Stillstreik

2 Wochen im „Stillstreik“

4 Kommentare

Uns traf der Stillstreik ganz plötzlich.
Meine Tochter (6 Monate) plagte sich mit den Zähnen, biss mich ein paar Mal beim Stillen und wollte dann ganz plötzlich partout nicht mehr gestillt werden.
Stattdessen schrie sie und bäumte sich weg, wenn sie nur in die Nähe der Brust kam.

Ich war verzweifelt, da ich mir ein Abstillen von ihrer Seite eigentlich harmonischer und langsamer, vor allem aber später, erhofft hatte. Mit der Beikost hatten wir begonnen, jedoch sah sie das eher spielerisch, ohne nennenswerte Mengen zu essen.

Da mir ein Milchstau drohte, pumpte ich ab. Die Milch trank sie sofort gierig aus der Flasche. Fütterungsversuche mit dem Löffel dauerten 1 Stunde, dies funktionierte nicht mit einem 3,5-jährigen Bruder.

Beim Stilltreff unternahm die Hebamme einen Anlegeversuch, der natürlich nicht funktionierte und in Gebrüll endete. Da ich sehr gestresst war, ging die Milchmenge zurück, die kleine Maus quälte sich nun mit Verstopfung.

Wir entschlossen uns Pre-Milch zuzufüttern. Die Flaschen trank sie in einem Zug leer.

Die Nächte waren allerdings eine Qual, Fläschchen aufwärmen oder kochendes Wasser abkühlen. Nichts ging ihr schnell genug, vom vielen Auskochen abgesehen. Ich pumpte alle drei Stunden. Es war Stress pur.

Lina war extrem anhänglich, blieb die meiste Zeit des Tages auf meinem Arm, war weinerlich und labil. Wir kuschelten viel, aber jeder Versuch zu stillen – ob im Gehen, in der Badewanne, nachts oder im Halbschlaf- endete im Gebrüll.

Der Besuch beim Kinderarzt brachte nichts Außergewöhnliches. Wir sollten allerdings zur Gewichtskontrolle erneut kommen.

Ich wurde von Tag zu Tag niedergeschlagener und befürchtete, dass die kleine Lina nun endgültig begann, sich über die Flasche abzustillen. So hatte ich es mir wirklich nicht vorgestellt.

Die Hebamme meinte, dass sie ein sehr agiles Baby sei und ich sie gehen lassen soll. Es könne sein, dass das der Beginn des Abstillens sei. Allerdings sollte ich doch noch eine Stillberaterin zu Rate ziehen…

Regine Gresens machte mir Mut und gab mir den Tipp, gelassen zu sein und Ruhe zu bewahren, den Stress zu reduzieren und ihr eher beiläufig Gelegenheiten anzubieten, selbst die Brust zu nehmen. Gerade, wenn vorher das Stillen gut geklappt hatte, wäre es unwahrscheinlich, dass sie sich nun abstillt.

Letztendlich unternahm ich nur einen einzigen vorsichtigen Versuch am Tag und sie brüllte, drückte sich weg, schien aber traurig und unglücklich. Einmal brach sie weinend auf meinem Bauch zusammen.

Die Tage vergingen. Die Flasche mit einem kleinen Sauger schien etabliert. Allerdings begann sie, die Brust wieder zu berühren, noch wie ein neues Spielzeug. Beim Abpumpen war sie nun oft dabei, die Milch floss wieder besser und wir fütterten weniger zu.

Jetzt waren fast zwei Wochen vergangen, auf englisch-sprachigen Seiten las ich von 40-tägigen Streiks… Ich war nun soweit, den Zustand zu akzeptieren und noch monatelang abzupumpen.

Wir hatten wieder eine schreckliche Nacht hinter uns. Jetzt mit der Kombination Schnupfen, Zahn- und Bauchschmerzen. Der Kinderarzt brachte noch einen Wachstumsschub ins Spiel. Nachmittags „half“ sie mir wieder beim Abpumpen und … biss erneut zu, ich reagierte nicht.

Abends wurde sie ganz anschmiegsam, so dass wir uns ins dunkle Zimmer zurückzogen. Natürlich hoffte ich aufs Trinken und sie tat es dann auch, eine halbe Stunde lang, um mich danach ganz erleichtert anzulächeln.

Die Nacht verlief so, wie wir es gewohnt waren, mit zwar sehr häufigem Trinken, jedoch alles sehr entspannt im Bett und halb schlafend.

Der Streik war beendet.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten! Der ganze Spuk dauerte 2 Wochen und endete so plötzlich, wie er begonnen hatte.

Streik ist eigentlich nicht das richtige Wort, da Lina die gesamte Zeit unglücklich über den Zustand schien. Leider habe ich den Grund von ihr nicht erfahren können.
A.B.

Originalbericht einer Mutter
Foto: thedalogs via photopin cc

 

Haben Sie selbst eine schwierige Situation mit Ihrem Baby erfolgreich bewältigt?
Und möchten Sie Ihre Erfahrungen gerne hier mit Anderen teilen?
Dann schreiben Sie mir doch Ihren eigenen Bericht!

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Hallo, ich bin Regine - Mutter, Hebamme, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG) und Autorin. Ich helfe Dir, als Mutter Dir selbst und Deinem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und Euren eigenen Weg zu gehen. Du findest mich auch auf Pinterest, Facebook, Twitter, Youtube und Google+.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Uns geht es jetzt bereits seit über einer Woche ebenso! Das gleiche Spielchen, unten zwei Zähne, mehrmals aus Versehen zugebissen, mir entfuhr ein lautes „Aua“, daraufhin hat sie sich sehr erschreckt und geweint.
    Ich bringe es mit den Zähnen und dem Beißen in Zusammenhang.
    Ich frage mich, ob es mit dem Beißen wohl bald besser würde, wenn sie denn wieder trinken würde. Denn es tut schon sehr weh und ich überlege, ob ich den Streik jetzt zum Anlass nehme, abzustillen, obwohl es mir das Herz bricht und ich eigentlich mindestens 1 Jahr stillen wollte… Meine Maus (8 Monate) scheint allerdings grad gar nichts zu vermissen. Sie ist die meiste Zeit total ausgeglichen und krabbelnder und stehender Weise unterwegs, die große weite Welt erkunden.
    Auf jeden Fall hat mir der Bericht Mut gemacht, dass es vermutlich nicht von meinem Kind aus das Ende der sehr innigen Stillbeziehung ist, sondern wir noch eine Chance bekommen, wenn ich es denn will!

  2. Danke für den tollen Bericht! Er hat mir Hoffnung gegeben und mir Mut gemacht, als mein 7,5 Monate alter Sohn von einem Tag auf den anderen aufgehört hat von der Brust zu trinken! Er hat auch alles andere abgelehnt und so mussten wir ins Krankenhaus. Nach 16 Tagen hat er wieder von der Brust getrunken. Schuld war mitunter ein atypischer Magen-Darm-Virus ohne Erbrechen und Durchfall. Was sonst noch mitgespielt hat, weiß ich leider nicht. Aber seit wir aus dem Spital (11 Tage) draußen sind und seit er wieder von der Brust trinkt, ist er wieder mein Clemens! Ohne den Bericht, den ich wieder und wieder gelesen habe, hätte ich mich abbringen lassen, durchzuhalten und an die Stillbeziehung zu glauben! Noch einmal vielen Dank! Leider gibt es wenige Stillberaterinnen und Hebammen, die sich mit Stillstreiks auskennen, helfen und Mut machen.

  3. Puh… Sowas hatten wir insgesamt 4-6 Mal in unserer Stillbeziehung. Die Streiks waren nur kurz (3-4 Tage), jedoch sehr anstrengend. Die Brust nahm meine Maus hundemüde und nur nach einem ausgiebigen Weinen 🙁 Nachts trank sie ganz normal. Ich weiß bis jetzt nicht, was der Auslöser war, und war damals sehr verunsichert. Jetzt würde ich auf jeden Fall Frau Gresens zustimmen und einfach eine Runde entspannt bleiben. Mir hat auch das Buch von Carlos Gonzalez „Mein Kind will nicht essen“ für viele Dinge die Augen geöffnet.

  4. Für mich ein sehr interessanter Beitrag! Du schriebst am Anfang, dass deine Kleine dich ein paar Mal beim Stillen gebissen hat. Wie hast du reagiert? Könnte das evtl. der Grund für ihre Verweigerung gewesen sein? Meine Maus ist jetzt auch 6 Monate alt und hat unten schon zwei Zähnchen draußen. Noch hat sie mich zum Glück nicht gebissen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.