Stillkinder.de

Stillen – leicht gemacht

Du bist hier: Stillkinder.de > Stillen > So geht's > Sind Schnuller bei gestillten Kindern problematisch
Schnuller und Stillen?

Sind Schnuller bei gestillten Kindern problematisch

2 Kommentare

Quelle: Lactation Education Resources
Mütter fragen oft, ob sie ihrem Kind einen Schnuller geben sollten. Manche Mütter möchten ihr Baby damit beruhigen, andere scheuen sich davor.

Kürzere Stilldauer

Lange wurden Schnuller als Hilfe bei schreienden Babys und erschöpften Eltern betrachtet. Nun gibt es einige neue Erkenntnisse zum Einsatz von Schnullern bei Stillkindern. Der harmlose Schnuller, anderswo auch „Nuggi“ oder „Luller“ genannt, kann sowohl den Stillstart als auch die Stilldauer beeinflussen.

Aus einer Studie von Righard und Alade geht hervor, dass viele der Säuglinge unter zwei Wochen, denen ein Schnuller gegeben wurde, eine inkorrekte und ineffiziente Saugtechnik zeigten. Diese Säuglinge waren eher für Stillprobleme anfällig. Diese „Erkenntnisse legen nahe, dass eine korrekte Saugtechnik von Anfang an die Grundvoraussetzung für eine unkomplizierte und ungestörte Stillzeit ist und dass ein übermäßiger Einsatz von Schnullern und ein früher Wechsel von Flasche und Stillen vermieden werden sollte.“ Righard und Alade stellten außerdem fest, dass die Stilldauer bei der Versuchsgruppe mit Schnuller kürzer war.

Victora et al. fanden bei einer Umfrage unter 354 Müttern heraus, dass bei gestillten Säuglingen, die einen Schnuller benutzten, ein dreimal so hohes Risiko für zu zeitiges Abstillen bestand. Sie vermuten, dass die Milchbildung zurückgeht, weil die Brust weniger stimuliert wird, dass der Gebrauch von Schnullern ein Anzeichen für Stillprobleme sein könnte, oder dass Mütter ihren Kindern bewusst den Schnuller geben, um ein frühes Abstillen zu fördern.

Cholecystokinin und seine Folgen

Das Hormon Cholecystokinin wird im Darm des Babys ausgeschüttet, wenn es saugt. Die Ausschüttung des Hormons erfolgt in zwei Phasen. In der ersten Phase, etwa 10 Minuten nach dem Anlegen, wird das Hormon vermutlich freigesetzt, weil durch das Saugen der Vagusnerv des Säuglings stimuliert wird. In der zweiten Phase, etwa 30 Minuten nach dem Anlegen, wird das Hormon ausgeschüttet, weil sich nun Milch (Fett) im Darm befindet.

Cholecystokinin ruft ein Sättigungsgefühl hervor, beruhigt das Baby und macht es schläfrig. Dies wird durch Stillen bewirkt, kann aber auch eintreten, wenn das Baby an einem Schnuller nuckelt. Eltern sollten vor einer übermäßigen Verwendung von Schnullern gewarnt werden, da ihr Gebrauch das Übergehen von Mahlzeiten und eine schlechte Gewichtszunahme des Säuglings zur Folge haben kann.

Einsatz von Schnullern und plötzlicher Kindstod

Studien haben eine Verbindung zwischen dem Einsatz von Schnullern und einem geringeren Risiko des Kindes an plötzlichem Kindstod zu sterben, hergestellt. Die American Academy of Pediatrics empfiehlt, Babys mit einem Schnuller einschlafen zu lassen. Um einen guten Stillstart nicht zu gefährden, wird allerdings empfohlen, in den ersten Lebenswochen auf den Schnuller zu verzichten, bis sich das Stillen gut eingespielt hat. Der plötzliche Kindstod tritt am häufigsten im zweiten und dritten Lebensmonat auf. Die Empfehlung lautet, Säuglingen in dieser Zeit einen Schnuller zum Einschlafen zu geben. Wenn der Schnuller im Schlaf herausfällt, muss er nicht wieder in den Mund gesteckt werden.

LITERATURVERZEICHNIS  

  • American Academy of Pediatrics Task Force on Sudden Infant Death Syndrome. The changing concept of sudden infant death syndrome: diagnostic coding shifts, controversies regarding the sleeping environment, and new variables to consider in reducing risk. Pediatrics. 2005 Nov;116(5):1245-55.
  • Feldens CA, Ardenghi TM, Cruz LN, Cunha Scalco GP, Vítolo MR. Advising mothers about breastfeeding and weaning reduced pacifier use in the first year of life: a randomized trial. Community Dent Oral Epidemiol. 2012 Dec 13. doi: 10.1111/cdoe.12030.
  • Jaafar SH, Jahanfar S, Angolkar M, Ho JJ. Effect of restricted pacifier use in breastfeeding term infants for increasing duration of breastfeeding. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Jul 11;7:CD007202
  • Kronborg H, Vaeth M. How are effective breastfeeding technique and pacifier use related to breastfeeding problems and breastfeeding duration? Birth. 2009 Mar;36(1):34-42.
  • Marchini G, Lindén A. Cholecystokinin, a satiety signal in newborn infants? J Dev Physiol. 1992 May;17(5):215-9.
  • Moon RY, Fu L. Sudden infant death syndrome: an update. Pediatr Rev. 2012 Jul;33(7):314-20. doi: 10.1542/pir.33-7-314.
  • Nickel NC, Labbok MH, Hudgens MG, Daniels JL The extent that noncompliance with the ten steps to successful breastfeeding influences breastfeeding duration. J Hum Lact. 2013 Feb;29(1):59-70.
  • Righard, L., & Alade, M. (1992). Sucking Technique and Its Effect on Success of Breastfeeding. Birth 19:4, 185-189.
  • Victoria, C., et al. (1993). Use of Pacifiers and Breastfeeding Duration. The Lancet 341, 404-406.
  • Uvnaas-Moberg, K., Marchini, G., Winberg, J. Plasma cholecystokinin concentrations after breastfeeding in healthy 4 day old infants. Archives of Disease in Childhood. 1993 68: 46-48.

Bitte beachten Sie, dass die in diesem Informationsblatt gemachten Angaben ausschließlich der allgemeinen Information und Ausbildungszwecken dienen. Die Informationen sollen und können keine ärztliche Beratung ersetzen. Bitte suchen Sie immer Ihren Arzt auf, wenn Sie Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand oder zum Gesundheitszustand Ihres Babys haben. Handeln Sie nicht gegen fachärztlichen Rat und zögern Sie nicht, Ihren Arzt zu konsultieren, nur weil Sie etwas Bestimmtes in diesem Informationsblatt gelesen haben.
Dieses Informationsblatt wird Ihnen von Lactation Education Resources zur Verfügung gestellt www.LERon-line.com 2009

Original: Are pacifiers a problem for the breastfed baby? von Lactation Education Resources
Übersetzung: Anke Vetter, November 2009
Foto: Images by John ‚K‘ via photopin cc

Veröffentlicht von: Regine Gresens

Regine Gresens ist Mutter, Hebamme, Stillberaterin IBCLC und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie hilft Müttern, sich selbst und ihrem Baby zu vertrauen, entspannt und erfolgreich zu stillen und ihren eigenen Weg mit dem Baby zu gehen, auch wenn die Welt es ihnen schwer macht. Folge ihr auf Facebook, Twitter, Google+ und Youtube.

2 Kommentare

  1. Geehrte Frau Gresens,

    ursprünglich wollte ich meiner Maus gar keinen Schnuller geben, und bis heute wehrt sich mein Bauch im Grunde dagegen.
    4 Wochen nach der Geburt war ich jedoch so verzweifelt, weil meine Süße, heute 9 Monate, mein erstes Kind, praktisch permanent an der Brust hing (Mahlzeiten in Form von 5-7 Gang-Menüs, die sich locker über 1h und mehr hinstreckten, waren die Regel. Nach jedem Menügang ging ne gute Portion „Rahmspinat“ in die Windel und keine längeren Schlafphasen, max waren ca 30min zwischen dem Ende der vorangegangenen und dem Beginn der nächsten Mahlzeit – ich ließ sie jedesmal so lange stillen, wie sie wollte und die Brust von allein losließ. Hatte sehr pralle Brüste und auf einer Seite sehr oft Milchstaus, die ich zum Glück mit häufigerem Anlegen auf jener Seite immer wieder aufgelöst bekam.
    Unterm Strich blieb mir zwischen Stillen und Windelnwechseln praktisch keine Zeit mehr zum Schlafen… Stillte ich sie im Liegen, kam danach fast mit Garantie ein großer Schwall Milch wieder hoch. Und die Preisfrage war bei jedem Menügang: War das jetzt schon das Dessert oder kommt noch einer, bevor die Windel mal wieder länger als nur ein paar Minuten kackafrei bleibt.
    Meine Hebamme wußte damals keinen Rat dazu, außer zu versuchen den Beginn der Mahlzeiten etwas hinauszuzögern. Mein Kind hinzuhalten, wenn es nach der Brust schrie, bei dem Gedanken stellten sich mir jedoch alle Nackenhaare auf.

    Meine Mutter riet mir dann zunächst dazu, ihr statt der Brust den kleinen Finger zum Nuckeln anzubieten, weil ich partout keinen Schnuller wollte (und ich fühl mich auch durch obigen Artikel immer noch darin bestätigt) – weil dies jedoch auf Dauer sehr, sehr unpraktisch war, ließ ich mich aus Verzweiflung und mangels Kenntnis von Alternativen dann doch zum Schnuller breitschlagen, als meine Süße gerade 5 Wochen alt war. Ich war kräftemäßig schlichtweg am Ende.

    Heute schläft sie leider ohne Schnuller gar nicht mehr ein, auch braucht sie sehr, sehr viel Körperkontakt, lässt sich weder tags noch nachts allein zum Schlafen ablegen. (Frag mich immer noch, wann ich unter diesen Bedingungen – bin alleinerziehend – regelmäßig kochen, essen, duschen und sonst meiner Körperpflege nachgehen soll, von Hobbys mal ganz zu schweigen… das alles frustriert mich extrem)

    Daher folgende 2 Fragen:

    – Wie kann ich meine Süße darin unterstützen, von ihrem Goldi-Kautschukstöpsel wieder loszukommen, ohne dass sie mir wieder permanent an der Brust hängt? (Sie trinkt und isst zum Glück gut, ist für ihr Alter bzgl. Größe und Gewicht wohlproportioniert). Sie hatte bis zum Beikoststart (von ihr bestimmt, großes Interesse an allem, was Mama aß), trotz Schnuller noch sehr lange einen 2h Rhythmus rund um die Uhr.

    – Sie soll möglichst noch ein Geschwisterchen bekommen (sofern sich in den nächsten Jahren ein passender Partner finden sollte) – falls auch dieses in den ersten Wochen dauerstillen will und ich dadurch extremst an meine Grenzen komme, wie kann ich damit diesmal schlauer umgehen?

    Ihre Seite hat mir in den letzten Monaten unendlich oft weitergeholfen – tausend Dank dafür!
    Hab sie auch meiner Hebamme, meiner Schwester und im Freundeskreis allerwärmstens weiterempfohlen.

    Herzlichst,

    Sarah

    • Hallo Sarah,
      vielen Dank für das Feedback und fürs Weiterempfehlen. 🙂

      Ich kann hier im Kommentar keine individuellen Empfehlungen aussprechen.
      Hier finden Sie eine Möglichkeit, um Ihrer Tochter den Schnuller beim Einschlafen wieder abzugewöhnen.

      Was Sie bei einem zweiten Kind anders machen können, kann ich leider auch nicht so einfach beantworten.
      Dauernuckeln kann viele verschiedene (und auch mehrere gleichzeitige) Gründe haben, wie etwa eine traumatische Geburt, eine geringe Milchmenge, eine suboptimale Anlegetechnik, gestörter Milchspendereflex, aber auch zu viel Milch, Stress und einiges mehr.
      Ich vermute, bei Ihnen war es wahrscheinlich zu viel Milch, dazu finden Sie hier Tipps. Aber vielleicht kam auch noch etwas anderes hinzu.

      Außerdem kann es mit einem nächsten Kind auch ganz anders laufen, da auch das Wesen und das Saugverhalten des Kindes eine wichtige Rolle für die Stillbeziehung spielen.

      Ganz wichtig in den ersten Wochen ist auch immer gute Unterstützung und Entlastung durch den Partner oder andere Personen, damit die Erfüllung der Bedürfnisse eines neugeborenen Babys nicht nur auf der Mutter alleine lasten, so wie es bei Ihnen ja offenbar der Fall war/ist. Ohne Unterstützung mit Haushalt etc. kommt es da einfach sehr schnell zur Überforderung, selbst mit einem Baby, das nicht so häufig stillen möchte.

      Machen Sie sich also jetzt mal noch nicht so viele Gedanken über die Zukunft! Wenn Sie mit dem zweiten Kind schwanger sind, ist immer noch genug Zeit in einem persönlichen Beratungsgespräch mit einer Stillberaterin zu klären, woran es denn gelegen hat und was Sie ggf. anders machen könnten.

      Genießen Sie jetzt erst einmal das Leben mit Ihrer kleinen Tochter.

      Herzliche Grüße,
      Regine Gresens

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.