Bei Nr. 4 läuft es endlich

Bei Nr.4 läuft es endlich

4 Kommentare

Ich bin Nadine, 38 Jahre und Mama von 4 Mädels: Laura 16 Jahre, Eve 14 Jahre, Hailey 20 Monate und Emma 8 Monate.
Meine Große konnte ich nicht stillen. Gerade Zuhause nach ’nem Not-KS, hatte ich keine Unterstützung und Ruhe und ratzfatz war es vorbei…

2 Jahre später kam Baby Nr.2 spontan und ich war wild entschlossen zu stillen. Das hab ich dann auch 3 Monate voll und 1 Monat noch teilweise durchgezogen.

Von überall hieß es nur: „Hast lang genug gestillt! Werd‘ mal unabhängiger von Deinem Kind!“… oder „Das Kind wird dick. Immer wenn sie weint, hast Du das T-Shirt hoch und das Baby dran“.
Ich war jung und hab drauf gehört.

2013 wurde ich überraschend nach 5 Sternchen schwanger und der Wunsch zu stillen, war von Anfang an da. Es sollte wieder anders kommen.

Meine Kleine nahm nicht zu, der KiA und die Hebamme machten mir schon Feuer unterm Hintern und drängten auf Zufütterung. Vor und nach jedem Stillen gewogen, Sklave der Waage

Nach 3 Wochen hab ich angefangen zu pumpen. Alle 1,5 Stunden hing ich an der Maschine, habe alkoholfreies Weizen getrunken, aktivierte Bockshornkleesamen geschluckt und guuuut gegessen.

Meine Waage wurde belastet, meine Milch wurde aber nicht nahrhafter und auch nicht mehr. Ich war enttäuscht. Nach 3 Monaten hab ich aufgegeben – Nr.4 war unterwegs.

1 Jahr und 9 Tage nach Nr.3 wurde Nr.4 auch wieder per KS geholt. Wieder fieberte ich auf den Milcheinschuss und war glücklich, als die Milch kam.

Es lief gut. Emma nahm gut zu. Ich ging mit einem guten Gefühl 3 Tage nach dem KS nach Hause.

Das erste Mal, dass ich bei einem Kind auf die Waage verzichten wollte. Ich hab mir ein Buch zugelegt, wo ich akribisch aufschrieb, wann ich welche Seite stille und wie oft was in der Pampers war.

Es lief und ich war glücklich, auch wenn irgendwo hinten die Angst saß, dass die Milch nicht reicht.

Wann immer Emma sich meldete, kam sie an die Brust. Genau wie ihre ein Jahr ältere Schwester, schlief sie bei uns im Bett.

Dann der Schock: Krankenhaus wegen einer Thrombose. Ich hab getobt, geflucht und Ärger gemacht, bis meine 2,5 Wochen alte Tochter mit aufgenommen wurde. Ich wollte nicht abstillen und ich wollte mein Baby bei mir haben.

Die Ärzte rieten mir zum Abstillen, damit sie mich auf Marcumar einstellen können. Ich hab die ganzen Nächte gelesen und eine liebe Freundin gehabt, die mich aufgeklärt hat und hab auf Coumadin gepocht.

Damit hab ich mir keine Freunde im KH gemacht. Es wurde mir verweigert. Bin dann nach 10 Tagen auf eigene Verantwortung mit Spritzen und der Diagnose Mehretagenthrombose nach Hause.

Als meine Hebamme das erste Mal nach dem Krankenhaus zu mir kam, war sie erstaunt, dass ich noch stille. Sie dachte, durch den Stress hätte ich es nicht weiter geschafft.

Beim MRT erklärte man mir nach dem Spritzen des Kontrastmittels, ich dürfe 48 Stunden nicht stillen. Ich hab solange geheult, bis der Arzt sich mit dem Hersteller des Mittels kurzgeschlossen hatte und ich grünes Licht fürs Weiterstillen bekam.

Als nächstes stand Uniklinik und Rekanalisation auf dem Plan, weil sich gar nichts löste und sich auch keine neuen Blutwege auftaten.

Ich sollte da bleiben, OHNE Baby und wieder abstillen. Ich hab abgelehnt, auch wenn es mir schwer gefallen ist. Das Bein tat arg weh, ABER ich wollte weiterstillen.

Mittlerweile ist die Kleine fast 8 Monate und wird immer noch voll gestillt.

Mein KiA und unsere Apothekerin unterstützen UNSERE Entscheidung. Sie isst zwar mal ein Brötchen oder Kartoffeln und Spinat, will aber sofort danach gestillt werden. Flasche wird komplett verweigert.

Bis vor vier Wochen hab ich von meiner Mutter und Schwester immer wieder gehört: „Still ab! Du kannst ja nichts ohne Kind machen. Wenn sie Hunger hat, nimmt sie auch die Flasche.“

Ich hasse diese Sprüche. Sie nimmt keine Flasche und gut ist.

Mittlerweile haben sie eingesehen !ENDLICH!, dass Emma entscheidet, wann wir nicht mehr stillen.

Wir sind glücklich mit der Entscheidung und auch die andere Kleine nimmt das so hin. Wenn ich stille, ist sie ganz lieb und ruhig und streichelt ihrer Schwester den Kopf.

Es war die richtige Entscheidung fürs Stillen zu kämpfen und ich verstehe immer noch nicht, wie so viele Ärzte sich fürs Abstillen ausgesprochen haben, anstatt sich mit Alternativen auseinander zu setzen.

Seit drei Monaten schreibe ich nichts mehr auf. Sie bekommt weiterhin die Brust, wenn sie danach verlangt. Ich bin endlich entspannt, hab die Milchpumpe auch schon zurück gegeben. Es läuft von alleine und wenn es nicht mehr läuft, dann ist es okay.

ABER ich weiß, dass ich diesmal alles dafür getan hab, so lange wie möglich zu stillen. Auch wenn ich dabei auf viel Unverständnis gestoßen bin.

Wenn es nicht mehr ist, dann ist es nicht mehr, aber ich gucke dann auf eine wunderschöne, innige Stillbeziehung zurück.

Originalbericht einer Mutter, Mai 2015
Foto: Eliza And Henry via photopin (license)

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Danke für den Bericht! Er macht anderen Müttern sicher Mut.
    Als ich meinen Kleinen noch vollgestillt habe, brauchte ich auch einmal ein MRT und bin in Folge aus einer Radiologen-Praxis regelrecht rausgeworfen worden, als ich auf dem Fragebogen ankreuzte, dass ich stillen würde. Ein sachlich gehaltener Brief an die Praxis-Leitung ist bis heute unbeantwortet geblieben und ich hoffe, dass sich nicht allzu viele stillende Mütter dorthin verirren und auf die gleiche Art behandelt werden.
    Als ich mich dann an eine andere Praxis wendete, wurde ich dort aufmerksam beraten und man entschied sich sogar spontan, es erst einmal ohne Kontrastmittel zu versuchen und erst nachzuspritzen, falls es unbedingt notwendig gewesen wäre.

    Als stillende Mutter muss man an so vielen Baustellen kämpfen, obwohl man oft so müde ist. Aber lasst Euch nicht einschüchtern! Ich bin fest davon überzeugt, jeder einzelne Kampf ist es wert!

  2. Unglaublich, was man als Mutter alles ertragen muss, welche Kämpfe man überstehen muss und wie traurig das Ärzte / Fachleute und AUCH Familie einem das Leben so schwer machen!

    Alles Gute für die Zukunft.

  3. Hut ab! Was für ein schwieriger Weg, wie toll, dass Sie so gekämpft und dann gewonnen haben !

  4. Meinen größten Respekt.
    Ich finde es total klasse, dass du dich durch diese ganzen Widerstände gekämpft hast. Andererseits ist es auch sehr traurig, dass überhaupt so viele davon da sind.

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