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Abgepumpte Muttermilch

Das Pumpen ist unser Weg

5 Kommentare

Sehr geehrte Frau Gresens,
ich bin so froh, dass ich heute Ihre Website entdeckt habe. Auch ich pumpe bereits seit langem Muttermilch ab und fühlte mich dabei bisher allein auf der Welt.

Nun habe ich die Berichte anderer Frauen in ähnlicher Situation gelesen und möchte von mir und meinen beiden Söhnen erzählen, um weiteren Müttern Mut zu machen.

Mein älterer Sohn Till wurde im Dezember 2010 geboren, mit 3010g und ganz natürlich ohne größere Probleme.

Schon während der Schwangerschaft hatte ich gehofft, später stillen zu können.

Aber Till konnte von Anfang an nicht an der Brust saugen. Er machte zwei bis drei Züge und fing dann an zu schreien.

Mir halfen Hebammen und Schwestern der Geburtenstation mit verschiedenen Stillpositionen. Doch das Ergebnis war immer das gleiche.

Ich begann also bereits das Kolostrum abzupumpen und wir fütterten es per Flasche.

Der Milcheinschuss war dann extrem. Innerhalb einer Stunde schwoll meine Brust massiv an, färbte sich rot, blau, grün und ich bekam schon Fieber.

Die erfahrene Stillschwester half mir mit Oxytocin-Nasenspray, Massagetechnik, Wärmen bzw. Kühlen und ich pumpte zunächst alle 2,5 Stunden gleich mit Doppelpumpset.

Meine Milchmenge war von Beginn an sehr hoch und ich musste mehr als eine Portion pro Tag einfrieren.

Im Februar als Till 8 Wochen alt war, hatte ich eine Tränenwegsentzündung. Das Antibiotikum, das ich nehmen musste, war nicht stillfreundlich.

Ich habe 2 Wochen lang die abgepumpte Milch weg geschüttet und konnte in dieser Zeit Till vollständig von der bis dahin eingefrorenen Milch ernähren. Darauf bin ich bis heute besonders stolz.

Es war jedoch sehr traurig und belastend die frisch abgepumpte Milch in den Abfluss fließen zu sehen.

Als Till dann 4 Monate alt war, löste ein Orthopäde Tills Blockade des Atlasgelenks, die für seine Saugprobleme verantwortlich war. Weitere Einschränkungen oder Symptome hatte er nicht, so dass vorher keiner an eine Blockade gedacht hatte.

Wir haben dann noch einige Anlegeversuche unternommen.

Doch sobald Till meine Brustwarze berührte, setzte der Milchspendereflex ein. Till wurde „geduscht“, fand das sehr lustig, kam jedoch nicht auf die Idee zu trinken.

Wir haben es bald abgebrochen und ich blieb beim Pumpen. Als Till 10 Monate alt war, hörte ich dann auf, da eine Operation bei mir anstand, die nicht länger aufzuschieben war.

Till konnte noch zwei Monate aufgetaute Milch trinken. Er ist inzwischen 4 Jahre alt und nur selten krank.

 

Bei meiner 2. Schwangerschaft hoffte ich so sehr auf „richtiges“ Stillen.

Es sah auch zunächst alles gut aus. Theo kam im Dezember 2014 zur Welt, wieder unkompliziert.

Schon im Kreißsaal konnten wir ihn anlegen und er hatte laut der Hebamme einen „ordentlichen Zug“.

Das änderte sich im Laufe seines Geburtstages massiv. Er wurde gelb und apathisch, hatte aufgrund einer Blutgruppenunverträglichkeit sehr früh sehr hohe Bilirubinwerte.

So kam er auf die Kinderstation in den Inkubator, an Tropf und Überwachung.

Ich musste noch ein paar Tage auf der Entbindungsstation bleiben und bin ständig zwischen den Stationen gependelt.

Wir konnten ein paar Stillversuche machen, das war aber wegen Tropf und Überwachungskabeln schwierig.

Mein Milcheinschuss war wieder so extrem wie beim ersten Mal. Diesmal halfen mir zusätzlich Umschläge mit Retterspitz und Enzymtabletten.

Ich begann also wieder das Pumpen.

Nach einer Woche Krankenhaus konnte ich mit Theo nach Hause.

Ich versuchte mit Unterstützung meiner Hebamme einen Monat lang das Anlegen. Mit Stillhütchen konnte er ganz gut trinken, eine bequeme Stillposition habe ich jedoch nicht gefunden.

Außerdem habe ich wieder sehr viel Milch, habe also nach dem Stillen noch abgepumpt.

Theo kann mit der MuMilch aus der Flasche nachts bis zu 8 Stunden schlafen, trinkt dafür tagsüber alle 2 bis 3 Stunden.

Trinkt er nur von der Brust, sind die Abstände kürzer und unregelmäßig. Meine Brust brauchte jedoch den ganz regelmäßigen Pumprhythmus alle 4 Stunden, um nicht im Dauermilchstau zu sein.

Während des „Anlegemonats“ war ich nur noch mit Stillen, Pumpen, Fläschchen spülen und Brust kühlen beschäftigt, war ständig gereizt und übermüdet.

Ich habe dann, auch meines großen Sohnes zuliebe, die Stillversuche abgebrochen und pumpe nur noch.

Letztendlich geht es damit unserer gesamten Familie besser.

Theo wird bald 6 Monate alt, liebt seine Milch über alles und zeigt bisher kein Interesse an Brei.

Ich pumpe derzeit alle 6 Stunden ca. 250 ml ab, habe wieder viel eingelagert (gut, dass auch meine Eltern Platz im Tiefkühlschrank haben), jedoch nicht so viel wie damals bei Till.

Das Pumpen ist unser Weg. Mein größter Vorteil ist, dass ich meine Brust gut unter Kontrolle habe und bei Milchstau entsprechend reagieren kann.

 

Eine Sache allerdings stört mich extrem.

Damals bei Till konnte ich aus mehreren Pumpen wählen (hatte eine Ameda Elite) und meine Krankenkasse zahlte die Miete unbegrenzt.

Jetzt war nur noch die Pumpe von Medela zugelassen (mit der ich sehr viel öfter Milchstau habe) und die Krankenkasse zahlt die Miete nur noch 6 Monate lang. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.

Ich habe bereits bei meiner Krankenkasse vorgesprochen, doch dort gab es nur Unverständnis. „Wollen Sie das denn so lange machen? Warten Sie doch erstmal ab.“

Auch bei anderen Kassen wird die Pumpe meines Wissens nicht länger gezahlt.

Ich habe mir nun eine Pumpe gekauft, die natürlich nicht mit der Klinikpumpe mithalten kann. Aber das wird mich nicht davon abhalten, noch mindestens bis über den Herbst weiter zu machen.

 

Ich bin so froh, dass es noch Mitstreiterinnen gibt und dass mich meine Hebamme beide Male so unterstützt hat, dann eben diesen Weg zu gehen.

Und ich kann nur jede Frau ermutigen: wenn das Stillen nicht klappt, versucht es mit Pumpen.

Viele Grüße, D.S.

Originalbericht einer Mutter, Mai 2015
Foto: D. Werner

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

5 Kommentare

  1. Ich pumpe für meine kleine Maus nun seit 9 Monaten ab! Meine Große (26 Monate) ist noch leidenschaftliche Brusttrinkerin! Ist schon manchmal anstrengend, aber meine beiden Mädels lieben ihre Muttermilch einfach! Die eine aus der Brust und die andre aus der Flasche:-)

  2. Finde ich echt toll, so viel Engagement für die Mumi 🙂
    Hut ab und ich hoffe auf eine weitere schöne „Pump und Mumi Zeit“ für Theo.

  3. Theo wird nächste Woche 8 Monate und es ist alles beim alten. Er trinkt viel Milch und verschmäht Brei (mit Ausnahme des Abendbreis). Ich habe inzwischen eine eigene kleine Pumpe mit Doppelpumpset, die auch batteriebetrieben funktioniert… gerade in der Urlaubszeit auch schonmal auf der Rückbank unseres Autos bei laufender Fahrt (und getönten Scheiben 😉 Das hat sich alles sehr gut eingespielt.

  4. Hut ab vor deinem Durchhaltevermögen 🙂 ich habe irgendwo mal aufgeschnappt, dass Apotheken auch Pumpen vermieten. Vielleicht kannst du da deine bevorzugte Pumpe bekommen?

  5. Wow, alle Achtung! Ich habe 3 Monate gepumpt, wegen Frühchen. Und ich war sehr froh, als meine kleine das mit dem Stillen gecheckt hat, denn es war echt anstrengend. Dass du so lange mit dem Pumpen durchhälst finde ich toll!
    Ps: Wir haben auch immer noch Milch im Frost. Leider nicht mehr trinkbar, aber zum Baden gehts noch. 😉

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