„Gut Anlegen“ – Der Video-Online-Kurs für stillende Mütter und für Schwangere, die sich auf das Stillen vorbereiten möchten

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14 Tage Stillstreik nach Herpes-Erstinfektion

Von Beate |
Ich möchte gerne vom Stillstreik meiner einjährigen Tochter erzählen.

Alles hatte angefangen mit Fieber an einem Montag Abend. Zuerst hatte sie eine komische Technik beim Trinken. Ich habe es nicht gesehen, aber es hat sich angefühlt, als hätte sie die Brustwarze nicht mehr tief genug in den Mund genommen. Sie hat nur sehr zögerlich gesaugt und mich auch einmal gebissen.

Das vorerst letzte Mal an der Brust getrunken hat sie dann am Dienstag Abend zum Einschlafen. Danach wollte sie nicht mehr an die Brust und hat gebrüllt und sich durchgestreckt, sobald ich sie nur in Stillposition bringen wollte.

Am Mittwoch morgen hatten wir dann gesehen, dass unsere Tochter im und um den Mund kleine schmerzhafte Bläschen hatte. Es war eine Herpes-Erstinfektion, wie sie auch ihr älterer Bruder vor Kurzem hatte.

Den Arzt hatten wir schnell kontaktiert und auch eine ehrenamtliche Stillberaterin von der „La Leche Liga“ habe ich gleich am Mittwoch noch angerufen. Sie hat mich zunächst beruhigen können, so ein Stillstreik könne schon mal ein paar Tage gehen, so schnell verlernen die Kinder das Stillen nicht. Die Herpes-Erkrankung haben wir naturheilkundlich und homöopathisch behandelt.

Wie aber sollten wir unsere Tochter jetzt ernähren und beruhigen? Sie war zwar schon 1 Jahr alt, ich hatte sie aber immer noch viel gestillt und sie hatte nie aus einer Nuckelflasche getrunken. Zu allererst bin ich eine Handpumpe* kaufen gegangen, denn auch meine Brüste begannen zu schmerzen.

Beim ersten Abpumpen habe ich direkt 400 ml abgepumpt, bis ich das Gefühl hatte, meine Brüste sind nun einigermaßen leer. Wir versuchten ihr die Milch im Glas zu geben, was auch gelang, aber nur in kleinen Schlückchen.

Die Milchflasche wollte sie zuerst überhaupt nicht nehmen. Wir probierten viel aus, verschiedene Breie und immer wieder Milch aus dem Becher, aus dem Glas und aus der Flasche. Feste Nahrung, so wie sie es auch vorher gewohnt war, ging noch am Besten.

Jeden Abend hoffte ich darauf, dass ich sie nachts im Halbschlaf vielleicht wieder stillen kann, doch sie drehte sich immer wieder weg von meiner Brust und brüllte, bis sie heiser war. In den ersten Nächten hat mein Mann sie viel herumgetragen.

Ich versuchte so viel wie möglich zu schlafen. Meine Brüste schmerzten zunehmend und ich fürchtete eine Brustentzündung. So verging eine Woche und Stillen war immer noch nicht in Sicht.

Besonders Nachts war es sehr kräftezehrend. Wir trugen sie auf dem Arm hin und her, bis sie vor Erschöpfung einschlief. In den schlimmsten Nächten schliefen wir abwechselnd im Sitzen mit ihr auf dem Arm, denn ein Ablegen tolerierte sie nicht.

Sie wollte auch nicht mehr in die Babytrage, sondern nur noch in ihrer Lieblingsposition auf dem Arm getragen werden. Die Bläschen waren in der Zwischenzeit abgeheilt, doch sie schrie immer noch viel und konnte sich nur schwer beruhigen.

Wir machten uns auch immer mehr Sorgen um ihre Flüssigkeitszufuhr. Unser Arzt gab uns den Rat, ihr mit einem Klistier Flüssigkeit über den Darm zuzufügen. Wir waren froh über diese Möglichkeit, denn die Temperaturen waren sommerlich heiß und unsere Tochter pinkelte nur noch sehr wenig.

Wenn wir einen guten Zeitpunkt für das Klistier gefunden hatten, zum Beispiel vor dem Schlafengehen, blieb die Flüssigkeit im Körper. Ansonsten war es manchmal so, dass Stuhlgang angeregt wurde und die Flüssigkeit mit dem Stuhl wieder herauskam. Was wir aber auch als unterstützend wahrgenommen haben, um Verstopfung zu vermeiden.

Meine Milchproduktion war nach einer Woche sehr stark zurückgegangen, denn ich habe immer nur nach Bedarf Milch abgepumpt, teilweise nur zweimal am Tag. Ich merkte es auch deutlich an meinen Hormonen, ich fühlte eine große Schwere und musste oft weinen. Es fühlte sich an wie eine Art Babyblues.

Schließlich war klar, dass es so nicht weitergehen kann und ich kontaktierte eine Hebamme mit IBCLC-Ausbildung, die zumindest für eine kurze telefonische Beratung zur Verfügung stand. Wieder die Beruhigung, dass es durchaus normal sein kann, dass Babys bei Krankheit auch mal eine längere Stillpause machen.

Sie hat mir geraten, mich um eine elektrische Milchpumpe zu bemühen, damit ich meine Milchproduktion wieder erhöhen kann. Gleichzeitig hat sie mich darauf hingewiesen, dass es schwierig sein könne, dafür ein Rezept zu bekommen, da meine Tochter ja schon 1 Jahr alt war.

Auch könne es durchaus sein, dass sie sich abstillt, was in ihrem Alter auch in Ordnung wäre. Ich erlebte meine Tochter aber trotz ihres Alter noch sehr vom Stillen abhängig und ich hatte vorher keine Schritte in Richtung Abstillen unternommen, sondern sie nach ihrem natürlichen Bedarf gestillt. Also war es für mich ganz logisch, dass mein Ziel nur sein kann, ihr das Stillen wieder zu ermöglichen.

Das Rezept für die Milchpumpe habe ich ohne Probleme erhalten. Das Rezept wurde auf mich ausgestellt mit der Diagnose „Milchstau“. Unser Arzt hat mir das Rezept dann auch noch vorsorglich verlängert, da er in den Urlaub ging. Ich habe ihm gesagt, dass ich die Milchproduktion aufrechterhalten möchte, falls sie wieder anfängt an der Brust zu trinken und um ihr die abgepumpte Milch zu geben. Das hat ihm als Begründung ausgereicht, um das Rezept großzügig zu verlängern.

Mit der elektrischen Milchpumpe konnte ich vor allem die Häufigkeit des Abpumpens bequemer erhöhen, auf ca. 6 bis 7 mal täglich, um meine Milchproduktion wieder zu steigern. Bei den einzelnen Abpumpvorgängen hat sich die Menge nicht wesentlich erhöht (sie blieb bei ca. 20 bis 70 ml pro Seite, außer beim ersten Abpumpen morgens, da war es meistens deutlich mehr). Aber durch das häufige Abpumpen kam über den Tag verteilt natürlich mehr zusammen, ca. 500 bis 600 ml insgesamt.

Ich versuchte darauf zu vertrauen, dass es nur ein zeitlich begrenzter Stillstreik ist und versuchte es weiterhin immer wieder sie anzulegen auf eine möglichst lockere Art.

Zuhause verbrachte ich die meiste Zeit oben ohne und versuchte meine Tochter beim Spielen immer wieder auf meine Brüste aufmerksam zu machen. Doch leider blieb der Erfolg aus.

Ich begann zu zweifeln, ob meine Tochter wirklich jemals wieder anfangen würde an der Brust zu trinken. Mir war jedoch klar, dass ich vorerst weiter pumpen werde und ihr die Möglichkeit noch eine Weile offen halten möchte.

Trinken klappte immer besser mit der Nuckelflasche und schließlich schien sich das Problem mit der Flüssigkeitsaufnahme vorerst zu entspannen. Sie nahm mehr Brei zu sich und beruhigte sich wieder in der Babytrage. So fand sie wieder leichter in den Schlaf und die Nächte wurden etwas besser. Nur von Stillen keine Spur.

In der zweiten Woche kam sie mir dann am Freitag morgen wieder fiebrig vor und tatsächlich entwickelte sie in den kommenden Tagen das 3-Tage-Fieber mit dem anschließenden typischen Ausschlag. Das Fieber haben wir nicht gesenkt. Wieder Sorgen wegen der Flüssigkeitsaufnahme, die ja bei Fieber besonders wichtig ist.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag war das Fieber niedriger und ich hatte dann unverhofft den ersten Stillerfolg! Meine Tochter schlief sehr unruhig und drehte sich wie zufällig zu meiner Brust hin und fing völlig unerwartet an zu trinken. Ich freute mich sehr und hoffte auf ein Ende der Stillpause. Doch leider musste ich mich nochmal gedulden.

Am Sonntag und in der darauffolgenden Nacht war wieder Herumtragen statt Stillen angesagt. Das Fieber war zwar vorbei, jedoch wurde sie jetzt von starken Schmerzen durch ihre wachsenden Backenzähne geplagt. Gegen die Zahnschmerzen haben wir ihr herkömmliche Schmerzzäpfchen verabreicht. Vermutlich hatten die Zähne unbemerkt auch schon in den vergangenen Tagen zur angespannten Situation mit beigetragen.

Montags konnte ich meine Tochter dann endlich wieder auch zum Mittagsschlaf stillen. Ich konnte sie im Halbschlaf anlegen, nachdem sie in der Babytrage eingeschlafen war und ich sie vorsichtig auf das Bett legte.

Seit der Nacht von Montag auf Dienstag war der Stillstreik dann endgültig vorbei! Sie nahm die Brust auch tagsüber wieder gerne und holte sogar einiges an Stillzeit nach.

Im Nachhinein wäre es vielleicht einfacher und angenehmer gewesen, direkt von Anfang an häufiger und länger abzupumpen, um den Hormonabsacker zu vermeiden. Auch hätten wir vielleicht schon früher stärkere Schmerzmittel geben sollen, um die Situation allgemein zu entspannen.

Ich habe nun aber keine Bedenken mehr, dass unsere Stillzeit noch einige Zeit weiter gehen kann und ich bin froh und stolz, dass ich nicht aufgegeben habe. Auch wenn mein Kind schon verhältnismäßig alt erscheint, hat es sich für uns auf jeden Fall gelohnt, die Zeit und Mühe zu investieren, die Milchproduktion aufrecht zu erhalten und das Stillen noch nicht aufzugeben.

Ich wünsche allen Müttern und auch Vätern in ähnlichen Situationen viel Geduld, Vertrauen und eine gute Beratung! 

Beate S.
 
Originalbericht einer Mutter, August 2020
Foto: Andre Deak

 

Liebe Beate,
vielen Dank für diesen tollen und ermutigenden Bericht!
Er zeigt sehr deutlich, dass ein plötzliches Verweigern der Brust auch bei „älteren“ Stillkindern meist gute Gründe hat, die aber nicht immer sofort zu erkennen sind. Ich glaube, ein solches Verhalten wird allzu oft fälschlicherweise für ein vom Kind ausgehendes Abstillen gehalten, obwohl es „nur“ ein vorübergehender Stillstreik ist.
Wenn die Brüste weiter regelmäßig entleert werden, um die Milch zu verfüttern, bleibt das Kind gut versorgt und die Milchbildung in gang. Und wenn dann die Gründe für den Stillstreik vorüber sind – wie bei Euch die Infektionen und das Zahnen – und das Kind wieder von sich aus an die Brust gehen mag, ist auch immer noch Milch da – selbst wenn es eben nicht nur 1-2 Tage, sondern länger, gedauert hat.
Ich wünsche Euch noch eine schöne Stillzeit, solange wie es sich für Euch gut und richtig anfühlt.
Liebe Grüße, Regine Gresens

 
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Regine Gresens

Regine Gresens

Hebamme, Berufspädagogin, Still- & Laktationsberaterin IBCLC, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HeilprG), Autorin und Mutter. Ich helfe Dir dabei, Deinem Baby und Dir selbst zu vertrauen und Euren eigenen Weg zu gehen.
Regine Gresens

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