Stillstreik

2 Wochen im „Stillstreik“

8 Kommentare

Uns traf der Stillstreik ganz plötzlich.
Meine Tochter (6 Monate) plagte sich mit den Zähnen, biss mich ein paar Mal beim Stillen und wollte dann ganz plötzlich partout nicht mehr gestillt werden.
Stattdessen schrie sie und bäumte sich weg, wenn sie nur in die Nähe der Brust kam.

Ich war verzweifelt, da ich mir ein Abstillen von ihrer Seite eigentlich harmonischer und langsamer, vor allem aber später, erhofft hatte. Mit der Beikost hatten wir begonnen, jedoch sah sie das eher spielerisch, ohne nennenswerte Mengen zu essen.

Da mir ein Milchstau drohte, pumpte ich ab. Die Milch trank sie sofort gierig aus der Flasche. Fütterungsversuche mit dem Löffel dauerten 1 Stunde, dies funktionierte nicht mit einem 3,5-jährigen Bruder.

Beim Stilltreff unternahm die Hebamme einen Anlegeversuch, der natürlich nicht funktionierte und in Gebrüll endete. Da ich sehr gestresst war, ging die Milchmenge zurück, die kleine Maus quälte sich nun mit Verstopfung.

Wir entschlossen uns Pre-Milch zuzufüttern. Die Flaschen trank sie in einem Zug leer.

Die Nächte waren allerdings eine Qual, Fläschchen aufwärmen oder kochendes Wasser abkühlen. Nichts ging ihr schnell genug, vom vielen Auskochen abgesehen. Ich pumpte alle drei Stunden. Es war Stress pur.

Lina war extrem anhänglich, blieb die meiste Zeit des Tages auf meinem Arm, war weinerlich und labil. Wir kuschelten viel, aber jeder Versuch zu stillen – ob im Gehen, in der Badewanne, nachts oder im Halbschlaf- endete im Gebrüll.

Der Besuch beim Kinderarzt brachte nichts Außergewöhnliches. Wir sollten allerdings zur Gewichtskontrolle erneut kommen.

Ich wurde von Tag zu Tag niedergeschlagener und befürchtete, dass die kleine Lina nun endgültig begann, sich über die Flasche abzustillen. So hatte ich es mir wirklich nicht vorgestellt.

Die Hebamme meinte, dass sie ein sehr agiles Baby sei und ich sie gehen lassen soll. Es könne sein, dass das der Beginn des Abstillens sei. Allerdings sollte ich doch noch eine Stillberaterin zu Rate ziehen…

Regine Gresens machte mir Mut und gab mir den Tipp, gelassen zu sein und Ruhe zu bewahren, den Stress zu reduzieren und ihr eher beiläufig Gelegenheiten anzubieten, selbst die Brust zu nehmen. Gerade, wenn vorher das Stillen gut geklappt hatte, wäre es unwahrscheinlich, dass sie sich nun abstillt.

Letztendlich unternahm ich nur einen einzigen vorsichtigen Versuch am Tag und sie brüllte, drückte sich weg, schien aber traurig und unglücklich. Einmal brach sie weinend auf meinem Bauch zusammen.

Die Tage vergingen. Die Flasche mit einem kleinen Sauger schien etabliert. Allerdings begann sie, die Brust wieder zu berühren, noch wie ein neues Spielzeug. Beim Abpumpen war sie nun oft dabei, die Milch floss wieder besser und wir fütterten weniger zu.

Jetzt waren fast zwei Wochen vergangen, auf englisch-sprachigen Seiten las ich von 40-tägigen Streiks… Ich war nun soweit, den Zustand zu akzeptieren und noch monatelang abzupumpen.

Wir hatten wieder eine schreckliche Nacht hinter uns. Jetzt mit der Kombination Schnupfen, Zahn- und Bauchschmerzen. Der Kinderarzt brachte noch einen Wachstumsschub ins Spiel. Nachmittags „half“ sie mir wieder beim Abpumpen und … biss erneut zu, ich reagierte nicht.

Abends wurde sie ganz anschmiegsam, so dass wir uns ins dunkle Zimmer zurückzogen. Natürlich hoffte ich aufs Trinken und sie tat es dann auch, eine halbe Stunde lang, um mich danach ganz erleichtert anzulächeln.

Die Nacht verlief so, wie wir es gewohnt waren, mit zwar sehr häufigem Trinken, jedoch alles sehr entspannt im Bett und halb schlafend.

Der Streik war beendet.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten! Der ganze Spuk dauerte 2 Wochen und endete so plötzlich, wie er begonnen hatte.

Streik ist eigentlich nicht das richtige Wort, da Lina die gesamte Zeit unglücklich über den Zustand schien. Leider habe ich den Grund von ihr nicht erfahren können.
A.B.

Originalbericht einer Mutter
Foto: thedalogs via photopin cc

 

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Facebook, Pinterest und Youtube.

8 Kommentare

  1. Mit 8 Monaten hat Minimaus sich von jetzt auf gleich entschlossen, nicht mehr an die Brust zu wollen. Hat sich nur steif gemacht und geschrien. Ich habe sooo viel recherchiert und alles, wirklich alles ausprobiert! Habe lange 8 Wochen gehofft und abgepumpt, alle Tipps befolgt… Ohne Erfolg. Viel geweint und gegrübelt. Irgendwann, als es mir psychisch zu sehr zusetzte, habe ich die Entscheidung meiner Minimaus akzeptiert. Offensichtlich war es bei uns kein vorübergehender Stillstreik.
    Mir haben so viele Mütter gut zu gesprochen und gesagt „Halte durch, das gibt sich genau so schnell wieder wie es kam.“ Es war auch der richtige Weg für mich durchzuhalten, allerdings eher um emotional Abschied nehmen zu können. Es stimmt mich heute, ein halbes Jahr später, immer noch traurig und ich finde es irgendwie auch unfair! Aber ich muss sagen, dass mir zwar der Zuspruch anderer Mütter gut tat, aber dass der härteste Knackpunkt für mich war, dass immer behauptet wurde, es *könne* gar nicht anders sein, als dass Minimaus sich im Stillstreik befindet und wenn *ich nur lange genug durchhalte*, würde sich alles wieder regeln. „Ein Kind unter 1 stillt sich nicht von alleine ab.“ War der Standard-Kommentar.
    Und *das* setzte mich enorm unter Druck. Das mag ja für viele Kinder stimmen. Für uns leider nicht.
    Es regelte sich bei uns leider nicht, egal was ich versuchte.
    Zwei Stillberaterinnen, etliche stillerfahrene Mamis, Hebammen, Kinderarzt… konnten nicht helfen. Anscheinend hatte Minimaus zu sehr mit ihren Zähnen zu kämpfen. Vll lag es auch an der Saugschwäche, die Wochen später von einer Logopädin „gefunden“ wurde. Irgend etwas ist anscheinend vorgefallen oder hat sich verändert, aber man guckt seinem Schatz ja nur vor den Kopf.
    Was ich sagen möchte: Wenn man alles versucht hat und zu einem Punkt kommt, an dem es anfängt einen selber zu zermürben, darf man auch die Situation einfach so annehmen, wie sie ist. Unsere Kinder sind Menschen mit eigenem Willen und Bedürfnissen.
    Mir fiel es sehr schwer, das Stillende zu akzeptieren. Aber seitdem sind wir beide wieder viel entspannter.
    Ich drücke dennoch allen Stillstreik-leidenden Mamis ganz fest die Daumen, dass es nur eine kurze Phase ist und ihr noch eine wunderschöne Stillzeit genießen könnt!!! Und falls nicht… Man kann auch so kuscheln und zauberhafte Momente zusammen erleben <3

  2. Ich stecke gerade mitten in einem Stillstreik meiner 8 Monate alten Tochter! Ich bin direkt in eine Stillgruppe gegangen und dort habe ich beim erzählen sehr doll zu weinen begonnen! Ich bin so erschrocken gewesen von diesem plötzlichen Verhalten und war auch verletzt, weil ich ihre Ablehnung nicht verstehen konnte! Ich machte mich für diesen Stillstreik verantwortlich…
    Der Artikel gibt mir gerade Kraft, es noch weiter zu probieren! Bei uns sind es 4 Tag, die sich wie eine Ewigkeit anfühlen!
    Danke, dass du mir neuen Mut geschenkt hast!!

    • Hallo Magdalena!

      Hat es sich bei euch inzwischen wieder alles normalisiert? Ich hoffe, ja!
      Versuch nicht, einen Schuldigen zu finden. Babies machen sooo viel durch. Von Entwicklungsschüben über Zahnen, Infekte… Da kann man meist gar nicht zuordnen, woher so ein Stillstreik plötzlich kommt.
      Ich habe mich sehr hilflos gefühlt und wollte es sooo gerne verstehen, auch um Einfluss zu haben. Ich hinterfrage das heute noch. Aber es wird vermutlich immer ein Mysterium bleiben.

      Ich wünsche dir alles Gute! LG, Tina

      • Hallo liebe Tina,
        Leider trinkt meine Tochter noch nicht… Ich pumpe immer noch ab, was aber auch sehr anstrengend ist. Zum Glück habe ich den Papa meiner Tochter, der mich so gut es geht unterstützt. Aber immer öfter sprechen wir darüber, dass es auch ein Abstillen sein könnte. Gerade bekommt meine Tochter wirklich die ersten Backenzähne. Ihr Zahnfleisch ist total entzündet…
        Ich würde gerne noch abpumpen, bis die Zähne durch sind!
        Erst gestern habe ich aber mit dem Papa unseres Wirbelwindes gesprochen und wir waren uns einig, dass wir sehr viel für einen Test geben würden, der sagt: A. Stillstreik oder B. Abgestillt! Die Unsicherheit und das „was wäre wenn…“ sind so kräftezehrend!
        Ich finde es auch sehr belastend, dass man immer wieder gesagt bekommt, dass es eigentlich nicht normal ist, wenn sich ein Kind vor dem ersten Lebensjahr abstillt. Das höre ich momentan so oft! Umso dankbarer war ich gerade für deinen Bericht!
        Meine Tochter kommt, seit sie nicht mehr stillt, zum kuscheln zu mir! Legt ihren Kopf an meine Schulter oder umarmt meinen Hals…
        Vielleicht beginnt jetzt einfach ein neues Kapitel! Noch pumpe ich weiter, aber wenn der Tag kommt, an dem es sich für uns nicht mehr richtig anfühlt, kommt er eben…

        Vielen Dank für deine lieben Worte und deinen Bericht!
        Magdalena

  3. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Uns geht es jetzt bereits seit über einer Woche ebenso! Das gleiche Spielchen, unten zwei Zähne, mehrmals aus Versehen zugebissen, mir entfuhr ein lautes „Aua“, daraufhin hat sie sich sehr erschreckt und geweint.
    Ich bringe es mit den Zähnen und dem Beißen in Zusammenhang.
    Ich frage mich, ob es mit dem Beißen wohl bald besser würde, wenn sie denn wieder trinken würde. Denn es tut schon sehr weh und ich überlege, ob ich den Streik jetzt zum Anlass nehme, abzustillen, obwohl es mir das Herz bricht und ich eigentlich mindestens 1 Jahr stillen wollte… Meine Maus (8 Monate) scheint allerdings grad gar nichts zu vermissen. Sie ist die meiste Zeit total ausgeglichen und krabbelnder und stehender Weise unterwegs, die große weite Welt erkunden.
    Auf jeden Fall hat mir der Bericht Mut gemacht, dass es vermutlich nicht von meinem Kind aus das Ende der sehr innigen Stillbeziehung ist, sondern wir noch eine Chance bekommen, wenn ich es denn will!

  4. Danke für den tollen Bericht! Er hat mir Hoffnung gegeben und mir Mut gemacht, als mein 7,5 Monate alter Sohn von einem Tag auf den anderen aufgehört hat von der Brust zu trinken! Er hat auch alles andere abgelehnt und so mussten wir ins Krankenhaus. Nach 16 Tagen hat er wieder von der Brust getrunken. Schuld war mitunter ein atypischer Magen-Darm-Virus ohne Erbrechen und Durchfall. Was sonst noch mitgespielt hat, weiß ich leider nicht. Aber seit wir aus dem Spital (11 Tage) draußen sind und seit er wieder von der Brust trinkt, ist er wieder mein Clemens! Ohne den Bericht, den ich wieder und wieder gelesen habe, hätte ich mich abbringen lassen, durchzuhalten und an die Stillbeziehung zu glauben! Noch einmal vielen Dank! Leider gibt es wenige Stillberaterinnen und Hebammen, die sich mit Stillstreiks auskennen, helfen und Mut machen.

  5. Puh… Sowas hatten wir insgesamt 4-6 Mal in unserer Stillbeziehung. Die Streiks waren nur kurz (3-4 Tage), jedoch sehr anstrengend. Die Brust nahm meine Maus hundemüde und nur nach einem ausgiebigen Weinen 🙁 Nachts trank sie ganz normal. Ich weiß bis jetzt nicht, was der Auslöser war, und war damals sehr verunsichert. Jetzt würde ich auf jeden Fall Frau Gresens zustimmen und einfach eine Runde entspannt bleiben. Mir hat auch das Buch von Carlos Gonzalez „Mein Kind will nicht essen“ für viele Dinge die Augen geöffnet.

  6. Für mich ein sehr interessanter Beitrag! Du schriebst am Anfang, dass deine Kleine dich ein paar Mal beim Stillen gebissen hat. Wie hast du reagiert? Könnte das evtl. der Grund für ihre Verweigerung gewesen sein? Meine Maus ist jetzt auch 6 Monate alt und hat unten schon zwei Zähnchen draußen. Noch hat sie mich zum Glück nicht gebissen.

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