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Stillen in der Schwangerschaft und Tandemstillen

Stillen in der Schwangerschaft und Tandemstillen

18 Kommentare

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC, 2008
Glückwunsch! Sie sind schwanger! Wieder!
Aber Ihr Erstgeborenes ist noch nicht abgestillt.

Ist es ungefährlich weiter zu stillen?
Womit sollten Sie rechnen?

Zuallererst, es ist ungefährlich.

Hier ist die Erklärung:
Jedes Mal, wenn Sie stillen oder einen Orgasmus haben und sogar bei einem gemütlichen Essen mit Freunden, schütten Sie das Hormon Oxytocin aus.

Und, ja, es stimmt, Oxytocin löst Gebärmutterkontraktionen aus … während der Geburt.

Aber bis wenige Stunden vor Beginn der Geburtswehen ist Ihre Gebärmutter fast vollständig „taub“ für Oxytocin, egal, wie viel sie davon erhält.

Aus diesem Grund wird Frauen auch für einen Schwangerschaftsabbruch kein Syntocinon (künstliches Oxytocin) verabreicht. Es funktioniert einfach nicht.

Das ist auch der Grund, warum es so viele „erfolglose“ Geburtseinleitungen gibt. Die Gebärmutter ist nicht bereit, das Baby rauszuwerfen, bevor es an der Zeit ist, und sie hört einfach nicht auf das Kommando der Syntocinon-Infusion. Die große Zahl an „erfolglosen“ Einleitungsversuchen bedeutet letztlich nur, dass jemand das Baby heraus holen wollte, bevor das Baby soweit war, und, dass die Gebärmutter ihre Aufgabe erfüllt hat.

Sobald der Geburtsbeginn kurz bevorsteht, schnellt die Zahl der Oxytocin-Rezeptoren („Ohren“) in der Gebärmutter in die Höhe. Jetzt steigt das eigene Oxytocin der Mutter in das hormonelle Orchester ein, das die Geburt auslöst. Wenn sie jetzt stillt oder einen Orgasmus hat, könnte dies Ereignis tatsächlich der auslösende Faktor für den Beginn der Geburt sein. Aber vorher nicht.

Wird das Stillen Ihres älteren Kindes dem Ungeborenen Nährstoffe wegnehmen?

Tatsächlich gibt es kaum Mütter, die keinen Rückgang ihrer Milchmenge bemerken, sobald eine neue Schwangerschaft begonnen hat. Ihr Ungeborenes ist gut geschützt. Ihr Körper wird auf seine eigenen Reserven zurückgreifen, wenn ein Engpass ausgeglichen werden muss. Aber das Erste, was geschieht, ist ein Rückgang der Milchmenge bis fast auf Null.

Manche Kleinkinder reagieren auf den Verlust von beidem, Menge und Süße der Milch, und stillen sich ab, bevor ihr Geschwisterchen geboren wird. Andere stillen weiterhin gerne, auch wenn keine Milch mehr da ist.

Aber die meisten Mütter stellen fest, dass ihr Körper sich auf überraschende Weise verändert: Sie stillen das ältere Kind nicht mehr so gerne wie vorher. Es kann sein, dass sie empfindlichere Brustwarzen haben oder regelrechte Schmerzen oder eine kribbelige Anspannung fühlen, so dass sie das ältere Kind von ihrem Schoß schubsen möchten.

Manche Mütter entscheiden sich dann dazu abzustillen. Andere entscheiden sich, weiter zu machen. Jede Familie ist anders.

Wenn das Kleinkind stillt bis das Baby geboren wird, kann es sein, dass es sich abstillt, weil ihm die viele Milch nicht gefällt … oder es entwickelt still und leise ein ordentliches Doppelkinn!

Es wird reichlich Milch für Zwei da sein, wenn es sich entscheidet, weiter zu machen (oder wieder anzufangen, nachdem es in der Schwangerschaft aufgehört hatte).

Mütter stellen sogar fest, dass sie gerne die Hilfe des Kleinkindes in Anspruch nehmen, wenn sie den sogenannten „Milcheinschuss“ oder einen Milchstau haben.

Wenn Sie tandemstillen, stellen Sie möglicherweise fest, dass Ihre Kinder sich gerne Ihre Brüste teilen und sich gegenseitig berühren und streicheln, während sie zusammen stillen und, dass sie eine entzückende, liebevolle Beziehung zu einander entwickeln.

Was bleibt unterm Strich? 
Jede Erfahrung ist anders und es gibt keinen falschen Weg,
so lange Sie Ihrem Herzen folgen.

Original: Nursing while pregnant, tandem nursing von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2008
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2013
Foto: Celestipoo via photopin cc

Hier gibt es weitere Linktipps zum Stillen in der Schwangerschaft und Tandemstillen

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Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Stillberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Google+ und Youtube.

18 Kommentare

  1. Hallo Frau Gresens,
    Ich bin gerade zufällig über Ihren ermutigenden Artikel gestoßen.
    Meine Tochter ist 5 1/2 Monate alt und hat gestern erst das erste Mal ein kleines bisschen Essen bekommen (wir sind in UK und machen „baby led weaning“). Sie wurde bisher nur gestillt und hat noch nie eine Flasche bekommen! Nun habe ich den Verdacht, dass ich wieder schwanger sein könnte (ist noch ein bisschen früh für einen Test). Seit ein paar Tagen fühlen sich meine Brüste „leerer“ an. Es scheint zwar noch genügend rauszukommen, aber gestern Nacht schien sie etwas frustriert zu sein und ich musste mehrfach zwischen beiden hin und her wechseln, bevor sie wieder eingeschlafen ist (normalerweise wird sie nie wach und trinkt im Schlaf). Jetzt habe ich ein bisschen Angst, dass meine Milch austrocknet. Sie ist noch so klein, sie ist abhängig von meiner Milch und ich möchte jetzt, mit fast 6 Monaten, nicht anfangen Milchpulver zu geben! Irgendwelche Ratschläge? 🙁
    Vielen Dank im Voraus,
    Maraike

    • Hallo Maraike,
      wenn Sie schwanger sind, geht die Milchproduktion hormonell bedingt zurück. Dagegen lässt sich nichts tun.
      Die Stillkinder gleichen die kleiner werdenden Portionen aber dann durch häufigere Stillmahlzeiten aus.
      Also noch kein Grund zur Sorge. 🙂
      Alles Gute für Sie,
      liebe Grüße,
      Regine Gresens

  2. Hallo liebe Frau Gresens,
    Dank Ihres Artikels, bin ich sehr erleichtert und kann mit einer gewissen Sicherheit so weiter machen, wie ich es mir wünsche 🙂
    Ich habe einen Sohn, der genau 2,5 Jahre alt ist und der weiter gestillt wird. Bin auch in der 21.ssw und ich habe gemerkt, dass meine Milch 1. sehr salzig-komisch schmeckt und 2. auch ganz, ganz wenig raus kommt. Ist das normal?
    Mein Sohn bekommt zum Schlafen die Brust, morgens einmal und natürlich, wenn ich total müde und kaputt bin, auch tagsüber, damit er auch mal zur Ruhe kommt 🙂 aber natürlich, wenn er zu mir kommt.
    Kann ich ihn trotzdem weiterstillen, auch wenn nicht mehr wirklich viel Milch kommt?
    Ich liebe es und ich möchte beide Kinder zusammen stillen und hoffe, dass alles klappt.
    Ganz herzliche Grüße aus NRW

    • Liebe Dajana,
      ja, der Rückgang der Milchmenge in der Schwangerschaft ist normal und auch, dass sich dabei der Geschmack verändert. Sie können aber auf jeden Fall weiterstillen, wenn Sie und Ihr Sohn es so gerne tun. Manche Kinder stillen sich in der Schwangerschaft ab, wenn die Milch weniger geworden ist. Andere stillen weiter wie bisher, aber es wird der Mutter unangenehm, weil auch die Brustwarzen in der Schwangerschaft empfindlicher werden.
      Schauen Sie einfach was weiter passiert. 🙂 Es wird schon das Richtige sein.
      Alles Gute für Sie,
      Regine Gresens

  3. Pingback: Das Kleinkind (nachts) abstillen

  4. Hallo,

    ich liebe diesen Artikel, der Mütter ermutigt, in der Schwangerschaft weiter zu stillen.

    Nach neuen Erkenntnissen gibt es jedoch wenige Risikofaktoren, bei denen man das Stillen während der Schwangerschaft noch einmal überdenken kann.

    http://allattamento.sip.it/wp-content/uploads/2014/03/allattamento-al-seno-e-gravidanza.pdf

    LG
    Sarah

  5. Liebe Frau Gresens,
    bin zufällig auf ihre Seite gestoßen und finde sie sehr informativ und lehrreich. Bin sehr dankbar.

    Ich bin jetzt im 2. Monat schwanger und meine Tochter ist 16 Monate alt. Ich stille sie gern, aber seit ca. einer Woche habe ich Schmerzen beim Stillen. Tagsüber halte ich es noch gut aus, weil ich da gut abgelenkt bin beim Stillen und auch meine Kleine mal überreden kann, indem ich sage, dass alles alle ist 🙂 Aber Nachts macht es mich schon richtig wütend, weil ich auch einfach jetzt Anfang der SS immer sehr müde bin und die Kleine es einfach gewohnt ist, immer, wann sie möchte, an die Brust zu kommen (wir schlafen alle im Familienbett). Meine Brustwarzen sind total wund, was vorher nie der Fall war. Ich möchte versuchen, dass ich sie wenigstens nur Nachts nicht mehr stille. So komme ich und meine Brüste auch mal zur Ruhe. Und meine Kleine braucht es doch auch nachts eigentlich nicht mehr oder?
    Wenn ich sie nachts versuche mit Schnuller, Kuscheln oder gut Zureden abzulenken, dann schreit und kreischt sie nur wild und strampelt um sich …. Gerade habe ich über eine Stunde gebraucht, um sie ohne Brust zum Schlafen zu kriegen ….. Die Kleine tut mir so leid, aber was soll ich machen?

  6. Hallo Frau Gresens,
    Ihr Artikel ist sehr ermutigend, da wir ein zweites Kind mit wenig Abstand wollen.
    Ich möchte auch nicht dem Größeren die Chance nehmen, so lange gestillt zu werden, wie er möchte.
    Wie funktioniert das mit dem Tandemstillen genau?
    Ich meine der „dann“ Größere ist jetzt schon mit 5 Monaten 83 cm groß und ich stelle mir das schwierig vor mit dem Größenunterschied beide gleichzeitig zu stillen.
    Gibt es da besondere Kniffe oder Techniken?
    Muß ich irgend etwas beachten, z.B. die Folsäuremenge in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft?
    Mit freundlichen Grüßen Carolin

  7. Hallo,
    mein erstes Kind ist nun 15 Monate alt und ist bisher ein begeistertes Stillbaby gewesen. Nun bin ich frisch schwanger und mir ist aufgefallen, dass er relativ zeitgleich angefangen hat oft am Tag, in kleineren Mengen, Stuhlgang zu haben und dass die Konsistenz etwas mehr Richtung Stillstuhl geht. Kann das zusammen hängen, oder muss ich nach anderen Gründen ausschau halten?

    Vielen Dank und liebe Grüße

    • Hallo Steffi,
      also ehrlich gesagt, wüsste ich nicht, wie die Stuhlveränderungen mit der neuen Schwangerschaft zusammenhängen sollen. Ich würde sagen, dass muss andere Gründe haben.
      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

  8. Liebe Frau Gresens,
    vielen Dank für diesen Artikel, der mir Mut gemacht es mit dem Tandemstillen gerne versuchen zu sollen. Ich bin jetzt im fünften Monat schwanger und stille meinen Sohn, 15. monate, noch. Seit der Schwangerschaft ist meine Milchmenge zwar ziemlich zurück gegangen und das Stillen ist nicht mehr so angenehm, aber im Grossen und Ganzen kommen wir beide gut damit klar. Worüber ich mir aber immer wieder Gedanken mache, ist, wie denn der Übergang zum Tandemstillen funktioniert. Stellt die Brust trotzdem von alleine auf das Kolostrum um, wenn das Baby da ist? Wie kann ich sicher sein, dass der Grosse dem Kleinen nichts wegtrinkt? Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe, viele Grüsse, Anna

    • Liebe Anna,
      keine Sorge, die Schwangerschaftshormone sorgen dafür, dass Ihr Neugeborenes Milch in genau der richtigen Zusammensetzung erhält. Wenn das Kleine immer zuerst trinkt, bekommt es auch genug.
      Herzliche Grüße, Regine Gresens

  9. Hallo,

    auch ich bin schwanger und stille mein fast 20 Monate altes Kind noch. Und es tut mir weh, wenn es anfängt zu trinken. Ich würde ihn noch weiter stillen, wenn ich nicht schwanger wäre – ich befürchte Trotzanfälle und auch Ablehnung von mir dem „Großen“ gegenüber, wenn ich versuche beide Kinder zu stillen. Das Abstillen fällt mir trotzdem schwer. Was kann ich tun, damit ich nicht dem kleinen Großen die Brust „wegnehme“? Ich stille ihn gerne so lange, wünsche mir auch, dass ich das nächste Kind solange bzw länger stillen kann. Hmmm…aber ich denke Tandemstillen ist nichts für mich…und das Kleinkind….

    • Hallo Renate,
      Tandemstillen ist nicht für jede Mutter richtig. Trotzanfälle und Ablehnung des Großen beim Tandemstillen wären aber eher nicht zu erwarten, eher im Gegenteil. Andererseits ist es auch nicht gut, wenn Ihnen das Stillen des Großen jetzt so unangenehm ist und Sie sich trotzdem dazu zwingen, es zu ertragen.
      Vielleicht ist es für Sie möglich, die Häufigkeit und die Dauer des Stillens mit Ihrem Großen etwas einzuschränken. Manchmal sind sie auch in diesem Alter schon einsichtig und lassen sich „überreden“, die Brust nach kurzer Zeit wieder loszulassen. Wenn es nicht funktioniert, müssen Sie eine Entscheidung für sich treffen und sie ohne schlechtes Gewissen dem Großen gegenüber vertreten. Ihr Kind wird dies akzeptieren, wenn Sie fest entschlossen sind und ihm als Alternative, z.B. viel Kuscheln o.ä. anbieten, (zwar vielleicht unter einigem Protest, aber den sollten Sie ihm auch zugestehen).

  10. Guten Tag,
    vielen Dank für Ihre lehrreiche und interessanten Artikel. Ich befinde mich in der Situation einer neuen Schwangerschaft mit Kleinkind dass noch gestillt wird. Nun habe ich praktisch keine Milch mehr. Grundsätzlich stört es mich nicht mein bald 2 jähriges Kind weiterzustillen solange es dies noch möchte. Doch jetzt schmerzt das Stillen jedesmal und sobald keine Milch mehr fliesst zeiht es so fest an der Brustwarze dass ich es nicht mehr aushalte, oft beisst es mich. Dann ziehe ich ihm die Brust weg und ernte lautes Weinen und Schreien. Zuvor schlief mein Kind immer an der Brust ein, doch jetzt klappt das nicht mehr und jeden Abend ist es eine traurige Sache bis es endlich einschlafen kann. Nun brauche ich Rat und eine Lösung. Entweder ich stille ab und muss für mein Kind irgendein anderes Einschlafritual finden, dass ihm passt damit es sich nicht in den Schlaf weinen muss, oder ich finde Möglichkeiten bei denen das Stillen nicht mehr schmerzhaft ist. Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn Sie mir weiterhelfen könnten. Mit freundlichen Grüssen Isabelle

    • Liebe Isabelle,
      wir können gerne einen Termin für eine Beratung per Telefon oder Skype vereinbaren. Ich melde mich diesbezüglich per Email direkt bei Ihnen.
      Herzliche Grüße aus Hamburg,
      Regine Gresens

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