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Auf einmal war der Knoten geplatzt

Auf einmal war der Knoten geplatzt

3 Kommentare

Ich bin mit 33 Mutter geworden. Meine erste Schwangerschaft sollte leider nicht sein und ich hatte in der 9. Woche eine Fehlgeburt.

Doch ich wurde schnell ein zweites Mal schwanger und hatte eine tolle Zeit.

Ich konnte mich ganz auf mich und das kleine Wesen in mir konzentrieren und habe den Sommer genossen, viel Zeit für mich und meinen wachsenden Bauch in Anspruch genommen und mich einfach treiben lassen.

Ohne Komplikationen verging die Zeit wie im Flug und Ende Oktober, eine Woche über dem errechneten Termin, setzten die Wehen ein.

Ich fühlte mich bei meiner Hebamme sehr gut aufgehoben und am Anfang sah alles nach einer schnellen, unkomplizierten Geburt aus.

Leider hatte mein kleiner Mann eine Hand hinter seinem Ohr verklemmt und so konnte er sich im Becken nicht richtig drehen und steckte fest.

Somit kam die Saugglocke zum Einsatz. Meine Wehen waren in der Zwischenzeit verschwunden und die Ärztin hat ihn ohne Wehen aus mir heraus ans Licht der Welt gebracht. Das war sehr anstrengend für mich und den kleinen Paul.

Er kam sofort zum Untersuchen zu einer Kinderärztin und für kurze Zeit in den Brutkasten, um ihn ein bisschen zu stabilisieren und seinen schweren Start ins Leben zu erleichtern.

Sein Papa war die ganze Zeit bei ihm, denn mir ging es nicht so gut. Ich hatte viel Blut verloren und war ohnmächtig geworden.

Nach zwei Stunden kam ich dann auf die Station in mein Zimmer und endlich konnte ich mein Baby im Arm halten. Er war wunderschön und gesund.

Eine Stillschwester war immer an unserer Seite und hat mir erklärt, dass Babys, die mit Hilfe einer Saugglocke geboren werden, „sehr durcheinander“ sind und die Reflexe, die sie im Bauch gelernt haben, durch die schwierige Geburt vergessen.

Auch der Milchfluss bei mir musste angeregt werden, da dieser durch die Schmerzen versiegt war.

Außerdem mussten wir unsere Bindung erst aufbauen, da wir ja zwei Stunden getrennt waren und nicht gleich zusammen sein konnten.

Paul hat seinen ersten Tag auf meinem Bauch verbracht, ganz nah bei mir, Haut an Haut. Dieses wunderbare Gefühl werde ich nie vergessen.

In der Nacht haben wir dann begonnen zu stillen.

Auch dies war bei uns am Anfang sehr schwierig, da ich Schlupfwarzen habe und wir Stillhütchen brauchen. Der kleine, schwache Mann, hungrig und durstig, alles im Bauch Erlernte vergessen und ich ohne Erfahrung.

Doch, dank der Schwestern im Krankenhaus, haben wir nicht aufgegeben und es immer und immer wieder probiert. Jede kannte einen anderen Trick, wir haben geübt, was nur ging.

Zwischendurch habe ich abgepumpt, damit der Milchfluss angeregt wird und die Brust arbeitet.

Am 3. Tag kam der Babyblues und ich habe den ganzen Tag geweint und war erschöpft und fertig und wollte einfach nur aufgeben.

Doch ich hab mir ein Herz gefasst und es weiter probiert.

Ohne Stillschwester, ohne Stillkissen oder Stillzimmer. Ruhig, allein und voller Mut und Zuversicht.

Und dann hat es geklappt.

Auf einmal war der Knoten geplatzt und ich hab Paul gestillt, als hätten wir nie etwas anderes gemacht.

Der Kleine hat getrunken und war zufrieden. Wir haben es gelernt.

Ich konnte Paul stillen, wann immer er nach etwas verlangt hat, ohne nach einer Stillschwester läuten oder ins Kinderzimmer gehen zu müssen, damit wir Hilfe bekommen.

Heute ist Paul 4 Monate alt und wir stillen noch immer voll.

Ich liebe das Gefühl, wenn er sich an mich kuschelt und friedlich in meinem Armen liegt und trinkt.

Er ist sehr ausgeglichen und weint fast nie.

Herzliche Grüße,
Christiane

Originalbericht einer Mutter, Februar 2016,
Foto: Sweet nursies via photopin (license)

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

3 Kommentare

  1. Hallo 🙂
    Ich bin auch 33, heiße ebenfalls Christiane und unser am 04.04. geborener Sohn ebenfalls Paul. Die Geburt war für uns beide sehr traumatisch (Kaiserschnitt nach Geburtsstillstand, Wehen von mehreren Tagen und „Verkeilung“ im Becken, hoher Blutverlust meinerseits,…) und dann lag mein Kleiner auch erstmal eine knappe Woche auf der Neointensiv (Atemproblemen und NG-Infekt). Wir haben im KH alles mögliche versucht zu stillen (Stillhütchen, über ne Sonde, …) nichts hat geklappt, dass er mal wirklich saugt, so lief seine einzige Nahrungsaufnahme, er hat also viel abgenommen und hatte immer Stress beim „Essen“. Meine MuMilch baut sich auch nur zögerlich auf… Seit ein paar Tagen sind wir zu Hause, ich gebe ihm die MuMilch und Aptamil in der Flasche und wir versuchen mit Hilfe unserer Hebi auch zu stillen. Leider ist er im Nacken auch sehr empfindlich (gehen nächste Woche zur Osteopathie).
    Ich gebe das Stillen aber nicht so schnell auf, vor allem hat mir dein Bericht so unglaublich Mut gemacht, dass es doch noch irgendwie klappen kann 🙂
    LG Christiane + Paul

    • Liebe Christiane,

      sehr lustig, dass wir alle drei den gleichen Namen haben 🙂 Wie geht es Dir und Paul heute? Ich hoffe sehr, dass es mit dem Stillen nun besser klappt bei euch.

      Bei uns gibt es inzwischen Brei mittags und unser Kleiner liebt es zu essen. Trotzdem werde ich sicher noch lange stillen.

      Alles Liebe euch,

      Christiane

  2. „Der kleine, schwache Mann, hungrig und durstig, alles im Bauch Erlernte vergessen und ich ohne Erfahrung“

    Das hätte von mir sein können- und auch ich heiße Christiane 🙂

    Wir hatten auch einen sehr schweren Stillstart, Saugglocke, hoher Blutverlust, der Kleine wusste nicht, wie man trinkt, und wenig Hilfe im Krankenhaus. Aber wir haben es auch geschafft- mit viel Mühen am Anfang. Jetzt ist der Kleine viereinhalb Monate und ich stille voll, es ist herrlich und wir lieben es beide!

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