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Beikost? Nicht übereilen!

Beikost? Nicht übereilen …

15 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2008
Einem gut gedeihenden, gestillten Baby in den ersten Monaten andere Nahrung zu zufüttern, kann seine Gesundheit beeinträchtigen.

Sogar eine einzige Gabe von künstlicher Säuglingsnahrung oder Getreideflocken führt zu Veränderungen im Körper eines jungen Babys und kann Allergien auslösen, die sich hätten vermeiden lassen.

Junge Babys können Stärke nicht gut verdauen, daher können die frühen Flocken zwar ihren Magen füllen, haben aber keine hohe Nahrungsqualität.

Frühe Gabe von Früchten oder Gemüse kann die Eisenaufnahme stören.

Und wissenschaftliche Studien ergaben, dass Babys anfangen nachts durchzuschlafen, wenn sie von ihrer Entwicklung reif dafür sind, nicht wenn mit der Beikost begonnen wird.

Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt, zu warten bis das Baby etwa 6 Monate alt ist, bevor etwas zur Ernährung eines gesunden, gestillten Babys hinzugefügt wird.

Nimmt dein Baby schlecht zu? Das Zufüttern kann deine Milchmenge noch weiter reduzieren.

Wenn du Sorgen wegen der Gewichtszunahme deines Babys hast, ruf eine Stillexpertin an, die dir hilft, dein Baby gut zu ernähren und zu stillen.

Und wann ist das Baby bereit für Beikost?

Wenn dein Baby etwa sechs Monate alt ist, alleine sitzen kann, nach Essen greift, es in seinen Mund steckt, kaut und schluckt und mehr davon möchte, dann ist es bereit und kann selber essen, ohne dafür die Unterstützung der Babynahrungsindustrie zu benötigen.

Im Gegensatz dazu, zeigt das bekannte Bild einer Mutter, die geduldig mit dem Löffel pürierte Nahrung in den Mund des Babys schiebt, während das Baby sie wieder ausspuckt, ein Baby, das einfach noch nicht bereit dafür ist.

Die alten Richtlinien mit der Empfehlung „mit vier bis sechs Monaten“ mit Beikost zu beginnen, beziehen die mit künstlicher Säuglingsnahrung gefütterten Säuglinge und die wenigen gestillten Babys, deren Wachstum wirklich stockend ist, mit ein.

Für ein Baby, das sich ausschließlich mit Muttermilch gut entwickelt, ersetzt frühe Beikost eine vollständige, gut verdauliche Nahrung durch eine unvollständige, schlecht verdauliche. Sie kann zu Fettleibigkeit, Allergien und niedrigem Eisenwert führen.

Es gibt gute Gründe bis zum Alter von etwa sechs Monaten zu warten, besonders wenn es in der Familie bereits Allergien gibt.

Einige Säuglinge im Alter von vier und fünf Monaten möchten sich alles in den Mund stecken und erwecken den Eindruck, unbedingt essen zu wollen.

Trotzdem ist es wahrscheinlicher, dass sie auf etwas beißen, trainieren oder einfach nur dabei sein möchten.

Häufig sind sie völlig zufrieden, mit den Großen am Tisch zu sitzen und mit Tassen, Löffeln und Tellern spielen zu können.

Es ist auch möglich, dass sie nach weiteren Gelegenheiten suchen, zur Ernährung oder zur Beruhigung zu stillen.

Andererseits kennt ein Baby, das auf Beikost besteht, bevor es sechs Monate alt ist, seinen eigenen Körper. Es ist ein menschliches Wesen, kein Kalender.

Biete ihm altersgerechtes Fingerfood an und lass es damit selbst hantieren.

Das wird seine Freude am Essen steigern, die Unordnung und die Kosten gering halten und du brauchst dich nicht zu sorgen, es möglicherweise zu überfordern.

Andere Babys sind vielleicht nicht an fester Nahrung interessiert, bis weit nach ihrem 6-Monats-Meilenstein.

Das ist kein Problem, so lange sie weiterhin normal zunehmen.

Überlass deinem Baby die Führung. Es wird mit der Zeit mehr feste Kost essen, wenn du sie ihm am Familientisch verfügbar machst.

Muttermilch (oder künstliche Säuglingsnahrung, wenn du das Stillen reduzierst) sollte mindestens für das erste Lebensjahr die Hauptnahrung deines Babys sein.

Sei versichert, deine Milch ist ein vollständig nährendes Nahrungsmittel, solange dein Baby es mag. Gestillte Kinder sind bestens ernährt.

Also, entspann dich und hab Spaß an der Ernährung.
Es ist nicht nötig, sich zu eilen.

Original: Solids? Wait a bit … von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2008
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2004
Foto: Djuliet via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

15 Kommentare

  1. Bin mama von einem Jungen der seit vorgestern 12 monate alt ist und jaaaa, ich stille immer noch… fast voll, da ich auch finde dass es die babys einem zeigen was das beste für sie ist. Mein Zwerg trinkt fast ausschließlich bei mir und kostet nebenbei wenn wir essen, aber nicht so viel, dass es eine stillmahlzeit ersetzen könnte. Warum sollte ich ihm brei oder andere beikost zuführen bzw einflößen, wenn er nicht wirklich was mag. Er wächst und gedeiht prächtig. 84 cm groß und ca 11,5 kg. Sitzen kann er schon lange alleine und seit einiger zeit robbt und krabbelt er und auch erste steh und gehversuche macht er überall wo er sich halten kann alleine. Wenn man ihn hält dann marschiert er schon brav.
    Ich finde diese ganze nervösmacherei wer wann und wie lange stillen sollte und wann mit der beikost angefangen werden sollte sowas von unnötig, weil es wie gesagt die kinder selber zeigen was das beste für sie ist.
    Ich zähle mich selber jetzt schon zur gruppe der Langzeitstillmamis und bin sehr sehr stolz darauf, da es zum glück von anfang an bestens und ohne jegliche hilfe bis heute funktioniert …obwohl es mein erstes baby ist.
    Also ihr Lieben: hört auf euch und eure Babys und lasst euch von nichts und niemandem etwas einreden! Stillen ist das Schönste und Beste was wir unseren Lieblingen geben können! Seid stolz auf euch! Noch eins: ich finde diese Seite sooooo toll und freue mich jedes mal über neuigkeiten und andere geschichten aus dem wunderbaren Leben mit Babys! 🙂

  2. Meine Tochter ist nun fast 9 Monate alt und wird voll gestillt. Sie hat bis jetzt Brei verweigert und auch mit Fingerfood nur ein bisschen probiert. Jetzt mit fast 9 Monaten isst sie immer mehr Fingerfood/BLW, zum Mittag hat sie heute zB eine halbe geduenstete Pastinake gegessen. Immer noch nicht viel, aber sie scheint jetzt erst wirklich bereit zu sein zum essen und es scheint ihr Spass zu machen. Sie sitzt immer noch nicht alleine, aber hat schon so gute Rumpfstabilitaet, dass ich sie waehrend sie isst in den Hochstuhl setze (oder ich habe sie auf dem Schoss, aber im Stuhl kann sie besser alleine essen)
    Mit 6 Monaten hat der Kinderarzt mir gesagt, dass es „nun aber wirklich Zeit waere“ ihr Brei zu geben und auch die Hebamme einer Freundin sagte mir im 6ten Lebensmonat, dass ich wirklich Brei geben sollte, weil das Kind sonst nicht ausreichend mit Eisen versorgt sei. Daraufhin habe ich 4 Tage lang verzweifelt versucht dem Kind Brei zu geben und sass am 4ten Tag traenenueberstroemt vor meiner Tochter, weil sie partout nicht wollte und immer den Kopf weggedreht hat und ich wollte sie auch nicht zwingen.
    Gluecklicherweise wurde ich dann doch nochmal daran erinnert, dass Muttermilch wirklich das Beste fuer meine Tochter ist, und auch das wenige Fleisch, dass man geben soll, waere nur eine gering Menge an Eisen. Ausserdem gab sie die „Zeichen“ noch nicht, dass sie bereit fuer Essen ist. Es ist schade, dass alle so auf den magischen „nach dem 4ten Monat“ zum Breikoststart gepolt sind und nicht darauf, ob die Kinder wirklich bereit zum essen sind.

  3. Pingback: » baby led weaning

  4. Danke für den informativen Artikel, besonders hinsichtlich der Eignung von Muttermilch. Zwei Anmerkungen zum Text:

    „Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt, zu warten bis das Baby etwa 6 Monate alt ist, bevor etwas zur Diät eines gesunden, gestillten Babys hinzugefügt wird.“

    Das englische „diet“ übersetzt sich sehr oft passend mit „Ernährung“. Im Deutschen wird mit „Diät“ meistens zuerst eine Reduktionskost assoziiert, und die sollte wohl kaum ein Baby mitmachen müssen 🙂

    „Wenn Ihr Baby etwa sechs Monate alt ist, alleine sitzen kann, nach Essen greift, es in seinen Mund steckt, kaut und schluckt und mehr davon möchte, dann ist es bereit und kann selber essen, ohne die Unterstützung der Babynahrungsindustrie zu benötigen.“

    Der Sinn des letzten Teils erschließt sich mir nicht: Das Baby kann essen, ohne die Babynahrungsindustrie (als Ganzes?) zu benötigen. Ist damit Flaschenmilch gemeint?

    • Danke für den Hinweis, ich habe das Wort „Diät“ durch das treffendere Wort „Ernährung“ ersetzt.
      Zum zweiten Punkt:
      Nein, Flaschenmilch ist nicht gemeint, sondern feinpürierte Babynahrun: „Im Gegensatz dazu, zeigt das bekannte Bild einer Mutter, die geduldig mit dem Löffel pürierte Nahrung in den Mund des Babys schiebt, während das Baby sie wieder ausspuckt, ein Baby, das einfach noch nicht bereit dafür ist.“

  5. Unser Kleiner steckt sich natürlich auch schon länger alles in den Mund. Dies war allerdings kein Indikator für mich um mit der Beikost anzufangen. Mit knapp vollendetem 5. Lebensmonat haben wir langsam angefangen, denn er wollte nicht mehr an die Brust, wenn er uns hat essen sehen. Er ist richtig wütend geworden. Bis ich ihm ein Stück Karotte als Fingefood in die Hand gegeben habe. Da war er beruhigt, denn er bekam ja auch etwas vom Tisch. Dieses Spiel haben wir auch mit anderem Obst und Gemüse zwei Wochen wiederholt. Aber es genügte ihm nicht mehr. Deshalb haben wir begonnen ihm jeden zweiten Tag selbstgemachten Brei zu geben. Am ersten Tag bekam er Fingerfood, z.B. Karotte zum Lutschen, am nächsten Tag Karottenbrei. Zu Beginn wollte ich ihm ganz wenig geben und habe jeweils den Rest eingefroren. Das Essen hat er super hinbekommen und er hat sich gefreut und gelacht. Irgendwann haben ihm die kleinen Portionen nicht gereicht und er war traurig, dass der Becher leer war. Ursprünglich war mein Plan sogar länger als 6 Monate voll zu stillen, aber, meiner Meinung nach, zeigte mir unser Kleiner ganz deutlich, dass er mehr will. Nicht unbedingt mengenmäßig, sondern mehr Vielfalt. Trotzdem sehe ich den Brei nicht als ersetzte Mahlzeit an. Ich stille ihn zuvor und ansonsten nach Bedarf. Trotzdem kommt er nachts alle 2-4 Stunden und trinkt auch tagsüber häufig. Und trotzdem ist er eher schlank und könnte noch mehr zunehmen!

  6. Ganz wichtig ist die Initiative zum Selbstmachen. Die Beikost sollte wirklich immer selber gemacht werden. Gerade am Anfang sollte man auf eine handvoll Produkte zurückgreifen. Hier kann man Avocado, Süßkartoffel oder Kürbis erwähnen. Der Verdauungsapparat ist sehr sensibel und kann noch nicht alles perfekt verdauen. Wichtig ist, dass man industriell-hergestellte Beikost nur in sehr geringen Maßen verfüttert, da ebenso Konservierungsstoffe enthalten sind. Schauen Sie einfach auf http://www.beikost-selbstgemacht.de und finden Sie weitere Infos und Tips zur Babybeikost.

  7. Pingback: Das jetzt-aber-mal-wirklich-Breialter

  8. Welches Kind sitzt denn bitte selbständig mit 6 Monaten???

  9. Hallo ;0) also unser Baby ist heute am 1. April punktgenau 5 Monate alt und er (ein Junge) hat schon gegen Ende des 3. Monats genau hingeschaut wenn wir gegessen haben, hat sich total dafür interessiert und wollte schließlich auch unbedingt mitessen wie wir Großen. Er bekommt jetzt also zusätzlich zum Stillen auch noch Breikost und das ganz nach Bedarf wie er es mag. Seine Hauptmahlzeiten sind immer noch aufs Stillen bezogen aber er liebt es und besteht förmlich auch darauf mit uns zu essen, ist ganz verrückt nach Brei, will auch den Löffel selbst in den Mund schieben mit viel Geschmatz ;0) und Verlangen. Obgleich er noch nicht selbst sitzen kann! Ich koche den Brei allerdings schonend selbst, Gemüse (etwa Karotte oder Kürbis) mit Wasser und etwas Rapsöl, mehr nicht. Und unser Kind liebt das! Außerdem mag er auch gern Bananenbrei, sprich einfach vermanschte Banane (kleine Stücke nur)

    Ich denke im Allgemeinen ist es wichtig einfach auf das eigene Kind zu schauen und zu achten, wie weit es ist. In unserem Fall wäre es ein Unding ihm keinen Brei zu geben, nach dem er ja eindeutig verlangt. Aber er zeigt auch genau wann er lieber doch die mütterliche Brust möchte und so gehe ich einfach auf meinen Jungen ein, damit er das bekommt, was er von Moment zu Moment braucht. So sind alle ganz entspannt und wir freuen uns an einem glücklichen, ebenso entspannten Baby!

    Herzliche Grüße aus dem Spessart, J.R.

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