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Smilla - Ein langer Weg zum Stillen
Originalbericht von Smillas Mutter
Smilla - 30.03.2008
Ca. 40 Wochen hatten wir Zeit, um uns auf unser Kind vorzubereiten. Wir haben gelesen, miteinander und mit anderen gesprochen, anderes angeschaut und nicht zu letzt einen Geburtsvorbereitungskurs besucht. Großes Gewicht legte ich auf die Geburt selbst. Geburtsort, Gebärposi-tionen, Atmen und Entspannen.
Stillen? Klar, auf jeden Fall. Ich freu mich drauf.
Was soll da schon schief gehen?
Unsere Smilla kam am 30.03.2008 auf die Welt. Die Geburt: ein atemberaubendes und zugleich unfassbares Erlebnis.
Noch im Kreißsaal wurde Smilla mir angelegt. Einmal im Sitzen (was man so Sitzen mit einer Dammnaht nennen kann) und einmal im Liegen. Ich kann mich kaum noch an dieses erste Stillen erinnern - zu viele Ereignisse und wirre Emotionen.
Ein paar Stunden später waren wir zu Hause und ich stillte unsere Tochter in der Nacht. Am nächsten Morgen kam meine fürsorgliche Hebamme. Wir glauben uns daran zu erinnern, der Hebamme bereits an diesem Tag von Schmerzen beim Stillen berichtet zu haben. Was folgte, war ein sehr schmerzhafter, tränenreicher und oft ohne Hoff-nung geglaubter Kampf ums Stillen.
Meine Brustwarzen wurden binnen kürzester Zeit wund und blutig. Ich hatte heftige Schmerzen. Vorerst konnte ich diese nicht von den Schmerzen der wunden Brustwarzen unterscheiden. Jedes Stillen war ein absoluter Alptraum. Völlig verkrampft lag ich im Bett oder saß auf einem Sessel. Mein Mann hockte vor mir in einer hilflosen Ohnmacht und hielt mir seine Hand hin, in die ich hineinkrallte. Oft weinte ich "verbissen".
Die Probleme häuften sich binnen der ersten Woche. Unser Kind nahm ab und brüllte ständig: ich hatte, laut Hebamme, zu wenig Milch. Aber nichts war so entsetzlich, wie diese Schmerzen während und nach dem Stillen in meinen Brustwarzen.
Nach sieben Tagen kauften wir Stillhütchen, die für die Schmerzen keinerlei Verbesserung brachten, jedoch verschorften die Brustwarzen nun besser. Die elektrische Milchpumpe besorgten wir bereits einen Tag später. Ich hielt es nicht mehr aus, doch Abstillen kam zu keinem Zeitpunkt in Frage.
Da Smilla nur weinte und schrie, nachts nicht schlief und nicht zu beruhigen war, empfahl meine Hebamme ihr auch Fencheltee zu geben. Smilla legte ich nun gar nicht mehr an, sondern pumpte die Milch (zum Teil überaus dankbar und zum anderen Teil völlig ver-zweifelt) ab und gab sie ihr, plus Tee.
Ich war so traurig darüber Smilla nicht anlegen zu können. Das, was so normal und natürlich erschien, entfernte sich immer weiter.
Unsere Tochter nahm wenig zu und war weiterhin sehr unzufrieden, so dass die Hebamme Pre-Nahrung, bei Aufrechterhaltung der Milchpro-duktion durch Pumpen, vorschlug. Der totale Einbruch: Erst Stillhüt-chen, dann Muttermilch mit Flasche füttern und jetzt auch noch Pre?!!
So bekam unser Kind, weil wir so hilflos waren, 13 Tage nach der Geburt, Pre-Nahrung und abgepumpte Muttermilch. Sie wurde so richtig abgefüllt, und sie wurde ruhiger.
Mein Mann übernahm das Füttern mit der Flasche und ich beschäftigte mich mit meinen Brüsten & Co. Die wunden Brustwarzen waren zwar inzwischen verheilt, aber ich sollte die Brust vor dem Pumpen warm abduschen, nach dem Pumpen kühlen. Nach dem Pumpen eine Salbe auf die Warzen, vor dem Pumpen die Salbe wieder abwaschen. Flaschen säubern und nächste Milchnahrung abpumpen.
Aus lauter Angst vor einer Saugverwirrung versuchte ich Smilla immer mal wieder anzulegen. Manchmal hielt ich die Schmerzen drei, manch-mal auch zehn Minuten aus.
Mütter, um mich herum, sagten, dass es vorbei gehe. Sie hätten auch wunde Warzen oder die ersten zwei Wochen Schmerzen gehabt.
Was für ein Irrsinn, dachte ich. Wieso tut Stillen weh? Wieso Pumpen? Wieso Pre?
Nach ca. sechs Wochen hatte ich anscheinend genug Milch, so dass Pre nur noch selten zum Einsatz kam.
Irgendwann probierte die Hebamme auch ein Mittel gegen Soor aus, obwohl uns klar war, dass weder meine Tochter noch ich Anzeichen für eine Pilzinfektion zeigten - wir wollten alles ausschließen. Dann - meine Hebamme musste eingestehen, dass sie mir nicht weiterhelfen kann. Sie hat sich wirklich bemüht.
Zwei Stillberaterinnen wussten ebenfalls keinen Rat, jedoch kam ihnen die seltene Erkrankung "Raynaud-Syndrom" in den Sinn.
Im Internet fanden wir einige Seiten von Frauen, die das Syndrom beschrieben:
- stechender Schmerz in den Brustwarzen vor und nach dem Stillen,
- wie Scherben, die sich in die Brustwarze drehen,
- weiße Brustwarzen während und nach dem Stillen.
Ja, das beschrieb mich. Aber man könne nicht viel machen. Einigen Frauen hätte Magnesium geholfen.
Nach längerem Suchen fand ich einen Erfahrungsbericht, der nicht im Hoffnungslosen endete. Ich war auf der Homepage von Frau Gresens angekommen und das klang sehr viel versprechend.
Sofort nahm ich Kontakt auf und bekam ganz schnell einen Termin. Bereits am Telefon sagte Frau Gresens, dass es sich ganz nach einem Anlegefehler anhöre. Sie wolle aber auch Smillas Mundraum abtasten und an ihrem Finger fühlen, wie sie sauge.
Ein Anlegefehler??? Das kann doch nicht sein! Wie oft hat meine Hebamme mir beim Anlegen in allen möglichen Positionen zugeschaut, vielleicht hatte sich ja doch ein Fehler eingeschlichen? Falsches Anlegen?
Und tatsächlich, nach knapp acht Wochen nach der Geburt habe ich erlebt, dass Stillen bei mir mit der richtigen Anlegetechnik keinerlei Schmerzen verursacht. Frau Gresens zeigte mir, wie ich nach der asymmetrischen Anlegetechnik (siehe Anleitung auf dieser Homepage) die Brustwarze in Smillas Mund "rolle". Es tat einfach nicht mehr weh!
Ich war so glücklich, endlich hatten wir es geschafft!?
Nein, hatten wir nicht, denn ich musste zu Hause üben, üben, üben - nicht nur die Technik, sondern auch meine Geduld, die durch Wut und Gefühle der Unzulänglichkeit meinerseits, arg strapaziert wurde.
Unsere Tochter ist nun ein halbes Jahr alt und sie ist eine Augenweide mit reichlich Babyspeck. Ich kann im Sitzen, Liegen, von oben und von unten, im Auto, auf der Bank, Hocker - wie auch immer - stillen. Wäre sie nicht so schwer, könnte ich sie auch im Stehen stillen. Unfassbar! Wir genießen unsere Zweisamkeit (oder auch Dreisamkeit) beim Stillen!
Dass die ersten acht Wochen so schmerzhaft waren, und dass ich mich an Smilla selbst in dieser Zeit kaum erinnern kann, macht mich heute traurig. Ich wünschte mir, jede junge Mutter und besonders jede Heb-amme, Krankenschwester und Stillberaterin wüssten, dass Stillen nicht wehtun muss - weder zwei, noch acht Wochen lang. Und es macht mich immer wieder traurig zu hören, dass Frauen aufgrund der Schmerzen abgestillt haben.
Ein überaus großer Dank gilt Ihnen, Frau Gresens.
Danke für Ihre liebevolle und geduldige Art und für Ihr Verständnis.
Danke, dass Sie uns den Weg zum Stillen gezeigt haben.
Mehr Informationen zur asymmetrischen Anlegetechnik
