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Das klappt nicht, hier haben Sie die Fertigmilch

Das klappt nicht, hier haben Sie die Fertigmilch

1 Kommentar

Vor der Schwangerschaft war ich ehrlich gesagt immer der Meinung, ich will nicht stillen. Während dessen war ich mir unsicher, ich wollte es auf mich zukommen lassen.

Ich kam dann in der 31. SSW ins Krankenhaus wegen vorzeitiger Wehen und meine Tochter wurde in der 34. SSW, am 11.2.2013 mit 2000g und 45cm, geboren. Sie war gesund und musste nicht in den Brutkasten, aber sie war schwach und müde.

Als man mich fragte, ob ich stillen wollte, sagte ich spontan: JA.

Der erste Versuch im Kreißsaal war nicht erfolgreich, wir wollten es im Zimmer nochmals probieren.

Auch das klappte nicht so gut. Daraufhin knallte mir die Schwester eine Flasche Fertigmilch hin mit den Worten „Das klappt nicht, lassen Sie das, ein Frühchen soll nicht abnehmen, hier bitte!“. Na, danke auch für die tolle Unterstützung…

Ich war plötzlich wie vor den Kopf geschlagen, aber wie immer, wenn zu mir jemand sagt „du kannst das nicht“, dann will ich es erst recht.

So erwachte mein Kampfgeist und ich bat um eine Milchpumpe.

Jemand empfahl mir dann doch, sie vor der Mahlzeit anzulegen und ihr danach die Flasche zu geben.

Sie schaffte dann aber nur ca. 20ml aus der Flasche und dann schlief sie ein. Deshalb wurde mir fast schon im Befehlston wieder geraten „das mit dem Stillen zu lassen, davon wird sie nur müde“.

Sie bekam dann in den ersten Tagen auch Fertigmilch dazu, bis ich am 5. Tag den Milcheinschuss hatte.

Nach 3 Tagen musste eine Nasensonde gelegt werden, weil sie nur noch 1900g wog.

Ich pumpte alle 3 Stunden ab, gab ihr die Flasche und ließ dann den Rest nachsondieren. So war ich ca. 1,5 Stunden beschäftigt (weil sie so langsam trank) und konnte dann mal ein Stündchen schlafen.

Nach 16 Tagen durften wir nach Hause und irgendwie habe ich dann immer seltener versucht sie anzulegen, weil es eh nicht klappte – ich verlor den Mut. Ich erweiterte die Abpumpabstände auf 4-5 stündlich und das blieb so die nächsten 4 Monate.

Ich war bei einer Stillberaterin, die verfeinerte meine Technik, aber es klappte dennoch nicht.

Ich versuchte Stillhütchen, aber auch keine Chance.

Gegen Ende ihres 4. Lebensmonats musste ich dann abends wieder zufüttern, weil ich nicht mehr genug hatte und auch weil ich endlich mal wieder länger als 2 Stunden am Stück schlafen musste.

Ich plante sogar schon den Beikostbeginn, obwohl sich in mir alles dagegen sträubte, aber ich glaubte nicht, dass ich das so 6 Monate durchhalte.

Und dann eines Abends, dachte ich: na, versuchen wir es mal wieder und ZACK, da trank sie, als hätte sie in ihrem Leben nie was anderes gemacht!!

Zu sagen, ich war überrascht, ist untertrieben – ich war erstaunt und hatte Tränen in den Augen!

Danach rief ich gleich alle meine Freundinnen und meine Mutter an. Ich war sooo stolz! Auf mich, auf sie, überhaupt auf alles!

Ich genoss es so, endlich nicht mehr so viel Zeit auf Pumpen und Füttern verwenden zu müssen, sondern sie im Halbschlaf zu stillen und dabei gar nicht richtig wach zu werden! Die nächsten 3 Monate waren einfach toll und entspannt.

Madame zeigte Null Beikostanzeichen und das war für mich völlig ok, ich hätte nichts dagegen gehabt, sie bis zu 1 Jahr ausschließlich zu stillen.

Leider kam ich dann einmal zu einer Vertretung von meinem Kinderarzt, als meine Tochter ca. 7 Monate alt war, die die Hände über den Kopf zusammenschlug und meinte, das Kind sei zu dünn und Muttermilch ist ab dem 6. Monat nichts mehr wert. Ich solle sofort anfangen ihr Brei – am besten mit Kakaogeschmack – zu geben.

Olivia war immer leicht und zart (mit 8 Monaten 6000g und 63cm, jetzt mit über 2 Jahren 10,5 Kilo und 85cm) aber sie nahm stetig zu und ist ein unglaublich aktives, kluges und lustiges Kind.

Ich war schockiert und wandte mich sofort an meine Stillberaterin, die ihrerseits auch die Hände über dem Kopf zusammenschlug 😉

Ich begann daraufhin, weil ich dennoch etwas verunsichert war, mit Karotte, das war aber nicht so der Hit und deshalb hörte ich auf mein Gefühl und stillte sie noch weitere 4 Wochen ausschließlich bis zum nächsten Versuch.

Letztendlich wollte sie dann mit 10 Monaten nur mehr nachts gestillt werden und mit 1 Jahr hat sie sich selbst abgestillt.

Seitdem möchte sie ein Fläschchen und wenn ich dann um 3 Uhr morgens aufstehen muss, vermisse ich wehmütig das Stillen.

Aus einer Mama, die früher nie stillen wollte, wurde eine absolute Stillbefürworterin, die ihre Tochter heute noch stillen würde, wenn gewünscht! Ich bin stolz auf unsere Erfolgsstory!

Ich hoffe, dass ich mit meinem Bericht Mut machen konnte.

Lasst euch nicht verunsichern, holt euch gute Hilfe und vertraut auf euer Gefühl!

Liebe Grüße,
Johanna

Originalbericht einer Mutter, April 2015
Foto: wrapup via photopin (license)

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

Ein Kommentar

  1. Liebe Johanna!
    Vielen Dank für die schöne Geschichte!
    Das macht Mut!
    Wir haben nach einem dramatischen Kaiserschnitt auch Probleme mit dem Stillen und ich wechsle zwischen Stillen mit Stillhuetchen, ab und zu Versuchen ohne, und Pumpemilch aus der Flasche.
    Es wird ja immer vor der bösen, bösen Saugverwirrung gewarnt. Und bei jeder Flasche habe ich ein schlechtes Gewissen.
    Da ist es gut zu hören, dass es Babys gibt, die selbst nach Monaten mit Flasche doch an die Brust gehen!
    Vielleicht schaffen wir da ja auch noch den Durchbruch! ?

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