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Antworten eines Stillkindes

10 Kommentare

Ältere Stillkinder, die schon sprechen, können uns wichtige und spannende Einblicke über das Stillen und seine Bedeutung für das Kind vermitteln.

Hier ist ein wunderbarer Bericht einer Mutter über die Gespräche mit ihrem lang gestillten Kind. Vielen Dank dafür, liebe Silke!

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Liebe Regine,
ich habe mehrfach von unseren Erfahrungen berichtet, z.B. aus dem Leben eines gestillten Kleinkindes.

Sie ist nun fünf Jahre und gute zwei Monate und stillt noch immer gern und für ihr Alter viel.

Was ich aber toll fand, waren ihre Tipps und die Informationen, die sie mir über das Stillen und die Muttermilch und das Leben eines gestillten Kindes gab.

Aktuelle Eckdaten:
Mein Kind geht gern in den Kindergarten (bis Mittag). Sie stillt morgens zum Aufwachen ausführlich, abends vor dem Einschlafen (und schläft dann von ihrem Papa mit griechischen Heldensagen belgeitet oder mir ohne Heldensagen und ohne zu stillen ein.

Normalerweise schläft hier nachts alles schön, Krankheitszeiten mal ausgeschlossen, und dann bin ich besonders froh, durch das Stillen noch etwas Schlaf zu bekommen. Wir schlafen zu dritt im Familienbett (Ehebett und 80cm-Bett daneben).

Tagsüber wird mehr gestillt, wenn mein Kind müde oder angeschlagen ist oder Dinge erlebt hat, die sie belasten, weniger bzw. gar nicht, wenn sie ihr eigenes Programm fährt.

Manchmal machen wir einen Mittagsschlaf zusammen. Hier stillt sie sich in der Schlaf.

Sie hat ohne mich mit ihrem Papa bereits Wochenenden prima gemeistert, und auch wenn ich abends mal nicht da bin, ist das kein Beinbruch. Sie freut sich dann auf die Zeit mit ihrem Papa.

Sie ist sehr offen gegenüber anderen Kindern und Erwachsenen, unterhält sich mit Leuten, die wir treffen, ganz selbstverständlich und hat keine Berührungsängste.

Nun aus dem Erfahrungsschatz meines Kindes:
Meine Frage: „Wie schmeckt eigentlich die Milch, wenn es kurz vor der Regel ist? Schmeckt sie dann anders als sonst?
Antwort des Kindes: „Sie schmeckt ein bisschen anders, und es kommt nicht so viel.

Genau dieses Gefühl haben ja auch viele Mütter kurz vor der Menstruation.

Aussage meines Kindes abends, als ich neben ihr lag zum Einschlafen: „Mama, ich kann besser mit Papa einschlafen. Wenn du neben mir liegst, ist das, als wäre da ein Bonbon, den ich nicht essen darf, und dann muss ich immer daran denken und kann nicht schlafen. Wenn du nicht da bist, kann ich einfach schlafen.

Meine Frage: „Warum wechselst du eigentlich so oft die Seite?
Antwort: „Da kommt erst einmal nichts, und dann dauert es EWIG, bis was kommt. Ich schnubbel dann die andere Seite, und da kommt gleich was. Wenn das weniger wird, wechsele ich die Seite, und dann kommt dort auch schön viel. Danach wechsele ich wieder, weil nichts mehr kommt und so lange dauert, bis wieder was kommt.

Schlaues Kind!! Dies wird übrigens auch beim „Wechselstillen“ genutzt, um die Trinkmenge des Babys zu erhöhen.

Ich: „Jetzt musst du mal Schluss machen, ich muss aufs Klo.
Gemurmelte Antwort voller Genuss: „Warte, da kommt gerade noch so schön was Leckeres!

Beim Wechseln der Seite: „Vielleicht kommt da ja was Leckeres…“ immer wieder.
Ich: „Warum sagst du das eigentlich immer?
Antwort: „Wenn ich das sage, kommt ganz viel leckere Milch.
(Vielleicht, weil das unheimlich niedlich ist und bei mir Liebeshormon ausgeschüttet wird?—)

Richtig! Und das Liebeshormon Oxytocin löst dann den Milchspendereflex aus.

Im Spätsommer, mit knapp fünf Jahren, stillte sie nur noch sehr wenig, und sie war dann enttäuscht, weil so wenig kam: „Es kommt nichts!„.
Meine Frage: „Wie viel ist denn ’nichts‘?„.
Antwort: „So ein halber Teelöffel.
Sie wurde dann ziemlich krank, stillte in dieser Zeit wieder nonstop, und jetzt kommt angeblich „so eine halbe kleine Tasse voll.“ 😉

Wir sprachen über das Beenden der Stillzeit. Meine Tochter meinte: „Dir gefällt das doch auch gut. Warum sollten wir damit aufhören?
(Ich konnte im Stillen nur denken, wie schön es wäre, wenn alle das so schlicht auf den Punkt gebracht sehen könnten.)

Im Kindergarten ist ein gut vierjähriges Mädchen, das auch noch gelegentlich stillt. Die beiden haben Mutter-Vater-Kind gespielt. Meine Tochter war die Mutter, die Freundin war das Kind.
Zitat meiner Tochter: „Das war vielleicht anstrengend, sie zum Schlafen zu bringen! Erst wollte sie aufs Klo, dann hatte sie Hunger und wollte essen, dann wollte sie noch ein Buch lesen, dann eine Geschichte hören… PUUHH! — Ich hab sie schließlich in den Schlaf gestillt. Da ging es ganz schnell.

Zu Hause, wenn sich die Puppen und Kuscheltiere mit ihren Problemen herumschlagen – und sie HABEN ECHT PROBLEME – dann höre ich immer wieder: „Ich schnubbel (stille) dich erst mal. Dann wird alles einfacher!
Sie zieht dann ihren Pullover hoch und legt das Kuscheltier an. 🙂

Wir haben einen Plan: Als sie keine Windeln mehr wollte (mit gut zwei Jahren überredete sie mich, die Nachtwindel endlich wegzulassen, und es klappte alles super), haben wir ein Windelfest gefeiert (mit einer engen Freundin und Lagerfeuer und singen und Geschichten).

Jetzt gibt es ein Abschnubbelfest, wenn sie sich abgestillt hat. Sie will dann den ganzen Kindergarten einladen und hat null Probleme in Bezug auf die Möglichkeit, deswegen ausgelacht zu werden. Es kommt ihr ganz natürlich, sie steht dazu.

Grundsätzlich stillen wir nicht mehr in der Öffentlichkeit, es ist auch nicht mehr nötig. Aber die Kinder im Kindergarten wissen teilweise, dass sie noch stillt. Es stört niemanden, und es kommen keine Kommentare.

Letztens meinte sie am Tag: „Mama, ich möchte nicht schnubbeln. Ich möchte mein Abschnubbelfest feiern.
Aber dann entschied sie sich abends doch anders. Es war einfach noch zu schön und kuschelig.

Und mir wird immer wieder bewusst, wie langsam das Abstillen gehen kann, wenn es seinen natürlichen Lauf nehmen darf, seit Beikostbeginn mit 6 Monaten gaaanz laaangsam immer weniger, mit Höhen und Tiefen.

Viele Grüße,
Silke

Originalbericht einer Mutter, Januar 2017
Foto: dlanor smada Cute or what ? via photopin (license)

Hat dein Kind beim oder über das Stillen auch etwas gesagt, was dich zum Schmunzeln oder zum Nachdenken gebracht hat? Und möchtest du es auch gerne hier mit Anderen teilen?

Dann würde ich mich sehr freuen, wenn du mir deinen kurzen (oder gerne auch längeren) Bericht zuschickst. Vielen Dank!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin.
Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht.
Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

10 Kommentare

  1. Ich stille meine Tochter schon über 3 Jahre. Das darf auch gern jeder wissen! Ich bin stolz darauf und mir fällt auch kein einziger Grund ein damit frühzeitig aufzuhören. Ich habe auch noch keine schlechten Erfahrungen (in der Öffentlichkeit stillen) gemacht. Ich denke wir sollten selbstbewusster werden und uns nicht so leicht von Anderen verunsichern lassen.

  2. Pingback: ᐅ Langzeitstillen - Wenn ein Kind seit 8 Jahren gestillt wird

  3. Liebe Silke, ich danke dir herzlich für deinen Beitrag!
    In meinem Umfeld bin ich mittlerweile die einzige, die ein 2jähriges Kind noch stillt.
    Es tut so gut zu lesen, dass man nicht total alleine mit dieser Meinung ist.

    Ich wünsche euch noch eine schöne Stillzeit?

  4. Meine „Kleine“ ist jetzt 5 Jahre und 3 Monate alt und – wie sie selbst sagt – schon ganz schön groß. Wir stillen noch immer morgens, abends und vor allem nachts. Da es schön für uns beide ist und wir uns ein Aufhören beide nicht vorstellen können, stillen wir einfach weiter. Wir haben aber vereinbart, dass wir außerhalb der Familie nicht darüber reden.

    Bei dem Bericht musste ich oft schmunzeln, weil es bei uns so ähnlich ist (Seitenwechsel, sie findet es sooo lecker, …). Schön zu lesen, dass es auch andere so große Kinder gibt, die in diesen Genuss kommen dürfen! Mein Sohn ist jetzt 7 Jahre und hat sich mit gut 8 Monaten abgestillt. Er ist kein bißchen eifersüchtig auf das Stillen und genießt mit uns zusammen die Kuschelzeit und das Schlafen im gemeinsamen Bett!

  5. Wundervoll. ? Alles zusammen.

    Ich mache mir manchmal ein bisschen „Sorgen“, weil mein Kleiner noch so viel stillt. Er ist gerade zwei geworden und ich muss immer noch dazu sagen, dass er neun Wochen zu früh kam. Ich hab mir das Stillen echt hart erkämpft und möchte es nun auch gar nicht hergeben.
    Nur wenn der Kleine krank ist, ist es manchmal schon anstrengend. Er möchte dann nur die Brust, das kann ich auch gut verstehen, aber es zehrt an meinen Kräften und diesen Winter war er viel krank.
    Trotzdem wäre das für mich kein Grund zum Abstillen, ich wüsste auch gar nicht, wie ich es anstellen sollte, selbst wenn ich wollte. Er zeigt mittlerweile sehr deutlich, wenn er seine „Pause“ braucht, wie ich es nenne. In der Kita ist es besonders goldig. Er nimmt mich an die Hand und bringt mich zum Stillen auf die Couch. Das gehört zum Abholen fast immer dazu. Manchmal würde er danach auch direkt wieder spielen gehen. Unglaublich wieviel Energie die Zwerge dabei tanken und wie es ihnen gleichzeitig beim Runterkommen hilft.
    Einschlafen ohne Stillen ist bei uns eigentlich undenkbar. Nur im Autositz kommt er ähnlich gut zur Ruhe. ?
    Nachts stillt er auch ziemlich viel. Gerade zum Morgen hin schläft er deutlich unruhiger und will häufiger an die Brust. Da wir auch Teilzeit-Windelfrei betreiben, überlege ich, ob er einfach nur mal Pipi müsste. Das haben wir eine zeitlang gemacht, aber dann hat er so sehr protestiert, wenn ich mit ihm aufstehen wollte, dass ich es nachts wieder aufgegeben habe. Leider spricht mein Kleiner noch kaum bis gar nichts, so dass ich nur spekulieren kann.
    Jedenfalls beruhigen mich eure Berichte, dass mein Kleiner sich noch nicht in Bälde von selbst abstillen muss und vielleicht bekomme ich in ein paar Jahren ja auch so tolle Einsichten von ihm geliefert. ?

  6. Mir war vor der Geburt meiner Tochter klar, dass ich sie stillen werde. Allerdings konnte ich mir unter keinen Umständen vorstellen, das länger als 1 Jahr zu machen. Jetzt nach 3 Monaten bin ich mir da nicht mehr so sicher. Es fühlt sich einfach so richtig und innig an. Schön, dass eure sprechenden Stillkinder diese Gefühle schon so artikulieren können.

  7. Ich hoffe hier schreiben noch mehr Mamis Berichte und Sätze von ihren Stillkindern rein.
    Es fühlt sich so wunderbar an, zu lesen wie es den kleinen dabei geht!
    Vielen Dank

  8. Meine fast 2jährige Tochter stillt auch noch ziemlich viel und zieht die Brust fast jeder festen Nahrung vor.
    Auch wenn sie sich weh getan hat oder sehr über etwas ärgern musste, will sie immer an die Brust. Danach strahlt sie mich oft an und sagt „besser! Danke!“ 🙂
    Ein ziemlich klares und vor allem sehr positives Feedback, würde ich sagen 😉

  9. Hi, schöner Bericht!
    Meine Kleine stillt auch noch, sie ist fast drei und spricht schon richtig gut. Da gibts auch paar tolle Sprüche…
    Einmal wollte sie unbedingt wo raufklettern. Ich hatte aber Bedenken, ob sie nicht runterfällt, es war ziemlich wackelig. Sie wollte aber uuuuunbedingt.
    Ich sagte: „Und was machen wir, wenn du runterfällst?“
    Sie: „o
    Och, das is nich schlümm… dann komm ich zu dir, und will busi trinken, dann is gleich alles wieder gut…“ ?
    Ganz oft sagt sie auch, dass die Busis sooooo lecker sind. Sie spricht sogar mit ihnen, streichelt sie und gibt Küsschen, weil sie immer so lecker und lieb und weich sind…
    Wenn ich nachts mal aufstehen will, um auf Toilette zu gehen, merkt sie das immer und murmelt: „Warte, bin gleich fertig“, dann trinkt sie ganz schnell und wechselt paar mal und dann sagt sie: „so, jetzt sind die busis leer, jetzt kannst du gehen…“
    Es ist einfach wunderschön, länger zu stillen, und das alles mitzukriegen.
    Meine Kleine ist auch ein ganz schlechter Esser, und dank Stillen muss ich mir nie Sorgen machen, dass ihr was fehlt. So richtige Mahlzeiten hat sie erst ab und zu dabei, und sie ist fast 3… langsam mag sie auch immer mehr Sachen, die sie vorher nicht mochte, und ich hab sie mal gefragt, als sie garnicht essen wollte, weil es alles „obörx“ war, ob denn die Milch den Geschmack auch hätte. Da meinte sie dann: „Ja später, da schmeckt die Busimilch auch danach, aber lecker und nicht obörx. Zucchini in den Busis sind nämlich lecker.“
    Inzwischen mag sie auch „echte“ Zucchinis…
    Und so ging es auch schon mit vielem Anderen. Anfangs war überhaupt kein Obst oder Gemüse in sie rein zu kriegen, egal in welcher Form. Hat sich inzwischen weitgehend gelegt, und sie probiert immer mehr Sachen freiwillig aus…
    Lg und viel Spaß mit euren Stillkindern!

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