Der Wille des Kindes

Der Wille des Kindes…

11 Kommentare

Mein Sohn ist am 25. Februar 2018 fünf Jahre alt geworden. Er ist für sein Alter sehr weit, kein bisschen adipös, vom Entwicklungsstand zu anderen Kindern sehr weit, körperlich sehr sportlich und mutig. Und traut sich viel im Umgang mit anderen Menschen zu.

Hätte mir früher jemand erzählt, dass sie ihr Kind mit 5 Jahren noch stillt, hätte ich sie angelacht…

Ich find es selbst sehr surreal. Ich habe einen so schlauen, kleinen Mann tagsüber und abends ist er wie ein Baby. Er schläft auch noch mit den Armen nach oben gestreckt, wie ein Baby…

Ich hatte mich nie damit beschäftigt, ob ich stille und wie lang ich stille.

Nach der normalen Geburt, legte die Hebamme mir das Baby auf die Brust und sagte: „Huch- was für ein kleiner Profi, saugt gleich los..! Ich wollte Ihnen grad zeigen, wie man das Baby anlegt!“

Er hat sofort genuckelt und wollte trinken.

Da ich noch keinen Milcheinschuss hatte, musste ich sogar zufüttern und als ich mit meinen wunden Brustwarzen in Kohlblättern gepackt, im Krankenhaus lag, wollte ich am liebsten baldmöglich aufhören.

Eigentlich benötigen Neugeborene vor dem üblichen „Milcheinschuss“ – der initialen Brustdrüsenschwellung – keine zusätzliche Nahrung. Die kleinen Mengen des wertvollen Kolostrums sind perfekt auf ihre noch geringe Magenkapazität abgestimmt. ~ R. Gresens

Ich bin alleinerziehend seit fünf Jahren mit ihm und wir haben eine enge Bindung. Das heißt nicht, dass wir nicht ohne einander können. Schon oft war ich mehrere Tage auf Fortbildung und er hat bei der Nachbarin übernachtet.

Er hatte noch nie Bezug zu Kuscheltieren oder Kuscheltuch gehabt und hatte seinen Nuckel mit acht Monaten abgelehnt.

Auch wollte er nie Babybrei sowie Flaschennahrung annehmen. Seine Ernährung ist sehr speziell. Er mag zum Beispiel Gyros mit Zaziki, grüne Oliven, Nudeln mit Pesto.

Dinge wie Butter, Käse, Quark und Joghurt mag er nicht, selbst Salami, Leberwurst und andere Wurst möchte er keinesfalls probieren.

Auch Nutella oder Honig möchte er nicht essen, beziehungsweise probieren. Milch und Kakao hat er erst jetzt für sich entdeckt, vorher hieß es immer: er trinkt nur die Milch von Mama.

Ich bin keine typische Still-Mama. Wenn ich jemanden erzählt habe, dass ich noch stille (mit einem Jahr, zwei Jahren, drei Jahren, vier Jahren), wurde ich immer erschrocken angeguckt und jeder hat zu mir gesagt, das hätte ich nie von dir gedacht, dass du so lange dein Kind stillst.

Es gab oft die Momente, wo ich aufhören wollte, entweder hatte ich wunde Brustwarzen, weil ich selbst beim Stillen eingeschlafen bin und er so die ganze Zeit genuckelt hatte.

Oder bei Mütter-Treffs, wo ich irgendwie belächelt und belehrt wurde von Müttern, die längst aufgehört hatten und einem das schlecht reden wollten.

Wie in vielen Berichten gelesen, wurde immer erwähnt, dass die Mutter das möchte.

Bei uns war es andersrum. Mein Sohn hat immer dran gedacht und hat danach verlangt. Anfangs war das regelmäßig alle paar Stunden. Nach der Beikost war es dann nur noch vor dem Schlafengehen.

Und jetzt mit mittlerweile 4 Jahren möchte er nur noch mal tagsüber, wenn er merkt, er ist etwas kaputt oder er hat sich sehr weh getan oder abends vorm Einschlafen.

Aber auch morgens, krabbelt er sofort, wenn er die Augen aufgemacht hat, auf mich und möchte nur ganz kurz trinken.

Ich habe ihn nie daran erinnert, sondern es kam immer von ihm.

Ich hatte einen guten Kinderarzt und einen guten Frauenarzt, die mich immer bestärkt haben, dass es gut ist und er sich irgendwann alleine abstillt.

Für mich selbst, war das Stillen nur mit Vorteilen behaftet. Ich konnte mit ihm Shoppen fahren, lange Zugfahrten unternehmen, ich hatte die Milch immer gut temperiert griffbereit dabei.

Ich hab so viele Reisen in den ersten 3 Jahren unternommen, ich wusste ja, dass ich nichts mitnehmen brauchte für den Kleinen. Er brauchte nur mich & die Brust.

Er hat nie lange geweint, da die Brust immer zur Stelle war, wenn er getröstet werden musste bzw. sich beruhigen musste.

Abends und mittags ist er in wenigen Minuten geschlafen.

Klar und auch Nachts brauchte ich mich nur zu ihm drehen und mein T-Shirt öffnen und schon konnten wir beide weiterschlafen.

Ich war ja auch mit ihm alleine. Ich hatte niemanden, der ihn mal mehr als 1 Stunde genommen hätte.

Das Stillen war auch für mich grade mittags eine Zeit selbst runterzukommen. Ich musste mich ja dazu neben ihn legen und das tat auch mir als Mama sehr gut.

Ich dachte halt, irgendwann will er vielleicht auch nicht mehr. Denn ich hab ja selbst gemerkt, dass ich nach einem Jahr Stillen in meinem Umkreis etwas besonderes war.

Die letzte noch stillende Mutter, die ich kannte, hörte nach zwei Jahren auf…

Aber die Jahre vergingen und irgendwie war es für uns auch ganz normal – unser Ritual, so wie Geschichte vorlesen.

Als ich mich dann mal belesen hatte, dass das Saugbedürfnis zwischen 3 & 4 Jahren endet, wartete ich weiter, aber irgendwie tat sich nichts…

Leider habe ich ab dem dritten Lebensjahr immer wieder vergebens gehofft.

Das biologische Abstillalter unserer Kinder liegt bei 2,5 – 7 Jahren. Das berechnete die amerikanische Anthropologin Katherine Dettwyler durch Vergleiche mit anderen Säugetieren und Primaten.
Die meisten Kinder stillen sich von alleine zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr ab, aber es gibt auch Kinder, die auch nach dem 4. Geburtstag noch regelmäßig stillen wollen. ~ R. Gresens

Nun vor seinem fünften Geburtstag habe ich beschlossen aufzuhören.

Ich habe mit ihm zusammen einen „Brustkalender“ gemacht, so dass er 14 Tage vor seinem fünften Geburtstag immer täglich einen Zettel abreißen durfte, damit er wusste, dass ab dem fünften Geburtstag Schluss mit Trinken an der Brust ist.

Es hat ihn sehr beschäftigt, da er tagtäglich daran gedacht hat seinen Zettel abzureißen. Auch hat er einfach so von davon erzählt, dass es ja bald vorbei ist.

Nach seinem fünften Geburtstag haben wir es wirklich versucht durchzuziehen. Wir haben uns hingelegt und ich habe ihn gestreichelt bis er eingeschlafen ist.

Doch es hat ihn sehr beschäftigt. Er hat sehr oft gesagt: „Ach Mama, ich möchte jetzt gerne ein bisschen Brust trinken. Warum bin ich denn jetzt fünf Jahre alt und muss aufhören?“.

Oder er hat gefragt, ob er mal testen darf, ob noch etwas Milch in der Brust ist. Vielleicht hat er ja doch Glück und es ist noch etwas drin. Da ich ihm gesagt hatte, dass dann auch keine Milch mehr drin ist.

Nun ist es zehn Tage her, dass er fünf Jahre alt geworden ist und es lässt ihn nicht los. Heute wollte er noch mal einmal probieren, ob Milch drinne ist und er war so traurig und er hat getestet. Es kam wirklich noch Milch raus und er hat sich gefreut, als hätte er den Weihnachtsmann gesehen.

Abends dann im Bett hat er gefragt, ob er nur noch ganz kurz einmal ran darf und ist auch sofort eingeschlafen.

Als Mama zerbricht es mir nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz, da ich sehe, wie wichtig es ihm ist.

In unserem Fall möchte er es, nicht ich. Er ist schon sehr schlau und weiß, dass es nicht normal ist. Er lügt auch andere an (z.B. seine Oma), wenn er danach gefragt wird.

Das einzige, was mir aufgefallen ist in den letzten zehn Tagen, wo er nicht mehr an die Brust durfte, dass er Mahlzeiten ausgelassen hat. Mal wollte er nichts zum Mittag, mal wollte er nichts morgens essen und auch abends hat er öfter sein Abendbrot verweigert. Ich weiß nicht, ob es damit zu tun hat, aber sowas gab es sonst nie.

Zeitmäßig hat nur das Einschlafritual sehr lange gedauert, zum Teil ist er, anstatt wie sonst um 19:00 Uhr, erst gegen 21:30 Uhr eingeschlafen, da er nicht zur Ruhe gekommen ist.

Seit er probieren durfte und er gemerkt hat, dass nach 6 Tagen noch was raus kommt, lässt er abends nicht mehr locker! Er ist unruhig, traurig und wir liegen und liegen.

Ich war 6 Tage standhaft und selbst verwundert, dass noch Milch raus kommt, aber ich hab nachgegeben & hab grad keine Lösung, was ich ihm noch sagen soll…

Auch der versprochene Hase, den er bekommen sollte, hat nicht mehr gezogen!!! Obwohl es sogar schon einen Stall gibt, möchte er lieber nullern.

Er trinkt sich ja nicht mehr satt. Früher hab ich immer gesagt, es ist sein „Actimel“ für den Tag und so war es eigentlich auch: ein Schutz für den Tag.

Er war in den letzten 5 Jahren selten krank. Ein leichter Husten oder mal eine Nacht leichte Temperatur, aber so richtig krank war er noch nie.

Auch bringt er vom Kindergarten nicht die täglich angeschriebenen Krankheiten mit, daher bin ich überzeugt davon, dass die Muttermilch schon gut tut.

Jetzt braucht er sie abends zum Einschlafen, er nuckelt rechts, dann links und nach wenigen Minuten schläft er.

Morgens möchte er auch noch, aber dann akzeptiert er auch ein Nein.

Es ist wirklich schwierig, mich beschäftigt diese Traurigkeit am Abend im Bett und sein plötzlich umgeschlagenes Essverhalten in den 6 Tagen ohne Brust und dass weder ein Nulli-Kalender zur Vorbereitung, noch der Geburtstag und das endlich 5 & groß sein und ein Kaninchen, nicht hilft, ihn zum Aufhören zu bringen.

Ich bin mal gespannt, was der Kinderarzt sagt, er hat mich jeden Winter ermutigt weiter zu machen, bis die Grippewelle vorüber ist.

Also wir werden jetzt erst einmal weiter machen. Kommt Zeit kommt Rat.

Saskia S.

Originalbericht einer Mutter, März 2018
Foto: SurFeRGiRL30 Pure Love via photopin (license)

 

Hast Du selbst eine schwierige Situation mit Deinem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchtest Du Deine Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreib mir doch Deinen eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

11 Kommentare

  1. Liebe Saskia, vielen Dank für Deinen Mut, Deine Geschichte aufzuschreiben und zu veröffentlichen! Und ebenso danke für die vielen langen Kommentare! Das zeigt ganz klar, wie sehr dieses Thema bewegt und wie schwierig es für die Mamis ist. Und ich bin so froh, dass ich nun nicht (mehr) alleine bin und von Euch weiß.
    Mein Sohn wird nächsten Monat 4 Jahre alt und wir stillen auch immer noch morgens und abends. Genau so wie bei Saskia ausschließlich aus seinem freien Willen heraus. Ich erinnere ihn nie daran. Er schläft in seinem eigenen Bett, und morgens kommt er zu mir in mein Bett und fragt jeden Tag mit einem freudigen, verschmitzten Grinsen im Gesicht ungebrochener Begeisterung nach seiner „Milk“. Ich kann und will es ihm nicht verwehren, aber außer meinem Mann weiß niemand, dass der Kleine noch stillt.
    Ich würde mich nie trauen, das öffentlich zuzugeben und habe nach seinem 3. Geburtstag so getan, als hätte ich abgestillt, weil ich die Blicke nicht mehr ertragen habe.
    Auch ich habe mich schon gefragt, ob es wirklich richtig ist, so lange zu stillen, oder ob ich egozentrisch handle. In den letzten Wochen habe ich darüber nachgedacht, zu seinem 4. Geburtstag abzustillen, ebenfalls mit einem Countdown davor und vielleicht einem besonderen Geschenk als Belohnung.
    Aber nein, Stillen ist nicht egozentrisch, es ist intuitiv und natürlich. Auch mein Sohn hatte noch nie eine größere Krankheit. Aus Krippe und Kita bringt er nur im Winter Schnupfen mit heim. Manchmal stellt es mir die Haare zu Berge, mit welchen Krankheiten sich die Kinder im Bekanntenkreis schon herumschlagen müssen…und ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar, dass mein Kleiner zu einem fröhlichen, aufgeschlossenen und selbständigen Kind heranwächst.
    Und soeben habe ich mir geschworen: ich werde weitermachen, bis mein Sohn meine Milch nicht mehr braucht! Selbst wenn es noch ein weiteres Jahr oder länger dauert.

  2. wunderschöner artikel! ich hab voll mitgefiebert und hab mir voll gewünscht, dass er weiter stillen darf. gott sei dank, so kann ich jetzt dann beruhigt schlafen gehen 😉
    meine tochter ist jetzt fast ein jahr und irgendwie beschäftigt mich das thema „stillen“ sehr. manchmal frage ich mich, ob ich wohl eine sein werde, die es ewig will…aber eben…in deinem artikel kommt es so schön durch: unsere kinder wissen schon, wo es für sie lang geht.
    danke für den schönen artikel!

  3. Endlich ein wenig Zuspruch von anderen Müttern. Mein Sohn wird in drei Monaten 3 Jahre. Anlass genug, dass nun auch beide Großeltern und mein Partner mir in den Ohren liegen endlich abzustillen. Mein Sohn darf selbst entscheiden, wann er an die Brust möchte. In der Öffentlichkeit machen wir es aber nicht mehr. Er fragt manchmal ganz leise im Flüsterton, ob er ran darf und grinst ganz verschwitzt. Dass er aus Sicht seiner Umgebung zu gross zum Stillen sei, ist ihm somit bewusst. Aber er akzeptiert ein Nein ohne weiteres. Wir stillen morgens zum Aufwachen, am Wochenende zum Mittagsschlaf und abends zum Einschlafen. Nachts schläft er im Familienbett und bedient sich bei Bedarf 2-3 mal die Nacht. Im Halbschlaf bekomme ich es kaum mit. Unser Schlafrhythmus hat sich auch nach fast drei Jahren so angeglichen. Ist er krank, wütend oder traurig, stillen wir sich kurz. Mich stört es nicht. Nach Außen dafür einzustehen ist wirklich verdammt hart. Und dann bekommt man Zweifel das Richtige zu tun. Aber mein kleiner Mann liebt das Stillen und ich kann und will es ihm noch nicht verwehren. Und ich kann auch nur bestätigen, dass er ein kleiner gesunder Junge ist, der sehr selten krank ist und sehr selbstbewusst und freundlich ist. Also Langzeitstillen war nie mein Plan gewesen, aber nun ist es wie es ist…und dass ist für uns beide richtig so.

    • Es geht tatsächlich um abstillen oder nicht.

      Ich möchte nicht abstillen. Das steht für mich fest. Es schwingt immer ein bisschen die Angst mit, dass ich irgendwann doch eingreifen muss, weil ich mich damit nicht mehr wohl fühle. Aber so weit bin ich noch lange nicht.
      Ich versuche darauf zu vertrauen, dass es von selbst weniger wird und rechne mit dem Zahnwechsel (sind ja schließlich Milchzähne) 😉 mit einem veränderten Stillverhalten meines Sohnes.

      Er ist jetzt dreieinhalb und entwicklungsverzögert. Das bedeutet, dass er kein Bewusstsein dafür hat, dass er zu alt fürs Stillen in den Augen anderer sein könnte. Er bekommt auch noch nicht mit, dass Gleichaltrige längst nicht mehr stillen.

      Das macht es mir etwas einfacher. Er ist eben noch sehr „Baby“.

      Gleichzeitig stelle ich mich darauf ein, dass wir auch in einem Jahr und länger noch stillen.

      Viele Außenstehende, die es nicht direkt wissen, denken mittlerweile, dass er einfach nur in meinem Arm schläft. Stillen kommt in ihrer Erfahrungswelt bei so einem großen Kind gar nicht vor.

      Ich bin lockerer geworden und stille nach wie vor überall, wo ich mich halbwegs sicher fühle und wenn es nicht passt, lässt er sich auch relativ gut vertrösten.

      Ich möchte dich bestärken, dass du als Mama das Recht hast zu entscheiden, was euch gut tut.

      Ich würde mir wünschen, der Blick der Öffentlichkeit auf das Stillen von Kleinkindern würde sich etwas ändern.
      Zuletzt setzte sich Tamara Ecclestone öffentlicher Kritik aus, weil sie ihre 4-jährige Tochter stillt. Ich bin ihr dankbar, dass das Thema so etwas Aufmerksamkeit erhält. Vielleicht lernen noch ein paar Menschen dazu.

      Dir und euch weiterhin alles Gute und eine schöne Stillzeit! 🍀

  4. Gerne geselle ich mich in Euren Kreis dazu und teile unsere Geschichte! 🙂 Meine ältere Tochter ist dreieinhalb Jahre alt und wir stillen immer noch – morgens ist meist das erste, was sie sagt „Mamamilch!“. Oft möchte sie nach der Kita trinken und dann abends, wenn ich sie ins Bett bringe. Sie ist völlig normal entwickelt, offen uns fröhlich und geht in die Kita seit sie zehn Monate alt ist. Wie andere von Euch schon berichtet haben, scheint das Stillen langfristig das Immunsystem zu stärken, sie ist wirklich kaum krank. Als ich wieder schwanger wurde, hat mich meine Frauenärtztin zuerst sehr verunsichert und mir zum Abstillen geraten. Ich habe mich dann weiter informiert und bin letztlich dabei geblieben. Heute stille ich beide immer noch, die Kleine ist sieben Monate alt. Es gab immer wieder Phasen, in denen ich mich neu orientieren musste. Vor allem nach der Geburt der Kleinen war es zuerst schwierig beiden gerecht zu werden. Die Große wollte immer mittrinken, wenn ich ihre Schwester angelegt habe, aber ich fand das simultane Stillen sehr anstrengend. Trotzdem hat es, glaube ich, der Großen sehr geholfen, die neue „Mitbewohnerin“ zu akzeptieren und das Gefühl zu haben, dass Mama ihre Liebe genauso teilt wie die Milch 🙂 Aber nach einigen Wochen ging es und wir stillen nun in der Regel getrennt.
    Schade, dass es so wenige von „uns“ gibt, denn ich denke auch, dass es Mutter und Kind(ern) gut tun kann so lange zu stillen. Also, rockt on und lässt Euch nicht in Eurem Gefühl beirren!

  5. Mein Sohn ist im Februar 5 geworden. Auch er mag noch an die Brust. Ich habe immer gesagt, er soll selbst entscheiden, wann er aufhören will. Das findet er gut. Nun trinkt er nur noch ab und zu, einfach nur damit er besser einschlafen kann oder am Wochenende früh beim Kuscheln. Was andere dazu sagen, interessiert mich nicht, es ist die Entscheidung meines Kindes… Alles Liebe und Gute für Euch!

  6. Liebe Saskia, ich kann das sehr gut verstehen. Das Stillen und auch das Pläne machen damit aufzuhören und am allermeisten damit, dass das Kind es möchte, braucht und vermisst.

    Ich würde sagen, tu was du richtig findest! Wenn es ok ist für Dich und für ihn wichtig. Mach noch ein bisschen weiter und gräm dich nicht, dass es trotz großer Anstrengung nicht zu Ende gegangen ist.
    Ich verstehe die Bindung an einen Geburtstag oder ein Haustier, aber vielleicht ist diese Methode für Dein Kind nicht die Richtige und der Countdown und das wenn dann setzt ihn unter Druck?
    Nur eine Idee….
    Hast Du es mit “ Es ist Deine Entscheidung, wann du aufhörst“ versucht? Vielleicht entspricht diese Möglichkeit zum aktivem Entscheiden eher seinem Temperament?
    Ich stille auch lange und ausschließlich, weil meine Tochter es wünscht und vermeide das Thema ansonsten großräumig, weil es dazu so viel Meinung und nur selten Bestätigung gibt.
    Alles Liebe an Euch und tut was Euch richtig erscheint:)
    Alles andere ist zu anstrengend….
    Von Herzen Corazon

  7. Ich habe meinen Kleinen fast 26 Monate gestillt. Ich war zu diesem Zeitpunkt in der 7. Woche schwanger als ich es beendet habe. Für mich war aber vorher klar, dass ich weiter stillen werde. Meine Hebamme hat es auch befürwortet, da es auch gut ist beim erneuten Milcheinschuß Abhilfe zu haben. Leider ist es anders gekommen. Abends beim Einschlafen fingen meine Brustwarzen an zu schmerzen, da er nicht wie gewohnt gesaugt hat. Ich wunderte mich, warum es so furchtbar schmerzt. Eine Woche habe ich es durchgehalten, danach war klar, ich stille ihn ab. Es war nicht schön. Mir ging es psychisch wieder auch nicht gut, weil ich nach seiner Geburt postnatale Depressionen entwickelt habe, da er mit ungeplanten Kaiserschnitt auf die Welt kam. Für das neue Baby wünschte ich mir, dass es anders laufen würde, aber wurde von meinen alten Emotionen wieder eingeholt. Ich wollte ihn damit nicht belasten und entschied, ihn abzustillen.
    Wir beide haben abends fürchterlich geweint, weil er trinken wollte und ich habe ihm vehement es verweigert. Ich dachte nur, wenn ich jetzt nachgebe, dann habe ich verloren. Aber was habe ich verloren?
    Ich habe ihn unter Tränen regelrecht angeschrien, dass es mir leid tut, aber ich nicht mehr kann. Aber wie soll das ein Zweijähriger verstehen? Er hat auch so bitterlich geweint. Mir hat es das Herz zerbrochen.
    Unter tiefen Schluchzern von mir und von ihm ist er in meinen Armen eingeschlafen.
    Eine Woche später war mir klar, warum mir meine Brüste beim Saugen so wehtaten. Er hat seine letzten Backenzähne bekommen. Das sein Saugverhalten sich jedes Mal verändert hatte beim Zahnen, hatte ich total vergessen, weil ich mir sicher war, er hat ja schon alle.
    In diesem Sinne, egal wie lange es dauern mag und unter welchen Umständen man meint, es ist an der Zeit abzustillen, diese Zeit kommt nie wieder zurück. Sie geht so schnell vorbei.
    Und das durchschnittliche Stillalter weltweit liegt bei 4 Jahren nach WHO.
    Von daher lasse dich nicht beirren und geht euren Weg, solange es für euch stimmig ist und blendet die Außenwelt aus. Diese hat nicht das Wissen, was wir Langzeitstillmamas haben und noch bekommen werden. In 5 Jahren hat es eh jeder andere vergessen, wie lange man gestillt hat.
    Ich werde mit meinem 2. Kleinen (geglückte VBAC) eine neue Reise antreten und mich diesmal nicht beirren lassen, sondern mich überraschen lassen, wo uns diese Reise führt.

    Alles Gute wünsche ich euch aus ganzem Herzen.

  8. Du schreibst so unendlich traurig und das tut mir wahnsinnig leid.

    „nicht normal“: Das klingt leider immer gleich so negativ. Ich glaube, es ist ganz und absolut normal, dass ein Zwerg von fünf Jahren noch an Mamas Brust einschlafen möchte.

    Ich kenne viele oder sagen wir einige Kinder, die lange (18 Monate und mehr) gestillt wurden. Der eine hatte immer einen Schnuller und irgendwann reichte ihm das zum Einschlafen. Bei zwei anderen kam ein Geschwisterchen und das führte zum Abstillen. Bei noch einem gab es ein älteres Geschwister und die Mama fühlte sich nicht mehr wohl damit, dem kleineren soviel mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und stillte unter Protest ab.)

    All das ist bei mir nicht der Fall. Mein Zwerg ist im Januar drei geworden. Und er stillt und stillt und stillt. Und ja, ich mache mir dazu viele Gedanken. Ich sehe aber, dass es aus seiner Sicht dazu nichts zu diskutieren gibt und ich denke nicht daran, lenkend einzugreifen. Ich folge von Anfang an, mal mehr und mal weniger selbstsicher, seinen Bedürfnissen und ich fahre sehr gut damit. Er ist sehr offen gegenüber anderen, im Allgemeinen sehr ausgeglichen, kein bisschen wehleidig und alles in allem ein kleiner Lausbub. Ganz nach Papas Geschmack.

    Aber ich sage nicht, dass ich nicht kämpfe. Maibaumaufstellen bedeutet Stillen in der Öffentlichkeit und mehr Blicke auf mir, als mir lieb sind. Das gleiche gilt für Einkaufszentren und Cafés. Immer wieder ein Spießrutenlauf, bei dem ich versuche, mich unsichtbar zu fühlen.

    Mein Sohn stillt noch sehr häufig in 24 h. Ich schätze 6-10 mal, bei Krankheit womöglich auch mehr. Wenn ich das weiterdenke, bin ich fast sicher, dass auch ich mit fünf Jahren ihn noch stille. Das einzige, was ich dabei bedauere ist, mich auf diesem Weg so allein zu fühlen. (Deshalb danke ich dir für deinen Text.)

    Da seid nur ihr beide. Du, die Mama und dein kleiner Sohn. Vertrau dir und ihm und tu, was gut für euch ist.

    Es gibt keinen Grund, nicht mehr zu stillen außer dem Kopfschütteln der Leute außen herum. Es ist gut, dass er weiß, dass viele Menschen komisch darauf reagieren, weil sie es nicht verstehen. Aber er darf auch wissen, dass er gut ist wie er ist und unsere Gesellschaft eben manchmal einfach ein bisschen komisch ist und wir Langzeitstillmamis eigentlich sehr viel mehr Grund dazu hätten voller Unverständnis und auch ein bisschen mitleidig den Kopf zu schütteln.

    Denn wir sind ein kleiner erlesener Club und wann ist man in unserer Gesellschaft schon noch etwas besonderes..??! 😉😊

    In diesem Sinne alles Gute für Dich, den kleinen Mann und eure Stillbeziehung. (Die vielleicht doch irgendwann schneller zu Ende geht, als du es dir erwartest.)

    • Meine Tochter ist jetzt 22 Monate alt und ihre Hauptnahrungsquelle ist immer noch Milch. Sie stillt auch bestimmt 6-10 mal pro Tag.
      Es fühlt sich richtig an, jedoch habe ich auch Phasen in denen ich mehr zweifele. Und vor allem frage ich mich, wie lange das noch geht! Mein Plan war immer irgendwann zwischen 2 und 3 abzustillen, aber momentan kann ich es mir nicht vorstellen, dass das von ihr aus klappt.
      Jedenfalls geht es mir genauso wie Dir, dass ich vor allem diese Einsamkeit doof finde. Ich kenne niemanden, der noch stillt! Leider wird es mir deswegen auch immer unangenehmer in der Öffentlichkeit. Schade, denn eigentlich stille ich doch gerne.

    • Vielen Dank für die schönen Worte! Mein Sohn ist nun 21 Monate alt und ich habe mich in Deinem Antwortschreiben sofort wiedergefunden ! So nach und nach bin ich die einzige noch stillende Mama in der Umgebung und mein Sohn liebt seine Mamimilch – am liebsten als dauerhaftes Angebot , ich begrenze es so, wie es am Tag passt, abends und nachts kann er jederzeit trinken .
      Jetzt hatten wir gerade Urlaub , 24 h Mama um sich herum verführt natürlich zu gaaanz häufigem Trinken . Häufig lese ich über andere lang stillende Mütter, dass sie beim Abstillen nur abends noch einmal gestillt haben – davon sind wir meilenweit weg, bin also sehr gespannt , wann das jemals der Fall ist.
      Ich finde es so schade, dass man sich so verstecken muss als länger stillende Frau – ich persönlich habe auch keine Lust ständig mit Leuten darüber zu diskutieren- gerade weil unser Sohn auch recht kräftig gebaut ist (dumme Sprüche a la ‘Sahne in den Brüsten ‘ inklusive ….)
      Eigentlich wollt ich dir nur sagen – du bist in keinem Fall allein ! Fühl auch du dich gedrückt und alles gute euch weiterhin!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.