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Es geht nicht wirklich um die Milch!

Originaltext: "It's Not Really About The Milk" von Diane Wiessinger, MS, IBCLC
Sie werden es am Anfang noch nicht "verstehen" können. Denn zu Be-ginn dreht sich beim Stillen alles um die Anlegetechnik, Stillposition, Zeiten, Schlucken, wunde Brustwarzen; und Sie haben dabei das Ge-fühl, als ob sich Ihr gesamtes Leben auf das Ernähren des Babys reduziert hat. Aus Ihrer Perspektive sind diejenigen von uns, die es genossen haben unsere Kinder zu stillen, auf der anderen Seite einer riesigen, emotionalen Kluft.
Was auf der anderen Seite ist, können wir nicht mit Worten vermitteln, wir können Ihnen nur helfen über die Brücke zu kommen, so dass Sie es selbst sehen können. Wenn Sie dort bleiben, gefangen in der Vor-stellung, Stillen sei nur eine Ernährungsmethode, können Sie diese Brücke vielleicht nie ganz überqueren. Ach, wenn Sie die Aussicht von der anderen Seite nur sehen könnten! … Wenigstens sollten Sie er-fahren, dass es sie gibt.
 
Diejenigen von uns, die es "erfahren" haben, würden sich nicht schul-dig fühlen, wenn wir unser nächstes Kind nicht stillen könnten.
Nein, es würde uns quälen.
"Schuld" heißt, dass man sich schlecht fühlt, weil man für jemanden etwas nicht getan hat, was man hätte tun "sollen". Egal, ob man es selbst gern getan hätte oder nicht.
"Qual" hingegen bedeutet, dass man selbst großen Schmerz und Trauer verspürt, so als ob einem ein Stück von sich selbst weg ge-rissen wurde.
 
Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich fortbewegen, indem Sie Ihr Kör-pergewicht nach links verlagern, dann Ihr rechtes Bein vorwärts bewe-gen, das Knie zu Beginn leicht gebeugt, dann allmählich gestreckt. Die rechte Ferse setzt auf, während Sie sich auf den Ballen Ihres linken Fußes abheben. Ihren linken Arm schwingen Sie vorwärts synchron im Wechsel mit dem rechten zurück schwingenden Arm. Dann führen Sie den ganzen Prozess erneut spiegelbildlich aus für den nächsten Schritt. Kein Spaß, nicht einfach, nicht anmutig, nichts, was Sie weiter üben möchten. Dann stellen Sie sich nun die Leichtigkeit und Freude von ein-fachem … "Laufen" vor. Und jetzt stellen Sie sich vor, jemand würde Ihnen sagen, Sie müssten es aufgeben. Was würden Sie empfinden? Schuld? Oder Qual?
 
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Ich wünsche mir, ich könnte Ihnen vermitteln, was für eine einfache, selbstverständliche, überwältigende, köstliche Freude es für mich war, meine Kinder zu stillen. Nachdem ich es einmal "verstanden" hatte, habe ich sie nicht mehr "gefüttert", ich habe mir keine Gedanken mehr über die Abstände gemacht, ich habe nichts unterdrückt. Wir haben gestillt, wenn sie es wollten und wenn ich es wollte - sogar nur, um sie ruhig zu halten, während ich telefonierte. Nachts war das Stillen ein stilles Erholen vom Durcheinander des Tages. Nicht immer, aber wie eine Mutter einmal sagte: "Natürlich bereitet es Umstände zu stillen. Aber es bereitet nun mal Umstande Mutter zu sein." Stillen war eine fundamentale, essentielle Verbindung zwischen uns und machte alles andere - von den Windeln des Neugeborenen bis zu den Trotzaus-brüchen des Zweijährigen - viel, viel einfacher. Hinzu kommt noch, dass die Erfahrung das perfekte Zentrum des Universums für einen anderen Menschen zu sein, das Selbstvertrauen jeder Mutter ungemein stärkt.
 
Kann man die gleiche Bindung durch Flaschenfüttern erreichen? Nein. Denken Sie daran, dass eine stillende Mutter einen besonderen Hor-monstatus hat. Ihr ganzer Körper reagiert auf ihr Baby in einer Weise, die bei einer Flaschennahrung fütternden Mutter, einem Babysitter oder einem Vater nicht möglich ist. Ihr Säugling erhält all seine Kalorien immer in einer ganz-körperlichen-voll-mundigen, Haut-auf-Haut-Um-armung, von seiner geliebten Mutter. Ihr älteres Kind kommt später zu ihr um seine größeren Kümmernisse jeder Art gelindert zu bekommen, auf eine einfache Weise, nämlich durch das Stillen.
 
Stillen ist die erste Beziehung eines Neugeborenen und es ist von der Natur vorgesehen, dass sie die ersten Jahre des Kindes dauert. Als Gesellschaft, sagen wir uns selbst immer wieder - ohne Beweise - dass die Abwesenheit dieser fundamentalen menschlichen Beziehung keine Langzeitauswirkungen für die Mutter, das Kind, die Familie oder die Gesellschaft hat.
 
Ich habe bisher in jeder Alterstufe Freude an unseren Kindern gehabt - und sie sind jetzt junge Erwachsene. Ihr Vater und ich haben das Ge-fühl, wir haben nach den ersten zehn Jahren keine wirklichen Eltern-pflichten mehr ausüben müssen, wir konnten uns einfach zurücklehnen und uns an ihnen freuen. So etwas ist heute in Amerika eher unge-wöhnlich. Hängt es vielleicht zum Teil mit unserem Start in eine lange, luxuriöse Stillbeziehung zusammen? Ich denke schon.
Und wie jede Frau, die die andere Seite der Brücke erreicht hat, hoffe ich eine Hand zurückstrecken zu können, um anderen herüber zu hel-fen. Die Sicht von hier ist durch nichts zu ersetzen!
 
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Juli 2004

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