und die Wunden sähen eher nach falscher Anlegetechnik aus – und sie tat endlich das, was ich mir schon im Spital gewünscht hätte: Sie beobachtete mich und die Kleine gaaaaanz genau beim Stillen und zeigte mir, wie viel Brustgewebe im Mund des Babies verschwinden musste – wie ich feststellte, war das bei mir zuvor viel zu wenig gewesen.


Guter Dinge ging ich selig nach Hause und dachte mir, dass ich jetzt nur mehr ein paar Wochen durchhalten müsste, bis die Brustwarzen geheilt waren und dann endlich meine schöne Stillbeziehung starten können würde.

Doch das war erst der Beginn unserer Odyssee!

Die Kleine schrie weiterhin viel und exzessiv in allen Lebenslagen und war nicht zu beruhigen – Kinderwagen war doof, Schnuller wurde nicht akzeptiert, Autofahren führte zu Schreitiraden und auch das so angepriesene Tragetuch half zwar, aber ich glaubte beim Einspannen immer mit einem kleinen Puma kämpfen zu müssen und unser Keksi schlief auch dort meist nur nach 15 – 20 Minuten hysterischen Geplärre ein.

Diese Zeit war sehr sehr belastend für mich und auch meinen Mann, wir haben viel geweint und sind in „guten Ratschlägen“ aus der Umgebung untergegangen.

Meine Milch wäre zu wenig und wahrscheinlich zu dünn, die Kleine würde dadurch nicht ausreichend satt werden und deshalb verständlicherweise so viel schreien. Ich sollte mit dem Stillen aufhören!

Und natürlich wurden zahlreiche Erfolgsgeschichten erzählt, wo das Baby dann das Glücklichste und Zufriedenste auf der Welt war, als die Mutter dem Kind endlich die Flasche gab…

Ich war als Erstlingsmama zutiefst verunsichert – sollte ich mein Kind, wie schon die Frauen in meiner Familie zuvor, doch nicht ernähren können?

Obwohl es mir zu der Zeit sehr schlecht ging und ich aufgrund der Schmerzen, dem exzessiven Schreien meines Babys und der Unkenrufe aus der Umgebung an meinem seelischen Tiefpunkt angelangt war, machte ich mit dem Stillen weiter.

Wieso? Weil es sich für mich richtig anfühlte, ich daran glaubte, dieses Kind nähren zu können und die Gewichtszunahme der Kleinen (jede Woche ca. ein Butterpackerl) dafür sprach, dass es nicht zu wenig Milch war.

Um mich aber etwas zu entlasten, begann ich Milch abzupumpen und mein Mann gab ihr ab der sechsten Woche am Abend ein Flascherl mit dem Calma Sauger – das funktionierte recht gut und ich hatte auch einmal kurz Zeit durchzuschnaufen.

Doch auch wenn wir mit dem Flascherl nun gut kontrollieren konnten, dass genug kam und sie genug trank, wurde sie natürlich nicht ruhiger.

Die einzige Person, die mich damals vom Abstillen abhielt und in meiner Entscheidung weiterzumachen bekräftigte, war unsere Stillberaterin, zu der wir fast wöchentlich gingen.

Als die Brustwarze geheilt war, war der Schmerz jedoch nicht vorbei, sie ging immer und immer wieder auf, obwohl ich mittlerweile eine perfekte Anlegetechnik entwickelt hatte.

Also wurde weiterhin Wollfett geschmiert, viel Luft an die Brustwarzen gelassen, die Stillberaterin laserte die Brust zur Förderung der Wundheilung und nach einigen Wochen wurde ich doch gegen Soor behandelt, auch wenn es keine klaren Anzeichen gab.

Auch da wurde es nur kurzfristig besser, denn schon bald stellte sich ein neuer Schmerz ein, den ich bis dato nicht kannte – ein seitliches Stechen seitlich entlang der Brust bis hinten zum Schulterblatt – es brannte wie Feuer und tat nicht mehr während des Stillens weh, wie ich es bisher schon kannte, sondern vor allem lange Zeit danach.

Die Vermutung der Stillberaterin war ein Vasospasmus und ich bekam Magnesium – das half recht gut, aber ganz weg war der Schmerz noch immer nicht – also weiter schmieren, lasern, kurzzeitig hatten wir auch Cortison und nachdem alles nichts half, bekam ich noch Fluconazol, da eine Infektion meiner Milchgänge vermutet wurde.

Jede Woche ging ich zur Stillberaterin, jedoch schien nichts zu helfen – ein gewisser Schmerz blieb – ich glaubte schon, dass es mir einfach nicht vergönnt war schmerzfrei zu stillen. Ich beschloss bis zum Ende des vierten Monats durchzuhalten, da wir uns schon durch das gesamte Repertoire probiert hatten und dann, wenn es mir immer noch so weh täte, mit dem Stillen aufzuhören.

Mittlerweile waren wir statt dem abendlichen Muttermilchfläschchen schon auf Pre-Fläschchen umgestiegen, da ich durch das Abpumpen auch an die Couch gefesselt war und erst recht keine Entlastung von unserem 24h Baby hatte. Ich dachte mir: Es ist noch immer besser, wenn ich sie zu 95% stille als gar nicht.

Langsam glaubte uns auch die Umgebung, dass wir ein anspruchsvolles Baby hatten und nicht alles unsere Schuld (oder die Schuld meiner Milch) war.

Als unser liebes Keksi mit fast vier Monaten bezüglich ihres Schreiverhaltens keine Besserung zeigte, waren wir in der Schreiambulanz – diese bescheinigte uns beste Gesundheit unseres Sprösslings, aber dass sie Reize noch nicht so gut verarbeiten könne und sie deshalb so viel schreie.

Wir würden unsere Sache gut machen und sollen fortfahren wie bisher. Ich sollte nur die Stillabstände etwas dehnen (bis dahin trank die Kleine ungefähr alle zwei Stunden) da unsere Maus lernen sollte, sich auch ohne Brust zu beruhigen und sie schon zu groß für solche kurzen Abstände wäre.

So ganz konnte ich mit dem Tipp nicht umgehen. Da ich mir einerseits nichts sehnlicher wünschte als größere Abstände (11x am Tag Schmerzen zu haben ist natürlich nicht lustig), aber ich andererseits nicht nachvollziehen konnte, dass ich der Kleinen nun auch das Einzige wegnehmen sollte, bei dem sie sich entspannen und wenigstens für kurze Zeit beruhigen konnte.

Also tat ich weiter wie bisher, versuchte auf ihren Schlaf zu achten – auch wenn es immer noch ein Kampf war – und mit der Zeit kamen wir von selbst irgendwie auf Abstände zwischen 2,5 und 3 Stunden.

Der vierte Monat kam – meine Deadline – und das Stillen tat noch immer weh – nicht mehr so schlimm wie damals ohne dem Magnesium, aber ich wurde immer wieder wund und es ging nie ganz ohne Schmerz.

Konsequenterweise hätte ich abstillen müssen (so wie ich es davor festgelegt hatte). Doch ich hatte das Gefühl, meiner kleinen Maus damit ihre einzige Chillout-Zeit am Tag zu nehmen.

Also hielt ich durch, weil ich mir dachte, dass ich als Mutter etwas Schmerz in Kauf nehmen konnte, wenn es die einzige Möglichkeit war, dass unser Spross etwas entspannter war.

Die Stillberaterin (und Kinderärztin) riet uns in unserem speziellen Fall etwas früher mit Beikost zu starten, damit wir langsam Mahlzeiten ersetzen konnten und meine Brust etwas entlastet werden würde.

Wir haben mit 5 Monaten mit Brei gestartet und zum Glück war unser Keksi von Anfang an begeistert vom Essen und hat gleich mitgespielt.

Mittlerweile ist sie fast 6 Monate alt und es gibt zweimal am Tag Brei, einmal am Tag ein Pre-Flascherl und die restlichen Male stille ich sie (was ca. 5x inklusive des Nachtstillens bedeutet).

Und was soll ich sagen? So läuft es gut!

Nachdem ich mir einen Softlaser gekauft habe und nun auch täglich meine Brust lasere und dadurch, dass ich sie nicht mehr 10x am Tag anlegen muss, ist meine Brust nun endlich geheilt und nicht mehr offen.

Ich kann sie ENDLICH ohne Schmerzen stillen, was meinen Alltag wahnsinnig viel einfacher macht.

Das Keksi wurde nach dem vierten Monat ganz von alleine etwas ruhiger und pflegeleichter – sie schläft tagsüber zwar immer noch nur im Tragetuch, aber es ist kein Kampf mehr sie einzuspannen. Auto und Kinderwagen sind weiterhin nur kurzzeitig lustig und das Einschlafen ist noch immer nicht ihr Freund, aber insgesamt hat sich die Schreizeit wesentlich reduziert.

So, und was ist jetzt das Fazit dieses elendlangen Berichtes?

Dass man um jeden Preis mit dem Stillen durchhalten muss, seinem Kind zuliebe, auch wenn es einem selbst sehr schlecht geht?

Nein auf keinen Fall!!!

Ich möchte nur aufzeigen, dass es nicht nur schwarz oder weiß gibt, es gibt nicht nur 100% Stillen oder Abstillen – manchmal machen auch Teillösungen, wie bei uns, den Alltag einfacher und alle Beteiligten glücklich.

Ich möchte die Mamis und Papis da draußen, die sich vielleicht von ihrem Umfeld entmutigen lassen, dazu anspornen, in sich selbst zu vertrauen!

Ihr kennt euch, euer Kind und eure Lebenssituation am besten und werdet dadurch auch am ehesten dazu in der Lage sein, gute Entscheidungen zu treffen – hört nicht auf Andere, wenn euch euer Herz etwas ganz anderes sagt!

Holt euch rechtzeitig Hilfe und Unterstützung, aber nehmt nicht immer jeden Ratschlag unreflektiert an.

Wenn ihr es für richtig haltet, dann hört auf zu stillen – es ist keine Schande und euer Kind wird auch so gut groß werden.

Wenn es euch viel bedeutet, dann macht weiter mit dem Stillen, so wie ich. Aber nicht weil die Umgebung euch dazu drängt, sondern weil ihr es wollt und weil ihr es für euch und euer Kind tun WOLLT und nicht weil ihr euch verpflichtet fühlt!

Wie lange ich noch stillen werde? Keine Ahnung! Ich sage mal, noch so lange es für mich und mein Keksi passt – vielleicht ein dreiviertel Jahr – vielleicht auch kürzer oder länger? Momentan genieße ich es sehr. 😊

Ich schließe mit den Worten, die mir mein Schwager einmal gesagt hat, als ich mit der Kleinen ganz am Boden war:
„Es kann deinem Kind nur maximal so gut gehen, wie es dir geht.“

In diesem Sinne: Schaut bitte nicht nur auf eure Kinder, sondern auch auf euch!

Marion, eine glückliche teilstillende Mami aus Wien

Originalbericht einer Mutter, Oktober 2017
Foto: MZ

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!


Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann kannst Du mir über Facebook, Twitter, Pinterest, Youtube, Google+ und natürlich hier auf dem Blog folgen.

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