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Brauchen Stillbabys im Sommer extra Wasser?

11 Kommentare

Nein, wenn Sie Ihr Baby bei heißem Wetter häufig und nach seinem Bedarf an der Brust trinken lassen, benötigt es keine extra Flüssigkeit.

Selbst bei hohen Außentemperaturen und sehr geringer oder sehr hoher relativer Luftfeuchtigkeit (9 – 96 %), bekommt Ihr Stillbaby an der Brust, alles was es braucht.

Muttermilch besteht nämlich zu 88 % aus Wasser. Ein gestilltes Baby erhält also reichlich Flüssigkeit, um seinen Durst zu stillen.
Gleichzeitig liefert ihm die Muttermilch aber auch noch alle lebenswichtigen Nährstoffe, wie Fette, Eiweiße, Kohlenhydrate und noch vieles mehr, um seinen Hunger zu stillen und sein Wachstum optimal zu fördern.

Das Baby regelt seine Flüssigkeitszufuhr an der Brust

Häufige, kurze Stillmahlzeiten an beiden Brüsten liefern ihm eine eher wasserhaltige Milch mit niedrigem Fettgehalt, die ideal zum Löschen des Dursts ist.
Bei langen, ausgiebigen Stillmahlzeiten an einer Brust, steigt der Fettgehalt der Milch immer mehr an, je leerer die Brust wird. Auf diese Weise erhält ein hungriges Baby mehr von der fettreichen Milch, die es satt und zufrieden macht.
Wichtig ist nur, dass Sie Ihr Baby bestimmen lassen und nicht die Uhr.

Wenn Ihr Baby bei Hitze quengelig ist oder wenn Sie einfach das Gefühl haben, es könnte vielleicht durstig sein, bieten Sie ihm beide Brüste für ein paar Minuten an. Unabhängig davon, wie lange seine letzte Stillmahlzeit erst her ist.
In Wüsten- oder Tropengegenden werden Babys oft mehrmals pro Stunde kurz gestillt.

Zusätzliche Gaben von reinen Flüssigkeiten, wie Wasser oder ungesüßtem Tee, sind also nicht notwendig.
Darüberhinaus können sie aber auch nachteilige Folgen haben. Denn Tee oder Wasser füllt nur den Magen des Babys, ohne ihm Kalorien, Nährstoffe sowie Salze und Mineralstoffe zu liefern. Außerdem trinkt es dann seltener an der Brust, was dazu führen kann, dass es weniger an Gewicht zunimmt und Ihre Milchmenge zurück geht.

Zu viel Wasser kann gefährlich werden

Im ersten Lebensjahr kann eine zu hohe Wasserzufuhr sogar eine lebensgefährliche Wasservergiftung verursachen. Bei einer Wasservergiftung, auch Wasserintoxikation genannt, kommt es durch eine Verdünnung des Bluts mit Wasser zu einem zu geringen Natriumwert des Bluts.

Natrium kontrolliert den Blutdruck und spielt eine wichtige Rolle für die normale Funktion von Nerven und Muskeln. Natrium findet sich in der Körperflüssigkeit außerhalb der Körperzellen. Bei einem niedrigen Natriumwert nehmen die Zellen zusätzliches Wasser auf, um wieder einen normalen Natriumwert herzustellen. Die Folge: sie schwellen an.

Auch in den Zellen des Gehirns wird zusätzliches Wasser eingelagert. Allerdings können sich die Gehirnzellen durch die Begrenzung des knöchernen Schädels nur wenig ausdehnen. Daher kann es zu einem Hirnödem mit Symptomen, wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Zittern, Bewusstseinsstörung und epileptischen Anfällen kommen.

Wasservergiftung ist, nach Fieber, die zweithäufigste, obwohl absolut vermeidbare Ursache von Krampfanfällen bei Babys.

Dies gilt übrigens auch für Babys, die künstliche Säuglingsnahrung erhalten. Sie sollten daher nie mit gestreckter, also mit extra Wasser verdünnter Säuglingsnahrung gefüttert werden, weder bei heißem Wetter, noch um Nahrungspulver einzusparen.

Wichtig zu wissen:
Trinken Sie selbst in der Stillzeit ausreichend, aber nicht über Ihren Durst hinaus.
Wenn Sie zu viel trinken, bilden Sie nicht mehr Milch, sondern scheiden mehr Urin aus und Ihre Milchmenge kann sogar abnehmen.
Als Faustregel gilt 1 Glas oder 1 Tasse zu jedem Stillen und immer dann, wenn Sie durstig sind.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2014
Foto: Daisee Pics Photography via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

11 Kommentare

  1. Pingback: Brauchen Stillbabys an heißen Tagen zusätzlich Wasser? | StillLeben

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  3. Liebe Regine,
    Ich habe mich nun entschieden, mein Kind gegen Rotaviren impfen zu lassen.
    Eine Stunde vor und nach der Impfung gegen Rotaviren soll jedoch nicht gestillt werden. Ich habe nun Angst, dass mein Kind direkt nach der Impfung trinken will. Würden Sie Tee oder Wasser als „Notfalllösung“ in diesem Fall akzeptabel finden?
    Herzlichen Dank im Voraus!
    Kati

    • Liebe Kati,
      ja, Tee oder Wasser sind in diesem Fall natürlich akzeptabel. Hier dazu auch die Antwort des Robert-Koch-Instituts:
      „Bei Kindern, die trotz Impfung an Rotaviren erkrankten, wurde als möglicher Risikofaktor für eine Rotavirus-Durchbrucherkrankung die alleinige Stillnahrung zum Zeitpunkt der Impfung identifiziert. Die genauen Ursachen für den Zusammenhang zwischen dem Stillen und dem mangelhaften Impferfolg sind nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise neutralisieren Antikörper in der Muttermilch die Viruspartikel im Impfstoff, wenn das Kind kurz vor oder nach Verabreichung des Impfstoffes gefüttert wird. Es erscheint daher ratsam den Müttern zu empfehlen im Zeitraum kurz vor und kurz nach der Schluckimpfung nicht zu stillen und eventuell auf die Gabe anderer Flüssigkeiten (wie z.B. Wasser oder Tee) auszuweichen, soweit der Stillrhythmus des Kindes dies zulässt. Stand: 26.08.2013“
      Weitere Infos
      Liebe Grüße,
      Regine Gresens

  4. Pingback: Schwangerschaft-Info-Thread - Seite 132 - Tierforum.de

  5. Liebe Regine,

    vielen Dank für diese Zusammenfassung. Wie sieht es denn bei Kindern aus, die nur noch eine oder zwei Stillmahlzeiten bekommen, z.B. abends, oder in der Nacht. Welche Menge an Flüssigkeit sollte dann zugeführt werden?

    Vielen Dank
    Anja

  6. Liebe Regine,

    herzlichen Dank für die schnelle Antwort.
    Ich bin ein großer Fan deiner Seite. Mach weiter so, alles Liebe.

    Anni

  7. Hallo liebes Team von stillkinder,

    Gilt das denn auch bei noch quasi vollgestilltem 12-monatigem stillkind (mag noch nicht essen)?

    Danke schön und alle Liebe

    • Liebe Anni,
      ja, am Wassergehalt der Muttermilch ändert sich nichts, auch wenn das Kind schon älter ist. Solange Mutter und Kind nicht getrennt sind und es so oft an die Brust kann, wie es möchte, bekommt es genug Flüssigkeit. Wasser anbieten aus einem Glas oder Becher kann man trotzdem, aber mehr aus Spaß an der Freud, als dass es nötig wäre.
      Liebe Grüße,
      Regine Gresens

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