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Die Brustentzündung war mein Glück im Unglück

Die Brustentzündung war mein Glück im Unglück

2 Kommentare

Als ich schwanger mit meinem kleinen Schatz war, hatte ich mich so darauf gefreut stillen zu können, da es bei meinem ersten Kind nicht geklappt hatte.

Aber alles kam anders als geplant. Statt einer normalen Geburt musste ein Kaiserschnitt gemacht werden, wobei ich mich noch damit tröstete, aber gleich danach den Kleinen im Arm halten zu können.

Der nächste Schock kam dann, als sie mir mitteilten, dass im Kreißzimmer kein Bett frei wäre. Also musste ich auf das Bonding verzichten und kam in den Aufwachraum – 3 Std. – bis ich meine Beine wieder bewegen konnte, ohne meinen alles geliebten Schatz.

Als dann mein Mann zu mir kam und mir Fotos von unserem Schatz zeigte, weinte ich vor Freude. Diese hielt jedoch nicht allzu lange an, denn obwohl er in der 37. SSW geholt worden war, war er zu schwach selbst zu atmen.

Es war einer der härtesten Tage in meinem Leben. Ich sehnte mich so nach seinen Geruch, seiner Nähe, seiner Wärme. Ich wollte für ihn da sein, jede Sekunde.

Ich war verzweifelt und dachte mir, jetzt ist es so ähnlich wie bei meinem ersten Kind. Werde ich dieses Mal überhaupt stillen können???

Am nächsten Tag durfte ich zu meinem geliebten Schatz.

Es war einerseits wunderschön, ihn berühren und sehen zu können. Andererseits war ich zutiefst traurig, weil ich ihn nicht halten konnte, oder stillen. Ich wünschte es mir so sehr.

Dann fing ich an meine Milch abzupumpen. Die ersten 3 Tage im KH hatte ich es nicht weit bis zur Intensivstation meines Schatzes.

Jedoch als ich heim kam, war es äußerst stressig und so kalt ohne meinen Engel.

Ich dachte, ich schaff es nicht genug Milch zu produzieren. Immer nur 15-20ml alle 3 Std. Aber für ihn tat ich alles.

Am vierten Tag wurde der Schlauch bei meinem Sonnenschein entfernt. Er wurde nur noch mittels Maske beatmet. Ich war so glücklich.

Ich durfte ihn zum ersten Mal spüren, berühren, riechen. Ich werde diesen Moment nie mehr vergessen.

Ich brachte ihm jeden Tag meine abgepumpte Milch, um nur das Beste für ihn zu geben. Trotzdem war es nicht genug von der Menge her.

Am sechsten Tag wurde ein Mutter-Kind Zimmer frei und ich durfte die ersten 2 Tage mit meinem Schatz zusammen auf der Intensivstation verbringen.

Ich durfte ihn auch zum ersten Mal anlegen. Kurz zog er an, aber schlief sofort wieder ein. Er war zu schwach zum Trinken.

Also ging es mit der Magensonde weiter. Das Personal war sehr freundlich, hilfsbereit und einfühlsam. Man fühlte sich gut aufgehoben. Vor allem mein kleiner Schatz.

Am nächsten Tag wurden wir auf die normale Kinderabteilung verlegt.

Er konnte nun ohne irgendeine Hilfe atmen und wir mussten nur mehr das Trinken lernen.

Weiterhin pumpte ich meine Milch alle 3 Std. ab, wo ich auch meinen Sohn immer aufwecken musste, denn er musste 65ml bei jeder Mahlzeit trinken. Den Rest bekam er nachsondiert.

Es war ein Kampf, immer wieder schaffte er maximal 40ml, dann schlief er meistens an der Flasche ein.

Ich konnte ihn auch nicht stillen, da sie mir sagten, ich habe zu wenig Milch, da bekommt er die Menge nicht, die er benötigt.

Also pumpte ich weiter ab und gab ihm sein Fläschchen.

Es war furchtbar mit anzusehen, wenn er nicht nach deren Vorstellung 65ml trank und sie es ihm über die Magensonde nachsondierten und ihm schon die Milch aus Nase und Mund raus lief.

Mir kam es absolut nicht natürlich vor, was sie mit meinem Kind machten. Ich dachte, sie wollten ihn mästen.

Es war eine nervenaufreibende Zeit. Auch Weihnachten verbrachten wir im Krankenhaus.

Nach 3 Wochen zu Silvester durften wir das Krankenhaus verlassen. Er trank von einen Tag auf den anderen 65ml und ich war froh Zuhause angekommen zu sein.

Weiter pumpte ich Milch ab und gab ihm, wenn es nicht genug war, eine Säuglingsnahrung.

Am zweiten Tag, als wir Zuhause waren, bekam ich Fieber und Schüttelfrost. Ich fuhr ins Krankenhaus, da meine rechte Brust ganz hart war. Eine Mastitis wurde diagnostiziert.

Wieder wurden wir aufgenommen und mussten im Krankenhaus bleiben. Auf der Geburtenabteilung waren sie sofort an meiner Seite und sagten, ich solle ihn stillen, es sei das Beste für das Baby und für die Brust.

Zuversichtlich nahm ich deren Hilfe an und begann ihn immer wieder anzulegen.

Mit Stillhütchen hatte er dann genug Kraft zu trinken und es war unbeschreiblich. Kein lästiges Abpumpen oder Aufstehen, um ein Fläschchen zu machen.

Nach 3 Tagen durfte ich wieder nach Hause und Dank der mühevollen Hingabe und Geduld der Stillschwester habe ich das Krankenhaus als voll stillende Mutter verlassen.

Nach wöchentlichen Besuchen in der Stillambulanz, gelang es uns auch ohne Hütchen weiter zu stillen und es ist das Schönste der Welt.

Das Gefühl, mein Baby rund um zu versorgen, ihm das Beste, Natürlichste und Wertvollste der Welt für einen perfekten Start zu geben, ist einfach unbeschreiblich.

Ich liebe es, zu sehen, wie er wächst und langsam Babyspeck angesetzt hat.

Ich bin so stolz darauf, dran geblieben zu sein, auch wenn es nicht leicht war. Ich bereue nichts. Ich bin den Stillschwestern so dankbar, dass sie mich so gut unterstützt haben.

Heute ist er fast 5 Monate alt, und er wird noch immer voll gestillt. Und das werde ich, solange er das möchte, auch weitermachen.

Für meine Mastitis, auch wenn es nicht angenehm war, bin ich dankbar, denn es war Glück im Unglück, dass ich jetzt stille.

Originalbericht einer Mutter, Mai 2015
Foto: Mother and Son via photopin (license)

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel,
    ich habe leider dasselbe erlebt, nur ohne Brustentzündung. Ich fühle mit dir.
    Meiner kam in der 35 SSW und Stillen klappte erst mit 3 Monaten schmerzfrei und ohne Hütchen. Dafür stille ich heute immer noch (10 Monate) und kein Ende in Sicht.

  2. Eine sehr schöne Geschichte – ich hatte Tränen in den Augen, als es endlich geklappt hat. Wäre es nicht wunderbar, wenn jede Mutter diese Unterstützung bekommen würde, bevor es zu Komplikationen kommt?

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