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Stillen und Arbeiten
Originaltext: "Working and Breastfeeding" von Diane Wiessinger, MS, IBCLCFrauen haben schon immer Arbeiten und Stillen miteinander verbun-den. Sie können es auch.
Nehmen Sie sich, wenn möglich, wenigstens sechs Wochen, um sich voll und ganz auf Ihr Baby und das Stillen zu konzentrieren. Je länger Sie Ihre Rückkehr zur Arbeit hinausschieben können, desto einfacher wird es für Sie beide sein!
Zeitpunkt
Denken Sie darüber nach. Ihr Baby braucht Sie während seines ersten Lebensjahres am meisten und es ist eine Phase, die nie wieder kehrt.
Könnten Sie sich für einige Zeit beurlauben lassen?
Nehmen Sie ein Darlehen auf? Manche Mütter fragen nach einer vorge-zogenen Erbschaft oder einem Darlehen von ihrer Familie, da der Be-darf in dieser Zeit so groß ist und in allen späteren Jahren gibt es viel-leicht keinerlei Bedarf mehr.
Oder könnten Sie eine Zeitlang auf Teilzeit gehen - entweder für ein paar volle Tage oder fünf halbe Tage in der Woche?
Bleibt von Ihrem Einkommen wirklich genug übrig, nachdem Sie die Mehrkosten für Tagesbetreuung, Transport, Kleidung, Fertiggerichte und die zusätzliche Arbeit und Sorgen wegen der Trennung von Ihrem Baby abgezogen haben?
Könnten Sie Ihr Baby einige Monate in Voll- oder Teilzeit mit zu Ihrem Arbeitsplatz nehmen?
Kann ein Teil der Arbeit zu Hause gemacht werden? Selbst Mütter mit den unflexibelsten Arbeitsbedingungen finden oft überraschende Mög-lichkeiten Arbeit und Muttersein miteinander zu verbinden.
Wenn Sie wieder anfangen zu arbeiten, starten Sie möglichst an einem Donnerstag, und nehmen Sie sich in den nächsten ein bis zwei Wochen am Mittwoch frei. Auf diese Weise, werden Sie nicht länger als zwei Tage hintereinander arbeiten, während Sie beide sich an die neue Routine gewöhnen.
Ausrüstung
Suchen Sie sich eine Möglichkeit die Brust zu entleeren, die Ihnen zu-sagt. Sprechen Sie mit stillenden Freundinnen, Stillgruppen oder einer exa-minierten Still- und Laktationsberaterin IBCLC.
Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile.
Das Entleeren von Hand ist kostenlos und benötigt keine Ausstattung, aber es braucht dazu etwas Übung und Konzentration.
Handpumpen sind leicht zu transportieren, aber brauchen ebenfalls Konzentration und werden wahrscheinlich nicht so viel gewinnen, wie eine Mietpumpe.
Kleine elektrische Pumpen haben nicht die Saugstärke von Mietpumpen und können eventuell nicht beide Brüste zur gleichen Zeit abpumpen.
Mietpumpen sind effizient, bequem und Sie können damit meist einfach beidseitig pumpen, aber sie sind sperrig und benötigen in der Regel einen Stromanschluss.
Wenn Sie mehrere Monate pumpen werden, kostet eine Mietpumpe et-wa 1,50 € pro Tag (verglichen mit etwa 3 € für Säuglingsnahrung plus zusätzlicher Arztrechnungen) und vielleicht können die Kosten auch mit einer stillenden Kollegin geteilt werden.
Nehmen Sie keine Pumpen von Firmen, die vorwiegend Produkte herstellen, die nichts mit Stillen zu tun haben; ihr Ruf hängt nicht von der Qualität ihrer Pumpen ab und die Qualität ist wahrscheinlich für Sie nicht gut genug.
Kinderbetreuung
Bevor Sie zur Arbeit zurückkehren, suchen Sie nach einer unterstüt-zenden Betreuungsperson, deren Betreuungsstil zu Ihrem passt - eine Person, die Ihr Baby so viel wie möglich im Arm hält und es am Körper trägt, besonders während der Mahlzeiten, die Ihre Milch geben wird und Sie fragt, bevor sie irgendetwas anderes anbietet, die flexibel ist und die es vermeidet, Ihrem Baby eine große Mahlzeit zu füttern kurz bevor Sie wieder da sind. Manche Mütter bevorzugen eine Betreuung in der Nähe ihres Wohnor-tes; andere suchen jemanden in der Nähe ihres Arbeitsplatzes. Wenn Ihre Betreuungsperson mit Ihrem Baby nicht nach draußen geht, stel-len Sie sicher, dass Sie selber ein paar Mal in der Woche mit ihm raus-gehen; auch um nur ein paar Besorgungen zu machen; es benötigt direktes Tageslicht auf die Haut für seine körpereigene Vitamin-D-Produktion.
Entleerung der Brüste
Können Sie in der Pause zu Ihrem Baby gehen, um es zu stillen? Kann das Baby Ihnen zum Stillen gebracht werden, entweder von dem Babysitter oder von jemand anderem?
Hätten Sie lieber zwei kürzere Pausen oder eine lange Mittagspause?
Um soviel Milch bereit zu stellen, wie Ihr Baby braucht, werden Sie Ihre Brüste während einem ganzen Arbeitstag wahrscheinlich zwei- bis dreimal entleeren müssen. (Manche Mütter pumpen am liebsten gleich morgens nach dem Aufstehen eine Brust ab, so dass sie schon mal eine Flasche Muttermilch haben.)
Wenn Ihr Baby älter wird, zieht es vielleicht auch vor, auf Sie zu war-ten, statt eine Flasche mit abgepumpter Muttermilch zu trinken.
Die meisten Babys werden in der Nacht öfter stillen - das ist ihre Me-thode, die fehlende, gemeinsame Zeit mit Ihnen während des Tages auszugleichen - also, machen Sie ein Mittagsschläfchen oder gehen Sie abends früher ins Bett, um Ihr eigenes Schlafbedürfnis zu befriedigen. Ihre gesamte Milchmenge hängt stärker davon ab, wie oft Sie zu Hau-se stillen, als davon, wie oft Sie bei der Arbeit pumpen.
Scheint Ihr Baby immer mehr und mehr Milch zu brauchen, während Sie weg sind? Probieren Sie erstmal seine Mahlzeiten irgendwie zu ver-längern; es sucht wahrscheinlich nach mehr Zeit zum Saugen, nicht nach mehr Kalorien.
Bleiben Sie flexibel, das Verhalten Ihres Babys wird sich wieder ändern.
Aufbewahrung der Milch
Beginnen Sie damit kleine Mengen Milch im Gefrierschrank aufzube-wahren, sobald es Ihnen gut möglich ist. Viele Mütter stellen fest, dass es am Morgen am einfachsten ist, zu-sätzliche Milch abzupumpen, vielleicht können Sie an einer Seite an-legen und dabei an der anderen Seite pumpen.
Die abgepumpte Milch kann in jeder Art von sauberem Behälter oder Gefrierbeutel eingefroren werden.
Falls Sie Beutel benutzen, bewahren Sie diese zusätzlich in einem großen Behälter auf, um sie vor Beschädigungen und Gerüchen zu schützen. Sie können sie zu bereits gefrorener Milch hinzu gießen, wenn die neue Milch kalt ist, aber das Aufbewahren in kleinen Mengen (am Anfang nicht mehr als 50 ml) erleichert es Ihrem Babysitter nur soviel aufzutauen, wie erforderlich ist, so dass weniger Reste bleiben.
Beschriften Sie die Milch mit dem Datum und stellen Sie den Behälter an die Rückwand des Gefrierschranks, wo die Temperatur am kältes-ten ist.
Am Arbeitsplatz pumpen die meisten Mütter am Montag ihre Milch für die Mahlzeiten am Dienstag ab, am Dienstag für Mittwoch, und so wei-ter. Sie stellen sie auf der Arbeit in den Kühlschrank oder in eine Kühl-box, bis sie zu dem Babysitter gebracht wird. Die Milch vom Freitag wird für den nächsten Montag aufgehoben und während des Wochen-endes pumpen sie überhaupt nicht.
Muttermilch kann mehrere Tage im Kühlschrank oder mehrere Monate im Tiefkühlschrank aufbewahrt werden. Die älteste Milch sollte als ers-tes verwendet werden.
Manchmal tritt durch das Einfrieren ein "seifiger" Geruch bei der Milch auf, der aber das Baby selten stört.
Muttermilch sollte unter fließendem, warmen Wasser aufgetaut werden, nicht in einem Kochtopf oder in der Mikrowelle, danach muss sie ge-schüttelt werden, um sie wieder gut zu mischen.
Wenn Sie das Gefühl haben, Ihre Milchmenge sollte gesteigert werden, fühlen Sie sich frei, ein paar Tage zu Hause zu bleiben und sehr viel zu stillen. Schließlich gibt es für Sie im Moment wichtigeres als 100%ige Anwesenheit bei der Arbeit!
Rufen Sie eine Stillberaterin der LLL oder AFS oder eine examinierte Still- und Laktationsberaterin IBCLC an, wenn Sie Fragen haben.
Zufütterung
Einige Mütter kombinieren Stillen und Formula (industrielle Flaschen-nahrung). Bedenken Sie, dass das Füttern selbst einer kleinen Menge Formula in den ersten Monaten das Verdauungssystem des Babys verändert und die Vorteile der Ernährung mit Muttermilch verringert.
Andererseits, auch ein kleines bisschen Muttermilch verbessert die Ernährungssituation und Gesundheit eines überwiegend mit Formula ernährten Babys.
Das Füttern von Formula reduziert Ihre Milchmenge und kann dazu führen, dass Sie früher abstillen, als Sie vorhatten. Aber selbst ein- oder zweimaliges Stillen pro Tag bedeutet eine unersetzbare "Impfung" für Ihr Baby - was besonders in der Kinderkrippe wichtig ist - und eine wichtige Beziehung für Sie beide. Wenn Sie sich entscheiden müssen, Formula zu verwenden, dann ist es besser, je weniger Sie davon geben.
Flaschen
Fast jedes Baby wird nach und nach eine Flasche akzeptieren, wenn es nicht dazu gezwungen wird und wenn sie ihm von einer anderen Per-son als der Mutter angeboten wird. Die alt hergebrachten Flaschensauger sind meistens eine bessere Wahl als moderne Formen, die das Baby eher dazu bringen mit "spitzem Mündchen" zu saugen.
Warten Sie mit dem Experimentieren mit Flaschen bis Sie und Ihr Baby ein glückliches Stillpaar sind.
Flaschen sind dafür entworfen, das Stil-len zu ersetzen und manchmal tun sie es tatsächlich!
Es gibt auch andere Wege ein Baby zu füttern, z.B. mit einem kleinen Becher.
Also: falls Flaschen anfangen, Ihre Stillbeziehung zu zerstören, wenden Sie sich an eine Stillberaterin der LLL oder AFS oder eine examinierte Still- und Laktationsberaterin IBCLC.
Mutterschutzgesetz
Wenn Sie dabei sind, Vereinbarungen mit Ihrem Arbeitgeber zu tref-fen, erklären Sie ihm, dass Sie stillen werden, statt ihn um Erlaubnis zu fragen. Sie werden wahrscheinlich von der positiven Antwort überrascht sein.
Fast alle Länder erkennen das Recht einer Mutter an, bei ihrem Baby zu bleiben.
Die amerikanische Akademie der Kinderheilkunde (AAP) empfiehlt aus-schließliches Stillen für etwa 6 Monate und eine Fortsetzung des Stillens bis mindestens 1 Jahr.
Die Innocenti Deklaration, die von den USA und anderen Ländern 1990 unterzeichnet wurde, konstatiert, dass "…allen Frauen ermöglicht wer-den sollte, ausschließliches Stillen zu praktizieren und alle Säuglinge sollten ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden, von der Geburt an bis zum Alter von 6 Monaten.
Danach sollten Kinder bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hin-aus weiter gestillt werden, während sie adäquate und altersgerechte Beikost erhalten.
Dieses Ideal der Kinderernährung soll durch die Schaffung einer ange-messenen Atmosphäre von Bewusstheit und Unterstützung erreicht werden, so dass Frauen in dieser Weise stillen können…
Alle Regierungen … sollten erlassene, einfallsreiche Gesetze haben, die das Recht von berufstätigen Frauen auf Stillen schützen sowie aner-kannte Mittel für deren Umsetzung bestimmen."
Es ist Ihr gutes Recht, Ihr Baby zu stillen. Falls Sie Hilfe brauchen, um dieses Recht zu schützen, wenden Sie sich an Ihren Arzt, eine Stillberaterin der LLL oder AFS oder eine examinierte Still- und Laktationsberaterin IBCLC.
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, Februar 2005
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