Brustdrüsenschwellung in der ersten Woche

Brustdrüsenschwellung in der ersten Woche

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Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2007
Eine übermäßige Brustdrüsenschwellung, wunde Brustwarzen und eine verstärkte Neugeborenen-Gelbsucht kommen oft gemeinsam vor.

Sie alle hängen zusammen mit einem Neugeborenen, das nicht effizient oder nicht häufig genug an der Brust trinkt.

Mit diesen 3 Maßnahmen kannst Du die übermäßige Brustdrüsenschwellung wahrscheinlich vollständig vermeiden

  1. Behalte Dein Neugeborenes am Anfang die ganze Zeit in Deinen Armen und in Deinem Bett.

    Allein in einem einsamen Bettchen zu liegen, ist ohnehin das Letzte, was es sich so kurz nach der Geburt wünscht; und es zu halten und gemeinsam mit ihm zu schlafen, ist gesund für Euch beide.

    Alle Routineuntersuchungen und Routinemaßnahmen können auch in Deinen Armen durchgeführt werden.

    Baden, Wiegen und Augentropfen können warten, bis nach dem ersten ausgiebigen und gemütlichen Stillen – das vielleicht erst eine Stunde oder länger nach der Geburt stattfindet, aber durchaus mehr als 60 Minuten dauern kann, wenn Ihr beide erst einmal richtig losgelegt habt.

    Wenn Dein Baby vor dem ersten Stillen von Dir getrennt wird, hat es möglicherweise später mehr Schwierigkeiten es richtig hinzukriegen.

  2. Still so früh, so oft und so lange, wie Dein Baby möchte, was anfangs sehr viele Male am Tag oder für sehr lange Zeit am Stück sein kann.

    Nach dem ersten ausgiebigen Stillen schläft Dein Baby vielleicht für eine ganze Weile – kein Problem, es hatte ja gerade eine gute Mahlzeit.

    Aber nach diesem ersten, einige Stunden langen Schläfchen möchte es wahrscheinlich die meiste Zeit während seiner Wachphasen an Deiner Brust verbringen … und es wird vielleicht viel länger wach sein, als Du erwartet hättest, besonders wenn Du bei seiner Geburt keine Medikamente bekommen hast.

    Die Erwartung, dass Neugeborene nur einmal alle paar Stunden an der Brust trinken, ist die Ursache der meisten überstarken Brustdrüsenschwellungen, die wir hierzulande beobachten.

    Denke daran, sein Magen ist am Anfang nicht größer als eine Glasmurmel und es ist noch nicht sehr effektiv beim Entleeren der Brust und beim Verwerten der Milch.

    Also erwarte und unterstütze es in der ersten Woche sehr häufig zu stillen, selbst, wenn Du dazu einige Besucher bitten musst, später wieder zu kommen.

    Wenn Dein Baby größer und geschickter geworden ist, wird seine Effizienz zunehmen.

  3. Lege Dein Baby so an, dass das Stillen angenehm für Dich ist, für Deine Brust und für Deinen Körper.

    Eine leichte Empfindlichkeit der Brustwarzen kann in der ersten Woche normal sein; Schmerzen sind nicht normal.

    Wenn Stillen Schmerzen bereitet, suche Dir schnell kompetente Hilfe.

    Es bedeutet meistens, dass das Baby nicht gut genug angelegt ist, um sich die Milch effektiv herauszuholen.

    Stell sicher, dass seine Unterlippe so weit wie möglich von Deiner Brustwarze entfernt anliegt (seine Oberlippe kann ruhig wesentlich näher an der Brustwarze liegen); dass sein Kinn nicht angezogen ist; dass sein Brustkorb, sein Bauchnabel und seine Oberschenkel ganz dicht an Deinem Körper anliegen und dass seine Wangen Deine Brust berühren, so dass sein Mund nicht zu sehen ist, während es trinkt.

    Die meisten Babys werden so gehalten, dass sie ihr Kinn leicht anziehen müssen, um zu trinken, was Dir Schmerzen verursachen kann.

    Versuche einfach, seinen Körper etwas mehr in die Richtung der anderen Brust zu bewegen.

    Du wirst sehen, wie sein Kinn sich anhebt, während Du es bewegst. So wird seine Nase befreit und sein Kinn etwas in Deine Brust gedrückt, wodurch es die Milch leichter herausholen kann.

Einige Frauen bekommen eine Brustdrüsenschwellung, obwohl sie frühzeitig, häufig und korrekt anlegen.

Manche Babys – besonders solche, die während der Geburt Medikamenten ausgesetzt waren – sind möglicherweise nicht gleich in der Lage richtig und häufig genug an der Brust zu trinken, was die Brustdrüsenschwellung zusätzlich verstärkt.

Da unser Brustkorb zu einem großen Teil mit Brustdrüsengewebe bedeckt ist, kann es sein, dass sogar Deine Achselhöhlen angeschwollen sind!

Was kannst Du tun, wenn Du doch eine Brustdrüsenschwellung bekommst?

  • Stille oder entleere Deine Milch tagsüber mindestens alle zwei Stunden und mindestens zweimal während der Nacht.

    Je mehr Milch sich in Deinen Brüsten ansammelt, desto schwieriger ist es, die Flüssigkeit in Bewegung zu bringen.

    Leere Deine Brüste häufig, und Du machst es allen Flüssigkeiten in Deiner Brust – nicht nur der Milch – leichter sich zu bewegen.

  • Wickele einen Beutel gefrorene Erbsen in ein kleines Handtuch und verwende ihn als formbare Kältekompresse, um das Abschwellen zu unterstützen – 20 Minuten Auflegen, 20 Minuten Pause.

    Eine Brustdrüsenschwellung ist wie ein verstauchter Knöchel. Blut und Lymphe wandern in Deine Brüste, um die Milchfabriken in Gang zu bringen.

    Wir behandeln einen verstauchten Fußknöchel nicht mit Wärme und es ist wahrscheinlich auch nicht besonders sinnvoll bei geschwollenen Brüsten Wärme anzuwenden.

  • Nimm Weißkohlblätter, um die Schwellung zu lindern. (Weißkohl wirkt sogar bei verstauchten Fußgelenken.)

    Wirf zunächst die äußeren, möglicherweise gespritzten Kohlblätter fort. Nun löse ein oder mehrere Blätter ab und schneiden die harten Adern heraus.

    Wenn Du möchtest, zerdrücke jedes Blatt vorsichtig in Deiner Hand und lege die Blätter auf Deine geschwollenen Brüste (aber nicht auf Deine Brustwarzen).

    Sie sollten sich angenehm und kühl anfühlen und können mit einem BH oder Hemd am Platz gehalten werden.

    Lass die Blätter solange drauf, wie es Dir angenehm ist und wiederhole es, so oft Du magst.

    Vielleicht hat es seinen Grund, dass Kohlblätter diese spezielle Form haben!

  • Leg Dich so viel wie möglich flach auf den Rücken.

    Wenn Deine Brüste der höchste Punkt Deines Körpers sind, wird die Gewebsflüssigkeit dazu tendieren aus ihnen zu entweichen.
  • Beweg Deine Brüste sanft hin und her.

    Sie nur starr in einer Position zu halten, unterstützt nicht die Entwässerung der angestauten Flüssigkeiten.
  • Geh unter die Dusche, wenn der Gedanke an Wärme angenehm für Dich ist, und lass das heiße Wasser zwischen Deinen Schulterblättern auftreffen.

    Oder leg Dir ein Heizkissen unter den Rücken.

    Manche Frauen stellen fest, dass es ihnen hilft, kurz vor dem Stillen warme Kompressen auf die Brüste zu legen.

    Schau einfach, was für Dich am besten passt.
  • Frage, ob Du Ibuprofen nehmen kannst, da es helfen kann, die Entzündung zu reduzieren.

 

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Schlafendes Neugeborenes

Was kannst Du tun, wenn Dein Baby Schwierigkeiten hat, die Brust zu erfassen, weil Deine weiche, anschmiegsame Brust hart wie ein Fußball geworden ist?

  • Drücke mit den Fingerspitzen ringförmig in Richtung Brustkorb auf den Übergang vom Warzenhof zur Basis Deiner Brustwarze.

    Oder drücke mit Deinen beiden Zeigefingern flach in Richtung Brustkorb neben der Brustwarze auf den Warzenhof, einmal horizontal und einmal vertikal.

    Halte den Druck jeweils etwa 60 Sekunden lang.

    Du wirst wahrscheinlich feststellen, dass der Bereich weicher wird, weil die Flüssigkeit für eine Weile zurück in die Brust gedrückt wird.

    (Anm. d. Übers.: Hier (Seite 3) gibt es weitere Infos und Bilder von dieser Technik.)

  • Entleere etwas Milch aus der Brust, entweder mit der Hand oder mit einer guten Brustpumpe, um den Bereich um Deine Brustwarze vor dem Anlegen weicher zu machen.

Mach Dir keine Sorgen, dass Du zu viel Milch bilden wirst, wenn Du zusätzlich Milch entleerst.

Im Augenblick geht es nur darum, dass Du Dein Baby schön satt bekommst und es für Dich selber angenehm ist.

Deine Milchproduktion wird sich dem Bedarf anpassen, wenn dieser frühe „Überfluss“ erst überstanden ist.

Wenn es Dir nicht gelingt, die Brüste angenehm weich zu machen, oder wenn Dein Baby nicht in der Lage ist, effektiv an der Brust zu trinken, such Dir Unterstützung bei einer Stillexpertin.

Die Brustdrüsenschwellung geht vorbei, aber je früher sie vorbei ist, desto glücklicher werdet Ihr beide sein.
 
Original: First Week Engorgement von Diane Wiessinger, IBCLC, 2007
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2014
Foto: Roshnii via photopin cc

 
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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

2 Kommentare

  1. Meine Hebamme hat mir bei der Geburt meiner Tochter in vieler Hinsicht fast Gegenteiliges erzählt. Maximal 7 Minuten pro Seite alle 2-4 Stunden hieß es anfangs, damit die Milchbildung angeregt wird. Ihre größte Sorge war, dass bei längerem Saugen wunde Brustwarzen entstehen könnten. Sie hat richtig mit mir geschimpft, als ich das kleine Würmchen nach der Entbindung noch im Kreißsaal eine halbe Stunde lang nuckeln lassen habe, weil ich es nicht übers Herz bringen konnte, ihr die Brust wegzunehmen. Bis die 2 Stunden Wartezeit endlich um waren, bis die Kleine wieder trinken durfte, musste ich sie immer auf meinen Fingern nuckeln lassen, weil sie sonst herzzerreißend schrie. Es tut mir richtig leid, dass ich diese Seite und die tollen Informationen zum Stillen da noch nicht entdeckt hatte.. Zum Glück hat das Stillen bei uns intuitiv gut geklappt, obwohl mir weder in der Geburtsvorbereitung noch im Krankenhaus jemand erklärt hätte, wie es geht.

  2. Pingback: Irgend etwas in mir wollte nicht aufgeben

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