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Babys sind keine Küken

Achtung – Babys sind keine Vogelküken!

2 Kommentare

Berühren Sie mit Ihrer Brustwarze den Mund Ihres Babys. Sobald es seinen Mund aufsperrt, wie die Küken ihre Schnäbel, wenn die Vogelmutter mit einem Wurm im Schnabel im Nest landet, ziehen Sie es schnell an Ihre Brust heran!“.

So oder ähnlich lauten viele Anleitungen zum Anlegen des Babys an die Brust.

Wenn Du versuchst, Dein Baby so anzulegen, kann das zwar funktionieren, aber häufig führt diese „Technik“ leider zu unschönen Nebenwirkungen:

  • schmerzende, wunde Brustwarzen, die jeder Mutter das Stillen zur Qual machen und den Milchfluss einschränken, und zusätzlich auch noch
  • ineffektives Entleeren der Brüste, so dass das Baby oft sehr lange und häufig gestillt werden möchte und trotzdem keine gute Gewichtszunahme hat.

Wie kommt es dazu?

Mit dem Bild des Vogelkükens vor Augen, versuchen Mütter meist den offenen Mund des Babys an die Brust zu drücken, das Baby also quasi auf die Brustwarze zu „stülpen“ oder ihre Brust mit der Brustwarze voran in den offenen Mund hineinzustecken.

Dabei kann das Baby jedoch in vielen Fällen nicht genug Brust erfassen und die Brustwarze gelangt nicht tief genug in seinen Mund. Das Baby muss dann beim Saugen ein höheres Vakuum in seinem (leereren) Mund aufbauen und die Brustwarze wird zudem noch im vorderen Mundraum gegen den harten Gaumen gedrückt und reibt daran. Autsch!

Problematisch ist oft zunächst schon die Startposition des Babys mit dem Mund vor der Brustwarze.

Abgesehen davon, dass die meisten Babys ihren Schnabel (pardon Mund) nicht so lange aufsperren, wie die kleinen Vögel, ist es auch unmöglich die große, weiche Brust tiefer in den Mund zu bekommen, als die Weite des geöffneten Babymunds es zulässt. Für gewöhnlich ist dieser nämlich sehr viel kleiner, als der Umfang der mütterlichen Brust.

Babys sind eben keine Vogelküken und die mütterliche Brust ist nicht geformt wie der spitze, feste Schnabel eines Elternvogels.

Was kannst Du tun?

Wenn Du keine Probleme beim Stillen hast, musst Du nichts verändern.

Falls das Anlegen Deines Babys an die Brust bislang schwierig, schmerzhaft oder wenig effektiv war, versuche es doch einmal mit der asymmetrischen Anlegetechnik.

Viele Mütter schaffen es mit dieser Technik schnell und erfolgreich, ihrem Baby viel mehr Brust in den Mund zu geben und so dafür zu sorgen, dass die Brustwarze weiter hinten im Mund landet und vom Saugen des Babys nicht strapaziert wird.

Das Stillen wird dann nicht nur sehr viel angenehmer für Dich, sondern Dein Baby kann sich die Muttermilch auch wesentlich effektiver aus Deinen Brüsten holen.

In dem Video-Online-Kurs erkläre und zeige ich Dir, wie Du in verschiedenen Stillpositionen gut anlegen kannst.

Autorin: Regine Gresens, IBCLC, September 2014
Foto: johnb/Derbys/UK. via photopin cc


Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

2 Kommentare

  1. Hallo! Eure Hinweise und auch die Anleitung zum besseren Anlegen hätte ich so dringend gebraucht!
    Mein Kind war kein Vogelküken, es hat den Mund auch bei Hunger anfangs einfach gar nicht weit aufgesperrt, und es gelang mir einfach nicht, von der grossen Brust genug in das winzige Mündchen zu bringen. Prompt waren nach den ersten zwei durchnuckelten Nächten im stillfreundlichen KH die Brustwarzen wund. Auch mein mehrfaches Nachfragen brachte nix, die Antwort auf meine Bitte, das Anlegen und Stillen einmal zu beobachten, brachte seitens der Schwester die Antwort „Nein, Ihr Baby saugt doch prima, der macht alles richtig!“. Und die Ärztin entließ mich, beim Anblick der blutigen Brustwarzen, mit den Worten „ich hab schon schlimmeres gesehen!“.
    Ich war so frustriert, denn ich konnte mir nicht vorstellen, wie das abheilen soll, ich konnte ja dem Baby nicht sagen „Du musst jetzt mal warten, bis die Nippel wieder heil sind!“, und er sollte und wollte ja weiter fleißig saugen.
    Hinzu kam, dass ich einen ungeplanten KS hatte, und der Milcheinschuss auf sich warten liess, das Baby also immer hungriger wurde, und ich mir nun wie eine Versagerin vorkam. Das ein verzögerter Einschuss nach KS häufig ist, hatte mir auch keine gesagt, und der Hormonumschwung tat ein übriges für meine seelische Verfassung.
    Ich gehörte also zu denen, die die Zähne zusammengebissen haben, und habe nicht selten unter Tränen angelegt. Nach 10 Tagen zu Hause ohne BH und Hemd und jedwede Salbe haben Luft und Liebe, sicher auch das Einspielen einer besseren Routine, scheinbar geholfen, das Wundsein trotz dauertrinkenden Kindes zu heilen.
    Heute, nach 15 Monaten, stillen wir noch immer so problemlos und selbstverständlich, dass ich nicht weiss, ob er sich jemals abstillt 😉
    Aber beim nächsten Kind schaue ich das Anlege-Video in Dauerschleife, denn diese technische Hilfe ist genau das, was mir gefehlt hat!
    Vielen Dank für diese schöne, liebevolle und wichtige Seite!

    • Liebe Juli,
      es ist wirklich traurig, dass Du diese Erfahrungen machen musstest. Leider muss sich da wirklich auch bei den Fachleuten noch eine ganze Menge ändern…
      Aber toll, dass Du es trotzdem geschafft hast und nun das Stillen schon so lange genießen kannst. 🙂
      Ich wünsche Dir weiter eine angenehme Stillzeit, so lange, wie es für Euch richtig ist.
      Liebe Grüße,
      Regine

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