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Der normale Verlauf der Stillzeit

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Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2000
Ihr Baby verhält sich nicht so, wie es in den Büchern beschrieben wurde!
Wer hat Recht? Das Baby oder die Bücher?

Babys sind anpassungsfähig. Es wird Ihnen vielleicht gelingen, das Verhalten Ihres Babys zu „korrigieren“, damit es Ihrem Lieblingsbuch entspricht.

Aber Ihr Baby verhält sich so, wie es sich verhält, weil Babys schon immer so waren.

Folgendes ist wahrscheinlich seit Tausenden von Jahren für das Säugetier Mensch „normal“ gewesen:

In einer normalen Schwangerschaft gab es keine großen Mengen von Allergien auslösenden Nahrungsmitteln so wie in der heutigen Zeit.

Wenn es in Ihrer Familie starke Neigungen zu Allergien gibt, ist es vielleicht besser, wenn Sie Milchprodukte, Eier und eventuell Erdnüsse vermeiden, wenigstens während der letzten drei Monate.

Es gibt Belege, dass das Vermeiden dieser Lebensmittel in dieser Zeit und in der frühen Stillzeit helfen kann, das Kind vor der Entwicklung von Überempfindlichkeiten zu schützen.

Geburt bei NegritosEine normale Geburt fand an einem ruhigen, abgeschiedenen Ort statt, an dem die Mutter sich wohl fühlte.

Sie erhielt keine Medikamente, die die normale Fähigkeit des Neugeborenen zu stillen und zu interagieren störten.

Wahrscheinlich wurde die Geburt von einer erfahrenen Frau begleitet – einer „Doula“, die die Gebärende bemutterte.

Studienergebnisse deuten darauf hin, dass eine Klinikentbindung für die durchschnittliche Frau nicht sicherer ist, als eine Hausgeburt, die von einer Hebamme geleitet wird, und dass eine Periduralanästhesie (PDA) keinen größeren Effekt auf das Wohlbefinden der Gebärenden hat, als die Anwesenheit einer Doula.

Der normale Beginn der Beziehung zwischen Mutter und Neugeborenem entwickelte sich, ohne dass das Baby überhaupt von der Mutter getrennt wurde.

Innerhalb der ersten Lebensstunde – aber wahrscheinlich nicht sofort nach der Geburt – begann das Baby die Brust zu suchen.

Nachdem es vielleicht eine Stunde oder länger gesaugt hatte, ruhten sich Baby und Mutter zusammen für einige Stunden aus.

Dann fing das Baby wieder an zu stillen, wahrscheinlich verbrachte es in den ersten Tagen die meiste Zeit an der Brust.

Da die Mutter durch häufige Beobachtung von anderen stillenden Müttern wusste, wie das Baby zum Stillen gehalten wird, war es unwahrscheinlich, dass sie beim Stillen Schmerzen hatte.

Schmerz ist ein Signal, dass etwas verkehrt ist und geändert werden muss.

Im Gehen stillende Mutter in Papua-NeuguineaZum normalen Leben einer Mutter gehörte es, das Baby während des Tages am Körper zu tragen und nachts mit ihm gemeinsam im Bett zu schlafen.

Kein Kinderwagen, kein Kinderbett, kein Kinderzimmer, nur die Wärme des mütterlichen Körpers und die ständige Verfügbarkeit ihrer Milch.

Die Mütter verrichteten ihre tägliche Arbeit, mit häufigen, kurzen Unterbrechungen zum Stillen – wahrscheinlich waren es mehrere pro Stunde, die jeweils nur ein paar Minuten dauerten, meistens gaben sie bei jeder Mahlzeit nur eine Brust.

Von den Babys wurde nicht erwartet, dass sie zwei, drei oder vier Stunden ohne zu stillen auskamen und sie fühlten sich daher gewöhnlich weder sehr hungrig, noch überfüllt, sondern hatten ständig ein wohliges Gefühl im Bauch.

Die Vorstellung, dass zwei Stunden der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Stillmahlzeiten ist, basiert in Wahrheit auf einem Wunschdenken, nicht auf der Biologie des Menschen.

Einige Babys können tatsächlich so lange warten, manch Andere werden aber schlecht zunehmen und sich frühzeitig abstillen, wenn ihre Mahlzeiten zwei Stunden oder länger auseinander liegen.

(Häufiger zu stillen ist meistens für die Mutter sowohl angenehmer als auch einfacher. Genau wie gelegentliche kurze Unterbrechungen bei der Arbeit weniger störend und erholsamer sind, als nur eine einzige lange Pause in der Mitte eines langen Arbeitstages.)

Jedes Mal, wenn es saugt, erhält das Baby Kalorien – kein Hinhalten des Babys mit einem Schnuller, der ihm keine Nährstoffe bietet – und Neugeborene verbringen viel Zeit mit Stillen.

Andererseits, wenn ein Baby ständig saugen möchte und offensichtlich die Brust nie loslässt, weil es danach satt ist, liegt dies vielleicht daran, dass es die Brust nicht effektiv entleert.

Dann sollte sich eine Stillexpertin das Stillen anschauen.

Mutter mit Kleinkind in Papua-NeuguineaDas normale Abstillen erfolgte wahrscheinlich irgendwann im Alter von zweieinhalb und sieben Jahren.

Das bedeutet, dass Körper, Knochen und Persönlichkeit eines Einjährigen auf eine Ernährung ausgerichtet sind, die überwiegend aus Muttermilch besteht, nicht überwiegend aus fester Kost.

Das Stillen wurde so allmählich weniger, dass oft weder die Mutter, noch das Kind, genau wussten, wann das allerletzte Stillen stattfand.

Das normale Stillen war etwas Angenehmes für Beide – Mutter und Baby. Wenn es nicht so gewesen wäre, warum hätte eine Mutter sich darum bemühen sollen?

Wenn Stillen für Sie unangenehm ist, wenden Sie sich an eine Stillexpertin. Sie beide haben ein Recht darauf, das Stillen zu genießen.

Original: The Normal Course of Breastfeeding von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2000
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, September 2004 

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

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