Die 7 häufigsten Fehler beim Anlegen

Die 7 häufigsten Fehler beim Anlegen

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Viele neue Mütter klagen zum Beginn der Stillzeit über Schmerzen beim Stillen. Die Mehrzahl dieser Mütter hat schon bald nach der Geburt wunde Brustwarzen.

Oft wird dann über Wochen mit diversen Salben und anderen Mittelchen versucht, den Schmerz zu verringern, die Brustwarzen abzuhärten und die Wundheilung zu unterstützen.

Leider nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Viele Betroffene stillen daher schon bald nach der Geburt vorzeitig ab, weil sie die Schmerzen beim Stillen nicht mehr ertragen können, obwohl sie eigentlich geplant hatten, länger zu stillen.
(Und ehrlich gesagt: Ich kann sie auch gut verstehen!)

In 80% der Fälle ist die Ursache der schmerzenden und wunden Brustwarzen aber lediglich eine Frage der guten Anlegetechnik.

Schon ein einzelner, noch so geringfügiger Fehler beim Anlegen kann nämlich zu Schmerzen beim Stillen führen und dann dauert es auch nicht lange, bis die Brustwarze wund ist. Meist treten aber gleich mehrere technische Fehler gemeinsam auf, da sie sich auch gegenseitig bedingen.

Wenn Sie beim Stillen Schmerzen haben, sollten Sie als Erstes diese Liste überprüfen und alle Fehler korrigieren.
(Wenn Sie keine Schmerzen und keine anderen Probleme haben, können Sie einfach so weitermachen wie bisher.)

Die 7 häufigsten Anlegefehler

  1. Unbequeme und angespannte Haltung beim Stillen
    Wenn Sie nicht für die gesamte Dauer der Stillmahlzeit eine bequeme und entspannte Haltung einnehmen, spannen Sie zunächst willkürlich und unwillkürlich verschiedene Muskeln (Beine, Rücken, Schultern, Nacken, Arme usw.) an. Dies macht das Stillen für Sie ermüdend und auf Dauer anstrengend.
    Unmittelbare Folge ist jedoch ein verspäteter oder ausbleibender Milchspendereflex, d.h. die Milch beginnt später aus der Brust zu fließen, wodurch das Saugen des Babys die Brustwarze länger ohne Milchfluss beansprucht. Langfristig kann es durch eine angespannte Haltung beim Stillen auch zu dauerhaften Muskelverspannungen (z.B. Rückenschmerzen, steifer Nacken usw.) kommen.
    Gar nicht so selten führt der Einsatz eines Stillkissens zu einer solchen ungünstigen Stillhaltung.
  2. Zu viel Abstand zwischen Ihren Körpern
    Häufig ist der Abstand zwischen dem Körper des Babys und Ihrem Körper bzw. Ihren Brüsten zu groß.
    Manche Mütter versuchen auf diese Weise einen besseren Überblick beim Anlegen zu behalten.
    Oft ist der Grund aber auch, dass das Baby auf einem Stillkissen vor dem mütterlichen Körper liegt.
    Leider kann das Anlegen dadurch schwieriger werden.
    Zum Einen findet das Baby die Brust nicht, da ihm die Berührung am Gesicht fehlt.
    Zum Anderen dauert es einige Sekunden länger, bis Sie das Baby mit geöffnetem Mund zum Anlegen schnell an die Brust gezogen haben und eventuell hat es in dieser kurzen Zeit den Mund schon wieder etwas geschlossen, so dass nicht mehr so viel Brust hineinpasst, wie es optimal wäre.
    Und Schlussendlich geraten auf diese Weise auch häufig die Hände des Babys beim Anlegen in den Weg. (Wenn dies Ihr Problem ist, wissen Sie genau, was ich meine.)
  3. Die Schwerkraft zieht Brust und Baby auseinander
    Die Schwerkraft zieht auf der Erde alles nach unten bzw. in Richtung Erdkern. Bei vielen Stillhaltungen und Positionen besteht daher auch die Tendenz, dass Brust und Baby von der Schwerkraft auseinander gezogen werden. Entweder sinkt das Baby nach und nach immer tiefer oder rollt von der Seitenlage auf den Rücken oder die Brust wird langsam durch ihr eigenes Gewicht nach unten gezogen. Die Folge ist in beiden Fällen, dass auch die Brustwarze und der Warzenhof immer weiter aus dem Mund des Babys gezogen werden. Irgendwann ist sie nicht mehr tief genug im Mund, beginnt zu schmerzen und wird wund.
  4. Die 7 häufigsten Fehler beim Anlegen

  5. Die Brustwarze liegt vor dem Mund des Babys
    Liegt die Brustwarze vor dem Anlegen direkt vor dem Mund oder sogar vor dem Kinn des Babys, kann das Baby seinen Mund nicht so weit wie möglich öffnen, weil sein Unterkiefer schon bald seinen Hals oder Brustbereich berührt.
    Wenn der Mund nicht weit geöffnet ist, gelangt aber auch nur wenig Brust in den Mund und die Brustwarze liegt nicht tief genug im Mundraum, sondern schmerzt und wird wund.
    Steckt die Nase Ihres Babys nach dem Anlegen in der Brust, ist dies übrigens ein typisches Zeichen für diesen Fehler.
    Hier gibt es ein paar Tipps zum richtigen Anlegen.
  6. Die Brust wird nicht mundgerecht „gereicht“
    Oft wird die (im Verhältnis zum Babymund) sehr große, runde Brust beim Anlegen gar nicht oder nicht parallel zur Mundöffnung gehalten oder zwischen Daumen und Fingern flach gedrückt. Als Folge ist es für das Baby unmöglich, viel Brust und die Brustwarze tief in den Mund zu bekommen.
    Versuchen Sie einmal selbst ein großes Stück von einem Brötchen abzubeißen, das Sie sich hochkant vor den Mund halten, also quer zu den Kiefern!
    Schwierig, nicht wahr?
    Parallel geht es viel besser!
  7. Die Brustwarze wird in den Mund gesteckt
    Häufig wird die Brustwarze, wie ein Flaschensauger oder ein Schnuller, zentral in einen nur leicht geöffneten Mund des Babys gesteckt.
    So gelangt allerdings nur die Brustwarze und ein kleiner Teil des Warzenhofs in seinen Mund. Das Baby hat dann den Mund nicht voll Brust und die Brustwarze ist nicht tief im Mund des Babys, was weh tut und sie wund macht.
    Oft werden so auch die Lippen des Babys nach innen gestülpt, weshalb viele Mütter sie nach dem Anlegen wieder herausziehen müssen.
    Hier finden Sie eine Anleitung für das Anlegen ohne Stecken der Brustwarze.
  8. Schmerzen werden als normal hingenommen
    Leider hören Schwangere und neue Mütter immer wieder von unterschiedlichsten Seiten, dass Stillen mehrere Wochen lang sehr schmerzhaft sein kann.
    Sie erwarten also Schmerzen in den Brustwarzen und sehen die Schmerzen nicht als Warnsignal des Körpers, auf das sofort reagiert werden sollte. Sondern halten sie für normal und hoffen einfach, dass sich die Brustwarzen schnell abhärten.

Dies sind tatsächlich die hauptsächlichen Ursachen, die ich seit vielen Jahren bei Stillberatungen wegen wunder Brustwarzen immer wieder feststelle.

Andere Ursachen, wie z.B. Besonderheiten im Mundraum des Babys, etwa ein zu kurzes Zungenbändchen, oder Pilz- oder bakterielle Infektionen der Brustwarzen, sind sehr viel seltener. Auch ein echtes Raynaud-Syndrom der Brustwarzen ist mir in all den Jahren nur 1-2mal begegnet. Zu diesen Themen gibt es demnächst mehr Infos hier auf der Seite.

Wenn Sie diese Fehler beim Anlegen von Beginn an vermeiden oder ggf. konsequent korrigieren, werden Sie feststellen, dass Stillen wirklich einfach, bequem und wohltuend ist.

In dem Video-Online-Kurs „Gut Anlegen“ erkläre und zeige ich Ihnen, wie Sie Ihr Baby in verschiedenen Positionen gut anlegen können.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Januar 2014
Foto: wester via photopin cc

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

6 Kommentare

  1. Pingback: Probleme beim Stillen erkennen und behandeln - Hibbelinchen

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  3. Die Anleitung ist sehr gut geschrieben. Ich finde es trotzdem schwierig als das zu machen, bevor die kleinen Hände wieder im Weg sind. Mein kleines Raubtier ist jetzt genau 3 Wochen alt und sehr fit. Grade war sie noch etwas dösig, da hat es ganz gut funktioniert.

  4. Interessanter Artikel.
    ich frag mich immer wie das früher funktioniert hat. Haben unsere Vorfahren
    Immer gleich alles richtig gemacht?
    Ich erzähl mal von meinen Erfahrungen.
    Geburt War Horror mit Wiederbelebung und enormen Blutverlust. War quasi fast leer und sah aus wie ne lebende Leiche.
    Der kleine wollte ständig an die brust. Ichhatte keine Ahnung wie das geht. Nach 3 tagen waren sie blutig und anlegen war hHorror. Stillhütchen brachten etwas linderung und mit der Transfusion nach 4 Tagen erst kam auch endlich am 5. Tag der Milcheinschuss der mich gleich mit stau begrüßte. Nichts desto trotz stillte ich weiter teilweise über 1 Std. Nach 3 wochen waren sie verheilt. Auch wenn Sie das raynaud syndrom nur 1x gesehen haben- ich habe es im Zusammenhang mit einer mischkollagenose und nehme deshalb auch cortison usw. Auch während der Schwangerschaft und stillzeit. Jedes mal wenn ich ihn anlegte zog es in der Brustwarze höllisch.
    Mir sagte man zu den schneeweißen warzen nur, wenn ich es aushalten kann muss ich abstillen. Hab es aber trotz Depression 14 monate durchgehalten und würde es auch immer wieder genau so machen. Das raynaud blieb bis zum schluss. Ich hatte im Krankenhaus eine ganz tolle stillberaterin und das mit dem stillkissen kann ich bestätigen. Binja gespannt ob es noch ein Baby geben wird.

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